Renan Demirkan
Es wird Diamanten regnen vom Himmel

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Mein kurzer Anriss des Inhalts:
Die Protagonistin, Rosa (Ich-Erzählerin), lebt alleine mit ihrer halbwüchsigen Tochter, hat einen sehr guten Freund, Theo, der aber nie ihr Geliebter war, sie beschreibt diese Verbindung sehr schön, und zwar dass sie beide eigentlich wie Bruder und Schwester sind. Vieles gleich haben, aber dennoch nicht so, dass daraus eine Liebesgeschichte werden könnte, aber eine große Freundschaft.

Als sie ihre Tochter verabschiedet hat, die für 2 Wochen zu ihrem Vater reist, beschließt sie, für diese Zeit zu ihrem Freund, der einen außerhalb gelegenen alten Bauernhof hat, zu ziehen.
Aber bereits auf dem Weg zum Flughafen war ihr, und besonders ihrer Tochter, ein Mann aufgefallen, der in seinem Porsche zunächst auf der Autobahn das Missfallen der Tochter erregt hat, ihr dann nochmal am Service-Schalter des Flughafens auffällt… Immer wieder läuft ihr dieser Mann (genannt Rick, abgeleitet von Richard) über den Weg, ob absichtlich oder zufällig, weiß sie nicht.

Als sie mal mit ihm gesprochen hat, mit ihm, dem Mann mit der angenehmen, warmen Stimme, und der auch noch gut riecht, und er meinte, für sie würden Perlen gut passen, mit einem rosa Schimmer, lehnt sie ein Treffen mit ihm ab.

"So, da war sie wieder, die alte Rosa, konsequent und kontrolliert. Das war ihr Treibstoff, der sie noch immer rechtzeitig aus jeder Befangenheit hinauskatapultiert hatte. Und er hier sie nicht fest oder stellte sich ihr in den Weg, wie der dem er irgendwie ähnelte. Dante hieß der, und der junge Dante und die junge Rosa hatte das Glück gesucht, und sich im Wahnsinn verlaufen, ohne Aussicht auf Heilung. Alles deutete auf Mord damals, und irgendwann hätte es einer von beiden sicher auch getan - den anderen aufgeschlitzt, dass er ein bisschen stirbt. Nur ein bisschen, zur Strafe. Sie hatten sich wie Tiere belauert, die hungrig sind auf das Fleisch des anderen. Halt! Reiß dich zusammen, Rosa! Ja, die Füße hatten recht, hau ab, so schnell und so weit wie möglich…….."

Rosa bedenkt ihre Lebenssituationen akribisch, hinterfragend, Sinn suchend.
"Seit ich denken kann, leide ich unter Zeitnot, unter dem rasenden Druck, dass ich nicht genug Zeit haben könnte, genug Zeit, komplett zu erden und ruhig, und dass ich sterben muss, ohne lange genug jung gewesen zu sein. Jung im Sinne von jetzt, neu, wissen, erfahren, leben mit unendlich vielen Übermorgen und mit Liebe, die bleibt….."

Da sie in einem Heim für vernachlässigte Kinder arbeitet, kommt auch von diesem Genre sehr viel vor, es beschäftigt sie, vor allem als ein Mädchen, um das sie sich immer gekümmert hatte, sich von der Brücke stürzt und tot ist. Ihr Beklagten dieser Verhältnisse, wo Eltern ihre Kinder einfach nicht wollen, abschieben, wie sie hier helfend eingreifen will, aber auch immer wieder scheitert. Sie versucht sehr viel, ihre Arbeit greift in ihr Privatleben ein, lässt sie nicht zur Ruhe kommen. Und dazwischen dann immer wieder zufällig aussehende Treffen mit diesem Porschefahrer Rick. Mittlerweile hat sie sich auch mal mit ihm getroffen, auf der Hotelterrasse seines Hotels, er ruft sie häufig an - sie geht oft nicht ans Telefon, weigert sich einfach, diese, so verlockend scheinende Beziehung zu vertiefen.

Als sie einmal einen berauschend schönen und riesigen Rosenstrauß von Rick bekommt:

"'Gott sind die schön' staunte ich aus der Starre. Theo stand neben mir und wedelte mit dem Päckchen und der künstlich glatten Stimme: ‚was da wohl drin sein mag?' Ich wusste es. Ich wusste es genau. Und ich war begeistert, dass dieser Mann dazu fähig war, gleichzeitig war ich abgestoßen von seiner Überheblichkeit, mich gegen meinen Willen gestalten zu wollen. Ein weiteres Rätsel ist mir, woher Menschen diese Sicherheit nehmen zu wissen, was gut für einen andere ist oder was überhaupt gut ist, für sich selbst und die Welt….."

Und noch ein markanter Auszug:
"……..dann sagte ich ihm in meinem freundlichsten Ton: ‚Liebster Theo, ich geb dir und deinen Artgenossen jetzt einen guten Rat: wenn ihr nicht bald auf dieselbe Evolutionsstufe kommt wie wir, klonen wir uns selbst und erziehen unsere Kinder nur noch alleine, dann seid ihr nämlich endgültig aus dem Rennen. Also hört endlich auf, uns zu tyrannisieren, wegen dem beschissenen bisschen Samen' warf ihm einen Handkuss zu und lief vom Hof. Theo rief mir noch vieles in Griechisch hinterher."

Als sie unterwegs ist in ihrem Städtchen:
"Die Luft schmeckte pudrig nach Beton von den Häuserwänden, die langsam abkühlten.- wie anders, dachte ich, im Süden riecht es in den Sommerstraßen nach Essen und Menschen. - Die Kreuzungen wirkten lächerlich ohne den lärmigen Verkehr, wie sitzengelassen. Die Ampeln hüpften stumm von rot auf gelb, auf rot. Und kein einziges Auto, das auf ihre Kommandos reagierte. Im Gegenteil, die Fußgänger und Radfahrer pendelten nach Lustprinzip kreuz und quer über die Straße. laszive Rebellen im Scherenschnitt der Nacht………….."

Während sie auf Rick wartet:
"…….aber ich verzichtete und verzog mich statt dessen mit dem Telefon ins Bett, legte die Schachtel mit den Perlenohrringen unter as Kopfkissen und stellte eine Kerze vor die weit aufgegangenen, samtroten Rosen. - Das Zimmer roch immer noch unbewohnt, nach Stein. Wie lange es dauert, bis Mauern nachgeben, dachte ich, und spürte wieder diese alte Müdigkeit, die mir jede Bedeutung klaut und mich bedürfnislos macht. Mir war nach einem langen Schlaf, alles wegzuschlafen, alles zu erledigen und erst dann wieder aufzustehen, gesundgemacht wieder zurück zu kommen…………"

 

 

 

Die Autorin
"Renan Demirkan, geboren 1955 in Ankara, lebt seit ihrem 7. Lebensjahr in Deutschland.

Seit 1980 arbeitet sie als Schauspielerin für Theater, Film und Fernsehen.

Sie erhielt für ihre Arbeit den Förderpreis NRW,
den Grimme-Preis,
die ‚Goldene Kamera',
den hessischen Darstellerpreis für Film und das Bundesverdienstkreuz." (Klappentext)

 

Buchdaten:
Gebundene Ausgabe:
213 Seiten
Kiepenheuer & Witsch; Büchergemeinschafts-Lizenzausgabe
(September 1999)
Sprache: Deutsch

ISBN-10: 3462028324

ISBN-13: 978-3462028324

 

 

 

 

 

Kurzbeschreibung Klappentext:
"Rick und Rosa sind völlig verschieden. Sie ist Sozialarbeiterin, meistens überfordert, hoffnungslos romantisch und Mutter einer anstrengenden Tochter. Er ist Testfahrer bei Ford, trägt bei jedem Wetter eine Sonnenbrille und hält sich gern im Box-Studio auf. Der Zufall führt die beiden jedoch zusammen, mitten in ihrem hektischen Alltags- und Berufsleben. Ob das gut geht?"

Primär erscheint die Schilderung die einer Liebesbeziehung, die anfängt, sich entwickelt, verläuft, endet….. ob gut oder schlecht, lasse ich mal weg.

Ich sage bewusst scheint, weil ich das nicht als den wichtigsten Aspekt dieser Geschichte ansehe. Sondern die Stärken dieses Buchs liegen ganz woanders.

Diese Liebesgeschichte benutzt die Autorin nur als Rahmen, wo sie alles impliziert, was ihr dazu, aber nicht nur dazu, sondern in einem sehr breiten Erfahrungsschatz einfällt. - Und das ist sehr viel.

Gut, sie schreibt vor allem aus der Sicht einer Frau. Aber sie versucht auch, immer wieder, sei es bei Theo, oder bei Rick, auch die Sichtweisen der Männer mit einzubeziehen. - Ebenso auch die Sichtweise ihrer Eltern-Generation, die sich in alten, festgefahrenen Strukturen bewegt.

Durch den Beruf ihrer Protagonistin flechtet sie auch die Arbeit einer Sozialarbeiterin ein; die sie zwar ganz gut schildert, aber ein bisschen überzogen, in meinen Augen. - Nicht alles in der Heimerziehung ist so schlecht wie sie es darstellt.

Und natürlich fügt die Autorin alles ein, was sie so zu allem möglichen, insbesondere zu dem Geschlechterverhältnis zueinander, aber auch von den Eltern zu Kindern usw. denkt.- Und zwar nicht nur in einer wirklich schönen, ausgefeilten Sprache, sondern mit viel Sinn und Hintergrundwissen.

Wenn ich mal zusammenfasse, was dieses Buch geben kann, dann fällt mir vor allem die ansprechende Sprache der Autorin ins Auge, aber nicht nur das, sondern sie ist auch in der Lage, in genau dieser Sprache sehr viel Inhalt zu transferieren.

Und das Lesen hinterlässt ein gutes Gefühl, trotz der vielen angeprangerten Missstände, die sie, egal in welchem Genre, beschreibt.