Ingeborg Bachmann

Ingeborg Bachmann, 1926 in Klagenfurt geboren, starb 1973 in Rom. 'Malina' wurde 1990 unter der Regie von Werner Schroeter verfilmt.
Der einzige Roman, den Ingeborg Bachmann geschrieben hat gilt als Auftakt des geplanten Todesarten-Zyklus. Zeigt die psychische und physische Zerstörung des weiblichen Ichs durch das männliche Prinzip. Er entstand nach der Trennung von Max Frisch, als sie zuerst nach Berlin und dann nach Rom übergesiedelt war.
Zum Inhalt: Die Protagonistin, Ich-Erzählerin, in Wien lebende Schriftstellerin, beschreibt ihre Lage als Geliebte zweier Männer: ihr Geliebter Ivan, und Malina, mit dem sie zusammenlebt. Eindringlich und beklemmend schildert sie, was in ihrem Innern vorgeht; erscheint ihr Ivan als ein unerreichbarer Geliebter, repräsentiert Malina die Vernunft, er sichert die finanzielle Grundlage ihrer Existenz, als männlicher Teil des Bewusstseins der Protagonistin. Dem weiblichen Ich in seiner Rationalität lebensnotwendig. Das weibliche Ich nimmt die Unterdrückung ohne Gegenwehr hin, trotz des Wunsches nach Selbstverwirklichung und Gleichberechtigung. Im zweiten Kapitel benutzt sie die Figur ihres Vaters; die Herrschaft des Vaters über das Kind setzt sie mit der Herrschaft des Mannes über die Frau gleich. Im dritten Kapitel führt sie fiktiv einen Dialog mit Malina über das Schreiben. Der Roman kommt ohne sonst in Romanen übliche Handlung aus. Collageartig neben Traumsequenzen stehen skizzenartige Beschreibungen und Reflexionen, Dialoge und Briefe. Die Aufspaltung der Hauptfigur in einen männlichen und einen weiblichen Teil wird erst im Verlauf des Romans transparent, ein erbitterter Kampf um Gleichberechtigung und Freiheit wird deutlich; der weibliche Teil verschwindet am Ende des Romans in einer Wand. Malina, eine vordergründige Dreiecksgeschichte, ist in Wirklichkeit keine, Malina und Ivan sind eine einzige Person, obwohl jede einzelne Person doppelt ist. Beschrieben wird nichts anderes als Liebe, die Einsamkeit dessen aufzeigend, der liebt.
Malina ist das erste Buch, das ich von Ingeborg Bachmann gelesen habe. Zu Beginn liest es sich relativ leicht, wenn auch schon ungewöhnlich.
Das steigert sich dann im zweiten Teil, wird immer phantastischer, im dritten Teil schließlich bis fast zur Unerträglichkeit makaber und zeitweise sehr schwer verständlich.
Da die Autorin nur ihre Gedankengänge beschreibt, keinerlei Handlung im Roman vorkommt, ist es recht ungewöhnlich zu lesen.
Dennoch ist es hochinteressant, ihre Sichtweisen so beschrieben zu lesen. Ihr Schreibstil ist excellent, ausgefeilt und ihre Wortwahl und Satzbildung hervorragend.