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Von mir interpretierter Inhalt:
Moses Mandelbaum ist der Protagonist. Versicherungsmakler, der nebenbei
in einem Lokal kocht und der nebenbei auch in einem Verlag saubermacht.
Weil sein Geld nicht reicht.
Er sitzt nach Feierabend an der Theke, ein Mann sitzt neben ihm,
der ihn mit einer sehr schönen Stimme anspricht. Auch die Frau an
der Theke, die die Gäste bedient, ist sehr beeindruckt von dieser
Gestalt.
Diese Gestalt ist ein Engel. (Erzengel Gabriel) Und er fordert Moses
Mandelbaum auf, mit ihm nach draußen zu gehen und mit ihm zu fliegen.
Wenn er nur wolle, dann könne er das auch. Und breitet die Arme
aus, schwingt sich in die Lüfte und fliegt. Mandelbaum macht es
ihm nach, und auch er kann fliegen.
Sobald die beiden fliegen, sind sie für die anderen Menschen nicht
mehr sichtbar. Der Engel sagt zu Mandelbaum, dass er einen besonderen
und sehr wichtigen Auftrag hat. Den er einfach erfüllen muss. Er
soll nach Israel fliegen und dort bekäme er weitere Anweisungen.
Ich habe das jetzt alles sehr gerafft.
Mandelbaum ist verheiratet, hat zwei Kinder; und er muss ja irgendwie
seiner Familie klarmachen, warum er kurz mal nach Israel verschwindet.
-
Er fliegt also nach Israel, dort trifft er auch den Engel.
Zwischen vielen Erlebnissen in Israel begegnet er auch u.a.. einem
Soldaten (Itzak), der irgendwie ungewollt einen kleinen Sohn eines
Palästinensers erschossen hat und damit nicht fertig wird. Er desertiert,
und bittet Mandelbaum, einen Brief an seine Mutter zu überbringen.
- Er selbst MUSS zu diesem Vater gehen und ihm um Verzeihung bitten,
anders kann er nicht weiterleben. Und dann will er sich stellen
und eben in Kauf nehmen, verhaftet zu werden. - -
Dann trifft er auf eine Frau, Pippa, die in einem Hochzeitskleid
unterwegs ist, einfach so, um auf sich aufmerksam zu machen sie
ist auf der Suche nach dem Frieden. Sie hält Autos an, wird verwundert
gefragt, wieso sie ein Brautkleid an hat, bekommt von den Frauen
Brot und Käse und Essen, aber ihr Traum geht nicht in Erfüllung,
sie kommt nie in Tel Aviv an, wo sie Zwischenstation machen wollte
auf ihrer Reise nach Jugoslawien. Ihr Leben endet, weil jemand sie
zuerst vergewaltigt und dann getötet hat. -
Das konnte der Engel nicht verhindern; er kann nicht überall sein,
sagt er zu Moses. Aber zwei Züge, die aufeinander zufahren, die
kann er anhalten, und verhindern, dass sie zusammen
stoßen.
Alles mit einiger Komik erzählt. Auch die Geschichte mit den zwei
Zvi Katz ist interessant und - obwohl auch wieder Phantasy, durchaus
glaubwürdig - . Vor allem die Dialoge sind nicht nur witzig.
Zvi Katz: "- - - - - -Am Eingang daneben das Schild des Zahn- und
Kieferchirurgen Dr. Israel Januschewsky, VIII. Stock. Termine nach
Vereinbarung. Er lebt von Privatpatienten. Aber dieser Dr. Januschewsky
war gar nicht Dr. Januschewsky, wissen Sie. Dieser Januschewsky
heißt in Wirklichkeit jedoch Adolf Koch, und war Sanitätsunteroffizier
in einem Nebenlager von Sobibor und Zahnarztgehilfe zur besonderen
Verwendung. Den Todgeweihten die Goldprothesen zu entfernen. So
häuften sich auf seinem Tisch ungarische, serbische, griechische,
tschechische, deutsche, polnische, ukrainische Brücken, Schlösser,
Villen und Landhäuser. Gestüte. Ländereien und Wälder.
Der wirkliche Dr. Israel Januschewsky war jener Mann, der, als
er kurz vor seiner Vernichtung den Mund öffnete mit der Bemerkung
"Bitte bedienen Sie sich", den Sanitätsunteroffizier der SS, Adolf
Koch, dadurch so in Erstaunen versetzte, dass diesem der Mund offen
blieb und ihn in seiner verantwortungsvollen Tätigkeit innehalten
ließ. Eine solche Menge zu Zähnen verarbeiteten Goldes hatte er
nie zuvor gesehen. Als Krönung im wahrsten Sinne des Worts trug
Dr. Israel Januschewsky Diamantplättchen auf den Kauflächen, um
unbeschadet alles beißen zu können. Zur Erinnerung daran, und um
nach dem großen Schlachten nicht in Bedrängnis zu geraten, eignete
sich Adolf Koch Papier und Namen jenes Unglücklichen an. Um mit
dem Neubeginn der Welt als Dr. Israel Januschewsky alles Gewesene
ungeschehen zu machen. Unbeschnitten und ungestraft. Unbehelligt
und als Spezialist für besonders delikate Goldfüllungen bekannt
und beliebt.- - - -- - - -"
andere Stelle, Zvi Katz: "Wir waren, wie Sie wissen, verabredet.
Ich hatte doch diesen Brief erhalten, von einem Zvi Katz, der mich
gerne kennenlernen würde. Im Foyer des Hotels saß ein Mann mit einer
der großflächigen Zeitungen vor dem Gesicht. Aber ich war es nicht.
Ich würde mir nie gestatten, einen solchen Schwachsinn von Sportzeitung
zu lesen. Das Mädchen an der Rezeption wusste auf meine Frage nach
Herrn Zvi Katz zwangsläufig nichts zu antworten. Sie wusste nicht,
dass ich das auch sein könnte. - Sie flüchtete sich, belustigt über
den Namen Zvi, in den Büroraum und konnte ein Kichern nicht unterdrücken.
Sie hielt sich die Hände vor den Mund, im Glauben, dass ich sie
nicht hören würde. Aber ich höre sie. Manchmal sind die Weiber so.
Als sie sich beruhigt hatte, kam sie wieder an den Tresen und wischt
sich noch etwas verstohlen mit dem Taschentuch eine Träne von der
Wange. Ich ging auf und ab, vorbei an den alten, an die Wand geschraubten
Ansichten des Orts, die sich, wie aus der Regionalzeitung zu erfahren
war, nicht wesentlich geändert hatten. Der Bauassessor ein Schlitzohr.
Wieso nahm er nicht meine Erfahrung, mein Wissen, meine Kontakte
in Anspruch?
- War das eine Frage?
Na was glauben Sie, war es sonst? Woher soll ich wissen, dass er
Ihre Qualitäten nicht in Anspruch nahm? Manche Menschen sind zum
Kotzen borniert. - - - - -
Er weiß nicht, dass das mein tägliches Brot als Versicherungsmaler
ist.- - - - - - "
Gut, es sind noch dutzende Geschichten, mit und ohne Katz, aber
ich komme zum Wesentlichen.
Als er mal irgendwo warten muss, kommt ihm die Geschichte von Moses
in den Sinn, wo er aus der Wüste zurückkommt, wo er mit IHM eine
Unterredung hatte, und da er selbst nicht schreiben konnte, bekam
er von IHM eine Steinplatte, wo alles draufstand. - Und als Moses
zurückkam zu seinem Volk, fand er sie um ein goldenes Kalb trunken
tanzend vor, sie hatten allen Schmuck und alles was sie hatten geschmolzen,
um sich dieses goldene Kalb zu schaffen. - Moses war verzweifelt
und schleuderte ihnen die Tafel mit den Worten von IHM vor die Füße.
"Sie sind von diesem Gott nicht zu bekehren und ER bekehrt sie
von sich nicht. Sie sind Teil SEINES Willens, aber sie wollen IHN
nicht." - - -
Eine andere Stelle, Moses wartet auf Itzak, den jungen Soldaten,
der das Kind getötet hat. Moses hat Zweifel, der Engel zeigt sich
nicht, und er weiß nicht mal ob er sichtbar oder unsichtbar ist.
Es ist sehr heiß, er guckt den Schafen zu, "Ich weiß wie nicht,
wie lange das Knistern trockener Zweige schon zu hören ist, Irgendwann
wird mir -zwischen Wahrnehmung und Einbildung - dieses Geräusch
bewusst und ich richte meinen Blick in jene Richtung und sehe in
einiger Entfernung aus einem Dornbusch Flammen züngeln. - Ich denke
sofort an einen Feuerlöscher oder eine Decke. Bleibe aber erstaunt
stehen, denn das Feuer verzehrt die dürren Zweige nicht, und als
ich mich dem Unerklärbaren nähern will, spricht mich eine Stimme
aus dem Feuer mit meinem Namen an und fordert mich auf, die Schuhe
auszuziehen, denn der Boden auf dem ich stünde, sei heilig. - -
-
Mandelbaum. Ja? Ich bin der Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs. -
Ach ja ?? Ich bin sprachlos." - - - -
-und dann nach mehreren Sätzen, die aus dem Busch kommen, und
ER Inhalte aus dem AT zitiert, die den meisten ja bekannt sind das:
"Warum erzählst du mir das alles? Sie haben vergessen, dass, bevor
Abraham hierher kam, dieses Land schon bewohnt war. Ich habe nicht
gesagt, sie sollen sie umbringen, sondern sie sollen in Frieden
nebeneinander leben. Ich wollte sie in ein Land führen, das von
Milch und Honig fließt. Jetzt fließt Blut."
und so geht das dann weiter, bis er zum Schluss den Auftrag bekommt,
zu Sharon zu gehen und diesen zu veranlassen, das Papier zu unterschreiben,
wo aller Streit, der Krieg, alles das endlich zu Ende wäre, er soll
ihn auffordern, ein Papier zu unterschreiben, wo er anordnet, dass
die Mauer, die gerade gebaut wird, wieder abgerissen wird, dass
alle Brunnen der Palästinenser wieder funktionsfähig gemacht werden,
alle zerstörten Krankenhäuser, Schulen, Gebäude und Häuser der Bewohner
wieder aufgebaut werden. Und dass die Grenzübergänge verschwinden.
Ich habe da jetzt nur ein paar prägnante Stellen herausgepickt,
es sind noch zahlreiche andere, sehr interessante und aufschlussreiche
Teile dieser Unterhaltung da.
Am Ende verbringt dann Mosel Mandelbaum einen Urlaub mit seiner
Familie in Israel, besucht alle Stätten, wo er als Engel schon mal
war.
Als er wieder zurückkehrt, hat sich alles verändert, an seiner
Arbeitsstelle, im Café Eden, alles ist anders…..und in der Zeitung
liest er, dass fleißig am Abbruch der Mauer gearbeitet wird…..
" Schluss: "Diesmal, so scheint es, hat "der im brennenden Dornbusch"
doch in den Lauf der Weltgeschichte eingegriffen. Aber oft darf
er das nicht tun. Es widerspricht dem von ihm garantierten freien
Willen. Und Er sah, dass es gut war."
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"Hans Augustin, geb. 1949 in Salzburg, lebt seit
1976 in Thaur bei Innsbruck. Er studierte Klavier, Philosophie und
Archäologie und wandte sich schließlich der graphischen Kunst zu.
Als Kunstdrucker gründete er 1981 die Hand-Presse in Innsbruck,
in dieser Edition wurden gegen den Zeitgeist des Buchdruckes die
Texte mit klassischem Bleisatz auf historischen Maschinen gedruckt.
Seit 1991 freier Schriftsteller und Journalist. Mitherausgeber der
Tiroler Literaturzeitschrift "InN", und Mitbegründer des Verlags
Skarabaeus. Ausstellungen konkreter Poesie. Hörfunkdramatisierungen
(hauptsächlich japanische Literatur), Features, Kulturbeiträge im
DRS; Kooperation mit dem ORF."
Buchdaten:
Broschiert: 240 Seiten
Verlag: Skarabaeus;
Auflage: 1., Auflage
(10. August 2009)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3708232739
ISBN-13: 978-3708232737
Klappentext:
"Wer träumt nicht manchmal vom Fliegen? Moses Mandelbaum ist Versicherungsmakler,
Ersatzkoch und Reinigungskraft in einem Verlag. Ein Leben immer
am sozialen Außenrand, ganz ohne Längen, Breiten und Tiefen. Bis
er in seinem Stammcafé "Eden" einem Mann begegnet, der nicht von
dieser Welt ist. Und der ihm ein Abenteuer, einen besonderen Auftrag
verspricht unter der Voraussetzung, dass er vorher das Fliegen lernt.
Es beginnt eine Reise zwischen Traum und Wirklichkeit, die Moses
Mandelbaum in die Realität des modernen Israel führt, mitten in
die Aussichtslosigkeit zwischen den Fronten von Israelis und Palästinensern
und auf der er zugleich auf die Mythen und Geschichten der Bibel
trifft. Eine Begegnung mit nachhaltiger Wirkung für ihn, für seine
Familie und für Israel."
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Mein
greller Titel für diesen Bericht darf ich nehmen, denke ich; der
Autor selbst persifliert einiges, also das Buch ist ja in keinem
Fall eine Analyse von Judentum und Christentum, oder irgend etwas
in dieser Richtung, sondern etwas ganz anderes.
Auffallend
im ganzen Buch ist die Schreibweise. Der Autor setzt nichts in Anführungszeichen,
Rede und Antwort stehen einfach da, zwischen dem was ein Protagonist
denkt. - Aber als Leser hat man sich schnell daran gewöhnt. (ist
den Auszügen zu entnehmen, die ich hier einflechte).
Ebenso
an die Existenz eines Engels (Erzengel Gabriel), an die Fähigkeit,
einfach die Arme auszubreiten und zu fliegen, auch daran, dass man
einem im Koma liegenden Sharon ein Zettel unterschreiben lässt,
alles steht so da, als wäre es total normal.
Auch
dass dann plötzlich dieser Dornbusch brennt, ohne zu verbrennen,
und eine Stimme daraus ihn anspricht. Mit ihm spricht.
Diese Geschichte mit Moses und dem sprechenden Gott im Dornbusch
hat der Autor benutzt, um in der Gegenwart das so darstellen, wie
es vermutlich gewesen wäre, wenn diese alttestamentarische Geschichte
heute passieren würde. Und es stellen sich schon viele Fragen. Auch
für Theologen. Aber in meinen Augen auch ethische; ich will damit
sagen, auch wer nicht dem christlichen oder jüdischen Glauben angehört,
kann alles daraus ablesen, und für sich etwas daraus verwenden.
Die Frage z.B. nach dem Sinn eines Krieges, dieses Krieges im Besonderen,
aber auch weltweit.
Im
Ganzen eine Geschichte, die zwischen Wirklichkeit und Traum, Assimilation,
Wunschdenken, Altem Testament, Religion, aber auch der Heimat des
Protagonisten angesiedelt ist. Und darunter oder darüber, wie man
es sehen will, die problematische Gegenwart, die Problematik des
seit Jahrzehnte währenden Krieges, wenn nicht Krieg, dann kalter
Krieg, zwischen Palästinensern und Juden (Israelis) beschreibt,
bzw. einen Bogen schlägt, und den auch wieder in Träumen, Gedanken,
Erlebnissen, Verbindungen, Assoziationen.
Dass
die ganze Geschichte verschachtelt ist in Zeiten, Orten, Personen,
Realem und Phantasy, macht das Lesen nicht ganz einfach; aber die
durchaus humorvollen Einwürfe finde ich sehr gelungen, gefallen
mir, lockern vor allem das alles sehr auf; holt den Leser lauf den
Boden zurück, hilft, das alles etwas lockerer zu sehen, ohne den
Ernst der realen Lage zu beschneiden.
Ganz
besonders gut finde ich den Glossar am Ende des Buchs. Hier wird
alles nochmal erklärt, die vielen jüdischen Bezeichnungen usw.
Bemängeln
kann ich nur, dass die Interpunktion nicht immer richtig ist. -
An einigen Stellen sind Kommata einfach zu großzügig benutzt.
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