Niccolò Ammaniti
Wie es Gott gefällt

Die Geschichte ist aufgegliedert in diese Kapitel:
Prolog
VORHER
Freitag
Samstag
Sonntag
DIE NACHT
DANACH
Montag
Dienstag
Mittwoch

"VORHER"
"HERR, wenn ich auch mit dir rechten wollte, so behältst du doch Recht; dennoch muss ich vom Recht mit dir reden. Warum geht's doch den Gottlosen so gut, und die Abtrünnigen haben alles in Fülle? Du pflanzt sie ein, sie schlagen Wurzeln und wachsen und bringen Frucht. Nahe bist du ihrem Munde, aber ferne von ihrem Herzen." >Jeremias 12, 1-2<

Im Prolog beginnt die Geschichte, und zwar damit, dass Christiano, der 13-jährige Sohn von Rino Zena, aufwacht und die Worte seines Vaters hört: ‚Wach auf!! Du weißt genau, du sollst beim Schlafen nur ein Auge zumachen. Wenn du schläfst, ficken sie dich in den Arsch'. - aber es ist doch Nacht, denkt er - - - - -
Rino weckt seinen Sohn, fordert ihn auf, den kläffenden Hund irgendwo zu erschießen. Christiano graut sich davor, macht sich aber letztendlich doch auf; er findet den Hund, der wild herumrennt, sich in seiner Leine verfangen hat und sich nicht mehr bewegen kann; unter dem Zwang, es seinem Vater Recht zu machen, erschießt er den Hund. Geht dann nachhause.
Das Verhältnis zwischen Rino Zena und seinem Sohn Christiano ist sehr eng. Mit einer abgöttischen Liebe hängen sie aneinander; eine Mutter ist nie da, sie hat Rino schon lange verlassen. - Sie hausen in einem verwahrlosten Haus. Der Vater redet so lange auf den Sohn ein, bis der seinen Schulbus verpasst.
Eine total verrückte Situation: "Christiano sah auf die Uhr -zu spät. Der erste Bus war schon weg. ‚Ach komm, ich muss los'. - ‚Okay, aber erst gibt's du dem einzigen Menschen, den du je geliebt hast, einen Kuss.'
Rino und sein Sohn sind befreundet mit Danilo, täglich in der Bar rumsitzend und träumend vom großen Geld und seiner ihm weggelaufenen Frau, Quattro Formaggi, den Rino einst im Waisenhaus gerettet hat. Quattro Formaggi ist sein Spitzname, er ist behindert, seit er einen Stromschlag bekommen hatte. Ähnlich eines Quasimodo läuft er rum, von den meisten verachtet oder verspottet, nur Rino und Danilo halten zu ihm, sind seine Freunde. Besonders Christiano und er sind die besten Freunde.
Während Rino und Christiano in einem zweistöckigen, ihnen überlassenen Haus in der Nähe der Fabrik hausen, das nichts mit einem normalen Zuhause zu tun hat, haust Quattro Formaggi in einer Wohnung, die niemand betreten darf und die ebenso verkommen ist. - In seinem Wohnzimmer hat er eine Landschaft aufgebaut, er nennt sie Grippe. Er hat allen möglichen Kram gesammelt und vervollständigt täglich seine Landschaft. - Aber wenn das jemand sehen würde, käme er ins Irrenhaus, also lässt er niemand in seine Wohnung. -
Nur Danilo wohnt einigermaßen normal. Danilo hat einen Plan ausgeheckt, wo sie zu dritt mit einem Traktor oder ähnlichem den Bankautomaten der Bank ausrauben wollen. Einfach die Wand einrennen, den Automaten leeren, das war's, und sie wären reich. Er könnte endlich seiner entlaufenen Frau das bieten, was er meint, ihr bieten zu müssen, um sie dazu zu bewegen, wieder zu ihm zurückzukehren.
Jetzt folgen im Wechsel die Tage, wie sie bei den drei, bzw. vier Protagonisten ablaufen.
Kleines Beispiel:
"Nachdem Christiano das Haus verlassen hatte, war Rino Zena noch einmal erschöpft eingeschlafen. Als er aufwachte, waren das Pfeifen in den Ohren und der schmerzende Ring um seinen Kopf wie durch ein Wunder verschwunden. Stattdessen hatte er einen Mordshunger. - Er lag im Bett und stellte sich gerade einen Teller mit verbrutzelten Würstchen und einem ordentlichen Stück Brot dazu vor. Sein Schwanz war steif und seine Hoden so dick und prall wie hart gekochte Eier. - ‚Wie lange habe ich eigentlich nicht gefickt?' - Mindestens zwei Wochen. Aber wenn er Kopfschmerzen hatte, war Vögeln wirklich das Letzte, was ihn interessierte. ‚Heute Abend gehe ich auf Strafexpedition' dachte er, während er aufstand und nackt zum Klo ging. Sein Schwanz stand so stramm wie der Bugspriet eines Segelschiffs. - Rino Zena hatte im Leben reichlich Probleme, doch zum Vögeln oder zum Verprügeln fand er immer jemanden…………"
Und er hasste die heuchlerische Freundlichkeit der Moderatoren im Fernsehen
"…………….wenn sie so taten, als wären sie entrüstet. Wenn sie einander in den Arsch krochen wie Hunde im Park. Er hasste die Streitgespräche, die gerade mal so lange dauerten wie ein Furz. Er hasste die Hilfsaktionen für Kinder in Afrika, weil doch auch Menschen in Italien hungerten. Aber am meisten verachtete er die Frauen. Nutten mit Titten so groß und rund wie Grapefruits, aufgespritzten Lippen und operierten Einheitsgesichtern. - Da quatschen sie so viel von Gleichberechtigung, aber was ist das für eine Gleichberechtigung, wenn die auftraten wie ein Haufen hirnloser Wichsvorlagen? Die ließen sich von irgendeinem Mistkerl, der dort etwas zu sagen hatte, flachlegen, nur damit sie von zu Hause wegkamen und auf der Straße erkannt wurden. Für ein bisschen Erfolg würden diese Weiber doch über die Leiche ihrer eigenen Mutter gehen……….."

Rino besitzt ein Auto, Quattro Formaggi ein Moped, eine Boxer, Danilo einen normalen PKW <
Ein weiterer Protagonist ist der Sozialarbeiter, der Rino und Christiano von Zeit zu Zeit besucht, um zu kontrollieren, ob alles in Ordnung ist und ob das Sorgerecht bei dem Vater bleiben kann.

Dann gibt's noch einige Jugendliche, die die gleiche Schule wie Christiano besuchen, zwei Mädchen, beide der sozusagen geordneten Mittelschicht angehörend, die eine sehr verwöhnt und sehr reich, die andere hat zwar nicht ganz so reiche Eltern, aber bürgerlich hausend. Fabiana fährt einen schicken Roller und verbringt sehr viel Zeit bei ihrer Freundin. Sie kiffen, treiben sich herum, haben die neuesten Kleider, verkehren mit den Jungs aus reichen Elternhäusern. -

Jetzt aber zu dieser verhängnisvollen Nacht. Ein Unwetter tobt über diese Gegend in Italien, Stürme, Wassermassen, alles gerät durcheinander, Bäume werden auf die Straßen geschleudert, der Fluss tritt über die Ufer, also ein riesiges Chaos.

Der Coup, den Danilo vorgehabt hatte, scheitert, seine beiden Kumpane erscheinen nicht. Rino hat Angst bekommen, will nicht mehr, traut sich aber nicht abzusagen, Quattro Formaggi hat eine Auseinandersetzung, kommt auch nicht. Sie können sich auch per Handy nicht untereinander verständigen, sie haben keine Verbindung, aus den verschiedensten Gründen; es ist ja viel geschehen, und zwar bei allen, aber das lasse ich jetzt mal weg.
Also Danilo sitzt da und wartet vergeblich, Rino liegt zuhause nach einem Intermezzo mit einer Frau, Christiano schläft.

Diese ganz eigene Geschichte, die nur sekundär mit allem was zu tun hat:
Der Sozialarbeiter Beppe Treccia hat sich mit der Frau seines besten Freundes verabredet, und zwar im Wohnmobil seines Freundes, und er sitzt dort und wartet auf seine Heißgeliebte……hat alles mögliche gerichtet, aber in dem Wohnwagen stinkt es grauenhaft nach Scheisse …… - Er wartet und wartet, und dann endlich kommt sie……. - und sie haben eine verrückte Liebesnacht. Aber dann kommt der Sturm, der den Campingplatz, das Wohnmobil und alles total aufmischt. Während sie zugange sind, wird das Dach des Wohnmobils weggerissen, nackt finden sie sich in einem Chaos wieder.. ….
Danach fahren sie endlich nachhause, mit der Verabredung, dem Mann die Trennung von seiner Frau mitzuteilen, und mit der Zusicherung der Frau, zu Danilo zu kommen, mit ihm ein neues Leben anzufangen. - - - - Da fährt er auf der dunklen Straße, mitten im Sturm, und überfährt, oder meint es nur, jemand. Er stößt zurück, guckt, und ein Schwarzer liegt da. Er denkt der ist tot. - Und betet: wenn dieser Mann nicht tot ist, wird er ein Gelübde ablegen, seine neue Heißgeliebte nie mehr zu treffen…… - Als der Schwarze dann plötzlich zu seinem Rückfenster guckt, gar nicht tot, meint er, Gott habe ein Wunder vollbracht und sieht sich jetzt in der Pflicht, seine Heißgeliebte zu verlassen……- Und er muss sein Gelübde schließlich halten… da gibt's nichts…. -

Während dies geschah, war Quattro Formaggi mit seiner Boxer (Moped) unterwegs. - Gleichzeitig hatte sich Fabiana mit ihrem Roller noch sehr spät auf die Heimfahrt gemacht. - Fährt durch den Wald, wo Quattro Formaggi ihr folgt……. in seinem Wahn …………………… bis hierhin.
Aber ein kleiner Auszug: "'Der würde nie hart' Fabiana Ponticelli kam es so vor, als seinen Stunden vergangen, aber dieses Ding blieb einfach weich wie eine tote Schnecke. Es war, als löst er sich in ihrer Hand auf wie ein Stück Butter. ‚Langsamer, langsamer. bitte.' Sie hätte es gerne getan, aber noch langsamer ging es….. ‚Nein, press ihn zusammen. Fest. Ganz fest. Zieh an ihm' Was soll das, erst langsam, und jetzt….doch sie gehorchte. Irgendwann…………"

Jetzt kommt auch Rino ins Spiel, aber wie und warum und näheres erspare ich mir jetzt, wird ausführlich und total verrückt erzählt. Es gibt fatale Irrtümer, verrückte Situationen, dazwischen dann die Situation, wo Danilo schließlich den Coup alleine durchziehen will, in seinem Auto sitzt und den Schlüssel nicht hat. Den hatte er nach dem Unglück mit seiner Tochter in den Fluss geworfen…… das fällt ihm jetzt ein, er klettert die Böschung runter, und findet wie durch ein Wunder den Schlüssel….

Im Kapitel DANACH wird dann geschildert, wie das Unwetter gewütet hat, wie eine Leiche im Fluss gefunden wird, wie Rino im Koma im Krankenhaus liegt, wo Christiano ihn besucht, nachdem er ihn gerettet hat………… und letztendlich noch der Sozialarbeiter, der aufgrund einiger Vorkommnisse sich seines Gelübdes entledigt glaubt………. Alles verwirrend? - - Nein, alles ganz klar, nur in meiner kurzen Zusammenfassung kann nicht auf alles eingegangen werden.

Eine lustige Geschichte, die von Beppe erzählt, möchte ich aber unbedingt hier zitieren: (Er arbeitete für eine gute Sache irgendwo, die Arbeit war mörderisch schwer……….
"Am Tag des Unfalls hatte er den ganzen Morgen, verfolgt von Fliegen, unter der tyrannischen Aufsicht Pater Iaksos Betonsteine abgeladen. Endlich kam die Essenszeit. Er hatte einen Eintopf hinuntergeschlungen, in dem Fleischstücke schwammen, die wie Holzspäne aussehen. Um den Geschmack des Knoblauchs loszuwerden, wollte er ein Pfefferminz lutschen. Als er das Päckchen in seiner Hosentasche suchte, stellte er fest, dass sie ein Loch hatte, und die Bonbons ganz unten in seine Hose gerutscht waren. Er hatte sich mit einer Hand an dem Betonmischer abgestützt und ein Bein geschüttelt, damit sie herausrutschten und auf den Boden fielen. Ein unmenschlicher Schrei durchbrach die Stille der Savanne. Beppe konnte grade noch den Kopf drehen, da sah er, wie Pater Italo hochhüpfte und ihn dabei mit einem Schaufelhieb in die Nieren traf. Der Sozialarbeiter war umgefallen wie ein Stein, während der Dominikaner schrie: ‚Stellt sofort den Strom ab!! Er hat einen Schlag bekommen! Er hat einen Schlag bekommen!! Stellt ihn sofort ab!!..........."

.....und als Beppe unterwegs ist und den Pater trifft: "Ist etwas mit ihrem Wagen? - Die Riesenviecher streckten ihre Schnauzen nach vorne, als wollten sie sehen, wer der Typ war, und sabberten ungehemmt auf den Fahrersitz. - "Isolde!!! Tristan!!! Aus!!! Platz!!" brüllte der Mönch, dann wandte er sich wieder Beppe zu…………"

Die Geschichte geht natürlich weiter, einiges habe ich hier angeführt und um ein ungefähres Bild über den Inhalt der Geschichte zu zeichnen, reicht das - denke ich mal - . Und über das Ende schweige ich mich auch aus…..

 

 

Niccolo Ammaniti wurde 1966 in Rom geboren, wo er auch heute lebt. Sein 2003 erschienener Roman "Ich habe keine Angst" wurde von Gabriele Salvatores verfilmt.

Für seinen Roman "Wie es Gott gefällt" wurde Niccolo Ammaniti mit dem Premio Strega 2007 ausgezeichnet.

Die Übersetzerin Katharina Schmidt, geb. in Berlin, studierte Theaterwissenschaften, Italienisch und Musiktheater, Regie, in Hamburg und Erlangen. Sie lebt in Frankfurt und übersetzt für einige Verlage aus dem Italienischen.

 

 

 

Buchdaten

Verlag: Fischer
2008
Seitenzahl: 496
Deutsch
ISBN-13: 9783100008268
ISBN-10: 310000826X

 

 

 

Klappentext:
Rino und Cristiano Zena, Vater und Sohn, leben in einem heruntergekommenen Haus am Rande der Stadt. Cristiano ist dreizehn und soll ein harter Kerl werden, wie sein Vater. Rino ist ohne Job, meist ohne Geld und voller Wut auf die da oben. Doch er liebt seinen Sohn und behandelt ihn mit rauer Zärtlichkeit. Ohne ihn könnte er nicht leben. Entschlossen, sich nicht unterkriegen zu lassen, schlagen beide sich durchs Leben, gemeinsam mit zwei Freunden, die auch nicht gerade vom Glück verfolgt werden.

 

In einer einzigen Nacht, in der ein Unwetter die Landschaft verwüstet, fordern sie ihr Schicksal heraus und hoffen, dass Gott auf ihrer Seite ist. Doch danach ist nichts mehr so, wie es einmal war...

Meine abschließende Meinung
Der Autor ist mit Recht ein viel gelesener, viel gerühmter, mit Ehren bedachter Autor. Sein Abtauchen in die untersten Schichten in dieser italienischen Gegend ist geprägt von Einfühlungsvermögen, und wohl auch von realen Kenntnissen. Ob es um die saufenden, hurenden, gewalttätigen Figuren geht, permanent vorhandene Aggressionen, der Autor lässt nichts aus.

Er malt ein Szenenbild dieser Schicht, aber in derart spannender, humoriger, aber niemals herabwürdigender Weise, versteht es, den Leser hineinzuversetzen, gestaltet seine Protagonisten liebevoll mit allen prägnanten Einzelheiten, immer den Menschen im Vordergrund, mit seinen ihm eigenen Verhaltensweisen, Gedankengängen, Planungen, aber auch seine Wohnverhältnisse, seine Umgebungen.
Die Auswahl der Freunde, der Zusammenhalt dieser Gruppe. Auch wenn man sich als Leser gar nicht hineinversetzen kann, z.b. in die Art, wie diese drei oder vier oder fünf oder auch mehr Leute leben, schafft er es dennoch, das nicht abzubewerten, sondern einfach als Studie zu begreifen, wie Menschen eben leben können, und vor allem wo auch Menschlichkeit da ist - ja, auch das!!! -------------
In ihrer rohen, sehr direkten, rauen Art haben sie dennoch ein Gewissen, auch wenn sie vordergründig ganz schlimme Sachen anstellen. - Z.B. wie der Vater dem Sohn Verhaltensweisen bildhaft ‚einprügelt' ---ihm klar macht, dass nur so das Leben geht, rau, grob, auch mit Gewalt….der Vater will den Sohn ja nur rüsten, für das Leben, das ihn sehr vermutlich erwartet. Diese innige Liebe zwischen Vater und Sohn, ist trotz ihrer Brutalität verständlich vom Autor dargestellt.

Wie diese einzige Nacht, die alles gipfeln lässt in Grauen, auch Verbrechen, aber auch die Unbedarftheit der Protagonisten, alles verändert, - das versteht der Autor hervorragend zu beschreiben.

Mag die ganze Geschichte vordergründig spektakulär, witzig, humorvoll erscheinen, ist dennoch eine große Dramatik impliziert, und die Verbindung der einzelnen Geschichten der Protagonisten sind meisterhaft aufeinander abgestimmt, greifen ineinander, berühren sich.
Und da alle einzelnen Geschichten sich in einem permanenten Spannungsbogen zeigen, liest man das Buch mit Begeisterung, kann es nur schlecht weglegen, wenn man z.B. müde wird….. um am nächsten Abend wieder erwartungsvoll zu diesem Buch zu greifen, um diese rundum spannenden Geschichten weiter zu verfolgen, weil man ja ein Ende sehen will, ein gutes Ende.

Kurzum: Ich war zufrieden mit dem Ergebnis. Was nicht heißt, dass es ein Happyend gibt…..in gewisser Weise schon, aber das will ich auch offenlassen. Weil:
Dieses Buch muss man einfach lesen!! -
Es bringt sehr viel, ist spannend, interessant, aber rauch tiefsinnig.