John Bayley

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Meine Zusammenfassung
John Bayley schreibt die Geschichte seiner Ehe mit Iris Murdoc . Er sieht sie 1953 zum ersten Mal, und ist gleich fasziniert von ihrer Persönlichkeit. Iris Murdoch verstarb 1999, nach 45 Jahren Ehe mit John Bayley. Ihre letzten Jahre verbrachte sie im geistigen Dunkel -- sie litt an Alzheimer. In diesem Buch erinnert der Autor sich an ihre gemeinsame Zeit, von Anfang an. Bewundernd erzählt er von der zurückgezogenen, mystischen und kreativen Iris, die ihn in ihren Bann zieht.
Ihr gemeinsames Leben definiert sich durch liebevolle Distanz:
"Dieses Auseinandersein ist Teil der Nähe, vielleicht sogar ihre Bestätigung ganz gewiß aber ein Zeichen vollkommenen Verstehens". Als sich bei Iris 1994 die ersten Anzeichen von Alzheimer zeigen, erlebt diese Beziehung eine etwas andere Definition. Ihre Persönlichkeit und ihr Gedächtnis zerfällt, Bayley kümmert sich jetzt um seine Frau, sie ist auf seine Hilfe angewiesen, könnte alleine nicht leben. Dieses Buch des Autors ist eine Hommage an die große Liebe. John Bayley erinnert sich daran, als seine Frau nicht mehr dazu in der Lage ist..
Er möchte die Vergangenheit nochmal erleben und fügt dieses vielen glücklichen Momente in die Geschichte ein.
Der Autor schreit nicht chronologisch, von seinen Erinnerungen beeinflusst springt er von Ereignissen aus der Vergangenheit zur Erlebnissen in der Gegenwart. Ich zitiere mal hier zwei Stellen, die mich sehr beeindruckt haben:
"Meine Sympathie für das, was in Iris vorging oder vielleicht vorging, zusammen mit meiner Unfähigkeit, es zu verstehen oder mich hineinzudenken, muss sich schon recht früh entwickelt haben.
Bei unserem Gedankenaustausch über den Anfang von *Die Wasser der Sünde* (The Bell) erreichte die Sympathie etwas, was ich in unsrer Ehe inzwischen als so selbstverständlich betrachtete wie Luft oder Wasser. Denn es hatte bereits jener eigenartige und wohltätige Prozess eingesetzt, in dessen Verlauf ein Paar >enger und enger auseinanderrückt<, wie der australische Lyriker A.D. Hope schreibt. Dieses Auseinandersein ist Teil der Nähe, vielleicht sogar ihre Bestätigung, ganz gewiss aber ein Zeichen vollkommenen Verstehens. Es ist ein Verstehen, das nichts Bedrohliches oder Kontrollierendes an sich hat, nichts von dem, was Ehepaare in Wirklichkeit meinen, wenn sie Vertrauten oder Beratern gegenüber sagen (oder angeblich sagen), dass ihr Partner sie nicht verstehe. Denn das heißt im Allgemeinen, dass ein Partner den anderen nur zu gut versteht (oder beide einander) und es lieber nicht täte. Noch viel weniger hat dieses Auseinandersein mit dem zu tun, was die Franzosen *solitude á deux* nennen die freiwillige innere Abschottung eines Paares gegen alles außerhalb seiner Ehe.
Die Einsamkeit, die ich in der Ehe zu schätzen gewusst habe (und Iris auch, wie ich glaube), gleicht ein wenig einem Spaziergang, den man allein und in dem Wissen unternimmt, dass man am nächsten Tag oder bald wieder in Gesellschaft des anderen gehen wird. Oder ebenso gut auch nicht. Es ist eine Einsamkeit, die nichts, was außerhalb der Ehe ist, ausschließt und die das Gefühl für eine mögliche Vertrautheit mit Dingen oder Menschen in der Außenwelt schärft. Diese Sympathie im Auseinandersein braucht jedoch Zeit zum Wachsen, und sie ist ihrer Art nach etwas völlig anderes als jene berauschende Einsicht in die Fremdheit eines anderen Wesens, die zu den aufregenden Erlebnissen des Sicherverliebens gehört."

Und diese Stelle:
" - - -Jeden Abend bereitete sie ganz friedlich Kleidungsstücke von sich auf meiner Seite des Bettes aus, und wenn ich sie ruhig wegnehme, sind sie gleich darauf wieder da. Ist es so etwas wie Fürsorge? Ist das der Grund? Es könnte aber auch eine einfachere Form von Verwirrtheit sein, denn wenn wir schlafen gehen, fragt sie mich oft, auf welcher Seite des Bettes sie sein sollte. Oder ist es etwas Tiefergehendes, Umfassenderes, weniger Bewußtes und *Fürsorgliches*, als es dieses viel zu selbst-bewußte  Adjektiv nahelegt? In der Vergangenheit hat sie sich, gottlob, nie um mich kümmern wollen. Ja, dass sie sich über mein tägliches Wohlergehen auf heiter wohlwollende Weise keine Gedanken machte, gehörte zu den vielen angenehmen Seiten des Zusammenlebens mit ihr. So friedlich. Da ich selbst ein sehr aktiver Mensch bin, bestand ich darauf, mich um sie zu kümmern, während sie sich nie dazu zu zwingen brauchte, sich um mich zu kümmern. Als ich mir jedoch einmal in der Weihnachtszeit im Schnee das Bein brach und ein paar Tage lang im zwölf Kilometer entfernten Krankenhaus in Banbury liegen musste, kam sie und wohnte in einer Frühstückspension direkt beim Krankenhaus. Ich flehte sie an, zu Hause zu bleiben und zu arbeiten, anstatt ihre Zeit zu verschwenden, sie könne ohnehin nichts tun. Aber nein, sie blieb, bis ich wieder fit genug war, um mir ihr nach Hause zurückzukehren. Philosophen pflegten früher über die Frage zu disputieren, ob man den Schmerz, den ein anderer im Fuß empfindet, selbst auch fühlen könne. Iris konnte dies ganz bestimmt nicht. Vermutlich geht es bei der Frage (wenn es denn um etwas geht) darum herauszufinden, ob es so etwas wie physische Sympathie im Sinne der Naturphilosophie gibt. >Sie versteht dich vielleicht nicht, aber sie fühlt immer mit dir< charakterisierte Coleridge in blauäugiger Weise seine ideale Frau. Man braucht kein Feminist zu sein, um das für Unsinn zu halten. Es ist ganz unabhängig vom Geschlecht, ob jemand fähig ist oder nicht, die Freude oder den Schmerz anderer mit zu empfinden, so wie es auch nicht vom Geschlecht abhängt, ob jemand riechen kann oder nicht - - - "

John Bayley erzählt hier die Liebesgeschichte seiner Ehe mit Iris....Ich habe eine solche Liebesgeschichte noch niemals gelesen. Sie ist außergewöhnlich, und mit keinem *Liebesgeschichten-Buch* oder *Liebesgedicht* vergleichbar. - Ich kenne jedenfalls keines, das auch nur in die *Nähe* dieser *Elegie* kommen könnte -.

Hier noch ein paar interessante Stellen:
" - - - und so begann unsere Ehe. Und mit ihr begannen die Freuden der Einsamkeit. Darin lag kein Widerspruch. Das eine vertrug sich vollkommen mit dem anderen. Zu fühlen, dass man gehalten und geliebt und begleitet wird, und doch alleine zu sein. Eng und physisch miteinander verflochten zu sein und doch die freundliche Gegenwart der Einsamkeit zu spüren, die so warm und tröstlich ist, wie die Nähe selbst. - - -"

Eine andere Stelle:
"Unser Leben unterschied sich sehr von unserem jetzigen. Es war so, als wäre man allein, und doch war man es nicht. Ich reiste nie in Gedanken mit Iris mit, wenn sie für kurze Zeit abwesend war, sei es in London oder wenn sie unterrichtete, oder einmal, als sie mit einem Forschungsstipendium ein halbes Semester in Yale verbrachte. Und ich glaube nicht, dass sie jemals das Bedürfnis oder Wunsch verspürt, überstürzt zu mir zurückzukehren. Wir waren nicht zusammen, aber wir waren nie getrennt. Ich betrachtete auch nie ein Foto von ihr Fotos schienen mit ihr, wie sie wirklich war, nichts zu tun zu haben."

und noch eine Stelle:
"Zum ersten Mal sind wir jetzt zusammen, sind tatsächlich das geworden, was man oft von glücklich verheirateten Paaren sagt: unzertrennlich. Es ist eine ungewohnte Lebensform. Die Nähe des Für-sich-Seins ist notwendigerweise zu einer Nähe der Nähe geworden. Und wir wissen nicht, wie das geht: wir haben darin keine Übung. - -"


 

 


John Bayley,
Professor für Englisch an der Oxford University, Fellow of St. Catherine's College und Chairman des Booker Prize Committee, ist ein bedeutender Literaturwissenschaftler
und Romanschriftsteller.

Iris Mordoch,
Philosophin, Autorin zahlreicher Romane, wurde für ihr literarishes Werk der Titel "Dame of the British Empire" verliehen. Sie war 43 Jahre mit John Bayleyx verheiratet und starb 1999 im Alter von 79 Jahren.

 

 

 

Klappentext:
"John Bayley erzählt in diesem zutiefst anrührenden Buch die Geschichte seiner Ehe mit Iris Murdoch, einer der bekanntesten Schriftstellerinen ihrer Zeit. Er begegnet 1953 Iris Murdoch zum ersten Mal, und mit dem ersten Blick erfährt er eine Faszination, die ihn nie mehr loslassen sollte. 1999 verstarb Iris Murdoch; nach 45 Jahren Ehe mit John Bayley. Die letzten Jahre verbrachte die Philosophin und Schriftstellerin, die Romane, wie zum Beispiel In guter Absicht oder Henry und Cato verfasste, im geistigen Dunkel -- sie litt an der Alzheimerschen Krankheit."

"In >Elegie für Iris< erinnert Bayley sich an ihre gemeinsame Zeit, vom ersten Augenblick an. Mit Bewunderung erzählt er von der zurückgezogenen, mystischen und kreativen Iris, die er nie ganz versteht und die ihn trotzdem oder genau deshalb so in ihren Bann zieht. Ihr gemeinsames Leben wird definiert durch liebevolle Distanz: "Dieses Auseinandersein ist Teil der Nähe, vielleicht sogar ihre Bestätigung ganz gewiß aber ein Zeichen vollkommenen Verstehens".

Doch Tragik schleicht sich in die Beziehung ein, als sich bei Iris 1994 die ersten Anzeichen von Alzheimer zeigen. Ihre Erinnerung und Persönlichkeit zerfällt, Bayley muss sich fortan ununterbrochen um seine Frau kümmern. Elegie für Iris ist eine Hommage an die große Liebe. John Bayley erinnert sich zu einem Zeitpunkt, zu dem seine Frau dazu nicht mehr in der Lage ist. Die Notwendigkeit, die Vergangenheit wieder zu erleben und das damit verbundene, wieder auflebende Glücksgefühl fließt in seine Erzählung mit ein.

Der Schriftsteller und Professor für Englisch hält sich nur grob an die Chronologie, von Erinnerungen mitgerissen springt er von Ereignissen zu Kunstwerken, lässt noch einmal das glitzernde Wasser vor seinem geistigen Auge vorüberfliessen, genießt längst zurückliegende Festessen und spürt die Wärme eines Sommertages in Italien."


 


















Ich wollte auf dieses Auszüge aus dem Buch nicht verzichten, weil ich sie für erstens nicht umformulierbar halte, und zweitens für sehr wichtig, um dieses außerordentliche Verhältnis des Autors zu seiner Frau deutlich zu machen. Gegen Ende erfährt man viele Einzelheiten, die mit der Krankheit Alzheimer zu tun haben, wie die ersten Anzeichen interpretiert wurden, wie die Bayleys damit umgehen, wie sich die Gemeinschaft der beiden verändert. Bayley versetzt sich immer mehr in die *Denkweise* von Iris, und entdeckt interessante Zusammenhänge. - Er begibt sich (muss) auf die gleiche Linie der Gedanken von Iris, ihre Sprache wird sehr einfach, ja *kindisch*. Er fährt auch schon mal aus der Haut, schreit sie an, kann es oft kaum noch aushalten, aber Iris, auch im späteren Stadium dieser Krankheit, bleibt meistens freundlich und nachsichtig und Bayley findet *Rezepte*, um das Leben erträglich zu gestalten. Sie verreisen auch noch, wie zu lesen ist 1997 auch noch (1999 starb Iris). Diese Reisen waren schon sehr anstrengend, aber Bayley findet auch immer wieder was Lustiges, sieht manches humorvoll und begleitet Iris bis zum Ende. - Er schreibt dieses Buch ja nach dem Tod von Iris, und sicher sieht er es dann anders als direkt bei den geschilderten Begebenheiten, aber er versteht es meisterhaft, die aktuellen Empfindungen und Reaktionen auszudrücken - - -. Und: Ohne seine wahrhaftige und ehrliche Liebe zu seiner Frau Iris wäre ihm das nicht möglich gewesen. Alles in Allem ein sehr lesenswertes Buch!!!! Weil es nicht nur den Umgang mit einer Krankheit beschreibt, sondern sehr viele philosophische und humanistische Einblicke bietet, die nicht nur im Umgang mit einem kranken Partner hervorzuheben sind. Vielleicht kennt jemand dieses Buch oder hat Erfahrung mit dieser Krankheit. Aber wir können jeden Tag mit dieser Krankheit konfrontiert werden, sei es bei uns selbst oder einem Familienmitglied. Ich weiß, dass das im Nachhinein alles schön zu schreiben ist. Klar. - Und ich weiß auch, wie schwer das ist, mit dieser Krankheit umzugehen. Aber der Autor hat nicht nur seine eigenen Erlebnisse in diesem Buch verarbeitet, sondern versucht auch Betroffenen etwas zu vermitteln. Und zwar, dass auch damit umzugehen ist, und er beschreibt als Beispiel eben seine Erlebnisse mit Iris. Im Buch sind zahlreiche Fotos von Iris, von beiden, von Iris als sie noch jung war, als sie dann nach und von der Krankheit gezeichnet war. Noch ein ganz wichtiger Hinweis von mir: Dieses Buch ist für jeden interessant. Ich selbst habe keine Angehörigen mit dieser Krankheit (bis jetzt) - aber dennoch hat mich dieses Thema sehr interessiert. Und wenn es dann auch noch so wunderbar beschrieben wird wie von diesem Autor, tja dann ist das einfach ein wunderbar zu lesender Roman, mit sehr interessanten, nicht zuletzt philosofischen Inhalten, und: auch zum Nachdenken anregt. Nicht nur im Zusammenhang mit dieser Krankheit, sondern auch ganz allgemein bezüglich einer Partnerschaft.


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