Paolo Coelho
Die Hexe von Portobello

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Meine Zusammenfassung
Im Vorwort weist der Autor darauf hin, dass er die Protagonisten einfach erzählen lässt. Alle die mit Sherine Khalil, bzw. Athena, wie sich selbst nennt, zu tun hatten, erzählen jetzt, im Wechsel. - Nicht ganz einfach in die Geschichte hinein zu kommen, weil der Leser zunächst so gar keinen Überblick hat. Aus diesen ganzen Erzählungen der Mitmenschen von Athena lässt sich dann die Geschichte stricken. - Auch Athena selbst kommt zu Wort, ihre Adoptivmutter, wie auch sehr viel später ihre leibliche Mutter, eine Zigeunerin aus Transsylvanien.
Athena erlebt eine glückliche Kindheit, sie wird behütet und geliebt. Warum sie daraus dann ausbricht, versucht diese Geschichte nahe zu bringen. Sie heiratet ja recht früh, die Eltern ihres Mannes sind mit der Heirat nicht einverstanden. Aber sie hat sich in den Kopf gesetzt, dass sie ein Kind bekommen muss. - Aus dieser Ehe bricht sie bald aus, ihr Kind, einen Jungen, Viorel, nimmt sie mit.

Zufällig kommt sie dann in Kontakt mit einer kleinen Gruppe, die zu Trommelmusik tanzt. Und sich dadurch in Trance versetzt. Bei ihr selbst hat das intensive Auswirkungen, sie fühlt eine nie gekannte Freiheit, Offenheit. Und genau dieses Neue bringt sie dann in der Bank, wo sie arbeitet, ein. - Und die ganzen Mitarbeiter bis hin zum Chef werden von ihr angesteckt, beeinflusst. - Die Geschäfte werden erfolgreicher, und schließlich wird sie nach Dubai geschickt, um die Geschäfte der Bank dort zu führen, bzw. sie bekommt den Bereich Immobilien. - Und sie verkauft und verkauft, ist sehr erfolgreich. -

Ein Auszug, wo über ein Erlebnis von Athena zu erfahren ist, als sie mit dem Besitzer ihrer z.Zt. bewohnten Wohnung einen Spaziergang macht. u.a.:

"……….Alles bewegt sich. Und alles bewegt sich in einem Rhythmus. Und alles, was sich in einem Rhythmus bewegt, ruft einen Klang hervor. Das geschieht in diesem Augenblick hier und überall sonst auf der Welt. Unsere Vorfahren haben das auch bemerkt, schon damals, als sie in Höhlen lebten, um sich vor den Unbilden der Witterung zu schützen. - Die Dinge bewegen sich und machen Geräusche. - Für die ersten Menschen war diese Erkenntnis anfangs mit Staunen, später mit Verehrung verbunden: Sie begriffen, dass ein höheres Wesen auf diese Weise mit ihnen kommunizierte. Sie ahmten die Geräusche und Bewegungen, die sie umgaben, nach, in der Hoffnung, auch mit diesem Wesen zu kommunizieren: Der Tanz und die Musik waren geboren…….."

Sie verfügt über viel Geld, kann es sich leisten, immer mal wieder zurück nach England zu fliegen, u.a. auch nach Transsylvanien, wo sie ihre Wurzeln sucht und findet. -
Diese Reise und Begegnungen werden ausführlich geschildert. Auch die Begegnung mit ihrer ‚Meisterin', Deidre O'Neill, Edda genannt, werden thematisiert. Hier mal ein Auszug mit einem Gespräch zwischen den beiden: es geht um Trance:

"In einem der Zwischenräume zwischen den Buchstaben. In dem Augenblick, in dem ein Ton verklingt und der nächste noch nicht begonnen hat……………"und weiter: "Diese Art von Trance wird von Angst hervorgerufen: Sie lähmt den Menschen, nimmt ihm seine Reaktionsfähigkeit, der Körper antwortet nicht, seine Seele ist nicht mehr da. Sie waren voller Schrecken angesichts all dessen, was hätte geschehen können, hätte das Schicksal Ihnen nicht Ihre Eltern geschenkt." - - - - "Wer sind sie? Warum sagen sie mir das alles?" - - sie wird nach ihrem Namen gefragt, wer ihr den Namen gegeben hat. - "Niemand, der wichtig wäre…….." "Wenn uns nicht der Zufall zusammengeführt hätte, was dann?"
Aus einer Begegnung mit Edda, ihrer Meisterin, die in Schottland lebt.

Und so werden dutzende von Leuten, mit denen Athena zu tun hatte, zitiert. Jedes Kapital hochinteressant. Die Geschichte entwickelt sich weiter, sie ist spannend, spitzt sich zu, fesselt. Ihr kleiner Sohn ist immer dabei, bei allem was sie tut…..

 

 

Der Autor
"Paulo Coelho, geboren 1947 in Rio de Janeiro, Studium der Rechtswissenschaften, danach Reisen nach Südamerika, Europa und Nordafrika.

Zurück in Brasilien, Veröffentlichung von Theaterstücken und provokativer Rocksongs, die ihm über die Militarjunta der 70er Jahre dreimal ins Gefängnis einbrachten.

Er ist Herausgeber einer Untergrundzeitschrift, eines Musikmagazins sowie Direktor von Polygram und CBS, Brasilien.

Ab 1980 (Stellenverlust) 5 Jahre Studium in einem alten spanischen Orden und Zurücklegung des Pilgerwegs nach Santiago de Compostela.

2006 wurde Paulo Coelho mit dem mexikanischen Literaturpreis "Las Pergolas" ausgezeichnet."

 

Beschreibung des Verlags: "Was macht eine Hexe heute aus? Für Paulo Coelho ist sie eine Grenzgängerin zwischen den Welten, mit seherischen und heilenden Fähigkeiten. Die Heldin seines neuen Romans ist eine junge Rumänin, die als Kind von libanesischen Christen adoptiert wurde. Jetzt wohnt sie in London und führt dort das Leben einer modernen, erfolgreichen jungen Frau. Durch das Tanzen entdeckt sie plötzlich übernatürliche Kräfte in sich, die sie zutiefst verstören. Und nicht nur sie. Unerschrocken folgt sie jedoch ihrer Bestimmung und lernt, ihr Potential zu nutzen. Ein Buch der uns der Spiritualität näher bringt. Der Schriftsteller weckt in dem Leser das Bedürfnis nach sich selbst zu suchen."

 

 

Buchdaten:
Im Diogenes-Verlag 2009 erschienen. Insgesamt 304 Seiten, in Deutsch, ISBN-13: 9783257239324 und ISBN-10: 3257239327

Meine abschließende Meinung
Wie immer bei Paulo Coelho braucht der Leser ein bisschen Zeit, um sich in die Geschichte einzufinden. Hier war es zunächst schwierig, weil einfach damit begonnen wird, was die einzelnen Leute über die Protagonistin zu sagen haben. Hier was interessantes, als sie mit ihrer leiblichen Mutter, einer Zigeunerin zusammentrifft:

"Wenn dein Sohn einmal Fieber hat, setze ihn neben eine junge Pflanze und schüttle deren Blätter, Das Fieber wird auf die Pflanze übergehen. Falls du unter Angstgefühlen leidest, tue das Gleiche………"

Ihrer Mutter erzählt Athena auch von diesem Zusammentreffen mit ihrer leiblichen Mutter in Transsylvanien.
Ich greife hier einfach mal auf einige Zitate zurück, die ich - nicht bedeutender, aber doch bemerkenswert finde….

"Doch das größte Verdienst gehört nicht dem Gebenden, sondern dem Empfänger, der etwas annimmt, ohne sich als Schuldner zu fühlen. Der Mensch gibt wenig, wenn er nur über die materiellen Güter verfügt, die er besitzt. Aber er gibt viel, wenn er sich selber gibt."

Auch was es mit dem Bauchnabel auf sich hat, wird nachvollziehbar thematisiert:

"…..kommen wir zum Symbol des Bauchnabels. Nicht nur Menschen, auch Gesellschaften entwickeln sich in diesen vier Schritten. Die westlichen Zivilisationen haben eine Persona, Vorstellungen, die uns leiten. - In ihrem Versuch, sich den Veränderungen anzupassen, treten unsere Zivilisationen mit dem Schatten in Verbindung - wir erleben große Massendemonstrationen, in denen die kollektive Energie sowohl zum Guten als auch zum Bösen manipuliert werden kann. Aus irgendeinem Grund befriedigen Persona und Schatten die Menschen nicht mehr. Es ist der Augenblick gekommen, einen Sprung zu wagen, bei dem das Unbewusste sich mit der Seele verbindet. Neue Werte bilden sich heraus……"

Sehr gekonnt vom Autor inszeniert, der Aufbau dieser Geschichte. - Dass erst einige Kapitel nötig sind, um eine gewisse Fesselung, wenn ich das mal so ausdrücken darf, zu erfahren, ist auch normal, und bei allen seinen Büchern festzustellen.

Auch seine christliche Gesinnung, klar, sie wird spürbar; obwohl er allem Esoterischen und egal welchen Glaubensrichtungen sehr viel Raum gibt, alles zur Diskussion stellt. Und das ist das besondere an den Werken dieses Autors.

Es mag einiges geben, was man an diesem Buch des Autors kritisieren könnte. Aber ganz sicher nicht Phantasiemangel!