Amy Bloom

bloom_die_unglaubliche_buchtitel

 

 

"Inhalt:

3. Juli 1924
Und dort verloren,
eine goldene Feder in einem fremden, fremden Land
Äpfel und Birnen
Das Hohelied der Liebe
Ich habe meine Jugend verloren wie ein Spieler sein Spiel mit schlechten Karten
Hätte ich Ketten, ich würde dich zu mir ziehen Ophan Road

3. September 1925 Ist es nicht gemein, so schön zu sein, so schön?
Woraus die Leute gemacht sind

5. Oktober 1925
Schwere Zeiten, schwere Zeiten
O schöne Stadt Brot der Welt

19. Mai 1926
In Kanaan, in Kanaan, da werden wir uns sehn
Unser kurzes Leben."

Meine kurze Zusammenfassung:
Lillian kommt 1920 auf einem Einwandererschiff in New York an. Sie hat eine Adresse einer Cousine, und muss dahin aber von dem einen Ende der Stadt ins andere Ende laufen, ist also stundenlang unterwegs mit ihrem Ranzen und kaum Geld. Sie ist aus ihrem Heimatdorf in Russland mehr oder weniger geflohen, nachdem die Juden dort abgeschlachtet worden waren, u.a. auch ihr Mann und ihre Eltern. Ihr Töchterchen Sophie konnte sie noch zum Hühnerstall schicken, sie selbst versteckte sich und überlebte.

Bei ihrer Cousine hat sie ein Bett, das sie aber teilt, und zwar gibt's dort Tagschläfer und Nachtschläfer, und Betten werden so vermietet: morgens geht der eine, dann kommt der andere.

Sie bekommt schließlich bei einem jüdischen Theater in der 2. Avenue in N.Y. eine Stelle als Näherin. Sie macht auf sich aufmerksam was ihr auch gelingt, und der Regisseur des Theaters wird ihr Liebhaber, allerdings auch sein bisexueller Sohn, ein schöner junger Schauspieler.

Sie bekommt von diesem seltsamen Paar eine Wohnung, schön eingerichtet, und so kommt mal der Vater, mal der Sohn.
Als sie meint, schwanger zu sein, will der Sohn sie heiraten, das Kind wäre allerdings von seinem Vater gewesen, war beiden recht. Als sie dann aber doch nicht schwanger ist, sind die Heiratspläne vom Tisch.
Als eines Tages eine andere Cousine auch in N.Y. ankommt, und plötzlich in ihrer Wohnung auftaucht, erfährt sie von dieser, dass ihre Tochter Sophie noch lebt. Und zwar berichtet die Cousine, Sophie wäre von anderen Verwandten gefunden worden, als ihre eigene Tochter ausgegeben worden und mit nach Sibirien gezogen, wo die Russen damals ein jüdisches Dorf einrichteten, wo sie alle Juden hintransportierten, wenn sie nicht erschlagen wurden.
Als Lillian das hört, ist für sie klar, sie muss ihre Tochter suchen und sich auf die Reise begeben.

Sie bekommt eine Karte von einem anderen Kollegen des Theaters, der ihr diese in ihren Mantel einnäht. Einige Dollars, mehr nicht, und paar Sachen zum Anziehen, und damit will sie auf die Reise quer durch die USA über Seattle, Vancouver, Dawson nach Alaska ziehen, und von dort dann über die Behringstraße nach Sibirien.

Und die Schilderung dieser ganzen langen, sehr abenteuerlichen Reise wird nun geschildert. Der Stil ist seltsam, gewöhnungsbedürftig. - Es wird einfach mitten in ein Geschehen eingetaucht, beschrieben was und wie Lillian agiert; einige Lebensgeschichten der vielen Leute, die ihr begegnen, werden skizziert; alles und viele Abenteurer darunter, und sehr häufig aus dem Huren- und Spielermilieu. - Ihr ist das egal, sie schläft auch mit dem oder dem, ihr geht es ums Überleben, und vor allem, an ihr Ziel zu kommen.

Einmal ist sie sogar mehrere Wochen in einem Gefängnis, wird aber von einem vorher angefreundeten Witwer protegiert und als sie entlassen wird, von ihm mit dem nötigsten versorgt und sie geht wieder weiter auf ihrer Reise.

Sie will auf dem Yukon entlang zunächst nach Dawson kommen und dort weiter nach Alaska. Sie kauft sich ein Boot, das angeblich diese Reise schaffen soll. Aber nach nur 7,5 Meilen muss sie aufgeben, das Boot schaukelt nur herum, von einem Ufer zum anderen und sie kommt kaum vorwärts.

Und wie es weitergeht lasse ich jetzt mal offen, das wäre die Auflösung. Obwohl, auch wenn man das alles was ich jetzt angerissen habe, gelesen hat hier, ist noch so viel und das wichtigste im Buch selbst zu lesen.
Interessant, ganz am Anfang in N.Y. bekommt Lillian ein Wörterbuch, und ein Wörterbuch mit Synonymen, das wichtiger als das normale Wörterbuch sein soll. Und häufig, wenn von Lillian die Rede ist, verwendet die Autorin dann, immer in Klammern gesetzt alle Synonyme für ein verwendetes, bedeutsames, interessantes Wort.

 

 

 

 

"Amy Bloom, geboren 1953, hat bereits mehrere Romane und Erzählungen veröffentlicht.

Neben Kurzgeschichten und ihrem ersten Roman "Das Mädchen im Pelzmantel" hat sie auch ein wissenschaftliches Buch mit dem englischen Titel "Normal" geschrieben.

Ihr Erzählungsband "Liebe ist ein seltsames Kind" wurde für den National Book Award nominiert.

Bloom schreibt unter anderem für den New Yorker, The New York Times, The Atlantic Monthly und Vogue und arbeitet zudem als Therapeutin. Sie lehrt an der Yale University Creative Writing."

(dem Klappentext entnommen)

 

 

 

Daten zum Buch:

Die unglaubliche Reise der Lillian Leyb Originaltitel: "Away" Hoffmann und Campe Verlag,

erschienen Februar 2008 Übersetzt von Adelheid Dormagen Hardcover,

320 Seiten

ISBN: 978-3-455-40091-5

Zunächst ist der Stil auffallend; nicht im "normalen Erzählstil" geschrieben, sondern die Sätze und Halbsätze werden einfach so hingeworfen. Es werden Personen geschildert, wo der Leser schnell weiß in welchem Milieu sie sich befinden. Meistens ist es das Huren- ,Zuhälter- und Spielermilieu, oder eben im Gefängnis alle möglichen Leute.
Und immer sind genug Gauner und Diebe dabei.Und Lillian selbst klaut so selbstverständlich wie die auch, die sie trifft.

Die Charaktere werden alle ausführlich geschildert, aber nicht durch Adjektive, sondern einfach durch das wie beiläufiige Erzählen ihrer Aktivitäten.

Lebenskunst auf einfachster Ebene erlebt man durch Lillian selbst, aber auch durch die vielen anderen Menschen, denen sie begegnet.

Der Roman ist fiktiv, in der Erzählung weder an Zeit noch an Orte gebunden. Der Leser wird vom einen Schauplatz in den anderen geführt, auch von einer Zeit in die andere.

Hier die abschließende Anmerkung der Autorin:

"Dies ist von Anfang bis Ende ein Werk der Fiktion. So gut ich es vermochte, habe ich mich dabei an die besonderen Gegebenheiten und Fakten von Geografie und Chronologie, von Sitten und Gebräuchen der Vergangenheit gehalten. Wo es der Handlung zuträglich war, habe ich Gegenstände und Menschen versetzt, ein wenig geändert und neu arrangiert."