Madeleine Bourdouxhe
Gilles' Frau

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Inhalt:
Da ist ein junges Ehepaar, ein Kind ist da, ein weiteres kommt während der Geschichte. Die Familie lebt in einem kleinen Haus, der Familienvater, Gilles, ist Arbeiter im nahen Werk, sie arbeitet nicht, ist zuhause und versorgt Mann und Kind. -Soweit so gut, eine typische Arbeiterfamilie.

Die Frau hat eine jüngere Schwester. Und mit genau dieser bändelt der Mann an….
Er ist vernarrt in sie, seine Frau bemerkt bald, dass da etwas Ungutes zu laufen beginnt. -

Hochschwanger folgt sie eines Abends ihrem Mann, es ist kalt, nass, sie ist nur dürftig bekleidet, dünne Schuhe, und von ihrem Haus aus ins Dorf ist es ein Weg durch flaches Land, vereinzelt nur sind noch Häuser da. Gilles hatte gesagt, er würde noch in seine Stammkneipe gehen, dorthin geht er auch tatsächlich. Als er wieder herauskommt, nach recht kurzer Zeit, läuft er einen langen Weg, heraus aus dem Dorf…… sie folgt ihm, aber so, dass er es nicht bemerkt.

Irgendwann ist nichts mehr zu verbergen, er trifft sich mit ihrer Schwester, sie weiß es, und er weiß dass sie es weiß.
Jetzt ist er allerdings in einer schweren Not. Er leidet richtig, wegen seiner Verliebtheit, und auch deshalb, weil seine junge Geliebte ihm allerhand aufbürdet; sie lässt ihn immer im Unklaren, flirtet mit anderen Männern, er ist glühend eiferstüchtig. -

In seiner großen Not vertraut er sich seiner Frau an…… Sie selbst hat sich niemals was anmerken lassen, das Kind ist inzwischen geboren. Sie liebt ihren Mann, sie möchte ihn niemals verlieren und hofft durch ihr Verhalten, ihn wieder zurückgewinnen zu können.
Er erzählt ihr also, was ihre Schwester mit ihm treibt, wie verzweifelt er ist. - Er hat niemanden sonst, nur seine Frau, mit der er seine Nöte teilen könnte.
Und sie lässt sich darauf ein, diskutiert mit ihm sein Liebesverhältnis zu ihrer Schwester, und leidet stumm.

Das Ende der Geschichte ist zwar überraschend, aber im Nachhinein eigentlich gar nicht anders möglich. Soweit zum Inhalt.

 

 

Die Autorin
"Madeleine Bourdouxhe, geb. 1906 in Lüttich, gestorben 1996 in Brüssel.

Sie gehörte zum literarischen Kreis um Jean-Paul Sartre und Simone de Beauvoir."

 

 

Auszug aus der Kurzbeschreibung Klappentext:

"Die Belgierin Madeleine Bourdouxhe (1906-1966) gehörte in den dreißiger Jahren zum literarischen Kreis um Sartre und Simone de Beauvoir. Dieser Roman einer zerstörerischen Leidenschaft, entstanden im Jahr 1937, erscheint hier erstmals in deutscher Sprache. Es handelt sich um eine subtile, ausweglose Dreiecksgeschichte, angesiedelt in Fabrikarbeiterkreisen einer belgischen Industriestadt."

 

Titel der Originalausgabe in Französisch:
La Femme de Gilles - 1937 erstmals erschienen

Insgesamt 176 Seiten, Taschenbuch,
im Piper-Verlag 1998 erschienen in deutscher Sprache, 11. Auflage. Übersetzerin ist Monika Schlitzer. -
ISBN-10:3-492-22605-1 - EAN:9783492226059

Meine abschließende Bemerkung:
Das außergewöhnliche an dieser Dreiecksbeziehung ist, dass der untreue Mann sich seiner Ehefrau offenbart, und sie das mitmacht. -

Allerdings, wie das geschieht, in sehr diffizil geschilderten Dialogen, das ist das Besondere an dieser Geschichte. Hauptaugenmerk bei diesem Buch ist nicht die Geschichte an sich, sondern es sind die Monologe……

Die Autorin lässt interessanterweise nicht alle Beteiligten zu Wort kommen. - Und das ganz Besondere ist, dass es auch einen anonymen Protagonisten gibt, der sich einmischt. Das hat die Autorin hochinteressant gestaltet; zunächst etwas ungewöhnlich, weil der Leser im Moment gar nicht weiß, woher jetzt dieser Monolog kommt…..

Ein weiterer wesentlicher Punkt ist alleine schon der Titel: Gilles Frau. - - -- - Der Titel impliziert, wenn auch erst auf den zweiten Blick, dass die Person der Frau, hier Gilles Frau, darauf reduziert ist, Gilles Frau zu sein.
Alle sehr fein aufgeführten Dialoge, Monologe usw. führen dahin, wenn auch wieder nicht primär, aber doch deutlich wahrnehmbar, je weiter man das Buch gelesen hat.

Hochinteressant ist die im Anhang geschriebene Rezension von Faith Evans. Ich sehe diesen Anhang sogar fast als das wichtigste in diesem Buch an.
Die Rezensentin geht allen Einzelheiten ganz genau nach. Sieht Zusammenhänge, die man als Leser zunächst gar nicht so deutlich bemerkt, bzw. schon, aber mehr diffus.

Da wird auch das Leben der Autorin eingeflochten, ihre Zusammenkünfte mit Jean-Paul Sartre und seiner Lebensgefährtin Simone de Beauvoir in Paris. Und dass Beauvoir in einem ihrer Bücher auch genau dieses Buch, ‚La Femme de Gilles' von Madeleine Bourdouxhe erwähnt.

Hier ein kurzer Auszug dieser hochinteressanten Rezension:

"…..die Stimme der Erzählerin (von mir oben als anonymer Protagonist bezeichnet) stellt zwar manchmal eine zu starke Beeinflussung des Lesers dar, doch sie ist niemals selbstgefällig. Madeleine Bourdouxhe schreckt nicht vor einem Perspektivwechsel zurück, um eine bestimmte Wirkung zu erzielen, um eine permanente Elastizität zwischen dem Leser, der Erzählerin und den Charakteren zu schaffen. Auch ihre Verwendung der Zeiten muss in diesem Zusammenhang erwähnt werden: ein besonders auffälliges Merkmal ist das über lange Passagen hinweg verwendete historische Präsens. Dieses Stilmittel ist im Französischen weitaus gebräuchlicher als im Englischen oder Deutschen und stellt ein wichtiges Element in M.B.s Schreiben dar, denn es gibt den Schlüsselszenen der Geschichte eine fast filmische Intensität. Sie benützt das Präsens in den Szenen, in denen sie die Unausweichlichkeit einer Situation schildert, die der Leser gleichzeitig mit den handelnden Personen erleben und empfinden soll. ……………….."

Trotz dieser nur 166 Seiten birgt dieses Buch unglaublich viel Inhalt, bietet sehr viel zum Nachdenken. Und ist, obwohl es schon vor so vielen Jahren entstanden ist, heute noch hochaktuell, die Rolle der Frau bzw. einiger Frauen ist auch heute in gewissen Beziehungen noch genauso, nur hat die Autorin es hervorragend verstanden, das mit wenigen, aber sehr ausgewählten Worten und in einer sparsamen Dramaturgie auszudrücken.