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Klappentext:
"Helmer van Wonderen, Bauer wider Willen, macht klar Schiff. Er
verfrachtet seinen bettlägerigen Vater ins Obergeschoß, entrümpelt
Wohn- und Elternschlafzimmer, streicht Dielen, Fenster, Türen und
Wände und schafft neue Möbel an. Das Gemälde mit den schwarzen Schafen,
die Fotografien von Mutter und die alte Standuhr kommen nach oben,
alle Pflanzen, die blühen können, auf den Misthaufen. Da Vater ihm
nicht den Gefallen tut, einfach zu verschwinden, sich von einem
Windstoß hinwegfegen zu lassen oder wenigstens zu sterben, richtet
Helmer sein Leben unten neu ein. Seine ungelebten Träume kann er
jedoch nicht so leicht entsorgen. Als er eines Tages unerwartet
Post erhält, brechen sich Erinnerungen Bahn. "Henk hätte hier wohnen
sollen. Mit Riet und mit Kindern. "Henk, der Zwillingsbruder, ist
lange tot. Riet aber lebt, und sie hat einen Sohn. Gerbrand Bakkers
erster Roman war in den Niederlanden ein großer Publikumserfolg.
Genau in der Beobachtung von Mensch und Natur, subtil in der Anspielung
und von zärtlicher Skurrilität, entwickelt Bakkers trockener, lakonischer
Erzählstil von der ersten Seite an einen unwiderstehlichen Sog.
Unversehens findet man sich mit einem wortkargen Bauern inmitten
von Milchkühen, Texel-Schafen, einer Nebelkrähe und zwei Eseln an
die großen Fragen des Lebens erinnert und versteht, dass Komik und
Tragik, Witz und Wehmut, oben und unten unauflöslich zusammengehören."
Meine Zusammenfassung:
Ich fange mal bei diesem Buch mit meinem Eindruck während und nach
dem Lesen an.
Durch die nicht nur sehr karge Sprache, sondern auch der Inhalte
entsteht gleich am Anfang eine ruhige, dezimierte Stimmung. Die
nicht negativ ist.
Alles geht langsam, ob es das Sprechen, die Gedankengänge, die im
Übrigen auch sehr knapp geschildert werden, oder das Handeln ist,
alles geschieht bedächtig.
Da ist der Bauer Helmer van Wonderen, der in einem kleinen bäuerlichen
Anwesen wohnt. Er schildert (Ich-Erzählung) was er grade so macht.
Er hat grade seinen alten Vater nach oben geschafft, in sein ehemaliges
Zimmer verfrachtet, er selbst will als sein Zimmer das ehemalige
Elternschlafzimmer belegen. Oben im Haus sind noch das andere Zimmer,
das sein verstorbener Zwillingsbruder Henk bewohnt hatte und jetzt
als Rumpelkammer benutzt wird, und noch ein kleines Zimmerchen.
Helmer räumt alles aus, alle Bilder, Pflanzen, Vorhänge und das
meiste Möbel schafft er raus, richtet es für Sperrmüll oder auf
einem Haufen, wer er es selbst verbrennen will.
Bedächtig seine Handlungen, seine Gedanken; den Vater will er oben
haben, und er kümmert sich auch nicht groß um seine Bedürfnisse.
Der alte Mann stinkt, ist verdreckt, und zunächst bringt er ihm
nur irgendwann mal was zum Essen, zu Trinken, oder kümmert sich
um ihn. Sie reden kaum bzw. gar nicht miteinander.
Der Alltag und seine kleinen Abweichungen laufen ruhig plätschernd
dahin. Später wird dann klarer, wieso Helmer seinen Vater hasst.
- Dass es direkt Hass ist Helmer nicht bewusst, bzw. nur im Hinterkopf.
Er beachtet ihn einfach kaum, hat ihn nach oben verfrachtet und
will sich unten jetzt einrichten.
Er streicht alle Rahmen, Fenster, Türen, auch den Boden, bringt
Jalousien an, sonst ist Wohnzimmer kaum noch eingerichtet, er hat
das meiste rausgeschmissen. Direkt daneben ist sein Schlafzimmer,
das streicht er auch, alles Möbel kommt raus. -
Als dann die Nachbarin kommt, meint sie, oh da könnte er doch schön
ein neues breites Bett reinstellen. Gut, das macht er, er fährt
in die Stadt, kauft neues Bett, Bettzeug und alles. Er will jetzt
moderner leben, nicht mit dem ganzen alten Kram.
Als eines Tages Post kommt, ändert sich alles, aber nicht spektakulär,
nein, auch wieder in langsamen, bedächtigen Schritten.
Es ist ein Brief der Frau, die sein Bruder, bevor er starb, heiraten
wollte.
Jetzt geht die Geschichte weiter, alles wieder träge, aber es geschieht
was.
Ich haben einen kleinen Auszug gewählt, wo erkennbar ist, welcher
Stil der Autor benutzt:
"Er öffnet die Stalltür und geht zum hinteren Ausgang. Ich warte
einen Moment und verlasse dann das Haus durch die Milchkammer. Als
der kleine Lastwagen vorbeifährt, hebe ich die Hand. Henk sitzt
gegenüber der Milchkammer auf dem Zaun der Eselkoppel. Ich sehe
ihn erst, als der Wagen vorbei ist. Rauch schwebt über seinem Kopf.
Jetzt hebt er die Hand. Ein Theaterstück ohne Worte für drei Männer:
Einer fährt weg, ohne sich och einmal umzusehen, der zweite starrt
ihm hinterher, der dritte beobachtet den zweiten, der zweite bemerkt
den dritten nicht, bis der erste fort ist."
Mehr will ich in dieser Zusammenfassung gar nicht erwähnen. Vielleicht
noch eins, es ist eine Problematik bei Helmer, dass sein Zwillingsbruder
Henk immer der Bevorzugte war. Obwohl Henk der erstgeborene war,
wurden sie immer so genannt: Henk und Helmer. - Er war so ein Anhängsel,
bzw. so hat er sich zeitlebens gefühlt. Wie sein Bruder schließlich,
sehr jung, und bevor er heiraten konnte, starb, und was der Autor
alles in seiner ihm eigenen Art versteht zu schildern, werde ich
jetzt nicht schildern. -
Aber, dem Sog der Geschichte kann man nicht entgehen, auf seine
zurückhaltende Art gelingt es dem Autor, eine gewisse Faszination
zu vermitteln.
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"Gerbrand Bakker, 1962 in Wieringerwaard geboren,
studierte niederländische Sprach- und Literaturwissenschaft in Amsterdam.
Er ist Autor eines etymologischen Wörterbuchs der niederländischen
Sprache und des Jugendromans Birnbäume blühen weiß (Patmos 2004)."
Verlag: Suhrkamp
2008
Seitenzahl: 315
" Deutsch "
ISBN-13: 9783518420133 " ISBN-10: 3518420135
Preis: 19,80 Euro bei buecher.de
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Meine
abschließende Meinung
Zunächst macht das Lesen der ersten Seiten wenig Lust, weiterzulesen.
Es ist eine sehr träge Dramaturgie.
Aber
irgendetwas ist da, was mich weiterlesen lässt. In dieser sehr einfachen,
kargen Sprache des Bauers Helmer van Wonderen wurde ich vollkommen
in die Szenerie hineinversetzt. Nicht nur das was er sagt ist knapp,
auch seine Gedanken sind kurz, auch wenn dahinter viel herauszulesen
ist. Z.b. einmal seine Introvertiertheit, aber im Hintergrund doch
sein Wunsch nach Gesellschaft. Nur nicht die seines Vaters.
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Seine Eigenart, die von den meisten als komisch gesehen wird, kommt
auch dadurch, dass er zwei Esel gekauft hat und sie liebevoll pflegt.
Seine Schafe betreut er auch liebevoll, auch wenn er weder den Eseln
noch den Schafen Namen gegeben hat.
Er
hat Träume, zunächst nur dann, wenn er eine Landkarte die er aufgehängt
hat, ansieht, wo Dänemark zu sehen ist. Aber woanders hinzuziehen,
oder auf eine Reise zu gehen, dazu ist er einfach zu träge; das
bleibt aber nicht so, sondern im Wandel dieser Geschichte ändert
er nicht nur sein Verhalten seinem Vater gegenüber, sondern auch
sein eigenes Leben.
Alles
in allem ein sehr angenehm zu lesendes Buch. Das dem Leser eine
ruhige, besonnene Art vermittelt, und auch einen subtilen Humor,
der dennoch, wenn auch sparsam, zum Tragen kommt
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