John Burnside

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Klappentext:
" Michael Gardiner lebt mit seiner Frau zurückgezogen am Rande des schottischen Küstenortes Coldhaven. Bis er eines Morgens in der Lokalzeitung liest, dass sich seine Jugendliebe Moira umgebracht und ihre beiden kleinen Söhne mit in den Tod genommen hat; nur ihre halbwüchsige Tochter Hazel ließ sie am Leben. Schlagartig sind bei Michael die Erinnerungen wieder da: an seine Eltern, beide Künstler, die auf der Suche nach Ruhe nach Coldhaven zogen und von den Einwohnern jahrelang tyrannisiert wurden; an Moiras Bruder Malcom, der ihn als Kind bis aufs Blut quälte; an Mrs. Collings, selber eine Außenseiterin in Coldhaven, die ihm damals riet, sich nicht alles gefallen zu lassen. Michael befolgte ihren Rat - und hütet seither ein düsteres Geheimnis - - - - ….."

Meine Zusammenfassung
An den Anfang des Buches ist die Sage gestellt, nach der die Menschen vor langer Zeit im Dezember morgens erwachten, und alles zugeschneit war. Während sie geschlafen hatten, war was Seltsames, Merkwürdiges passiert. Es hatte nicht nur geschneit, es war auch "Die Spur des Teufels" zu sehen! Ein spalthufiges Wesen hatte Spuren hinterlassen im Schnee. Die Spur führte nicht nur die Straßen entlang, sondern sie führte auch an Mauern hoch, über Dächer. Später stellten sie fest, dass die Spur an der Küste begann, über den Friedhof lief und irgendwo in den Feldern außerhalb des Ortes endete. So als wäre dieses Geschöpf dem Meer entstiegen, über den Strand in die Straßen und Gassen des Ortes, über die Dächer, die Kirche und Gassen und Häuser gehüpft. - Die Leute nannten diese Sache "Die Spur des Teufels". Die genaue Herkunft dieser Spuren wurde nie geklärt, als der Schnee weg war, war die Spur verschwunden, und die Leute begnügten sich damit, dass es der Teufel gewesen war.

Auszug: "Sie hatten geglaubt, es lebe nur da draußen, dort, wo der alte Geist beerdigt worden war. Jetzt aber sahen sie, dass es zwar begraben, aber nicht tot gewesen war, dass s gar nicht tot sein konnte, sondern sich nur verbergen ließ. Mit äußerster Anstrengung und willentlicher Blindheit gegenüber jedem, was sich durch die Nacht bewegte, im Gras, im eigenen Fleisch, konnte es nahezu endlich verheimlich werden - zumindest hatten sie das gehofft. Doch es ließ sich nicht auf immer verheimlichen, und bald begann es, sich durch allerhand Zeichen, Gestern und vielsagende flüchtige Hinweise auf schreckliche Schönheit und erschreckende Wildheit zu offenbaren. Der Teufel, den sie kannten, und der Teufel, den sie nicht kannten. - - - - "

Der Protagonist, Michael Gardiner, Ich-Erzähler, wohnt in einem verlassenen Ort in Schottland, in Coldhaven. Ein Ort, wo die Einheimischen keine Fremden in ihre Gemeinschaft aufnehmen, ja sie sogar ausgrenzen und deutlich ablehnen. Die Geschichte beginnt damit, dass er in der Zeitung liest, dass eine alte Freundin von ihm (Moira) ihre beiden kleineren Kinder und sich selbst umgebracht hat. Ihre älteste Tochter (Hazel) hat sie vorher aus dem Auto geschickt und sie mitten in der Landschaft ausgesetzt; Hazel hat somit überlebt. Da fällt Michael ein, dass dieses Mädchen auch seine Tochter sein könnte. Er hatte nämlich damals, zu der Zeit als das Mädchen gezeugt wurde, ein Techtelmechtel mit Moira.

Die Geschichte wechselt jetzt häufig in der Chronologie. Erinnert er sich zunächst an seine Eltern, die irgendwann mal sich diesen einsamen Ort ausgesucht hatten. Beide waren Künstler, der Vater Fotograf, er hatte als Fotojournalist gearbeitet, aber auf dieser Insel widmete er sich nur noch den Beobachtung von Vögeln und der Fotografie von Natur.

Michael war das einzige Kind. Und erst viel später hatte er erfahren, dass seine Eltern, als sie damals in diesen Ort, zunächst in eine Straße mehr im Ort gewohnt hatten, regelrecht von der Bevölkerung gemoppt wurden; z.B. wurden in ihrem Briefkasten tote Ratten oder ähnliches eingeworfen, die Mutter Tag und Tag am Telefon beschimpft usw. - Als Kind hatte das Michael nicht so mitbekommen, sie wollten ihn schonen. Michael selbst aber wurde ebenso gemoppt, was er wiederum seinen Eltern aus dem gleichen Grund nicht erzählte, er wollte sie schonen. In diesem Ort werden nicht nur die Fremden gehasst, sondern auch die Leute selbst hassen sich gegenseitig. - Einer misstraut dem anderen, nur gegenüber Fremden sind sie einer Meinung: gemeinsamer Hass. Sonst verbindet sie nichts.

Ein etwas älterer Junge hat Michael besonders im Auge. Er passt ihn regelmäßig ab, verprügelt ihn, egal welchen Weg er nimmt, Michael macht allerlei Umwege, aber sein Quäler findet ihn überall.

Auszug: "- - - - Das Schlimmste wäre, jetzt loszulaufen, das wusste ich, denn jede versuchte Flucht, so seltsam es auch klingt, wäre ein Eingeständnis von etwas gewesen - ein Schuldbekenntnis, ein Geständnis, dass ich verdiente, was mir geschah -, außerdem hätte sie meinen speziellen Freund beleidigt. Das wichtigste war, ihm zu zeigen, dass er die Macht hatte, immer, und dass ich dies richtig und angemessen fand. Indem ich nach Hause ging, mit gesenktem Kopf und ohne die beiden anzusehen, meinte ich, die Situation offen zu lassen und Malcolm Kennedy so die Möglichkeit einzuräumen, nachsichtig mit mir zu sein.- - - - "

In der Nähe wohnt eine alte Frau, mit der freundet sich Michael an. Sie hat mitbekommen, was da läuft mit dem Peiniger und Michael. Und gibt ihm den Rat, sich selbst stark zu machen, sich unsichtbar zu machen, sie meint damit, den Feind zu beobachten und herauszufinden, wie er ihm das alles heimzuzahlen könnte, aber vor allem, um zukünftig nicht mehr von ihm belästigt zu werden.

und noch ein Auszug:
"- - - - Wenn sich die Unterdrückten, die Opfer, ein wenig Macht zurückerobern, ist das nicht schlecht, doch besteht der eigentliche Trick darin, genau zu wissen, wie man die Macht einsetzt.- - - - -"

weiterer Auszug:
"Beobachte ihn, hatte sie gesagt. Lerne ihn kennen. sieh wie unbedeutend er ist. Finde seine Schwäche heraus. - Schließlich war ich zur Tat bereit. Ich hatte einen Plan und ich hatte ihn sorgsam geprüft.- - - - "

Und der Peiniger fällt tatsächlich drauf rein; Michael lockt ihn zu einer Stelle, wo sein Gegner selbst in die Gefahr läuft, und Michael geht einfach weg, den Tod des Gegners in Kauf nehmend. Ihm ist aber gar nicht bewusst, dass der auch sterben könnte, zumindest nicht zu dieser Zeit. Auf Michael fällt nie ein Verdacht. Nur er selbst weiß es, und erst sehr viel später belastet ihn "sein Mord".

Genaue Schilderung unterlasse ich, ist in vielen Einzelheiten in sehr interessanter Sprache vom Autor beschrieben. Diffizil hat er diese ganze Problematik herausgearbeitet.
Die alte Frau stirbt kurz nach dem Vorfall, Michael geht in einem anderen Ort zur Schule, zuerst stirbt seine Mutter, später dann auch sein Vater.
Seine Eltern wie auch er wurden von den Leuten in dem abgeschiedenen, kleinen Ort vertrieben, auch ihr Tod ist Ergebnis dieser Machenschaften im Dorf.

Später kehrt Michael in das Elternhaus auf diesem Landzipfel des Ortes zurück, lebt dort mit seiner Frau. Es ist eine seltsame Ehe, nur anfangs von Verliebtheit geprägt, entwickelt sie sich sehr bald als reine Zweckgemeinschaft, seine Frau verreist oft, hat vermutlich Liebhaber, ist ihm aber egal, bzw. er denkt gar nicht daran.

Als dann dieser Selbstmord von Moira geschieht, und Michael sich in den Kopf setzt, Hazel könnte seine Tochter sein, entschließt er sich, das Mädchen einfach mitzunehmen, um mit ihm ein neues Leben anzufangen. Aber wie und wo und überhaupt, davon hat er keine Ahnung. Er weiß es einfach nicht. Er nimmt Kontakt mit dem Mädchen auf, sie verabreden sich, und verschwinden dann mit dem Auto einfach irgendwohin. Sie übernachten in Hotels und Motels, haben aber nie ein Verhältnis, ja unterhalten sich auch sehr wenig, haben also keine, wie auch irgendwie gestaltete Beziehung.

Michael ist wohlhabend, hat seine Scheckkarte dabei, das Auto, sie leben in den Tag hinein. Als sie eines Abends auf Hazels Vorschlag hin zu einer Kerwe in einem Ort gehen, trifft sich Hazel mit Jugendlichen, die sie scheinbar kennt. - Sie bittet Michael, schon mal ins Hotel zu gehen, sie käme später nach. Er legt sich auch hin zum Schlafen, und als er morgens aufwacht, ist sein Altschlüssel, Geldbeutel, Brieftasche, alles verschwunden. - Hazel oder ihre Freunde waren ins Zimmer gekommen und hatten diese Sachen geklaut. - Ein Zettel ist dabei von Hazel, sie würden das Auto unbeschadet wieder zurückbringen.

Nun macht sich Michael auf den Weg, sein Heimatdorf ist ca. 150 km entfernt. Er verlässt das Hotel, kann gar nicht bezahlen, hat nichts als die Sachen die er anhat, und läuft und läuft und läuft. Mehr tot als lebend kommt er irgendwann zuhause an.
Er sieht, dass seine Frau längst weg ist, sie hat alle ihre Sachen und die meisten Möbel mitgenommen. Nicht mal das Bett ist noch da, ist ihm egal, er legt sich auf den Boden und schläft. -
Als sie Haushälterin kommt, die vorher schon beschäftigt war, versorgt die ihn zunächst mal mit Essen usw. und er kann sich wieder einigermaßen herrichten, baden, frisch anziehen usw. - Einrichten will er sein Haus nicht, er lässt es so.
Michael selbst beschreibt sich in dieser ganzen Zeit als krank. Er wendet sich später auch den Vögeln zu, lebt einsam an diesem Ort weiter, Frau K., die Haushälterin ist die einzige Kontaktperson.

Das war jetzt nur der Kern der ganzen Geschichte.

 

 

 

John Burnside, geboren 1955, gilt als bedeutendster englischer Lyriker seiner Generation.

 

Für sein poetisches Werk wurde er mit mehreren Preisen bedacht.

Daneben schreibt er Prosa.

Sein von der Kritik hoch gelobtes Erinnerungsbuch

"A Lie About my Father"

wurde ein Bestseller.

 

"Die Spur des Teufels" ist der erste Roman, der von John Burnside auf Deutsch erscheint.

 

 

 

Daten zum Buch

Psychothriller
Aus dem Englischen von Bernhard Robben
256 Seiten (gebunden) Knaus-Verlag Erscheinungsdatum: 11.02.2008

ISBN-13:9783813502961
ISBN-10: 3813502961

Eine Fülle von Schikanen, Quälereien, Mobbing, merkwürdige Vorfälle prägen die Geschichte des Protagonisten und seiner ganzen Familie.

In den zwischenmenschlichen Beziehungen gibt es nur wenige Dialoge, die Leute vom Ort sind äußerst fremdenfeindlich, grundsätzlich argwöhnisch und verfolgen sie mit ihrem Hass.
Alles erscheint tiefenpsychologisch erklärbar, der Autor hat das in einer sehr außergewöhnlichen Sprache versucht darzulegen.

Nur ist er meiner Meinung nach im letzten Teil damit etwas zu weit gegangen. Wirr und ziellos lässt er den Protagonisten durch die Gegend ziehen, Schlussfolgerungen, Gedanken, Heimkehr, alles bleibt im Nebel. Einiges wird hingeworfen, der Leser bekommt sehr viel Zeit selbst zu denken.

Leider war dieser letzte Teil des Buchs für mich negativ. Es war einfach mehr einer Psychiatrie zugehörig als einem Roman.

Und weil ich es dann doch fertig gelesen habe? Ich dachte immer, da kommt noch irgendeine Auflösung. Die kam aber nicht.

Der Protagonist lebt sein Leben anschließend einsam, nur den Vögeln zugewandt, nur nachdenkend - - - - Ob er eine Art Buße oder Wiedergutmachung damit bezweckt? Oder auch eine Entschuldigung für seine Lebensgeschichte? - Das bleibt offen.