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Ein kurzer Inhaltsanriss von mir:
Mary kommt aus Irland, arbeitet als Kellnerin in einem Club. Ihre
große Liebe Mark, ein Karrierejournalist, lernte sie dort kennen.
Die Autorin beschreibt den Charakter Marks sehr eingehend, aber
auch den von Mary.
Das Buch ist in 35 Kapitel unterteilt. Wobei aber nicht in einem
ganzen Kapitel von jeweils einer Person die Rede ist. Das Leben
des ganzen Umfelds von Mike, aber auch von Mary, mit zahlreichen
Personen, ist jetzt Thema. Die jeweiligen Wohngegenden, die in London
wie überall in der Welt schon eine Klassifizierung darstellen, werden
als sehr wichtig dargestellt.
Eine wichtige Person - und zwar über das gesamte Buch - ist Adam.
Homosexueller, und Marys ältester und bester Freund. Er haust in
einem Haus (allerdings in Mayfair), seine Wohnung ist verwahrlost,
er selbst auch, er kleidet sich mit alten Kleidern, die er aus Wohlfahrtsläden
hatte, er bezeichnet sich als Schriftsteller. Und er arbeitet grade
an seinem zweiten Roman. Nachdem sich Mark ganz plötzlich von ihr
getrennt hatte, um die Tochter eines großen Verlagsbonzen mit viel
Macht zu heiraten, sucht sie Adam als erstes auf. - Die Unterhaltung
mit ihm füllt viele Seiten, ein Satz von ihm war z.B. auch der:
"Ja" - sagte er "ich habe Glück, dass ein armer Mann, der reich
erscheinen will, in England genauso aussehen kann wie ein reicher
Mann, der so tut als wäre er arm."
Adam wird den ganzen letzten Teil des Buchs in Anspruch nehmen.
Weiter zu diesem Kreis, die sich alle irgendwie kennen, gehört Tom,
ein Arzt, mit kärglichem Gehalt, der sich aufopfernd seinen Patienten
widmet, ohne große Zukunftsaussichten.
Dann natürlich Amelia, die Tochter des Chefs vom Chronicle, die
Mark dann heiratet, und die auch gleich schwanger ist. Mark erhofft
sich durch diese Verbindung sehr viel….. - Ein Großteil erzählt
dann von Amelia, die eine grauenhafte Schwangerschaft und Geburt
erlebt; bisher ein strahlender Star jeder Party, sah sie mit Grauen
zu, wie ihre Figur sich veränderte, ihr pausenlos schlecht war.
- Aber was viel bedeutender ist: Ihr Vater hält sie sehr kurz, finanziert
nicht ihr Leben, sie muss mit Mark in ein Haus ziehen, in einer
nicht vornehmen Gegend. Ihr Luxusleben ist dahin. Und somit hat
sich Mark schon mal verrechnet.
Dann tritt auch Ivo auf dem Plan, auch einer, der im Verlag viel
zu sagen hat. Zahlreiche Autoren, Rezensenten usw. treten jetzt
auch auf den Plan. Alles sehr interessant, ganz diffizil sind hier
die Zusammenhänge, die Campagnen und auch die Verhältnisse untereinander.
Macht ist alles.
Und immer zwischendurch kommt dann die Geschichte einer jungen,
allein erziehenden Mutter, die von Arbeitslosengeld lebt und in
großer Armut ihren kleinen Sohn sehr liebevoll aufzieht.
Auffallend immer der krasse Gegensatz, wenn die Autorin von einem
Milieu ins andere wechselt, alles sehr ausführlich und in einer
anspruchsvollen Sprache formuliert.
Mary wird schließlich von einem Freund dazu überredet, Buchkritiken
zu schreiben. Was sie sich anfangs eigentlich nicht zutraut, aber
sie bekommt Ratschläge….. die für alle, die auch Bücher beschreiben
wollen, hochinteressant sind. Ivo hatte die Rezension über den ersten
Roman von Adam, ihrem besten Freund, geschrieben. - Ein übler Verriss.
Der neue Roman ist verlegt, und Mary erkämpft sich bei Ivo die Erlaubnis
die Rezension zu schreiben.
"Sie fand das Buch gut - Menschen, die einander mögen, mögen
sehr oft auch die Arbeit des anderen. Die Handlung war absurd, lebendig,
phantastisch, purzelte durcheinander wie Welpen in einem Sack -
und Marys Absicht war, nicht mehr als einem oder zweien von ihnen
eins über den Kopf zu geben. - Dennoch gewann die Sache, auf die
sie trainiert worden war, die Oberhand. Sie hatte gelernt, wie man
kritisiert, und ihr Intellekt schoss aus der Scheide wie ein verzaubertes
Schwert, zerteilte und spießte auf und erledigte das Buch, beinahe
bevor ihr auffiel, was sie getan hatte - Vor einem Jahr hatte Mary
noch eine Woche gebraucht, um ihre erste Rezension zu schreiben.
Inzwischen schaffte sie dreimal so lange Kritiken in zwei Stunden,
die sie gleich eintippte. Es gab ihr einen Kick, gegen alles zu
Feld zu ziehen gegen die Zeit, die Konkurrenz, ihre eigene Trägheit,
ihren Mangel an Selbstvertrauen und vor allem gegen Mark -, und
ihr schien, dass es dem Blutdurst vergleichbar war, der Krieger
in einer Schlacht überfällt…… "
Mary verdiente sehr gut, allerdings war das Leben, das sie nun
führte - viel zu teuer. Und sie überzog ihr Konto um tausende….
Was sich daraus entwickelt - führe ich hier nicht näher aus, will
ja nicht komplett alles erzählen. Immer nebeneinander laufen die
einzelnen Geschichten, alle sehr interessant, und haben irgendwie
etwas miteinander zu tun. Die Geschichte mit Amelia und Mark endet
anders, als sich alle vorgestellt haben. - Und letztendlich dann
die Geschichte mit Adam, der sehr schwer krank ist, im Zusammenhang
mit Mary, nimmt einen Großteil des letzten Drittels des Buchs ein.
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Die Autorin:
Amanda Craig ist 1959 geboren in England. Sie studierte an Bedales
Schule und Cambridge und arbeitete als Journalistin.
Sie ist verheiratet, hat zwei Kinder, und lebt in London. Sie arbeitet
im Moment als Kritikerin für die Times.
(Info: Wikipedia)
Klappentext:
"Mary Quinn jobbt für ihre große Liebe Mark - der ehrgeizig Karrierejournalist
lässt sich von ihrem Gehalt als Kellnerin aushalten, um sich ganz
"seiner Arbeit" widmen zu können. Zu Marys Entsetzen sieht Marks
Karriere dann so aus, dass er nicht sie, sondern die Tochter eines
Zeitungsmagnaten heiratet, auf dessen Protektion er hofft. Mit dieser
völlig neuen Situation konfrontiert, mausert Mary sich zu einer
bissigen und ob ihrer treffsicheren Rezensionen nicht nur gefürchteten,
sondern auch allgemein geschätzten Journalistin. Das, was Mark trotz
Beziehungen nicht erreicht - im schnelllebigen Londoner Zeitungsmilieu
Erfolg zu haben - , gelingt ihr. Doch Mary erfährt auch die Kehrseite
des schönen Scheins, der Glitzerwelt der halbseidenen Londoner Society;
sie muss zwischen wahren und falschen Freunden unterscheiden und
mit dem Erfolg umgehen lernen."
Buchdaten:
Verlag: List Tb. (2000) Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3612650270
ISBN-13: 978-3612650276 443 Seiten
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Meine
abschließende Meinung:
Im gesamten ein hochinteressantes Buch dieser Autorin. Sie kennt
das Genre, das Milieu, und ich denke, viel davon ist uns nicht so
ganz bekannt, bzw. sehr wenig.
Was
mich sehr interessiert hat war folgendes Gespräch zwischen Mary
und Ivo, als sie sich darüber unterhalten, wie eine Buchbesprechung
aussehen soll:
"….Ivo hatte bereits die halbe Flasche ausgetrunken……"oh,
du wirst es können. Du weißt wovon du sprichst, du weißt nur noch
nicht, wie du es lesbar machen sollst.
deine Leser sind beim zweiten Satz eingeschlafen. Pass mal auf:
Was sollte eine Buchbesprechung als erstes leisten?" --- "etwas
über das Buch sagen" ---- "Nein" --- "etwas über den Autor sagen?2
- - "Nein". - "Was dann?" - - "Sie soll Lust machen, weiterzulesen.
Hör zu, vergiss alles, was Mark dir möglicherweise beigebracht hat"
- Mary blinzelte - "Eine Buchbesprechung ist Journalismus wie alles
andere auch. Wenn du jemanden dazu bringst, zu lesen, was du geschrieben
hast, hast du deinen Job schon halb getan. Jeder einzelne Artikel
in einer Zeitung dient nicht nur der Information, er ist auch ein
Grabenkrieg gegen Gleichgültigkeit, Faulheit, das Telefon oder den
Wunsch deiner Leser nach einer Tasse Kaffee. Du musst sie am Schwanz
packen und dranbleiben."
Wie
nicht anders zu erwarten, geht die Autorin mit dem ganzen Verlagswesen
hart ins Gericht. Nicht nur die Verhaltensweisen von ‚oben' - sondern
vor allem auch die der ‚unteren' gegeneinander. Alles ist Konkurrenz,
Kampf, Macht. Und ganz besonders gelingt es der Autorin, wie nicht
anders zu erwarten, die zahlreichen Unterschiede der einzelnen Klassen,
ihre Gruppenzugehörigkeit, und ganz besonders die Ungerechtigkeit
hervorzuheben.
Letztendlich bedient sie dann aber auch die Rachegelüste, die nicht
nur bei den Protagonisten entstanden sind, sondern auch beim Leser,
sehr befriedigend. -
In
einer sehr ausgefeilten, literarisch - in meinen Augen - hochwertigen
Sprache ist dieses ganze Buch sehr gelungen, für sehr viele vermutlich
unbedingt lesenswert. Ist es doch nicht nur ein Roman, mit einer
spannenden Geschichte, sondern bietet auch Einblicke in genau dieses
Genre, dieses Geschäft mit Journalismus, Literatur usw. -.
Mir hat das Buch hervorragend gefallen, ich brauchte allerdings
einige Zeit um es zu lesen, aber eine gute Sprache und vor allem
so ein interessanter Inhalt rechtfertigen das! -
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