Kristín Marja Baldursdóttir
Farben der Insel

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Meine Zusammenfassung
Eine Zusammenfassung dieses umfangreichen Werkes ist nicht einfach. - Nicht die 557 Seiten meine ich, sondern den Inhalt. Er würde leicht für 5 Bücher reichen, so vielseitig ist er.

Ganz am Anfang, als sie über das Bild der Frau in Island schreibt: (um 1950) Pia, eine Freundin von Karitas, sagt zu ihr u.a.:
"…..du bist eine Frau und isländischen Frauen wird nicht mehr die ihnen gebührende Achtung entgegengebracht, seit die Soldaten weg sind. Die isländischen Männer sind durchgedreht, als die vielen gut aussehenden und höflichen Ausländer auf die Insel strömten und mit den isländischen Frauen tanzen wollten. Natürlich konnten die Isländer nicht über die Soldaten herfallen und sie verjagen, so wie es männliche Tiere im Dschungel machen, deshalb sind sie mit Worten als Waffe über uns hergefallen. Wer sich mit Ausländern einließ wurde hässlich beschimpft, und Frauen, die das nicht taten, aber den Ausländern gegenüber zumindest höflich waren, wurden warnende Blicke zugeworfen. Gesellschaftliche Ächtung drohte, damit wurden wir klein gehalten. Jetzt ist der Krieg vorbei, die Rivalen sind weg, aber die _Spuren sind noch nicht verwischt….."

Karitas lebt in einem kleinen Ort, in der Schule gibt sie Malunterricht, und die Landfrauen bitten sie oft, ihre Kulissen zu malen, wenn sie Theater spielen. Sie lebt mehr für sich alleine. Sie hat zwar vier Kinder geboren, eins ist gleich gestorben, die anderen hatte sie nicht lange, man erfährt als Leser erst gegen Ende des Buchs, warum usw. - Z.b. hat sie das Mädchen der Zwillinge, es waren ein Junge und ein Mädchen, nie gesehen, erst als es ein Teenager dann war. - Es geht aus einigen Erzählungen nur bruchstückhaft hervor, warum das so gewesen ist. Sie lebt alleine, obwohl sie verheiratet ist. Aber ihr Mann, Sigmar, ist kurz nach der Geburt der Kinder in der Welt umhergereist, und kam oft jahrelang nicht, und wenn nur ganz kurz vorbei.

Sie malt auch schon Bilder, aber kaum jemand sieht sie. Das Haus, in dem sie wohnt, gehört einem Verwandten und als sie dann ausziehen muss, beschließt sie nach Paris zu fahren. Aber dem gehen ausführliche und interessante Situationen voraus. Auch z.B., dass sie mal eine Ausstellung in Reykjavik machen soll und dann plant, mit Hilfe ihrer Freundin und ihres einen Sohnes. Ihre Söhne, beide gute Berufe und gute Ausbildungen, lernt sie als junge Männer kennen und sie sind ihr auch behilflich, als einige ihrer Bilder verkauft werden. Aber der große Sprung bzw. Anerkennung als Malerin bleibt ihr versagt.

In Island ist es damals Sitte, dass Verwandte im Haushalt aufgenommen werden. So kommt Karitas bei ihrem Bruder und seiner Frau, Herma, unter. Später stellt ihr dann ihr Sohn ein Haus zur Verfügung, wo er unten nur seine Büros als Rechtsanwalt hat, der obere Stock, eine sehr geräumige Wohnung, hat Karitas zur Verfügung, und ganz oben unter dem Dach Räume, wo sie ihr Atelier einrichtet.

Die ganze, wirklich umfangreiche Geschichte wird nicht chronologisch erzählt. Sondern es gibt immer wieder Rückblendungen. Ich möchte hier auch nicht den gesamten Inhalt beschreiben, das wäre viel zu umfangreich, sondern picke mir die wichtigen Abschnitte aus.

Herma wird später von Karitas Bruder geschieden, ist aber sehr viel später eine große Hilfe und Freundin von Karitas. Aber das ist erst sehr viel später, als Karitas aus Paris zurückgekehrt ist.

Sie hatte also alles geplant, ihre Reise nach Paris, alles gepackt. Da erscheint ihr jüngster Sohn mit seiner kleinen, zweijährigen Tochter, - die Mutter hatte sie zurückgelassen, sie war ihr egal -, und fragt sie, ob sie sich um das Kind kümmern könne, er müsse auf sein Schiff usw. - Sie lehnt ab. Sie hat keine Lust, ein kleines Kind aufzuziehen, konnte sie doch ihre eigenen Kinder auch nicht selbst aufziehen. - Er fährt dann kurz weg, angeblich um was zu erledigen, und lässt einfach das kleine Kind bei ihr. - Den Koffer mit den Kindersachen hat er im Garten abgestellt. Jetzt muss sie überlegen, nach einigem Hin und Her entscheidet sie sich, das Kind, Silfá, halt mitzunehmen. Sie reist also nach Paris, Freunde haben ihr Kontakte aufgeschrieben, und sie kann in Paris eine kleine Wohnung beziehen, mit dem Kind. Sie ist in Paris um zu malen. Und durch das Kind möchte sie sich nicht daran hindern lassen. - Das ist nicht leicht, und zeitweise malt sie nachts, wenn Silfá schläft, tagsüber verlangt das Kind seine Rechte. -

Über ihre Zeit in Paris sind dann sehr interessante Geschichten da. Eine Nachbarin, aus Portugal stammend, Elena, freundet sich dann irgendwie mit ihr an, aber sie ist so ganz anders als Karitas. Sie geht abends aus, hat zahlreiche Männergeschichten, ist oft betrunken.

Und so wird das Leben der Bohème des 20. Jahrhunderts in Paris geschildert. Elena ist auch Malerin, aber ihre Bilder sind groß, wirr, knallig. Und meistens malt sie gar nicht. Karitas trifft dann einen Musiker, einem Geiger. Er wird ihr Liebhaber, er passt auch oft auf das Kind auf, er verehrt sie. Sie kennt ihn aus Island, als er noch ein Junge war und sie schon eine junge Frau. Und immer irgendwann taucht Sigmar auf, ihr Mann. Zu Silfá hat sie inzwischen ein sehr inniges Verhältnis, sie liebt das Kind abgöttisch. - Da kommt eines Tages ihr Sohn, mit ihm auch ihr Mann, Sigmar. Der Sohn möchte das Mädchen wieder haben. - Und da versteckt sie es bei dem Geiger in seiner Wohnung, sie will Silfá auf keinen Fall ihrem Sohn zurückgeben. - Er hat eine neue Frau gefunden, er möchte dass seine Tochter in seiner neuen Familie aufwächst.

Karitas hat einen wichtigen Termin, eine Vernissage ihrer Bilder steht an, sie muss unbedingt dort hin. Als sie dort ist, hat sie eine dumpfe Ahnung, fährt zu dem Geiger, wo Silfá ist, stürmt hoch, das Kind ist weg. Ihr Sohn hatte die Wohnung des Geigers ausfindig gemacht und ihn bedroht usw., er konnte wirklich nichts machen. Für Karitas bricht eine Welt zusammen, und zwar im wahrsten Sinne des Wortes.
Es ist ihr großer Zusammenbruch; sie irrt in Paris umher, wälzt sich im Schlamm, ist bei den Clochards, sie ist nicht mehr bei Sinnen. -

Dann kommt im Buch ein anderes Kapitel. - Sie ist jetzt in Amerika. Sie wohnt dort in einer Wohngemeinschaft mit einer jungen Frau, die mit Ausstellungen und Verkäufen von Bildern zu tun hat. Sie hat dort auch ein Atelier, erste Erfolge als Malerin zeichnen sich ab, sie wird schließlich eine bekannte Künstlerin. Zu ihren Verwandten in Island hat sie immer lose Kontakte. Telefon hatte damals nicht jeder, aber es gibt Briefe und vereinzelt Telefonate.

Später kehrt sie dann nach Island zurück, das ist die Zeit, wo sie in der großen Wohnung ihres Sohnes lebt.
Und hier beginnt dann das, was in Island so üblich ist. Zuerst kommt die eine Verwandte, dann die andere, Platz ist genug da, auch Silfá trifft sie wieder, mittlerweile ein siebzehnjähriges Mädchen. Das in der neuen Familie des Vaters nur Ablehnung von der Stiefmutter erfuhr, schließlich zieht sie bei Karitas ein. - Eine andere Freundin aus alten Tagen, wohnsitzlos, nistet sich auch ein, dann noch eine alte Tante. Die Wohnung ist kaum eingerichtet, alles ist provisorisch, Karitas hat dafür weder Sinn noch Zeit. Sie malt.

Als sie erfährt, dass Herma, die geschiedene Frau ihres Bruders, alleine ganz weit draußen in einem einsamen Hof lebt, fährt sie hin, und Herma kommt mit. Und ab jetzt übernimmt Herma den Haushalt. Sie richtet die Wohnung ein, kauft Geschirr und macht alles gesellschaftsfähig, hat aber alle anderen unter ihrem Regiment. - Und jetzt ist wieder alles zu erfahren, mit der ganzen Verwandtschaft, was dort und hier passiert, über Partys und von Herma arrangierte Essen und das ganze gesellschaftliche Leben. - Karitas allerdings ist immer im Hintergrund. Im Haus ganz unten, im Souterrain, betreibt ein Neffe eine Art Imbiss. Von dort bekommen sie auch oft wunderbares Essen geliefert, und Karitas selbst hilft auch, z.b. die vielen Kanapees zu machen, die auch verkauft werden für Partys. Das ist das einzige was sie kann, kochen kann sie nicht, oder nur sehr spärlich. Finanziell ist sie nicht so gut gestellt, sie kümmert sich wenig um den Verkauf ihrer Bilder. Eigentlich ist sie eine sehr reiche Frau. Ihr Mann ist Reeder, sehr reich, und er bietet ihr immer wieder an, in ein extra für sie gebautes Haus zu ziehen, und von ihm Geld zu nehmen. Das nimmt sie niemals in Anspruch. Sie kann alleine für sich sorgen.

Später dann, alle haben ihre Wohnung aus irgendwelchen Gründen verlassen, es würde zu weit führen das auch noch alles im Einzelnen zu berichten, beschließt sie endlich nach Rom zu fahren.
In Rom gibt's auch Kontakte, und mit ihr fährt Herma und Karitas' Schwester, eine unmögliche Frau, nicht nur weil sie dick, hässlich und unförmig ist, sondern viele üble Eigenschaften hat. Z.b. war sie es, die damals die Kinder von Karitas großgezogen hat.
Zwischenzeitlich ist bzw. wird auch bekannt, wie erfolgreich ihre Bilder in Amerika sind, und ihre Freundin dort macht das alles, sie bekommt Geld geschickt. Und sie schickt auch, als sie dringend Geld braucht, ihre ersten Bilder aus Island hin. Sie werden ein großer Erfolg.

Besonders interessant sind die immer wieder vor die Kapitel, bzw. als eigenes Kapitel beschriebenen Bilder, die interpretieren sollen, was gerade in ihr vorgeht. Ihr Leben wird bis zu ihrem Tod geschildert. -
Und auch das Leben vieler Leute, die vor ihr sterben, an deren Beerdigung sie teilnimmt, oder auch nicht. Auch Kinder wieder von ihren Enkeln und Nichten sieht man heranwachsen, ihr Lebensweg berührt Karitas immer wieder.
Nach vielen, vielen Erlebnissen, Umzügen und Hauskäufen, Wiedersehen mit ihren Verwandten usw. werden schließlich ihre letzten Jahre geschildert, Karitas, bis kurz vor ihrem Tod ihrer Malerei verhaftet.
Das Ende dieser ganzen Geschichte lasse ich aber offen, im Buch gibt es ein Ende, das ich aber mit Rücksicht auf eventuelle Leser dieses Buchs nicht erwähne, bzw. schildere.

 

 

Die Autorin

Kristín Marja Baldursdóttir, geboren 1949 in Island, ist eine bekannte Journalistin und arbeitet bei einer isländischen Zeitung.

 

 

 

Klappentext:
"Die Malerin Karitas lebt allein und zurückgezogen in einem kleinen Dorf an der Küste. Ihre Kinder sieht sie nur selten, Sigmar, ihren Mann, fast gar nicht. Auch ihre künstlerische Karriere will nicht voranschreiten, zu unverständlich und düster wirken ihre Bilder auf die Dorfbevölkerung. Doch Anfang der fünfziger Jahre ändert sich die Lage. Karitas reist nach Paris, um dort neue Inspirationen für ihre Kunst zu erhalten. Zurück in Island findet sie endlich die Anerkennung, die sie verdient. Kann sie Sigmar jetzt auch an ihrem Leben teilhaben lassen?"

 

 

Buchdaten:
Aus dem Isländ. übersetzt von Coletta Bürling
Einband: Gebunden Verlag: Krüger, Frankfurt 2009
2. Aufl.
Seitenzahl: 557

Deutsch


ISBN13:9783810502643

ISBN-10: 3810502642

Meine abschließenden Worte
Insgesamt ist das ein wirklich großartiges Werk. Über ein ganzes Menschenleben, teils in Island, teils in USA, teils in Rom, teils in Paris spielt die Geschichte.
Und egal wo, von überall sind Einzelheiten über das Leben in diesen bestimmten Städten und Landschaften zu erfahren, über die Leute, mit denen Karitas zu tun hat, ihre Leben, ihre Arbeiten, einfach alles. Und die dutzende verschiedenen Charaktere zu *malen* - das gelingt der Autorin hervorragend!

Auch ihre Bildbeschreibungen sind sehr interessant. - Viele Bilder werden vorgestellt, aber nur mit Worten, Beschreibungen, warum und wieso sie zu diesem und jenem Zeitpunkt entstanden sind, was in der Malerin vorgegangen ist, was sie ausdrücken möchte.

Ein weiteres sehr interessantes Detail ist, wie die einzelnen Arten der Malerei beschrieben werden. Warum und wieso sie zu bestimmten Erlebnissen so und so malt. Oder warum sie eben gar nicht malen kann.

Mir war am meisten aufgefallen, wie sich ihr Leben zu einem Kind, hier ihrer Enkelin Silfá, verändert, wie sie Gefühle für ein Kind entwickelt, was ihr bei den eigenen Kindern versagt geblieben war.
Über die Gründe, warum sie damals ihre Kinder nicht selbst hatte, gibt es nur ganz kurze, vage Einwürfe. -
Sie muss damals auch schon mal diese Vorstellungen, Träume usw. gehabt haben, weshalb sie von ihrer Schwester dann sozusagen entmündigt wurde, ihre Kinder bei ihren Schwestern untergebracht wurden, bzw. im Haushalt ihres Bruders.
Darüber wird nie viel geschrieben und erklärt; es ist auch nicht derart wichtig, weil es aus der ganzen umfangreichen Geschichte dieses Buchs irgendwie herauszulesen ist.

Um nochmal auf das Leseerlebnis zurückzukommen; ich wusste schon nach den ersten 30 Seiten, dass das genau ein Buch ist, an dem ich über längere Zeit hänge, das vollauf zufrieden stellend, ja mehr, es begeistert.
Und die Begeisterung hielt an, über das ganze, teilweise nicht einfach zu lesende Buch.

Und selbst wenn ich in meiner Zusammenfassung sehr viel gesagt habe, es ist so viel und so vielgestaltig, dass das überhaupt nicht ins Gewicht fällt, wenn jemand das Buch lesen möchte. Ich hatte mir zwei Dutzend Stellen gekennzeichnet, die ich teilweise zitieren wollte, oder auch was dazu sagen wollte. Aber mich dann letztendlich dafür entschieden, über meinen Gesamteindruck nach dem Lesen zu berichten, das was ich so aus dem Hinterkopf heraus mitteilen wollte, um einen Einblick in dieses großartige Werk zu vermitteln.