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Meine Interpretation des Inhalts:
Sascha: "Manchmal denke ich, ich bin die Einzige in unserem Viertel,
die noch vernünftige Träume hat. Ich habe zwei, und für keinen brauche
ich mich zu schämen. Ich will Vadim töten. Und ich will ein Buch
über meine Mutter schreiben. Ich habe auch schon einen Titel: 'Die
Geschichte einer hirnlosen rothaarigen Frau, die noch leben würde,
wenn sie auf ihre kluge älteste Tochter gehört hätte'.
Vielleicht ist das nur ein Untertitel. Ich habe
Zeit, es mir genau zu überlegen, denn ich habe noch nicht angefangen
zu schreiben.- - - - - "
Das sagt Sascha, (Kurzfassung von Alexandra), und
damit ist fast schon alles gesagt.
In einem Milieu, das die wenigsten von uns kennen,
beschreibt Sascha in Ich-Form ihr Leben in diesem Ausländerviertel,
bzw. Russenviertel, von ihr ‚Solitär' genannt.
Ich zitiere mal eine Stelle, wo zu erkennen ist,
welchen Stil die Autorin benutzt: Sie kommt nachhause und überrascht
Anna, (Cousine von Vadim, der ihre Mutter und deren Freund ermordet
hat), als sie Besuch hat von Grigorij. Er sitzt am Küchentisch und
Maria ist furchtbar verlegen. Sie ist 37, Grigorij auch, er ist
Single, hat kleine Tochter, wohnt im Haus.
"Wie lange geht das schon, Maria?" fragt Sascha.
- Maria ist gleich am Heulen - " wo sind eigentlich die Kinder"
und Maria antwortet, zählt auf wo die Kinder sind - : - Maria: "Sascha,
ich gucke nach den Kindern, als wären sie meine eigenen. Eigentlich
sind es meine eigenen". - "Sind sie nicht" sagt sie scharf. - "Ich
habe sie niemals vernachlässigt. Sie stehen für mich immer an erster
Stelle. Ich würde nie etwas gegen die Kinder tun" - "Du schickst
sie weg und vögelst hier rum!" schreie ich, "Gott sei Dank bin ich
nicht noch früher gekommen! Wenn ich euch erwischt hätte, wenn ich
den alten Knacker hier nicht nur ohne Schuhe, sondern auch ohne
seine beschissene Hose gesehen hätte, ich wäre aus dem Kotzen nicht
mehr herauskommen!"
Die Geschichte beschreibt einige Wochen im Leben
dieser Sascha. Sehr ungewöhnlich, ob es sich um ihre ‚Taten' geht,
um ihre Unterhaltungen, um ihren Umgang, ihr ganzes Leben, nichts
ist so wie wir es normalerweise kennen.
Irgendwie beziehungsunfähig, hat sie sich dennoch verliebt. Und
zwar in jemand, der in ihrem Milieu nicht vorkommt.
Ihr Sexualleben allerdings erscheint mehr als fragwürdig, wie es
die Autorin schildert.
Jungfrau, noch niemals mit einem Mann geschlafen, macht Sascha das
ohne mit der Wimper zu zucken, gefühllos und angekündigt, so als
ob sie einen alten Pullover anprobiert.
- Kann mich nicht überzeugen. - Aber soll es ja auch nicht. -
Ziemlich konfus in meinen Augen hat sie ihr Ziel
vor Augen, den Mörder ihrer Mutter und deren Freundes zu rächen
und Vadim zu töten. - Die Wege muten seltsam an. Aber eben lustig
geschildert. Das Ende ist zwar nicht überraschend, aber dennoch
dramaturgisch nicht schlecht aufgebaut.
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Buchdaten:
Verlag: Kiepenheuer & Witsch
2008
Seitenzahl: 286
gebunden
Deutsch
ISBN-13: 9783462040302 ISBN-10: 3462040308
"Alina Bronsky, geboren 1978 in Jekaterinburg/Russland, verbrachte
ihre Kindheit auf der asiatischen Seite des Ural-Gebirges und ihre
Jugend in Marburg und Darmstadt. Nach abgebrochenem Medizinstudium
arbeitete sie als Texterin in einer Werbeagentur und als Redakteurin
bei einer Tageszeitung. Sie lebt in Frankfurt und telefoniert bis
heute fast täglich mit ihren Großeltern in Sibirien.
'Scherbenpark' ist ihr erste literarische Veröffentlichung."
"Scherbenpark ist ein mehr als überzeugendes Debüt aus einem Milieu,
von dem wir nur ganz wenig wissen."
(Elke Heidenreich)
(Klappentext)
Beschreibung des Verlags, Klappentext:
"Jung, schnell, scharfsinnig - willkommen in Saschas Welt!
Auch das gibt es noch: Eine junge, unbekannte Autorin bietet in
einer E-Mail dem Lektor ihr Manuskript an, der lässt es sich schicken,
liest es gleich und macht eine Woche später ein Vertragsangebot."
Ob das wirklich so gewesen ist, entzieht sich jeglicher Überprüfung.
Ich lasse das mal stehen.
"Alina Bronsky hat den Verlag mit ihrem Debüt im Sturm erobert
und wird auch Sie begeistern. Was macht ihr Debüt so besonders?
Da ist zum einen die siebzehnjährige Sascha Naimann, die aus Moskau
nach Deutschland gekommen ist und mit ihren zwei jüngeren Geschwistern
im Scherbenpark lebt - einem Hochhaus-Ghetto, in dem eigene Gesetze
herrschen, die sie mit wilder Entschlossenheit bricht. Da ist zum
anderen das katholische Elite-Gymnasium, das Sascha wegen ihrer
Hochbegabung und ihrer prekären Lebenssituation angenommen hat,
mitsamt den behüteten und ausstaffierten Mitschülerinnen, die keinen
Schimmer von Algebra haben, aber ein volles Freizeitprogramm. Und
da ist der Ton, in dem Sascha ihre Geschichte erzählt: Selbstbewusst
und geradeheraus, beiläufig und trocken kommentiert sie ihre Umgebung,
das verzweifelte Streben nach Glück, Freiheit und Wohlstand, das
Scheitern ringsum und das eigene Aufbegehren. Sascha beginnt ihre
Geschichte mit zwei Vorsätzen: Sie will ihrer Mutter ein Buch schreiben,
und sie will Vadim töten. Was es mit Vadim auf sich hat, warum Sascha
ohne Mutter, aber mit ihrer Großtante lebt, wie die Familie durch
ein Verbrechen erschüttert und zugleich berühmt wurde, und was es
bedeutet, in ein Dreiecksverhältnis mit einem Journalisten und seinem
sechzehnjährigen Sohn zu geraten - all das erzählt sie mit Herz,
Witz und einer Energie, die mitreißt. Sascha ist eine Pendlerin
zwischen zwei Welten und in keiner davon zu Hause, aber scharfzüngig
und altklug genug, um sich zu behaupten - und den Leser mitzunehmen
auf eine Reise, die beständig an Fahrt gewinnt."
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Die
Sprache ungewöhnlich, direkt, milieubezogen, immer aus der Perspektive
der Protagonistin Sascha gesehen.
Aber
mal gleich zuerst: Was in diesem Roman, der in einem Milieu spielt,
das den meisten von uns unbekannt ist, einer Protagonistin, die
sich einer Sprache bedient, die wir ebenso wenig kennen, und letztendlich,
ihre Agitationen, auch die können wir normalerweise nicht nachvollziehen,
diesen zu einem Bestseller macht ? -
Vielleicht
die Ähnlichkeit der Sascha mit einer Protagonistin der Juli Zeh???
(Spieltrieb) - Auch hier geht es um ein hochbegabtes, sehr gescheites
Mädchen, mit einer schnoddrigen, ungewöhnlichen Ausdrucksweise usw.
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Derart
faszinierend dargestellt, dass dieser Erfolg dieses Buchs in meinen
Augen auch etwas mit dem Exhibitionismus der Menschen allgemein
zu tun hat. - Ich möchte mich da gar nicht ganz ausschließen.
Nach
einem anspruchsvollen Buch nahm ich das zur Hand, und fand es sofort
frisch, lustig, angenehm, schnell zu lesen.
Insgesamt
also ein sehr angenehm zu lesendes Buch, das auf jeder einzelnen
Seite zum Schmunzeln oder Lachen anregt. Was es aussagen soll? Bleibt
sich mir unerschlossen. Lediglich das Verhalten ist ein anderes,
anders geschildert, ansonsten ist die Problematik (Ausländergettos,
Wohnsilo usw.) bekannt und bereits häufig in der Literatur verarbeitet.
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