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Inhalt, von mir zusammengefasst:
Eine Familiengeschichte, die damit beginnt, als Gill die Nachricht
bekommt, dass ihre Tante Rosamond gestorben ist, und sie den Nachlass
der Verstorbenen regeln soll.
Gill findet direkt dort, wo die Tante tot aufgefunden worden war,
in ihrem Wohnzimmer, einen Cassettenrekorder, einige Fotos, und
mehrere Cassetten, im Rekorder befindet sich noch die letzte der
Cassetten. -
Gill nimmt alles mit nachhause, wo sie mit ihren beiden Töchtern
die Cassetten abhören möchte. Zuerst spricht Rosamond Gill an, und
bittet sie, diese Cassetten und die Fotos an Imogen weiter zu geben.
Sie habe diese Geschichte festgehalten für Imogen. Und sie solle
sie suchen. Sollte sie sie nicht finden, soll sie sie selbst anhören.
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Niemand weiß aber, wo Imogen sich aufhält, niemand hat seit vielen
Jahren etwas von ihr, oder ihrer Mutter gehört. Gill und ihre Töchter
beginnen sehr bald mit dem Abhören und haben die dazu passenden
Fotos daneben liegen. -
Das was ihre Tante da über mehrere Generationen erzählt, ist so
spannend, dass sie sich kaum davon lösen können und alles in zwei
Sitzungen abhören und ansehen.
Sie beschreibt 20 Fotos, die sie aus einer ganzen Sammlung von
Fotos ausgesucht hat. - Und zwar für Imogen, die blind ist.
Da ist zunächst das erste Foto, das den Bauernhof von Rosamonds
Tante und Onkel zeigt. Rosamond wurde, wie alle Kinder in London,
es war der 1. Weltkrieg, aufs Land geschickt; wenn sie keine Verwandten
hatten, wurden sie eben bei irgendwelchen Leuten untergebracht.
Rosamond hatte Glück und kam bei Onkel und Tante unter.
Mit ihrer Cousine Beatrix schloss sie bald eine Freundschaft, und
zwar eine Blutsfreundschaft, sie tauschten ihr Blut eines Nachts
in einem alten Wohnwagen im Garten des Anwesens aus. - Beatrix hatte
noch einen Bruder, und während sich die Mutter um den Bruder liebevoll
kümmerte, spürte Beatrix von ihrer Mutter nicht nur Missbilligung,
sondern regelrecht Hass. Und das führte vermutlich dazu, dass sich
Beatrix die jüngere Rosamond als Bezugsperson aussuchte.
Sie beschreibt jetzt sehr viele Einzelheiten von ihrer Zeit dort.
Ein anderes Foto zeigt dann wieder andere Häuser, andere Personen,
andere Gegenden, aus verschiedenen Zeiten. Zu jedem Foto gibt's
interessante Hintergründe. Sie beschreibt nicht nur ein Foto visuell,
sondern fügt alle Einzelheiten bei, die ihr beim Ansehen dieses
Fotos in den Sinn kommen.
Und über diese ganzen Fotos hinweg zeichnet die Autorin eine Familiengeschichte
über drei Generationen, wo immer die Frauen, bzw. Mütter und Töchter
Hauptthema sind. - Rosamond selbst war nie verheiratet, hatte keine
eigenen Kinder. Lebte aber als junge Frau mit einer intimen Freundin
zusammen.
Die Verbindung zwischen Rosamond und Beatrix reißt ab, Beatrix
heiratet ganz jung und unbesonnen einen jungen Mann, bekommt eine
Tochter, Thea. -Später noch zwei Kinder, aber von einem anderen
Mann, mit dem sie nach kurzer Ehe durchgebrannt war.
Sie lässt dann, als sie mit ihrem neuen Mann nach Kanada zieht,
zunächst vorübergehend Thea bei Rosamond und ihrer Lebensgefährtin,
daraus werden dann ein paar Jahre.
Die Geschichte geht dann weiter, immer wieder anhand einzelner
Fotos erzählt. Meistens sehr abschweifend, was eigentlich klar ist,
zu einem Foto fällt dem Betrachter, vor allem wenn er selbst drauf
ist oder Menschen die er kennt, ein Haus das er kennt usw., immer
noch zahlreiche Begebenheiten ein.
Rosamond und ihre Lebensgefährtin hatten die kleine Thea sehr lieb
gewonnen, sie gehörte zu ihrem Leben, und Thea hatte hier Liebe
und Geborgenheit. - Als Beatrix dann Thea nach 2 Jahren einfach
und plötzlich wieder zu sich nahm, zerbricht diese innige Dreierbeziehung,
denn auch die Lebensgefährtin verlässt Osmonde. -
Und für Thea beginnt ein Leben bei ihrer Mutter, voll Ablehnung,
ja sogar Hass. - - -
Da ist dann die nächste Generation, Thea bekommt auch eine Tochter,
und das ist eben diese Imogen. Es wird auch erzählt, wie sie blind
wurde als kleines Kind, wie es ihr ging mit ihrer Mutter Thea…..
Immer mal dazwischen kurze Abschnitte der Gegenwart, wo Gill beim
Abhören dieser Tonbänder und Betrachten der Bilder geschildert wird.
Und vor allem, wie sie sich auf die Suche macht, Imogen zu finden.
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Vererbte Nichtliebe, würde ich den Inhalt dieses
Romans spontan beschreiben. - Wären da nicht auch wunderschöne und
interessante Geschichten, die diese ‚Unliebe' erträglich, versöhnlich
machen.
Verlag: Dva 2009
Seitenzahl: 304
Deutsch
ISBN-13: 9783421043672 ISBN-10: 3421043671
Der Autor:
Jonathan Coe, 1961 in Birmingham geboren, ist einer
der Stars der Londoner Literaturszene: seine Bücher wurden international
mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet.
Drei seiner bisher acht Romane wurden verfilmt.
Heute lebt Jonathan Coe mit seiner Familie in London.
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Abschlussbemerkung
Gespannt habe ich auf die Stelle gewartet, wo der Satz vorkommt:
"Der Regen bevor er fällt." -Und musste bis Seite 177 lesen, wo
genau diesen Satz die kleine Thea spricht, als sie mit ihrer Tante
Rosamond zu einem Urlaub am Meer in Frankreich weilt.
Die
Tante hatte gemeint, als sie auf die Wolken wies, wenn die in ihre
Richtung kämen, könne es einen ganz schönen Regen geben. Und dass
diese Art von Sommerregen ihr Lieblingsregen sei. Worauf dann Thea
meinte, dass ihr der liebste Regen der ist, bevor er fällt……, bekam
dann zur Antwort, dass das ja dann kein Regen ist, wenn er noch
nicht gefallen ist.
Mit dieser Erklärung gab sich das Kind nicht zufrieden und meinte:
"Gerade deshalb ist es ja mein Lieblingsregen. Es kann einen doch
auch etwas glücklich machen, das es gar nicht wirklich gibt, oder
etwa nicht?" - Und damit rannte sie grinsend weg.
Ich
finde diese Episode sehr interessant, und diesen Satz auch hervorragend
als Titel für dieses Buch geeignet.
Es
zeigt drei Generationen von Müttern und Töchtern. Immer ist es nur
eine Tochter, die von ihrer Mutter abgelehnt, nicht geliebt wird.
- - Das wurde weitergegeben, auch wenn die Tochter das gar nicht
wollte, sie verhielt sich einfach so wie ihre eigene Mutter es ihr
gegenüber getan hatte; und die Tochter dieser Tochter dann wieder……
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Um
diese Linie zu durchbrechen, sollte diese kinderlose Tante Rosamond
dienen. Und leider wurde ihr das versagt, zuerst ihrer einen Nichte,
dann ihrer anderen Nichte liebevoller Mutterersatz zu werden. In
diesem Buch ist viel von Hass, aber auch viel von Liebe zu lesen.
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Und
diese Mutter-Tochter-Beziehungen sind häufig schwierig; der Autor
hat diese Tatsache als Hintergrund für seinen Roman benutzt.
Ich denke er kann dazu dienen, manchen Töchtern, die bis heute ihrer
eigenen Mutter nicht verzeihen konnten, diesen Weg zu ebnen; vor
allem aber vielleicht auch helfen, diesen gleichen Fehler, der ihnen
selbst widerfahren ist, nicht immer wieder weiterzugeben. Denn jede
Tochter, die von ihrer Mutter gehasst wird, gibt das sehr oft, und
viel zu häufig, an ihre eigene Tochter weiter.
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