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Titel
Leseprobe
Ansichten eines Clowns
(Auszug aus Kapitel 22)
Ich war tatsächlich einmal hingefahren und hatte mich mit
irgendwelchen Kulturfritzen in Erfurt getroffen. Sie empfingen mich mit
ziemlichem Pomp am Bahnhof, Riesenblumensträuße, und im
Hotel gab es anschließend Forelle blau, Kaviar, Halbgefrorenes
und Unmengen von Sekt. Dann fragten sie uns, was wir denn von Erfurt
sehen möchten. Ich sagte, ich würde gern die Stelle sehen, wo
Luther seine Doktordisputation gehalten habe, und Marie sagte, sie habe
gehört, es gebe in Erfurt eine katholisch-theologische
Fakultät, sie interessiere sich für das religiöse Leben.
Sie machten saure Gesichter, konnten aber nichts machen, und es wurde
alles sehr peinlich: für die Kulturfritzen, für die Theologen
und für uns. Die Theologen mußten ja meinen, wir hätten
irgend etwas mit diesen Idioten zu tun, und keiner sprach offen mit
Marie, auch als sie sich über Glaubensfragen mit einem Professor
unterhielt. Der merkte irgendwie, daß Marie nicht richtig mit mir
verheiratet war. Er fragte sie in Gegenwart der Funktionäre:
»Aber Sie sind doch wirklich Katholikin?», und sie wurde
schamrot und sagte: »Ja, auch wenn ich in der Sünde lebe,
bleibe ich ja katholisch.« Es wurde scheußlich, als wir
merkten, daß auch den Funktionären unser
Nichtverheiratetsein gar nicht gefiel, und als wir dann zum Kaffee ins
Hotel zurückgingen, fing einer der Funktionäre davon an,
daß es bestimmte Erscheinungsformen kleinbürgerlicher
Anarchie gebe, die er gar nicht billige. Dann fragten sie mich, was ich
vorführen wolle, in Leipzig, in Rostock, ob ich nicht den
»Kardinal«, »Ankunft in Bonn« und
»Aufsichtsratssitzung« vorführen könne. (Woher
sie vom Kardinal wußten, haben wir nie herausgekriegt, denn diese
Nummer hatte ich für mich allein einstudiert, sie nur Marie
gezeigt, und die hatte mich gebeten, sie doch nicht aufzuführen;
Kardinäle trügen nun einmal Märtyrerrot.) Und ich sagte
nein, ich müsse erst die Lebensbedingungen hier ein wenig
studieren, denn der Sinn der Komik läge darin, den Menschen in
abstrakter Form Situationen vorzuführen, die ihrer eigenen
Wirklichkeit entnommen seien, nicht einer fremden, und es gäbe ja
in ihrem Land weder Bonn noch Aufsichtsräte, noch Kardinäle.
Sie wurden unruhig, einer wurde sogar blaß und sagte, sie
hätten sich das anders vorgestellt, und ich sagte, ich auch. Es
war scheußlich. Ich sagte, ich könnte ja ein bißchen
studieren und eine Nummer wie »Sitzung des Kreiskomitees«
vorführen oder »Der Kulturrat tritt zusammen« oder
»Der Parteitag wählt sein Präsidium« - oder
»Erfurt, die Blumenstadt«; es sah gerade um den Erfurter
Bahnhof herum nach allem anderen, nur nicht nach Blumen aus - aber da
stand der Hauptmacher auf, sagte, sie könnten doch keine
Propaganda gegen die Arbeiterklasse dulden. Er war schon nicht mehr
blaß, sondern richtig bleich - ein paar andere waren wenigstens
so mutig zu grinsen. Ich erwiderte ihm, ich sähe keine Propaganda
gegen die Arbeiterklasse darin, wenn ich etwa eine leicht
einzustudierende Nummer wie »Der Parteitag wählt sein
Präsidium« vorführte, und ich machte den dummen Fehler,
Bardeidag zu sagen, da wurde der bleiche Fanatiker wild, schlug auf den
Tisch, so heftig, daß mir die Schlagsahne vom Kuchen auf den
Teller rutschte, und sagte: »Wir haben uns in Ihnen
getäuscht, getäuscht«, und ich sagte, dann könnte
ich ja abfahren, und er sagte: »Ja, das können Sie - bitte,
mit dem nächsten Zug.« Ich sagte noch, ich könnte ja
die Nummer »Aufsichtsrat« einfach »Sitzung des
Kreiskomitees« nennen, denn da würden ja wohl auch nur
Sachen beschlossen, die vorher schon beschlossene Sache gewesen
wären. Da wurden sie regelrecht unhöflich, verließen
das Sälchen, bezahlten nicht einmal den Kaffee für uns. Marie
weinte, ich war nahe daran, irgend jemand zu ohrfeigen, und als wir
dann zum Bahnhof hinübergingen, um mit dem nächsten Zug
zurückzufahren, war weder ein Gepäckträger noch ein Boy
aufzutreiben, und wir mußten eigenhändig unsere Koffer
schleppen, etwas, was ich hasse. Zum Glück begegnete uns auf dem
Bahnhofsvorplatz einer von den jungen Theologen, mit denen Marie am
Morgen gesprochen hatte. Er wurde rot, als er uns sah, nahm aber der
weinenden Marie den schweren Koffer aus der Hand, und Marie
flüsterte die ganze Zeit über auf ihn ein, er solle sich doch
nicht in Schwierigkeiten bringen.
Es war scheußlich. Wir waren im ganzen nur sechs oder sieben
Stunden in Erfurt gewesen, aber wir hatten es mit allen verdorben: mit
den Theologen und mit den Funktionären.
Als wir in Bebra ausstiegen und in ein Hotel gingen, weinte Marie die
ganze Nacht, schrieb morgens einen langen Brief an den Theologen, aber
wir erfuhren nie, ob er ihn wirklich bekommen hat.
Auszug aus Kapitel 10)
Ich glaube, es gibt niemanden auf der Welt, der einen Clown versteht,
nicht einmal ein Clown versteht den anderen, da ist immer Neid oder
Mißgunst im Spiel. Marie war nah daran, mich zu verstehen, ganz
verstand sie mich nie. Sie meinte immer, ich müßte als
»schöpferischer Mensch« ein »brennendes
Interesse« daran haben, soviel Kultur wie möglich
aufzunehmen. Ein Irrtum. Ich würde natürlich sofort ein Taxi
nehmen, wenn ich abends frei hätte und erführe, daß
irgendwo Beckett gespielt wird, und ich gehe auch hin und wieder ins
Kino, wenn ich genau überlege, sogar oft, und immer nur in Filme,
die auch für Sechsjährige zugelassen sind. [...] Was ein
Clown braucht, ist Ruhe, die Vortäuschung von dem, was andere
Leute Feierabend nennen. Aber diese anderen Leute begreifen eben nicht,
daß die Vortäuschung von Feierabend für einen Clown
darin besteht, seine Arbeit zu vergessen, sie begreifen es nicht, weil
sie sich, was für sie wieder vollkommen natürlich ist, erst
an IHREM Feierabend mit sogenannter Kunst beschäftigen. Ein
Problem für sich sind die künstlerischen Menschen, die an
nichts anderes als Kunst denken, aber keinen Feierabend brauchen, weil
sie nicht arbeiten. Wenn dann einer anfängt, einen
künstlerischen Menschen zum Künstler zu ernennen, entstehen
die peinlichsten Mißverständnisse. Die künstlerischen
Menschen fangen immer genau dann von Kunst an, wenn der Künstler
gerade das Gefühl hat, so etwas wie Feierabend zu haben. Sie
treffen meistens den Nerv ganz genau; in diesen zwei, drei, bis zu
fünf Minuten, wo der Künstler die Kunst vergißt,
fängt ein künstlerischer Mensch von van Gogh, Kafka, Chaplin
oder Beckett an. In solchen Augenblicken möchte ich am liebsten
Selbstmord begehen - wenn ich anfange, NUR an die Sache zu denken, die
ich mit Marie tue, oder an Bier, fallende Blätter im Herbst, an
Mensch-ärgere-dich-nicht oder an etwas Kitschiges, vielleicht
Sentimentales, fängt irgendein Fredebeul oder Sommerwild von Kunst
an. Genau in dem Augenblick, wo ich das ungeheuer erregende Gefühl
habe, ganz normal zu sein, auf eine so spießige Weise normal wie
Karl Emonds, fangen Fredebeul oder Sommerwild von Claudel oder Ionesco
an. Ein bißchen davon hat auch Marie, früher weniger, in der
letzten Zeit mehr. Ich merkte es, als ich ihr erzählte, daß
ich anfangen würde, Lieder zur Guitarre zu singen. Es traf, wie
sie sagte, ihren ästhetischen Instinkt. Der Feierabend des
Nichtkünstlers ist die Arbeitszeit eines Clowns. Alle wissen, was
Feierabend ist, vom hochbezahlten Manager bis zum einfachsten Arbeiter,
ob diese Burschen Bier trinken oder in Alaska Bären
schießen, ob sie Briefmarken sammeln, Impressionisten oder
Expressionisten (eins ist sicher, wer Kunst SAMMELT, ist kein
Künstler). - Schon die Art, wie sie sich ihre Feierabendzigarette
anstecken, eine bestimmte Miene aufsetzen, kann mich zur Raserei
bringen, weil ich dieses Gefühl gerade gut genug kenne, sie um die
Dauer des Gefühls zu beneiden. Es gibt Augenblicke des Feierabends
für einen Clown - dann mag er die Beine ausstrecken und für
eine halbe Zigarette lang wissen, was Feierabend ist. Mörderisch
ist der sogenannte Urlaub: Das kennen die anderen offenbar für
drei, vier, sechs Wochen! Marie hat ein paarmal versucht, mir dieses
Gefühl zu verschaffen, wir fuhren an die See, ins Binnenland, in
Bäder, ins Gebirge, ich wurde schon am zweiten Tag krank, war von
oben bis unten mit Pusteln bedeckt, und meine Seele war voller
Mordgedanken. Ich denke, ich war krank vor Neid. Dann kam Marie auf den
fürchterlichen Gedanken, mit mir Ferien zu machen an einem Ort, wo
Künstler Urlaub machen. Natürlich waren es lauter
künstlerische Menschen, und ich hatte am ersten Abend schon eine
Schlägerei mit einem Schwachsinnigen, der im Filmgewerbe eine
große Rolle spielt und mich in ein Gespräch über Grock
und Chaplin und den Narren in Shakespeares Dramen verwickelte. Ich
wurde nicht nur ganz schön zusammengeschlagen (diese
künstlerischen Menschen, die es fertigbringen, von
kunstähnlichen Berufen gut zu leben, arbeiten ja nicht und
strotzen vor Kraft), ich bekam auch eine schwere Gelbsucht. Sobald wir
aus diesem fürchterlichen Nest heraus waren, wurde ich rasch
wieder gesund.
Was mich so unruhig macht, ist die Unfähigkeit, mich zu
beschränken oder, wie mein Agent Zohnerer sagen würde, zu
konzentrieren. Meine Nummern sind zu sehr gemischt aus Pantomime,
Artistik, Clownerie - ich wäre ein guter Pierrot, könnte aber
auch ein guter Clown sein, und ich wechsle meine Nummern zu oft.
Wahrscheinlich hätte ich mit den Nummern katholische und
evangelische Predigt, Aufsichtsratssitzung, Straßenverkehr und
ein paar anderen jahrelang leben können, aber wenn ich eine Nummer
zehn- oder zwanzigmal gezeigt habe, wird sie mir so langweilig,
daß ich mitten im Ablauf Gähnanfälle bekomme,
buchstäblich, ich muß meine Mundmuskulatur mit
äußerster Anspannung disziplinieren. Ich langweile mich
über mich selbst. Wenn ich mir vorstelle, daß es Clowns
gibt, die dreißig Jahre lang dieselben Nummern vor-führen,
wird mir so bang ums Herz, als wenn ich dazu verdammt wäre, einen
ganzen Sack Mehl mit einem Löffel leerzuessen. Mir muß eine
Sache Spaß machen, sonst werde ich krank. Plötzlich
fällt mir ein, ich könnte möglicherweise auch jonglieren
oder singen: alles Ausflüchte, um dem täglichen Training zu
entfliehen. Mindestens vier, möglichst sechs Stunden Training,
besser noch länger. Ich hatte auch das in den vergangenen sechs
Wochen vernachlässigt und mich täglich mit ein paar
Kopfständen, Handständen und Purzelbäumen begnügt
und auf der Gummimatte, die ich immer mit mir herumschleppe, ein
bißchen Gymnastik gemacht. Jetzt war das verletzte Knie eine gute
Entschuldigung, auf der Couch zu liegen, Zigaretten zu rauchen und
Selbstmitleid zu inhalieren. Meine letzte neue Pantomime Ministerrede
war ganz gut gewesen, aber ich war es leid zu karikieren und kam doch
über eine bestimmte Grenze nicht hinaus. Alle meine lyrischen
Versuche waren gescheitert. Es war mir noch nie gelungen, das
Menschliche darzustellen, ohne furchtbaren Kitsch zu produzieren. Meine
Nummern Tanzendes Paar und Schulgang und Heimkehr aus der Schule waren
wenigstens artistisch noch passabel. Als ich aber dann Lebenslauf eines
Mannes versuchte, fiel ich doch wieder in die Karikatur. Marie hatte
recht, als sie meine Versuche, Lieder zur Guitarre zu singen, als
Fluchtversuch bezeichnete. Am besten gelingt mir die Darstellung
alltäglicher Absurditäten: Ich beobachte, addiere diese
Beobachtungen, potenziere sie und ziehe aus ihnen die Wurzel, aber mit
einem anderen Faktor als mit dem ich sie potenziert habe. In jedem
größeren Bahnhof kommen morgens Tausende Menschen an, die in
der Stadt arbeiten - und es fahren Tausende aus der Stadt weg, die
außerhalb arbeiten. Warum tauschen diese Leute nicht einfach ihre
Arbeitsplätze aus? Oder die Autoschlangen, die sich in
Hauptverkehrszeiten aneinander vorbeiquälen. Austausch der
Arbeits- oder Wohnplätze, und die ganze überflüssige
Stinkerei, das dramatische Mit-den-Armen-Rudern der Polizisten
wäre zu vermeiden: Es wäre so still auf den
Straßenkreuzungen, daß sie dort
Mensch-ärgere-dich-nicht spielen könnten. Ich machte aus
dieser Beobachtung eine Pantomime, bei der ich nur mit Händen und
Füßen arbeite, mein Gesicht unbewegt und schneeweiß
immer in der Mitte bleibt, und es gelingt mir, mit meinen vier
Extremitäten den Eindruck einer ungeheuren Quantität von
überstürzter Bewegung zu erwecken. Mein Ziel ist:
möglichst wenig, am besten gar keine Requisiten. Für die
Nummer Schulgang und Heimkehr von der Schule brauche ich nicht einmal
einen Ranzen; die Hand, die ihn hält, genügt, ich renne vor
bummelnden Straßenbahnen im letzten Augenblick über die
Straße, springe auf Busse, von diesen ab, werde durch
Schaufenster abgelenkt, schreibe mit Kreide orthographisch Falsches an
Häuserwände, stehe - zu spät gekommen - vor dem
scheltenden Lehrer, nehme den Ranzen von der Schulter und schleiche
mich in die Bank. Das Lyrische in der kindlichen Existenz darzustellen,
gelingt mir ganz gut: Im Leben eines Kindes hat das Banale
Größe, es ist fremd, ohne Ordnung, immer tragisch. Auch ein
Kind hat nie Feierabend als Kind; erst wenn die
»Ordnungsprinzipien« angenommen werden, fängt der
Feierabend an. Ich beobachte jede Art der Feierabendäußerung
mit fanatischem Eifer: wie ein Arbeiter die Lohntüte in die Tasche
steckt und auf sein Motorrad steigt, wie ein Börsenjobber
endgültig den Telefonhörer aus der Hand legt, sein Notizbuch
in die Schublade legt, diese abschließt oder eine
Lebensmittelverkäuferin die Schürze ablegt, sich die
Hände wäscht und vor dem Spiegel ihr Haar und ihre Lippen
zurechtmacht, ihre Handtasche nimmt - und weg ist sie, es ist also
menschlich, daß ich mir oft wie ein Unmensch vorkomme, weil ich
den Feierabend nur als Nummer vorführen kann. Ich habe mich mit
Marie darüber unterhalten, ob ein Tier wohl Feierabend haben
könnte, eine Kuh, die wiederkäut, ein Esel, der dösend
am Zaun steht. Sie meinte, Tiere, die arbeiten und also Feierabend
hätten, wären eine Blasphemie. Schlaf wäre so etwas wie
Feierabend, eine großartige Gemeinsamkeit zwischen Mensch und
Tier, aber das Feierabendliche am Feierabend wäre ja, daß
man ihn ganz bewußt erlebt. Sogar Ärzte haben Feierabend,
neuerdings sogar die Priester. Darüber ärgere ich mich, sie
dürften keinen haben und müßten wenigstens das am
Künstler verstehen. Von Kunst brauchen sie gar nichts zu
verstehen, nichts von Sendung, Auftrag und solchem Unsinn, aber von der
Natur des Künstlers. Ich habe mich mit Marie immer darüber
gestritten, ob der Gott, an den sie glaubt, wohl Feierabend habe, sie
behauptete immer ja, holte das Alte Testament heraus und las mir aus
der Schöpfungsgeschichte vor: Und am siebten Tage ruhte Gott. Ich
widerlegte sie mit dem Neuen Testament, meinte, es könnte ja sein,
daß der Gott im Alten Testament Feierabend gehabt habe, aber ein
Christus mit Feierabend wäre mir unvorstellbar. Marie wurde
blaß, als ich das sagte, gab zu, daß ihr die Vorstellung
eines Christus mit Feierabend blasphemisch vorkomme, er habe gefeiert,
aber wohl nie Feierabend gehabt. "
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Im Gespräch: Böll mit Heinz Ludwig Arnold.
Edition Text + Kritik, München 1971, S. 38f.
Die Geschichte dieses Buches kann ich Ihnen ganz einfach erklären.
Ich habe einige Zeit mit Freunden eine Zeitschrift gemacht, die
hieß Labyrinth. Sie kennen die Geschichte vom Labyrinth, die
Theseus -Ariadne -Geschichte. Wir mußten die Geschichte
drangeben, nicht nur aus finanziellen Gründen, sondern auch weil
wir nicht wußten: wie weiter; und dann schrieb jeder der
Herausgeber, es waren vier, eine kleine Erklärung des Scheiterns;
die war nicht nominiert, wir schrieben alle untereinander - und meine
Erklärung war eine Interpretation der Theseus-Sage, und diese
Interpretation war der Plot für den Roman. Es ist eigentlich die
Geschichte von Theseus und Ariadne: Theseus im Labyrinth, Ariadne
schneidet den Faden ab und da sitzt er da. Und das Labyrinth, und das
kann ich in diesem Fall wirklich sagen, weil ich den Zusammenhang, den
Kontext kenne, ist der politische deutsche Katholizismus ...
... Für mich war das der Einstieg in den Roman, es war eigentlich
die Fortsetzung der Zeitschrift als Roman, ganz einfach ...
Ich glaube, daß dieses Buch für sehr viele Katholiken eine
große Bedeutung gehabt hat, politisch, gesellschaftspolitisch,
bewußtseinsmäßig, seine Schwächen vorausgesetzt,
die es tatsächlich hat, nicht nur seine gelegentliche
Sentimentalität, sondern die Konstruktion ist schwach. Ein solches
Buch kann man natürlich in der Bundesrepublik fast nur politisch
sehen, und auch moralisch.
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