Helen Dunmore

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Von mir interpretierter Inhalt:
England, Zeit ungenau, 20. Jahrhundert.

Es geht um eine Familie, die dort einen größeren Hof bewirtschaftet. Es sind zwar einige Bedienstete noch da, aber alles ist ärmlich, das Gut bewirtschaftet der Großvater mehr schlecht als recht, und einige wenige Bedienstete sind noch da, bekommen aber kaum mehr als Kost und Logis.
Die Frau des Vaters, sie ist die Tochter des Großvaters, hat die Familie vor Jahren verlassen, als die Kinder noch klein waren, sie war nach Frankreich gefahren in Urlaub und kehrte nie mehr zurück. Der Vater war ein paar Jahre später gestorben in einer Nervenheilanstalt.
Die beiden Kinder, ein Mädchen Catherine, genannt Cathy, und ein Junge, genannt Rob, der Junge ein paar Jahre älter, wachsen auf unter Obhut ihres Großvaters und ihrer Betreuerin, einer aus Dublin stammenden jungen Frau, Kate, die Mutterersatz ist, eine alte Köchin und sonst noch ein Helfer wohnen auch auf dem Hof. Also kein reiches oder gar wohlhabendes Haus.

Ins Haus kommt öfter eine alte Lehrerin, von den Kindern gehasst, die aber klebrig an Cathy hängt. Die beiden Geschwister sind unzertrennlich, sie sind oft bzw. meistens zusammen, machen zusammen Touren in die Natur draußen, erzählen sich alles.
Für Cathy ist ihr Bruder Rob die wichtigste Bezugsperson. Und auch umgekehrt.

Kate erzählt oft von ihren Kindheitserlebnissen, von seltsamen Begebenheiten ihrer Großmutter und Tanten in Irland, wo sie ja her stammt. -
Zu Kate haben die Kinder ein inniges Verhältnis.

Das Verhältnis der Kinder zueinander, aber auch die ganzen Situationen im Dorf, im Haus, ihre kleinen Abenteuer, alles schildert die Autorin in einer wunderschönen, teilweise poetischen Sprache.

Eines Tages kommt es zu Zärtlichkeiten. Rob ist inzwischen 17, Cathy 15, es ist Winter sie sind unterwegs. Sie bauen sich auf dem Feld ein Zelthaus als Schutz, liegen beieinander, und Rob, der seine Schwester ebenso liebt wie sie ihn, es kommt zum Verkehr. -

Beide sind danach etwas verwirrt, aber in der Folgezeit verbringt Rob die Nächte bei seiner Schwester, in ihrem Bett.
Es ist eine zärtliche Liebe. Niemand bemerkt etwas, beiden ist unterbewusst schon klar, dass sie etwas Verbotenes tun, aber ihre Liebe steht über allem. Bis eines Tages…… und bis hierhin mein Inhalt, alles andere geht spannend, mit vielen Verflechtungen und Wirren, aber auch sehr makaberen Einzelheiten weiter.

 

 

Buchdaten:
Erschienen: Oktober2004
Aus der Reihe: "Bastei-Lübbe Taschenbücher"
ISBN-10: 3-404-15206-9
EAN: 9783404152063 Seitenzahl: 408
Sprache(n): Deutsch

Ausgezeichnet mit dem Orange Prize 1996

 

Helen Dunmore, aufgewachsen in Yorkshire, lehrte in Finnland Englisch, bevor sie sich dem Schreiben zuwandte. Sie hat zahlreiche belletristische Romane und Kinder- und Jugendbücher verfasst, die vielfach ausgezeichnet wurden.

 

Klappentext:

"Niemand weiß es, nur wir zwei - Was zwischen Catherine und Robert geschieht, ist ein Geheimnis. Es ist ihr größtes Glück, aber es birgt eine unkontrollierbare Gefahr. Bruder und Schwester, aufgewachsen in einer Welt der Kälte und des Schweigens. Auf der Suche nach Geborgenheit klammern sie sich aneinander und entwickeln, als sie heranwachsen, Gefühle, die über die Liebe zwischen Geschwistern hinausgehen."

Das ganze Buch las sich sehr spannend, leicht, aber durch die verwendete Sprache der Autorin, die es wunderbar versteht, Gefühle, Ereignisse und alles wunderbar zu beschreiben, entsteht eine Harmonie. Mehr und mehr verfinstert sich das Geschehen aber.

Das beginnt, als diese alte Frau, der alten Lehrerin, ins Geschehen mehr einbezogen wird. War sie bisher schon immer als gehasste Person, insbesondere von Rob, in Erscheinung getreten, so bekommt sie jetzt eine alle Ereignisse bestimmende Rolle.

Cathy hat durchaus Kontakte zu anderen männlichen Jugendlichen, aber auch zu einem benachbarten, sehr reichen, gut aussehenden Mann.

Während der ganzen Geschichte kommt er öfter ins Spiel, aber seine Bewunderung für Cathy und seine angedeutete Liebe zu ihr bleibt einseitig. Cathy liebt nur ihren Bruder, und den heiß und innig. Es kam ihr nie in den Sinn, jemand anderen zu lieben als ihren Bruder.

Durch das Eingreifen der alten Lehrerinnach einem spektakulären Ereignis verdunkelt sich alles, und zwar schlagartig. Plötzlich ist für Cathy nichts mehr normal, ihren Bruder kann sie nicht mehr an sich heranlassen; sie hat ein traumatisches Erlebnis gehabt, wofür allerdings diese alte Lehrerin die Hauptlast, die Schuld trägt.
Diese hatte zufällig mal mitbekommen, wie Rob im Bett von Cathy lag. Ihre abgöttische, in meinen Augen abstruse Liebe zu Cathy bringt sie nun dazu, das Gesehene zu ihrem Nutzen zu verwerten, und so setzte sie Cathy unter Druck.

Dazu kam es dann zu dem alles verändernden Geschehen, der Veränderung der Liebe zwischen den Geschwistern.

Die Autorin versteht es, dieser ganzen Geschichte, die eigentlich die Inzucht zwischen Bruder und Schwester zum Inhalt hat, den Geruch des Verbotenen insoweit zu nehmen, dass beim Leser kein Bewusstsein von ‚Sünde' dieser Liebe zwischen Geschwistern entsteht; sondern es wird eine Liebe geschildert, wie sie eigentlich schöner nicht zu schildern ist.

Im Laufe des Buches gibt es natürlich noch Vieles, was ich nicht näher ausbreite; sei es, wie Cathy schließlich ihre leibliche Mutter in Frankreich trifft, wie es dazu kam, oder was ihr Bruder Rob weiterhin betrifft.
Rob war im Krieg als Soldat, und es bleibt unklar, ob er lebend zurückkehrt.

Auch letztendlich, wie Cathys Leben weitergeht, welche Wege sie geht, wie dann Kate das Haus schließlich verlässt, und zunächst angeblich mit Rob nach Kanada geht. - Rob lebt eine Weile in Kanada, was mit Kate dann weiter geschah, erfährt man auch, sie hatte in Kanada geheiratet und eine Familie gegründet. - Rob war zurückgekehrt - . Um dann in den Krieg zu ziehen.

Gesamtes Buch las sich sehr leicht, sehr angenehm, es ist spannend, in sehr schöner Sprache geschrieben, behutsam versteht es die Autorin, die Liebe zu übermitteln.