Angeline Bauer
Hahnemanns Frau



Mein Zusammenfassung
Der Roman beginnt mit dem ersten Buch: Titel: Januar 1847.

Und es ist das Ende, als Samuel verstorben ist, und Melanie befindet sich in Paris, in ihrer Wohnung. Ein Gendarm kommt und will sie abholen zu einer Vernehmung. Es läuft ein Verfahren gegen sie, wegen unorthodoxer medizinischer Verfahren, die ihr Mann, Hahnemann, und auch sie angewandt hatten. -

Aber zuerst kommt die Schilderung, 8 Jahre vorher, wo sie, erkrankt, von Hahnemann hört, der in Deutschland, in Köthen praktizieren soll. Und sie beschließt, sich auf die Reise zu machen. Zur damaligen Zeit war das ein gefährliches Unterfangen, und für eine Frau ganz und gar ungewöhnlich. -

Die abenteuerliche Reise, wo sie als Mann verkleidet Überfälle und schlimme Sachen erlebt wird geschildert, und diese Reise von Paris nach Köthen in Anhalt dauert einige Wochen.
Sie reist mit einer Postkutsche; da sind Übernachtungen in schmutzigen Gasthöfen, grauenhaftem Essen, alles in allem eine riesige Strapaze für sie. - Sie lernte auch einige Leute kennen, darunter auch eine jung schwangere Frau, die auf dieser Reise ihr Kind bekommt, selbst aber stirbt…. -
Die Medizin in damaliger Zeit war nicht zu vergleichen mit der hundert Jahre später, oder gar mit heute, unvergleichlich.
Alleine diese Schilderung der Reise ist sehr interessant und spannend.

Als sie endlich in Köthen ankommt, logiert sie im Gasthaus ‚Zum bunten Fasan' und nimmt gleich Kontakt zu Hahnemann auf, sucht ihn auf in seiner Praxis. -Sie hatte ihm vorher einen Brief geschrieben, sie war also angemeldet. - Er ist ein galanter, gut aussehender älterer Herr, der ihr auf Anhieb sympathisch ist. - Er beginnt mit der Behandlung, und bald sind Fortschritte da, sie wird wieder gesund…. - aber sie hatte bei allen Behandlungen sich genau erklären lassen, was er ihr warum gibt…. und so wird sie sehr schnell seine aufmerksame Schülerin… - und, sie verliebt sich in den 45 Jahre älteren Mann.

Bei dieser ganzen sehr romantischen Liebesgeschichte werden immer wieder Behandlungsmethoden oder auch Unterhaltungen die das Gebiet der Pflanzenheilkunde und der Homöopathie zum Inhalt haben, erzählt.
So z.B., als er sich mit einer Bediensteten unterhält, die ihre Dienstherrin gepflegt hatte:

"Nun gut, du hast die Marquise bestens versorgt darum bin ich dir zu Dank verpflichtet und werde es dir erklären. Ganz sicher weißt du, dass manche Drogen einerseits hoch giftig sind, andererseits aber bei richtiger Anwendung auch heilend wirken können." ---- "Ja, den Holunder darf man zum Beispiel nicht vom Baum essen. Wenn man ihn aber abgekocht hat, ist er ungefährlich und kann sogar bei Erkältungen helfen." - --- "Richtig, ein paar wenige Beeren des ungekochten Holunders schaden zwar nicht und sind sogar ein wirksam Arznei bei Verstopfung, aber schon ein Handvoll davon würde unter Umständen zum Tode führen. Man bekäme heftigste Bauchkrämpfe und allerhand andere Vergiftungserscheinungen und würde schließlich am Durchfall sterben. Holunder ist also in hohem Grade ungenießbar, kann aber trotzdem heilen oder als Kochssaft, Likör oder Marmelade ganz vortreffliche schmecken. So verhält es sich auch mit vielen andren Stoffen aus der Natur. Nimmt man sie in ihrem natürlichen Zustand ein, schaden sie, obwohl ein großes Heilpotential in ihnen steckt. Verändert man sie aber in ihrer Struktur, geht die Giftigkeit verloren, und das Heilpotential kann sich entfalten."

Hahnemann

Hier ein Foto, von Wikipedia entnommen.

Und solche ähnliche Unterhaltungen kommen immer wieder, wo auch genau erklärt wird, wie er diese Kügelchen, Globuli genannt, anfangs herstellt. Alles sehr interessant, und wer schon einmal ein bisschen mit Homöopathie zu tun hatte, findet viele bekannte Einzelheiten, aus was und wofür welches Mittel eingesetzt wird. -
Aber ganz wichtig ist bei der Homöopathie, und das wird in diesem Buch ganz klar herausgestellt, die umfangreiche Anamneseerstellung jedes einzelnen Patienten. - So ist es unmöglich, bei einem bestimmten Mittel zu sagen, gegen was es eingesetzt werden soll. Weil es sich erst aus der Verwertung der Anamnese ergibt, welches Mittel überhaupt wirkungsvoll eingesetzt werden kann. -

Hahnemann und Melanie heiraten bereits heimlich drei Monate nachdem sie sich zum ersten Mal gesehen hatte. Es ist eine beiderseitige, große Liebe, und das hohe Alter Hahnemanns, er ist bereits 80, spielt keine Rolle. Als nicht nur die fachlichen und beruflichen Anfeindungen überhand nehmen, sondern auch noch antisemitische Probleme ihm gegenüber dazukommen, beschließt das Paar nach Paris überzusiedeln, wo Melanie Häuser hatte. Und finanziell war sie ohnehin sehr gut gestellt.

Aus Wikipedia habe ich mal folgende Information kopiert, ansonsten kann das jeder auch selbst nachlesen, ist umfangreiches Material über Samuel Hahnemann zu finden.

"In Paris verbrachte Hahnemann seine letzten acht Jahre als angesehener und vielbeschäftigter Arzt. Sein prominentester Patient dort dürfte 1837 der Geiger Niccolò Paganini gewesen sein, der offenbar unter Priapismus, Harnverhaltung und Husten litt. Er brach die Behandlung ab, nachdem sein Annäherungsversuch an Hahnemanns Frau von dieser brüsk zurückgewiesen worden war. In den letzten Jahren arbeitete Hahnemann an einer 6. Auflage seines Organon, die neue Vorschriften zur Arzneibereitung ("Potenzierung") enthielt, insbesondere zu den später so genannten Q-Potenzen (mit besonders großen Verdünnungsschritten von 1:50.000), über die es fast ein Jahrhundert lang eine virulente Gerüchteküche gab. Sie wurde, hauptsächlich aufgrund von Querelen zwischen Mélanie Hahnemann und verschiedenen Hahnemann-Schülern, erst 1921 von Richard Haehl aus dem Nachlass veröffentlicht. Eine nach Hahnemanns Tod von Arthur Lutze veröffentlichte Version gilt als nicht authentisch. Hahnemann starb am 2. Juli 1843 in Paris, vermutlich an einer Lungenentzündung. Er wurde zunächst auf dem Friedhof Montmartre beigesetzt, später (1898) zusammen mit seiner zweiten Frau auf dem Friedhof Père Lachaise begraben. Hahnemanns Grabstein trägt auf seinen persönlichen Wunsch die Inschrift "Non inutilis vixi" (dt.: "Ich habe nicht unnütz gelebt").

Melanie war eine sehr wohlhabende reiche Adlige, und sie konnten sich nach und nach passende Häuser einrichten oder auch kaufen, wo sie praktizieren konnten, aber auch ihren gesellschaftlichen Pflichten in entsprechendem privaten Ambiente nachkommen konnten. Hahnemann selbst besaß gar nichts, außer seinen Aufzeichnungen über seine Heilkunde, und seine anderen Bücher, die er mitgenommen hatte. Ansonsten hatte er sein eigenes Vermögen komplett seinen Töchtern überschrieben, einfach deshalb um ihnen den Wind aus den Segeln zu nehmen Melanie hätte den alten Vater nur wegen seines Geldes geheiratet - Was unsinnig war, Melanie war selbst sehr reich und hat ihren Mann die ganzen Jahre bis zu seinem Tod finanziell unterhalten und unterstützt.

Melanie hatte immer zusammen mit ihrem Mann praktiziert, aber hatte auch ihre eigenen Patienten, sie war mittlerweile selbst eine fachlich qualifizierte Homöopathin geworden. - Nur: es war Frauen nicht gestattet, zu studieren, also Ärztin konnte sie nicht werden, praktizieren durfte sie auch nicht. - Das war nur vorher in der Praxis ihres Mannes gegangen.

Ein alter Freund des Ehepaars, der Melanie von Anfang an sehr verehrte, war auch nach dem Tod von Hahnemann ihr getreuer Helfer und Begleiter geworden. Aber für sie gab es keine Liebe mehr nach Hahnemann. Sie blieb ihm freundschaftlich verbunden. - Er war ihr auch behilflich, die umfassenden Unterlagen ihres Mannes zu retten, als sie selbst verfolgt wurde.
Es handelte sich um diese 6. Auflage seines 'Oregon', wo er das mit den Q-Potenzen beschrieben hatte. - Aber er hatte Melanie das Versprechen abgenommen, das erst zu veröffentlichen, wenn die Zeit dafür reif ist……. - Und sie setzte ihr Leben zur Rettung dieser Unterlagen ein…. Das ist in allen Einzelheiten gut beschrieben, hochinteressant und spannend.

 

 

Die Autorin
"Angeline Bauer, geboren 1952, Psychologin, ist als ausgebildete Tänzerin an verschiedenen deutschen Theatern tätig und seit 1982 hauptberufliche Autorin. 1992 eröffnete sie eine eigene Praxis für Psychologische Beratung in Brautlach bei München. Zahlreiche Veröffentlichungen."

 

Buchdaten:
Verlag: Aufbau
Tb 2005
Seitenzahl: 362
Deutsch

ISBN-13: 9783746617787 ISBN-10: 3746617782

 

 

 

Klappentext:
"Das unerhörte Leben der ersten Homöopathin -
Durch eine rätselhafte Krankheit gerät Melanie, eine junge, umschwärmte Pariser Malerin, in eine tiefe Krise. Sie ist überzeugt, dass ihr einzig und allein Samuel Hahnemann helfen kann, der Begründer der Homöopathie, der im fernen Köthen praktiziert. Als Mann verkleidet, macht sie sich auf den gefährlichen Weg. Hahnemanns Töchter begegnen ihr überaus feindselig - besonders, als sie bemerken, dass ihr fast achtzigjähriger Vater sich in die elegante Künstlerin verliebt. Eine unerhörte und als ungehörig angesehene Liebesgeschichte beginnt. Ein spannender, auf historischen Begebenheiten basierender Roman über Frau, die gegen alle Widerstände für ihren Mann und dessen Lehre kämpft."

(der Buchbeschreibung entnommen).

Meine abschließende Meinung
Natürlich war mir der Name Hahnemann ein Begriff; aber über sein Privatleben hatte ich nie was gelesen, und auch sonst nicht viel Näheres über ihn gewusst. - Und war positiv überrascht, wie die Autorin diesen Pionier der Homöopathie beschreibt. -

Gut, es geht um sein Leben ab 80, das Buch hat ja die Geschichte seiner zweiten Frau zum Inhalt. -
Und es ist keine reine Liebesgeschichte, sie ist lediglich impliziert.
Ebenso interessant ist nämlich alles andere, was die Autorin beschreibt.
Es geht ja auch um die gesellschaftlichen und politischen Situationen in dieser Zeit, und zwar in Paris, aber auch in Köthen.
Aber vor allem natürlich um die Diskriminierung dieser neuartigen Heilmethoden dieses Exoten Hahnemann. -

Er musste sich, ebenso wie auch später seine zweite, junge Frau, schlimmsten Anfeindungen und Anklagen stellen.

Ein hochinteressantes Werk dieser Autorin; am Ende des Buchs beschreibt sie ihre Quellen, und ihre Recherchen. Was sie dazu erfunden hat, und was wirklich real war. - Erfunden sind nur Kleinigkeiten, die mit dem Tun und dem Werk Hahnemanns und seiner Frau nichts zu tun haben, wie z.b. eine kleine Geschichte einer armen Magd, die ein krankes Kind hat, das geheilt wird, hier sind die Namen frei erfunden und ähnlichen Schilderungen aus dem Tagebuch von Melanie entnommen.

Dieses Buch wird für alle, die sich bereits mit Homöopathie angefreundet haben, ein Genuss sein. Aber auch für alle anderen, wenn sie sich mal ein bisschen informieren wollen über die Grundlagen der Homöopathie und ihrer Geschichte.

hier die webseite mit den ganzen Informationen über Hahnemann


hier kann man alles über Hahnemann selbst lesen. und auch ein Foto, Wikipedia entnommen, habe ich hier eingefügt.