|

Das Leben des siebenjährigen Jean-Pio und seiner
Familie spielt sich hauptsächlich im Auto, unterwegs, in Eile ab.
Der Vater eist europaweit von Konferenz zu Konferenz, um über seine
neuesten Erkenntnisse auf dem Gebiet der Anatomie und Histopathologie
zu referieren, seine Frau und die drei Söhne sind immer dabei. Jean-Pio
leidet ständig unter Kopfschmerzen, die - davon ist er überzeugt
- durch seine intensiven Gedanken verursacht werden. Ob das nun
stimmt oder nicht, auf jeden Fall beschließt Jean-Pios Mutter, dem
dauernden Reisen ein Ende zu setzen und mit der ganzen Familie in
das leerstehende Haus des Großvaters in Frankreich einzuziehen.
Für Jean-Pio bedeutet diese Umstellung kaum Erleichterung, denn
mit dem Tod des Großvaters sind wieder zahlreiche Gedanken - und
damit Kopfschmerzen - verbunden. Er war unter bislang ungeklärten
Umständen beim Krebsfischen gestorben, und keiner weiß, wie dies
passieren konnte - war es wirklich ein Unfall? Ben Faccini legt
in seinem ungewöhnlichen Debutroman ein skurriles Familienportrait
vor, das sich auf spannende und gekonnte Weise mit den unausgesprochenen
Mythen und Geheimnissen auseinandersetzt, die innerhalb einer Familie
von Generation zu Generation weitergetragen werden und dabei immer
mehr an Gewicht gewinnen - bis sie einen schließlich schier erdrücken…..
Auszug:
"Wir sind immer unterwegs. Von einem Land zum andern,
von einer Großmutter zur anderen. Wir verbringen den Winter und
den Frühling im Auto, und im Sommer haben meine Brüder und ich Wasserflaschen
auf dem Schoß und Bonbons im Mund, um die scharfen Kurven abzumildern,
die uns seitwärts über den Rücksitz drücken. Ich bin Jean-Pio, das
mittlere Kind. Ich sitze zwischen meinen beiden Brüdern und warte
darauf, dass die Benzinanzeige rot aufleuchtet. Das ist von Anfang
an mein Platz gewesen."
|
|
Ben Faccini, geboren 1967, ist in Italien, Frankreich und England
aufgewachsen.
Nach dem Studium lebte er in Paris; dort arbeitete er in einem
Programm der Vereinten Nationen mit Straßenkindern und Jugendichen
aus Problemvierteln.
Vor kurzem ist er nach London zurückgekehrt, um seine Dissertation
über Kultur und Identität im Mittelmeerraum fertigzustellen.
"Luft anhalten" ist sein erster Roman.
|
|
Anfangs
kam mir die Schilderung des siebenjährigen Jean-Pio etwas merkwürdig
vor, und auch nicht grade spannend. Aber ich habe weiter gelesen,
und von Seite zu Seite wurde das Lesen interessanter. Die Gedanken,
die der Autor dem kleinen Jean-Pio zuschreibt, sind von einer viel
größeren Reife, als von einem siebenjährigen Kind erwartet werden
kann. Ein sehr lesenswertes Buch, die Gedanken sind sachte und differenziert
ausgedrückt, mit einer philosophisch anmutenden Tiefe.
|