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Meine Zusammenfassung:
Die beiden Schwestern Emilia und Luzia dos Santos wachsen bei ihrer
Tante in Pernambuco, Taquaritinga, auf. Emilia ist ein Jahr älter.
Von der Tante Sofia haben sie das Schneidern und Nähen gelernt.
Und später nähen sie auch im Haushalt einer wohlhabenden Familie.
Luzia hat als Kind beim Spielen, als sie auf einen Baum kletterte
und herab fiel, ihren Arm verletzt; er wurde nicht richtig behandelt
und seitdem hatte sie diesen seltsam abgewinkelten Arm. Dieses Handicap
schloss aus, dass sie jemals einen Mann finden konnte, eine Familie
gründen konnte.
Als eines Tages die Cangaceiros in den Ort kommen, nehmen sie Luzia
mit. Die Cangaceiros teilten sich die Macht mit den Colonels. Bzw.
das sah so aus, dass einige Colonels mit den Cangaceiros zusammenarbeiteten;
taten sie das nicht, wurden sie bekämpft. Das war damals so, jeder
Colonel machte seine eigenen Gesetze, und es gab in allen Orten
einen Colonel, der nicht nur die Armen ausnutzte, sondern auch Gesetze
machte. Und er konnte ohne weiteres einen, der ihm nicht genehm
war, aufhängen lassen.
Auch viele Bewohner von Pernambuco waren den Cangaceiros gut gesinnt.
- Das sah so aus: Zeigte sich z.b. ein Bauer auf seinem Grundstück
freundlich und zuvorkommend, dann kauften die Cangaceiros ihm Lebensmittel
und Sachen ab die sie brauchten und bezahlten gut. Wurden sie aber
nicht eingelassen oder feindlich behandelt, eröffneten sie das Feuer,
nahmen den Leuten alles an Schmuck ab was sie finden konnten, alles
Geld, alle Vorräte, steckten das Haus an, trieben das Vieh hinaus
bzw. schlachteten es ab.
Während nun Luzia bei den Cangaceiros und ihr Aufenthalt ihrer
Familie unbekannt war, war Emilia mittlerweile nach Recife gezogen,
wo sie einen Mann geheiratet hatte, der im Haus der Familie verkehrt
war, wo sie als Schneiderin gearbeitet hatte. Er war der Freund
und Studienkollege des Sohnes, beide studierten Jura.
Emilia war diese Heirat nur eingegangen, um vom Bergland wegzukommen
und in Recife zu leben, als wohlhabende, angesehene Frau eines Mannes.
Das gestaltete sich für Emilia sehr schwierig; die Schwiegermutter
erteilte ihr monatelang Unterricht, wie sie sich zu benehmen hat,
und ihr Mann schlief weiterhin in seinem Kinderzimmer, die Ehe wurde
erst nach einigen Monaten vollzogen, nachdem die Schwiegermutter
Enkelkinder verlangt hatte. - Dann kam ihr Mann jede Woche, vollzog
den Akt, und ging wieder in sein Zimmer. - Emilia wollte aber nicht
schwanger werden, und nahm alle möglichen Kräuter ein, die das verhindern
sollten. Und sie wurde nie schwanger.

Politische Wechsel finden statt, Gomes wird Staatspräsident von
Brasilien, alle Länder in Brasilien sollen unter einer Nation fungieren,
unter einer Regierung stehen, unter Gomes. Um 1930, die große Weltwirtschaftskrise
ist auch in Brasilien zu spüren. Und ein großes Ziel von Gomes ist
es, diese Cangaceiros zu vernichten.
Der Schwiegervater Emilias, mit dem sie sich gut versteht, ist ein
Arzt und erforscht den Zusammenhang von Maßen seiner abgemessenen
Schädel von Kriminellen und deren künftigen Umgang. - Seltsame Ansichten,
die vom fernen Deutschland auch kommen, und zwar sind dort auch
Ärzte, die z.b. die Schädel von Juden usw. vermessen, um daraus
Schlüsse zu ziehen. Und sein größtes Ziel ist es, den Schädel des
Falken und der Schneiderin eines Tages zu vermessen. Es sind hohe
Belohnungen ausgesetzt.
Es war Sitte und Brauch, dass die Cangaceiros die Köpfe ihrer Gegner
abschlugen, aber es war auch Sitte, dass die Soldaten, wenn sie
Cangaceiros besiegten, sie nach dem Töten und Entehren köpften und
die Köpfe abgaben, zu Forschungszwecken. In den Zeitungen wird viel
von ihnen berichtet, und auch darüber, dass unter ihnen eine Frau
ist, "Schneiderin" genannt. - Und Emilia weiß bald, dass das ihre
Schwester Luzia ist.
Die Schilderungen wechseln von Kapitel zu Kapitel, und abwechselnd
wird von Luzia und ihrem Ergehen bei den Cangaceiros erzählt, und
dann wieder von Emilia. Luzia wird nach vielen Monaten die Geliebte
des Chefs der Cangaceiros, der "Falke" genannt. Die Liebe ist gegenseitig.
Luzia lernt Schießen, lebt mit diesen ganzen Cangaceiros als einzige
Frau.
Jetzt werden sehr ausführlich die Aktivitäten der Cangaceiros geschildert,
wie sie leben, warum und wie sie etwas tun. - Und vor allem: sie
sind alle gläubig und der Falke verlangt jeden Morgen und jeden
Abend, dass alle zusammenkommen und zusammen beten.
Luzia wird mehrmals schwanger, möchte aber eigentlich kein Kind,
und immer wieder gibt es Fehlgeburten Bis auf die letzte Schwangerschaft,
die trägt sie erfolgreich aus.
Aber sie und auch der Falke sind sich darüber einig, dieses Kind
nicht selbst aufzuziehen.
Sie kennen ja viele Leute, die ihnen wohlgesinnt sind, u.a. auch
einen Arzt, der in den Bergen eine Ranch betreibt. Ihn suchen sie
auf, wenn sie verletzt sind oder ärztliche Hilfe brauchen.
Luzia bringt ihren Sohn, den sie nach dem Heiligen Expedito nennt,
dort zur Welt, bittet aber die Hebamme und den Arzt, ihr den Sohn
nicht zu zeigen und sofort wegzunehmen, sie möchte vermeiden, dass
der Schmerz allzu groß ist, wenn sie ihn gesehen hat und dann abgeben
muss.
Sie ziehen dann auch wieder weiter, und bei einem Angriff kommt
der Falke ums Leben. Luzia übernimmt seine Rolle, und es wird verschwiegen,
dass der Falke tot ist.
Sie entwickelt sich zu einer noch brutaleren Kriegerin als es der
Falke war, aber das Überleben als Cangaceiro ist gefährlich und
alles was sich ihnen entgegenstellt, müssen sie töten, weil sie
keine andere Wahl haben, wenn sie selbst überleben wollen.
Politisch sind die Cangaceiros Gegner von Gomes; nicht nur gegen
seine Person, sondern sie wollten mehr Gerechtigkeit für alle, und
nicht die Regierung dieses Gomes, der nur, wie überall üblich, das
Wohlergehen der reichsten Schichten im Auge hat.
Es werden zahlreiche Begebenheiten auf beiden Seiten erzählt, und
es würde zu weit führen, sie noch ausführlicher hier zu beschreiben.
z.b. die Schilderung über den Straßenbau, den Gomes plant, der quer
durch die Länder gegen soll bis zum Hinterland und Flachland von
Pernambuco. Und zwischen den Straßenbauern und den Cangaceiros gibt
es zahlreiche Schlachten, auch nehmen die Cangaceiros einige Ingenieure
als Geiseln, wollen Geld erpressen, aber für die Geiseln wird nichts
bezahlt, es werden einfach neue geschickt, Gomes ist das egal, es
gibt genug Leute, und seine Soldaten, "Affen" genannt, sind ihm
nur so viel wert, was sie leisten und wie viele Cangaceiros sie
abschlachten. - Es gibt genug von ihnen. -
Luzias Sohn, Expedito, wächst zunächst bei dem Arzt und der
Amme auf.
Der Arzt hat zwischenzeitlich auch Kontakt mit den Leuten aus Recife,
und Emilia lernt ihn auf einer gesellschaftlichen Veranstaltung
kennen. -
Aber, er ist nicht ganz loyal gegenüber den Cangaceiros, und zwar
gipfelt das dann später darin, als er aktiv wird, als Luzia gefasst
werden soll (immer noch ist nicht bekannt, dass der Falke tot ist).
Am Ende der Geschichte hat man als Leser eigentlich immer im Auge,
dass die beiden Schwestern sich treffen, irgendwie. - Und die Sympathien
sind auch bei Luzia, auch wenn sie eine Mörderin ist.
Die Lage spitzt sich zu, als Gomes aus Deutschland Maschinengewehre
ordert, die dann auch eintreffen, und mit diesen Waffen sind seine
Soldaten eigentlich unschlagbar, und Cangaceiros, die nur normale
Gewehre haben, haben keine Chance.
Und diese Tatsache wird den Cangaceiros auch bekannt. - Und hier
hat dann der Arzt die Hände im Spiel. Aber mehr verrate ich nicht,
es geht sehr spannend weiter, und es gibt ein Ende. Nur welches??
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Frances de Pontes Peebles stammt aus Pernambuco,
Brasilien, und lebt heute in Chicago.
Sie studierte an der University of Texas, Austin
und beim Iowa Writers' Workshop.
Sie hat zahlreiche Kurzgeschichten veröffentlicht.
Die Schneiderin von Pernambuco ist ihr erster Roman.
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Die
Autorin hat, was im Nachwort schön zu lesen ist, sehr gut recherchiert,
und sich über diese Guerilla-Gruppen sehr gut informiert.
Ob
in Archiven, oder aber auch bei Leuten, Nachfahren, die noch was
wussten.
Alle Geschehnisse sind natürlich fiktiv, allerdings die politischen
Ereignisse, auch die Weltwirtschaftskrise usw. sind authentisch.
Die
Namen, wie auch Gomes, sind erfunden, und einige Figuren der Cangaceiros
hatten ähnliche Schicksale wie die geschilderten, des Falken, der
Schneiderin usw. -
Und auch, dass die Schneiderin, dann ja Kopf der Cangaceiros-Gruppe,
Frauen aufnahm, und dann einige Paare dabei waren. Auch das hatte
sie den Aufzeichnungen in Archiven entnommen.
Diese
Geschichte, mit den Singer-Nähmaschinen, die die Cangaceiros dann
für Luzia immer trugen, damit sie unterwegs nähen konnte, könnte
wahr sein.
Und egal, ob wahr oder erfunden, interessant ist diese Tatsache
allemal.
Den
Namen "Schneiderin" hatte Luzia ja deshalb bekommen, weil sie -
zumindest am Anfang - alle Uniformen und Kleidungsteile mit zahlreichen
wunderschönen Stickereien versehen hatte. Und natürlich aus erbeuteten
Stoffen neue Uniformen für die Cangaceiros geschneidert hatte.
Insgesamt ließ sich dieses Buch wunderbar gelesen; tausend
Einzelheiten, die sehr interessant sind, aber vor allem auch viele
Überlegungen, Charakterzüge von Guerillas, die nicht negativer sind,
als die der Mächtigen im Land, sind zu finden.
Und
nicht zuletzt, eine sehr spannende Geschichte.
Und
auch interessant, wie sich zwar alle südamerikanischen Inhalte von
Büchern von dort ähneln, aber dennoch wieder sehr unterschiedlich
sind. Ich habe deshalb eine Karte von Brasilien eingefügt, damit
zu sehen ist, wie damals die Landeinteilung war, bzw. vermutlich
auch heute noch ist, nur eben unter einem Dach: Brasilien.
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