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Inhalt:
Da ist ein junges Ehepaar, ein Kind ist da, ein weiteres kommt während
der Geschichte. Die Familie lebt in einem kleinen Haus, der Familienvater,
Gilles, ist Arbeiter im nahen Werk, sie arbeitet nicht, ist zuhause
und versorgt Mann und Kind. -Soweit so gut, eine typische Arbeiterfamilie.
Die Frau hat eine jüngere Schwester. Und mit genau dieser bändelt
der Mann an….
Er ist vernarrt in sie, seine Frau bemerkt bald, dass da etwas Ungutes
zu laufen beginnt. -
Hochschwanger folgt sie eines Abends ihrem Mann, es ist kalt, nass,
sie ist nur dürftig bekleidet, dünne Schuhe, und von ihrem Haus
aus ins Dorf ist es ein Weg durch flaches Land, vereinzelt nur sind
noch Häuser da. Gilles hatte gesagt, er würde noch in seine Stammkneipe
gehen, dorthin geht er auch tatsächlich. Als er wieder herauskommt,
nach recht kurzer Zeit, läuft er einen langen Weg, heraus aus dem
Dorf…… sie folgt ihm, aber so, dass er es nicht bemerkt.
Irgendwann ist nichts mehr zu verbergen, er trifft sich mit ihrer
Schwester, sie weiß es, und er weiß dass sie es weiß.
Jetzt ist er allerdings in einer schweren Not. Er leidet richtig,
wegen seiner Verliebtheit, und auch deshalb, weil seine junge Geliebte
ihm allerhand aufbürdet; sie lässt ihn immer im Unklaren, flirtet
mit anderen Männern, er ist glühend eiferstüchtig. -
In seiner großen Not vertraut er sich seiner Frau an…… Sie selbst
hat sich niemals was anmerken lassen, das Kind ist inzwischen geboren.
Sie liebt ihren Mann, sie möchte ihn niemals verlieren und hofft
durch ihr Verhalten, ihn wieder zurückgewinnen zu können.
Er erzählt ihr also, was ihre Schwester mit ihm treibt, wie verzweifelt
er ist. - Er hat niemanden sonst, nur seine Frau, mit der er seine
Nöte teilen könnte.
Und sie lässt sich darauf ein, diskutiert mit ihm sein Liebesverhältnis
zu ihrer Schwester, und leidet stumm.
Das Ende der Geschichte ist zwar überraschend, aber im Nachhinein
eigentlich gar nicht anders möglich. Soweit zum Inhalt.
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Die Autorin
"Madeleine Bourdouxhe, geb. 1906 in Lüttich, gestorben 1996 in Brüssel.
Sie gehörte zum literarischen Kreis um Jean-Paul
Sartre und Simone de Beauvoir."
Auszug aus der Kurzbeschreibung Klappentext:
"Die Belgierin Madeleine Bourdouxhe (1906-1966) gehörte in den
dreißiger Jahren zum literarischen Kreis um Sartre und Simone de
Beauvoir. Dieser Roman einer zerstörerischen Leidenschaft, entstanden
im Jahr 1937, erscheint hier erstmals in deutscher Sprache. Es handelt
sich um eine subtile, ausweglose Dreiecksgeschichte, angesiedelt
in Fabrikarbeiterkreisen einer belgischen Industriestadt."
Titel der Originalausgabe in Französisch:
La Femme de Gilles - 1937 erstmals erschienen
Insgesamt 176 Seiten, Taschenbuch,
im Piper-Verlag 1998 erschienen in deutscher Sprache, 11. Auflage.
Übersetzerin ist Monika Schlitzer. -
ISBN-10:3-492-22605-1 - EAN:9783492226059
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Meine
abschließende Bemerkung:
Das außergewöhnliche an dieser Dreiecksbeziehung ist, dass der untreue
Mann sich seiner Ehefrau offenbart, und sie das mitmacht. -
Allerdings,
wie das geschieht, in sehr diffizil geschilderten Dialogen, das
ist das Besondere an dieser Geschichte. Hauptaugenmerk bei diesem
Buch ist nicht die Geschichte an sich, sondern es sind die Monologe……
Die
Autorin lässt interessanterweise nicht alle Beteiligten zu Wort
kommen. - Und das ganz Besondere ist, dass es auch einen anonymen
Protagonisten gibt, der sich einmischt. Das hat die Autorin hochinteressant
gestaltet; zunächst etwas ungewöhnlich, weil der Leser im Moment
gar nicht weiß, woher jetzt dieser Monolog kommt…..
Ein
weiterer wesentlicher Punkt ist alleine schon der Titel: Gilles
Frau. - - -- - Der Titel impliziert, wenn auch erst auf den zweiten
Blick, dass die Person der Frau, hier Gilles Frau, darauf reduziert
ist, Gilles Frau zu sein.
Alle sehr fein aufgeführten Dialoge, Monologe usw. führen dahin,
wenn auch wieder nicht primär, aber doch deutlich wahrnehmbar, je
weiter man das Buch gelesen hat.
Hochinteressant
ist die im Anhang geschriebene Rezension von Faith Evans. Ich sehe
diesen Anhang sogar fast als das wichtigste in diesem Buch an.
Die Rezensentin geht allen Einzelheiten ganz genau nach. Sieht Zusammenhänge,
die man als Leser zunächst gar nicht so deutlich bemerkt, bzw. schon,
aber mehr diffus.
Da
wird auch das Leben der Autorin eingeflochten, ihre Zusammenkünfte
mit Jean-Paul Sartre und seiner Lebensgefährtin Simone de Beauvoir
in Paris. Und dass Beauvoir in einem ihrer Bücher auch genau dieses
Buch, ‚La Femme de Gilles' von Madeleine Bourdouxhe erwähnt.
Hier
ein kurzer Auszug dieser hochinteressanten Rezension:
"…..die
Stimme der Erzählerin (von mir oben als anonymer Protagonist bezeichnet)
stellt zwar manchmal eine zu starke Beeinflussung des Lesers dar,
doch sie ist niemals selbstgefällig. Madeleine Bourdouxhe schreckt
nicht vor einem Perspektivwechsel zurück, um eine bestimmte Wirkung
zu erzielen, um eine permanente Elastizität zwischen dem Leser,
der Erzählerin und den Charakteren zu schaffen. Auch ihre Verwendung
der Zeiten muss in diesem Zusammenhang erwähnt werden: ein besonders
auffälliges Merkmal ist das über lange Passagen hinweg verwendete
historische Präsens. Dieses Stilmittel ist im Französischen weitaus
gebräuchlicher als im Englischen oder Deutschen und stellt ein wichtiges
Element in M.B.s Schreiben dar, denn es gibt den Schlüsselszenen
der Geschichte eine fast filmische Intensität. Sie benützt das Präsens
in den Szenen, in denen sie die Unausweichlichkeit einer Situation
schildert, die der Leser gleichzeitig mit den handelnden Personen
erleben und empfinden soll. ……………….."
Trotz
dieser nur 166 Seiten birgt dieses Buch unglaublich viel Inhalt,
bietet sehr viel zum Nachdenken. Und ist, obwohl es schon vor so
vielen Jahren entstanden ist, heute noch hochaktuell, die Rolle
der Frau bzw. einiger Frauen ist auch heute in gewissen Beziehungen
noch genauso, nur hat die Autorin es hervorragend verstanden, das
mit wenigen, aber sehr ausgewählten Worten und in einer sparsamen
Dramaturgie auszudrücken.
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