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Colin Cotterill
Totentanz für Dr. Siri
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Meine Zusammenfassung
Oha oha - welch ein Buch !!! Fällt nicht leicht, das zusammenzufassen.
Aber ich versuchs mal:
Dieser Dr Siri macht sich mit seiner Assistentin Dtui auf in diese
entlegene Bergregion. Er soll bei der Aufklärung eines seltsamen
Fundes behilflich sein. Sie kommen in einem sogenannten Gästehaus
unter, mehr eine Baracke ohne Service und Komfort.
Und hier beginnt schon die unglaublich witzige, ironische Schilderung,
nicht nur der Örtlichkeiten, sondern auch aller Personen, die involviert
sind. Da gibt's dann einen Geheimdienst, ein Militär, und alles
kommt sehr merkwürdig für unsere Verhältnisse daher ……
- Da gibt es heiße, schwüle Nächte, wo Dr Siri nicht schlafen kann.
Dröhnende Discomusik stört ihn. Er wundert sich, woher die kommen
soll. Laos ist kommunistisch, und diese Art von Musik war eigentlich
gar nicht mehr üblich.
Der Zusammenhang Laos-Vietnam wird immer wieder thematisiert, die
politische Lage aber mehr oder weniger gestreift, sie ist Nebenschauplatz.
Sie machen sich schließlich auf, in Begleitung eines Militärs,
zu der Fundstelle, wo dieser Arm aus einem Betonklotz ragt. Sie
graben die Leiche aus, Dr Siri untersucht sie, stellt fest, dass
die Leiche nicht ermordet wurde, sondern irgendwie gestorben ist,
wie sie dann in diesen Betonblock geraten ist, bleibt das Rätsel.
Um mal einen kleinen Einblick in den Stil des Buchs zu vermitteln,
zitiere ich mal eine Stelle: - Sie waren mit ihrer Ausrüstung zum
Flughafen Wattay beordert worden, Sinn und Zweck wurde nicht genannt.
Nur der Kontaktmann…
"…Genosse Lit müsste morgen früh um neun Uhr hier sein. - wer
war das nochmal? -Bezirkskommandeur, Staatssicherheit. - Ah ja.
Kennen Sie ihn noch von früher? - Der Name sagt mir nichts. Aber
als Partei- und Armeeführung nach Vientiane umgezogen, wurden hier
oben zahllose Grünschnäbel in Windeseile auf wichtige Posten gehievt:
Manche Jungkader machten derart rasant Karriere, dass der hiesige
Quartiermeister dem Vernehmen nach noch in den Windeln lag, als
er in Amt und Würden gelangte. Man musste erst einmal seine Rassel
konfiszieren, um ihn zur Arbeit zu bewegen - - Dtui kicherte. -
Ich weiß nicht. Gut möglich, dass mir dieser Lit schon einmal über
den Weg gelaufen ist,…. fuhr Siri fort. Ob er weiß, dass Sie ihre
knudlige, bildschöne Assistentin mitgebracht haben? - Er wird zweifellos
entzückt sein. - Wieder verführte die Ruhe ringsum die beiden zu
friedvollem Schweigen. Ein Hobbyfischer warf in dem tintenschwarzen
Tümpel seine Netze aus. Die Eichhörnchen zwitscherten wie heisere
Spatzen. Dtui blickte zu der Treppe hinter Siri. - Doc - Ja? - Da
oben an der Treppe - Keine Ahnung. Woher wissen Sie, was ich fragen
wollte? --- Sie wollten fragen, warum vor der Sperrholzwand dort
oben ein bewaffneter Wachposten sitzt. - Hmmm. Nicht übel. Haben
Ihre Geister Ihnen eingeflüstert, was ich denke? - Nicht nötig……..
"
Während der Ermittlungen Dr Siris und Dtui geschehen vielfältige,
skurrile, dubiose Dinge, und alle mit dieser trockenen Ironie geschildert,
die aufzeigt, wie in Südostasien nicht nur Militär und Administration,
sondern auch sonst alles funktioniert.
Und wie sie dann letztendlich das Rätsel lösen, ist spannend, interessant,
vor allem aber sehr humorvoll geschildert.
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Der Autor
Colin Cotterill wurde 1952 in London
geboren.
Nach einer Ausbildung zum Englischlehrer begab er sich auf eine
Weltreise, die bis heute andauert.
Er lebte lange in Australien, Japan, Thailand und Laos, wo der Englisch
unterrichtete, selbst Lehrer ausbildete und sich als Sozialarbeiter
engagierte.
Mittlerweile ist der Hundeliebhaber und begeisterte Comic-Zeichner
in Thailand sesshaft geworden.
"Totentanz für Dr Siri" ist der dritte Roman aus der mehrfach ausgezeichneten
Serie mit Dr. Siri Paiboun, dem querköpfigen Leichenbeschauer und
Ermittler wider Willen.
Colin Cotterill ist heute hauptberuflich
Schriftsteller und lebt in Chumphon, Thailand.
Klappentext:
"Dr. Siri, der so dickköpfige wie brillante Leichenbeschauer von
Laos, muss in die Provinz: Ein bizarrer Fund sorgt für Unruhe in
Houaphan, einer abgelegenen Bergregion. Nach einem Erdrutsch ragt
ein mumifizierter Arm aus einem frisch verlegten Betonpfad. Da der
fragliche Weg zum neuen Domizil des Präsidenten führt, ist er geradezu
ein Nationaldenkmal. Folglich soll Siri schnell und diskret herausfinden,
warum hier offenbar ein Mann lebendig begraben wurde. Zusammen mit
seiner Assistentin Dtui kommt er einer Geschichte von Liebe, Magie
und Rache auf die Spur. Allerdings ist es nicht dieser Mordfall,
der Siri um den Schlaf bringt. Es ist die infernalisch laute Discomusik,
die jede Nacht an sein Ohr dringt. Woher kommt sie? Und warum scheint
sie außer ihm niemand zu hören? Auch dieses Rätsel wird er schließlich
lösen - und sogar selbst ein mitternächtliches Tänzchen wagen. Der
dritte Roman aus der einzigartigen Krimiserie mit unwiderstehlichem
Charme und Witz. Die Romane der Serie wurden bereits mit dem "Dagger
in the Library" und dem "Dilys Award" ausgezeichnet."
Buchdaten:
ISBN-10:3-442-54665-6 EAN:9783442546657 Erscheinungstermin:24.05.2010
Verlag:Goldmann Verlag
Einband: gebunden
Sprache:Deutsch
Seiten:320
Übersetzer: Thomas Mohr
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Meine
abschließende Bemerkung
Dieses Buch las sich sehr amüsant, von der ersten bis zur letzten
Seite einfach unwerfend skurril, sarkastisch-ironisch, aber dennoch
mit einigen Hintergrundinformationen, wo ich nicht so richtig gleich
wusste, was ist Wahrheit, oder was ist hier wieder frei erfunden.
Aber das schmälerte nicht mein Lesevergnügen. Was aber wirklich
neu für mich war, war die Verbindung von Laos zu Vietnam. Das habe
ich nie so richtig mitbekommen. Aber dieses Buch soll ja vermutlich
keine Nachhilfe in Geschichte sein, sondern einfach eine Geschichte,
die vor dem Hintergrund der Laotisch-vietnamesischen Geschichte
spielt. So z.B. diese Stelle:
"Der
Panther-Lao-Fahrer stand Siri für die Dauer seines Aufenthalts zur
Verfügung. Um acht Uhr morgens hielt der Jeep vor dem neuen Bezirkskrankenhaus
in Xam Neua. Noch vor vier Jahren war die Hauptstadt der Provinz
Houaphan eine einzige große Schutthalde gewesen. Zwölf Jahre Bombenkrieg
hatten kein Haus unversehrt gelassen. Zwar hatten die Fliegerleitoffiziere
von Air America die Angriffe ferngesteuert und die Bomber ins Zielgebiet
gelotst, doch den Finger am Drücker hatten vor allem laotische und
Hmog-Piloten. Es war eine symbolische Geste, weiter nichts. Sämtliche
Zivilisten waren längst geflohen, als die die Stadt dem Erdboden
gleichmachten. Inzwischen entstand an ihrer Stelle eine neue Stadt
mit protzigen Boulevards so breit wie die Champs-Èlysées, die allem
Anschein nach zu einer kommunistischen Vorzeigemetropole herausgeputzt
werden sollte. Das Krankenhaus war nichts weiter als eine provisorische
Ansammlung weiß getünchter Baracken, und das Personal harrte bereits
sehnsüchtig des Umzugs in ein komfortableres Domizil……
"
Dann
geht's auch noch um kubanische Hilfen. Da ist ein Dr. Santiago im
Spiel, und hier kommen dann auch mystische Dinge zum Tragen. Die
Zusammenhänge werden dann klarer, je weiter die Geschichte fortschreitet.
Am Ende sind dann wirklich diese Verbindungen mit Geistern, ob aus
Kuba importiert, oder auch aus Laos direkt, wichtig für das Ende
der Geschichte. Es wird also wahnsinnig turbulent……
Auch
eine witzige Stelle: (es geht um Siris Frau)
"….Siri
und seine Frau Boua hatten seit Jahren der Lao Issara, dem Freien
Laotischen Widerstand, angehört. Boua wollte die französischen Besatzer
systematisch bekämpften, statt ihnen nur hin und wieder ein paar
Nadelstiche zu versetzen. Sie war eine überzeugte Kommunistin, und
Siri folgte ihr an die Ngyuen-Ai-Quoc-Universtität in Hanoi, wo
er Vietnamesisch lernte und Kurse in kommunistischer Ideologie belegte.
Er wurde mit roter Farbe getauft und so lange in den Bottich getunkt,
bis er Marx atmete und Lenin schiss. Derart gerüstet, war er durch
die vietnamesische Provinz getingelt und hatte die Bauern davon
überzeugt, dass nur der Kommunismus sie vom Joch der französischen
Fremdherrschaft befreien könne……."
Hier
geht's um die Feierlichkeiten zum 1. Mai:
"Die
müden Feierlichkeiten zum 1. Mai trafen auf denselben gebremsten
Enthusiasmus wie das Raketenfest. Aus Mai wurde Juni, und die Fruchtbarkeitsgötter
lagen immer noch in tiefem Schlummer. Kein Wölkchen trübte den Himmel,
die Reisfelder verdorrten, und im Erdboden taten sich tiefe Risse
auf. Als der Juli kam, hatten die Leute keinen Zweifel mehr, dass
diese noch nie da gewesene Dürre auf das Konto der neuen Regierung
ging. Der Sozialismus war schlecht fürs Wetter. So viel war selbst
dem schlichtesten aller schlichten Gemüter klar. Sämtliche Versuche
der Regierung, den Widerstand in der Bevölkerung zu brechen, hatten
das genaue Gegenteil bewirkt….."
Und
so geht es weiter und weiter, jede Situation strotzt nur so von
Komik. Ich könnte oder müsste jetzt dutzende Stellen anführen, aber
das muss man wirklich selbst lesen. Ganz witzig ist z. B auch die
Sache, wo Siri nächtens immer wieder von lauter Diskomusik gestört
wird. Als er sich eines Tages aufmacht, in diese Höhle, wo das herkommt,
ja - da ist was los….. Aber es sind einfach nur die Geister…..in
Dr. Siris Hirn. Da werden öde, lange, lange Pfade durchwandert,
sie treffen auf die skurrilsten Gestalten, es gibt Höhlen, Götter,
Phantasiegestalten…
Da
wird z.b. dieses Fest in dieser Höhle geschildert: - (Es ist diese
Höhle, wo Siri ja vorher schon diese Disco gesehen hatte, bzw. gemeint
hatte zu sehen…. )
"Die
Veranstaltung dauerte bis in die Nacht. Wunderschöne vietnamesische
Ballerinen in Armeeuniform drehten auf Turnschuhen Pirouetten. Akrobaten
stellten mit Stühlen schier unglaubliche Dinge an. Ein Mädchen balancierte
kopfüber auf einem Esel, der im Kreis lief und auf ein Stromkabel
pisst, das daraufhin zu qualmen anfing. Ein kleiner Engelschor mit
roten Halstüchern und Baretten schmettere Parteilieder, die Ballerinen
kamen noch einmal auf die Bühne und vollführten einen mitreisen
Tanz mit Gewehren, und ein nordvietnamesischer Popstar sang eine
romantische Ballade, die dem alten Mann die Tränen in die Augen
trieb……."
Tja,
und genau so erging es eigentlich mir beim Lesen dieses wirklich
atemberaubenden Büchleins. Es ist ja nicht einfach nur so eine humoristische
Geschichte, sondern gespickt mit unglaublichen Tatsachen, Begebenheiten,
Göttern, Phantasien, und zwar gemischt aus vietnamesischen, laotischen
und kubanischen Gottheiten.
Und so ganz nebenbei wird auch noch ein zunächst angenommer Mord
aufgeklärt! - Aber in einer Art und Weise, die so gar nicht einer
Kriminalgeschichte wie wir so gewöhnt sind geschieht, sondern eben
in dieser Art des Autors, die für mich total neu war/ist.
Und
auf jeden Fall mich dazu verführt, ein weiteres Werk genau dieses
Autors auch zu lesen. Ich hoffe, es kommt noch einiges von ihm…..
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