Hans Augustin
Der im brennenden Dornbusch

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Von mir interpretierter Inhalt:
Moses Mandelbaum ist der Protagonist. Versicherungsmakler, der nebenbei in einem Lokal kocht und der nebenbei auch in einem Verlag saubermacht. Weil sein Geld nicht reicht.
Er sitzt nach Feierabend an der Theke, ein Mann sitzt neben ihm, der ihn mit einer sehr schönen Stimme anspricht. Auch die Frau an der Theke, die die Gäste bedient, ist sehr beeindruckt von dieser Gestalt.
Diese Gestalt ist ein Engel. (Erzengel Gabriel) Und er fordert Moses Mandelbaum auf, mit ihm nach draußen zu gehen und mit ihm zu fliegen. Wenn er nur wolle, dann könne er das auch. Und breitet die Arme aus, schwingt sich in die Lüfte und fliegt. Mandelbaum macht es ihm nach, und auch er kann fliegen.
Sobald die beiden fliegen, sind sie für die anderen Menschen nicht mehr sichtbar. Der Engel sagt zu Mandelbaum, dass er einen besonderen und sehr wichtigen Auftrag hat. Den er einfach erfüllen muss. Er soll nach Israel fliegen und dort bekäme er weitere Anweisungen.
Ich habe das jetzt alles sehr gerafft.

Mandelbaum ist verheiratet, hat zwei Kinder; und er muss ja irgendwie seiner Familie klarmachen, warum er kurz mal nach Israel verschwindet. -
Er fliegt also nach Israel, dort trifft er auch den Engel.
Zwischen vielen Erlebnissen in Israel begegnet er auch u.a.. einem Soldaten (Itzak), der irgendwie ungewollt einen kleinen Sohn eines Palästinensers erschossen hat und damit nicht fertig wird. Er desertiert, und bittet Mandelbaum, einen Brief an seine Mutter zu überbringen. - Er selbst MUSS zu diesem Vater gehen und ihm um Verzeihung bitten, anders kann er nicht weiterleben. Und dann will er sich stellen und eben in Kauf nehmen, verhaftet zu werden. - -

Dann trifft er auf eine Frau, Pippa, die in einem Hochzeitskleid unterwegs ist, einfach so, um auf sich aufmerksam zu machen sie ist auf der Suche nach dem Frieden. Sie hält Autos an, wird verwundert gefragt, wieso sie ein Brautkleid an hat, bekommt von den Frauen Brot und Käse und Essen, aber ihr Traum geht nicht in Erfüllung, sie kommt nie in Tel Aviv an, wo sie Zwischenstation machen wollte auf ihrer Reise nach Jugoslawien. Ihr Leben endet, weil jemand sie zuerst vergewaltigt und dann getötet hat. -
Das konnte der Engel nicht verhindern; er kann nicht überall sein, sagt er zu Moses. Aber zwei Züge, die aufeinander zufahren, die kann er anhalten, und verhindern, dass sie zusammen
stoßen.
Alles mit einiger Komik erzählt. Auch die Geschichte mit den zwei Zvi Katz ist interessant und - obwohl auch wieder Phantasy, durchaus glaubwürdig - . Vor allem die Dialoge sind nicht nur witzig.

Zvi Katz: "- - - - - -Am Eingang daneben das Schild des Zahn- und Kieferchirurgen Dr. Israel Januschewsky, VIII. Stock. Termine nach Vereinbarung. Er lebt von Privatpatienten. Aber dieser Dr. Januschewsky war gar nicht Dr. Januschewsky, wissen Sie. Dieser Januschewsky heißt in Wirklichkeit jedoch Adolf Koch, und war Sanitätsunteroffizier in einem Nebenlager von Sobibor und Zahnarztgehilfe zur besonderen Verwendung. Den Todgeweihten die Goldprothesen zu entfernen. So häuften sich auf seinem Tisch ungarische, serbische, griechische, tschechische, deutsche, polnische, ukrainische Brücken, Schlösser, Villen und Landhäuser. Gestüte. Ländereien und Wälder.

Der wirkliche Dr. Israel Januschewsky war jener Mann, der, als er kurz vor seiner Vernichtung den Mund öffnete mit der Bemerkung "Bitte bedienen Sie sich", den Sanitätsunteroffizier der SS, Adolf Koch, dadurch so in Erstaunen versetzte, dass diesem der Mund offen blieb und ihn in seiner verantwortungsvollen Tätigkeit innehalten ließ. Eine solche Menge zu Zähnen verarbeiteten Goldes hatte er nie zuvor gesehen. Als Krönung im wahrsten Sinne des Worts trug Dr. Israel Januschewsky Diamantplättchen auf den Kauflächen, um unbeschadet alles beißen zu können. Zur Erinnerung daran, und um nach dem großen Schlachten nicht in Bedrängnis zu geraten, eignete sich Adolf Koch Papier und Namen jenes Unglücklichen an. Um mit dem Neubeginn der Welt als Dr. Israel Januschewsky alles Gewesene ungeschehen zu machen. Unbeschnitten und ungestraft. Unbehelligt und als Spezialist für besonders delikate Goldfüllungen bekannt und beliebt.- - - -- - - -"

andere Stelle, Zvi Katz: "Wir waren, wie Sie wissen, verabredet. Ich hatte doch diesen Brief erhalten, von einem Zvi Katz, der mich gerne kennenlernen würde. Im Foyer des Hotels saß ein Mann mit einer der großflächigen Zeitungen vor dem Gesicht. Aber ich war es nicht. Ich würde mir nie gestatten, einen solchen Schwachsinn von Sportzeitung zu lesen. Das Mädchen an der Rezeption wusste auf meine Frage nach Herrn Zvi Katz zwangsläufig nichts zu antworten. Sie wusste nicht, dass ich das auch sein könnte. - Sie flüchtete sich, belustigt über den Namen Zvi, in den Büroraum und konnte ein Kichern nicht unterdrücken. Sie hielt sich die Hände vor den Mund, im Glauben, dass ich sie nicht hören würde. Aber ich höre sie. Manchmal sind die Weiber so.
Als sie sich beruhigt hatte, kam sie wieder an den Tresen und wischt sich noch etwas verstohlen mit dem Taschentuch eine Träne von der Wange. Ich ging auf und ab, vorbei an den alten, an die Wand geschraubten Ansichten des Orts, die sich, wie aus der Regionalzeitung zu erfahren war, nicht wesentlich geändert hatten. Der Bauassessor ein Schlitzohr. Wieso nahm er nicht meine Erfahrung, mein Wissen, meine Kontakte in Anspruch?
- War das eine Frage?
Na was glauben Sie, war es sonst? Woher soll ich wissen, dass er Ihre Qualitäten nicht in Anspruch nahm? Manche Menschen sind zum Kotzen borniert. - - - - -
Er weiß nicht, dass das mein tägliches Brot als Versicherungsmaler ist.- - - - - - "

Gut, es sind noch dutzende Geschichten, mit und ohne Katz, aber ich komme zum Wesentlichen.

Als er mal irgendwo warten muss, kommt ihm die Geschichte von Moses in den Sinn, wo er aus der Wüste zurückkommt, wo er mit IHM eine Unterredung hatte, und da er selbst nicht schreiben konnte, bekam er von IHM eine Steinplatte, wo alles draufstand. - Und als Moses zurückkam zu seinem Volk, fand er sie um ein goldenes Kalb trunken tanzend vor, sie hatten allen Schmuck und alles was sie hatten geschmolzen, um sich dieses goldene Kalb zu schaffen. - Moses war verzweifelt und schleuderte ihnen die Tafel mit den Worten von IHM vor die Füße.

"Sie sind von diesem Gott nicht zu bekehren und ER bekehrt sie von sich nicht. Sie sind Teil SEINES Willens, aber sie wollen IHN nicht." - - -

Eine andere Stelle, Moses wartet auf Itzak, den jungen Soldaten, der das Kind getötet hat. Moses hat Zweifel, der Engel zeigt sich nicht, und er weiß nicht mal ob er sichtbar oder unsichtbar ist.

Es ist sehr heiß, er guckt den Schafen zu, "Ich weiß wie nicht, wie lange das Knistern trockener Zweige schon zu hören ist, Irgendwann wird mir -zwischen Wahrnehmung und Einbildung - dieses Geräusch bewusst und ich richte meinen Blick in jene Richtung und sehe in einiger Entfernung aus einem Dornbusch Flammen züngeln. - Ich denke sofort an einen Feuerlöscher oder eine Decke. Bleibe aber erstaunt stehen, denn das Feuer verzehrt die dürren Zweige nicht, und als ich mich dem Unerklärbaren nähern will, spricht mich eine Stimme aus dem Feuer mit meinem Namen an und fordert mich auf, die Schuhe auszuziehen, denn der Boden auf dem ich stünde, sei heilig. - - -

Mandelbaum. Ja? Ich bin der Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs. - Ach ja ?? Ich bin sprachlos." - - - -

-und dann nach mehreren Sätzen, die aus dem Busch kommen, und ER Inhalte aus dem AT zitiert, die den meisten ja bekannt sind das:
"Warum erzählst du mir das alles? Sie haben vergessen, dass, bevor Abraham hierher kam, dieses Land schon bewohnt war. Ich habe nicht gesagt, sie sollen sie umbringen, sondern sie sollen in Frieden nebeneinander leben. Ich wollte sie in ein Land führen, das von Milch und Honig fließt. Jetzt fließt Blut."

und so geht das dann weiter, bis er zum Schluss den Auftrag bekommt, zu Sharon zu gehen und diesen zu veranlassen, das Papier zu unterschreiben, wo aller Streit, der Krieg, alles das endlich zu Ende wäre, er soll ihn auffordern, ein Papier zu unterschreiben, wo er anordnet, dass die Mauer, die gerade gebaut wird, wieder abgerissen wird, dass alle Brunnen der Palästinenser wieder funktionsfähig gemacht werden, alle zerstörten Krankenhäuser, Schulen, Gebäude und Häuser der Bewohner wieder aufgebaut werden. Und dass die Grenzübergänge verschwinden.

Ich habe da jetzt nur ein paar prägnante Stellen herausgepickt, es sind noch zahlreiche andere, sehr interessante und aufschlussreiche Teile dieser Unterhaltung da.

Am Ende verbringt dann Mosel Mandelbaum einen Urlaub mit seiner Familie in Israel, besucht alle Stätten, wo er als Engel schon mal war.

Als er wieder zurückkehrt, hat sich alles verändert, an seiner Arbeitsstelle, im Café Eden, alles ist anders…..und in der Zeitung liest er, dass fleißig am Abbruch der Mauer gearbeitet wird…..

" Schluss: "Diesmal, so scheint es, hat "der im brennenden Dornbusch" doch in den Lauf der Weltgeschichte eingegriffen. Aber oft darf er das nicht tun. Es widerspricht dem von ihm garantierten freien Willen. Und Er sah, dass es gut war."

 

 

 

 

"Hans Augustin, geb. 1949 in Salzburg, lebt seit 1976 in Thaur bei Innsbruck. Er studierte Klavier, Philosophie und Archäologie und wandte sich schließlich der graphischen Kunst zu. Als Kunstdrucker gründete er 1981 die Hand-Presse in Innsbruck, in dieser Edition wurden gegen den Zeitgeist des Buchdruckes die Texte mit klassischem Bleisatz auf historischen Maschinen gedruckt. Seit 1991 freier Schriftsteller und Journalist. Mitherausgeber der Tiroler Literaturzeitschrift "InN", und Mitbegründer des Verlags Skarabaeus. Ausstellungen konkreter Poesie. Hörfunkdramatisierungen (hauptsächlich japanische Literatur), Features, Kulturbeiträge im DRS; Kooperation mit dem ORF."

 

 

Buchdaten:
Broschiert: 240 Seiten
Verlag: Skarabaeus;
Auflage: 1., Auflage
(10. August 2009)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3708232739
ISBN-13: 978-3708232737

 

 

Klappentext:
"Wer träumt nicht manchmal vom Fliegen? Moses Mandelbaum ist Versicherungsmakler, Ersatzkoch und Reinigungskraft in einem Verlag. Ein Leben immer am sozialen Außenrand, ganz ohne Längen, Breiten und Tiefen. Bis er in seinem Stammcafé "Eden" einem Mann begegnet, der nicht von dieser Welt ist. Und der ihm ein Abenteuer, einen besonderen Auftrag verspricht unter der Voraussetzung, dass er vorher das Fliegen lernt. Es beginnt eine Reise zwischen Traum und Wirklichkeit, die Moses Mandelbaum in die Realität des modernen Israel führt, mitten in die Aussichtslosigkeit zwischen den Fronten von Israelis und Palästinensern und auf der er zugleich auf die Mythen und Geschichten der Bibel trifft. Eine Begegnung mit nachhaltiger Wirkung für ihn, für seine Familie und für Israel."

Mein greller Titel für diesen Bericht darf ich nehmen, denke ich; der Autor selbst persifliert einiges, also das Buch ist ja in keinem Fall eine Analyse von Judentum und Christentum, oder irgend etwas in dieser Richtung, sondern etwas ganz anderes.

Auffallend im ganzen Buch ist die Schreibweise. Der Autor setzt nichts in Anführungszeichen, Rede und Antwort stehen einfach da, zwischen dem was ein Protagonist denkt. - Aber als Leser hat man sich schnell daran gewöhnt. (ist den Auszügen zu entnehmen, die ich hier einflechte).

Ebenso an die Existenz eines Engels (Erzengel Gabriel), an die Fähigkeit, einfach die Arme auszubreiten und zu fliegen, auch daran, dass man einem im Koma liegenden Sharon ein Zettel unterschreiben lässt, alles steht so da, als wäre es total normal.

Auch dass dann plötzlich dieser Dornbusch brennt, ohne zu verbrennen, und eine Stimme daraus ihn anspricht. Mit ihm spricht.
Diese Geschichte mit Moses und dem sprechenden Gott im Dornbusch hat der Autor benutzt, um in der Gegenwart das so darstellen, wie es vermutlich gewesen wäre, wenn diese alttestamentarische Geschichte heute passieren würde. Und es stellen sich schon viele Fragen. Auch für Theologen. Aber in meinen Augen auch ethische; ich will damit sagen, auch wer nicht dem christlichen oder jüdischen Glauben angehört, kann alles daraus ablesen, und für sich etwas daraus verwenden. Die Frage z.B. nach dem Sinn eines Krieges, dieses Krieges im Besonderen, aber auch weltweit.

Im Ganzen eine Geschichte, die zwischen Wirklichkeit und Traum, Assimilation, Wunschdenken, Altem Testament, Religion, aber auch der Heimat des Protagonisten angesiedelt ist. Und darunter oder darüber, wie man es sehen will, die problematische Gegenwart, die Problematik des seit Jahrzehnte währenden Krieges, wenn nicht Krieg, dann kalter Krieg, zwischen Palästinensern und Juden (Israelis) beschreibt, bzw. einen Bogen schlägt, und den auch wieder in Träumen, Gedanken, Erlebnissen, Verbindungen, Assoziationen.

Dass die ganze Geschichte verschachtelt ist in Zeiten, Orten, Personen, Realem und Phantasy, macht das Lesen nicht ganz einfach; aber die durchaus humorvollen Einwürfe finde ich sehr gelungen, gefallen mir, lockern vor allem das alles sehr auf; holt den Leser lauf den Boden zurück, hilft, das alles etwas lockerer zu sehen, ohne den Ernst der realen Lage zu beschneiden.

Ganz besonders gut finde ich den Glossar am Ende des Buchs. Hier wird alles nochmal erklärt, die vielen jüdischen Bezeichnungen usw.

Bemängeln kann ich nur, dass die Interpunktion nicht immer richtig ist. - An einigen Stellen sind Kommata einfach zu großzügig benutzt.