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Inhalt:
Zunächst was ganz besonderes, was Informationen betrifft über die
Stadt Los Angeles. Die sind sehr interessant: Z.B. dass am 4.9.1781
eine Schar von 44 Männern, Frauen und Kindern (nennen sich ‚die
Pobladores) in der Nähe des heutigen Los Angeles eine Siedlung gründeten.
Sie nannten sie ‚El Pueblo de Nuestra la Reina de Los Angeles
de Porciúncula'. Ein großer Teil der Siedler sind entflohene
oder freigelassene afrikanische Sklaven, bzw. deren Nachkommen.
Ein kleinerer Teil bestand aus amerikanischen Eingeborenen, drei
Mexikaner sind dabei und ein Europäer. -
Das finde ich sehr interessant.
Und so kommen immer zwischen den Kapiteln diese Informationstafeln.
Es ist u.a. auch zu erfahren, dass diese Siedlung rasch wuchs, 1795
war es die größte Siedlung in Spanisch-Kalifornien. Die Bedingungen
waren gut, es gab Wasser, und die sozialen Strukturen waren positiv.
Und eine weitere interessante Begebenheit: 1821 erlangt
Mexiko durch den Vertrag von Córdoba die Unabhängigkeit von Spanien.
Kalifornien wird jetzt von Mexiko verwaltet. "Im Jahr 1830
wurde die Siedlung wegen ihres langen Namens unbenannt und hieß
dann ‚Ciudad de Los Angeles' 1848 beginnen die Verhandlungen zwischen
Mexiko und den USA, die die Eingliederung Kaliforniens in die USA
zum Ziel haben soll."
"1852 trifft der erste chinesische Auswanderer ein, 1860
ist Chinatown fest etabliert, blüht, gedeiht und wächst. Um 1870
ist es der größte Stadtteil von Los Angeles.
1865 zählt die Stadt 14.000 Einwohner." 1892 wird
die erste Universität gegründet: University of California, Los Angeles'
Anfang des 20. Jahrhunderts wird dann auch nach Öl gebaut, es gibt
genug Öl!!!
Zu Beginn der 90iger Jahre gab's eine der größten Citrusfrüchteplantagen,
ein Wettbewerb, welchen Name dieses Gebiet bekommen soll, ergab:
Pasadena (entspr. aus der Sprache des Stammes Chippewa (die
aus dem Tal) )….
"Die reiche Schicht aus Los Angeles zieht scharenweise in die Gegend,
um den vielen Einwanderern zu entkommen, die in der Stadt leben,
meist Mexikaner, Chinesen, Farbige und Iren"……
Zwischen 1900 und 1925 wächst die Einwohnerzahl von L.A.
von 175.000 auf 1.750.000 …….
"1970 erlässt ein Richter des Obersten Gerichtshofs ein
Gesetz, das die Schulen in Los Angeles zur Aufhebung der Rassentrennung
zwingt. der Richter überlebt einen Mordanschlag und verliert bei
der nächsten Wahl sein Amt"
Und so gibt es über das ganze Buch hinweg Informationen über die
gewachsene Einwohnerzahl, ganz besonders zählt der der Autor die
dutzende von Highways auf, die durch L.A. ziehen, die sich teilweise
vom Norden der USA, durch L.A. hindurch bis hinunter nach Florida
ziehen. - 2spurig, dann 6-spurig, bis schließlich zu der für uns
unvorstellbaren 16-spurigen Straßen. - Und: die meisten sind immer
verstopft, höchstens in der Nacht mal ein paar Stunden, wo es ein
Vorwärtskommen gibt. Die Prognose des Autors, dass im Jahr 2025
der gesamte Verkehr in L.A. zum Erliegen kommt, glaube ich zwar
nicht so ganz, aber abwarten……
Es werden auch die ganzen Entstehungen der Stadtteile von L.A. erwähnt,
Beverly Hills, Pasadena und die ganzen anderen, für jede Gründung
gibt es eine Geschichte. Über Grundstückskäufe - schon Anfang 19.
Jahrhundert spekulativ, schnellen die Preise in schwindelerregende
Höhen.
Die Beschaffung von Wasser ist ein weiteres Thema unter den vielen,
die der Autor in diesen Roman gepackt hat.
Zwischen diesen ganzen Informationen hat der Autor einige Geschichten
eingeflochten. Einige aus der Zeit der Anfänge von L.A., einige
aber auch aus heutiger Zeit.
Die Geschichten sind fortlaufend, aber immer abwechselnd……
Da sind Einwanderer aus Mexiko, ein Paar, das sich in L.A. ein
ganz kleines Haus kaufen kann, dann dutzende von Familienangehörigen
aus Mexiko nachkommen, und am Ende das Haus ein Durcheinander von
dutzenden von Anbauten ist. Es wird die Geschichte von Esperanza
erzählt. Sie hat ein Stipendium, will auch studieren, aber nebenher
auch Geld verdienen. Ihr größtes Problem sind ihre sehr dicken Oberschenkel,
was dann sekundär der Grund dafür ist, dass sie ihr Stipendium nicht
antreten kann, weil sie sich vergräbt….Als sie sich wieder erholt
hat, ist das Stipendium verfallen, sie erwirbt aber neues. Findet
eine Stelle bei einer reichen alten Frau, die sie grauenhaft ausnutzt,
ja geradezu demütigt, und das von morgens bis abends….. Als dann
der Sohn (Doug) dieser Alten mal kommt und der so ganz anders ist,
gibt es eine zarte Liebesgeschichte, die damit endet, als die Alte
die beiden antrifft in einer eindeutigen Situation, Esperanza wird
beschimpft als Nutte, Hure und schlimmeres, und davongejagt. Esperanza
ist mal wieder am Boden, zieht sich wieder zurück. Rappelt sich
aber wieder auf…..ist dann wieder sehr fleißig im College, findet
wieder andere Arbeitsstelle, lernen muss sie nachts oder abends.
Und da kommt eines Tages Doug in das Geschäft, wo sie tätig ist….
mehr davon nicht, das Ende der Geschichte? selbst lesen!!! :)
Es gibt Joe, den alten Mann, der täglich 1-2 Flaschen Chablis trinkt,
sonst nichts…..und in einem Klo übernachtet, seit Jahren. Auch seine
Geschichte berührt tief, ein Leben unter Obdachlosen, und als er
schließlich mit ein paar anderen einem Mädchen helfen will, wird
sein Freund von dieser Gang erschossen, er ist auf der Flucht, sucht
aber nach den Mördern…..
Da ist ein junges Paar, das von zuhause im Norden der USA abgehauen
ist, in einer billigen Unterkunft in einem Motel haust. Beide haben
Arbeit gefunden……..Er in einer Werkstatt wo es um Harleys geht und
nicht nur das…. Er gerät in große Gefahr…….Sie arbeitet in einem
99-Cent-Laden. Bei einer Schlägerei mit Toten kann er aus einem
Haufen Geld, das in der Rückseite des Kühlschranks ist, ein paar
Päckchen mitgehen lassen, es wird niemand merken, aber er hat Riesenangst….
Ihr weiteres Ergehen ist auch wieder ein Thema, das sich in Teilen
durch das ganze Buch zieht und sehr spannend ist. Eine neue Stelle
für ihn, sie leben in einer schönen Wohnung, als aber das Geld verbraucht
ist, sein Lohn reicht nicht für die relativ teure Miete, wird es
problematisch. Und als sie noch schwanger wird, noch mehr. Er arbeitet
als Caddy in einem öffentlichen Golfplatz, als einziger Weißer,
sein Stundenlohn ist dreimal höher als der der Schwarzen bzw. Farbigen…aber
er hat sehr gute Freunde dort gewonnen, und sie inszenieren seine
Hochzeit…… Leider geht auch diese Geschichte nicht so schön weiter….
Da ist das stinkreiche Paar, das eine Scheinehe führt, drei in
der Retorte gezeugte Kinder hat. Er homosexuell, sie lesbisch. Aber
sie führen eine gute Ehe, vertrauen sich gegenseitig, ihr Riesenhaus
ist derart groß, dass beide ihr Leben dort führen können. Es gibt
einige Kindermädchen, viele Hausangestellte, einen Fuhrpark, Chauffeure,
Gärtner, also sie sind wahnsinnig reich. Als sich er dann in einen
jungen, schwarzen Sportler verliebt, beginnt sein Drama. - - Hier
kommen mir Ähnlichkeiten mit Michael Jackson in den Sinn - Seine
riesengroße Liebe wird von dem Sportler nicht erwidert, er zwingt
den Schwarzen geradezu zu sexuellen Praktiken usw. - einfach, weil
er viel Macht und vor allem eben viele Millionen hat…… Es gibt eine
Erpressung, einen Prozess, Zahlungen für Stillschweigen in mehrfacher
Millionenhöhe…..
Es werden noch hunderte von Schicksalen, oft auch nur angerissen,
aufgezeigt. - Sie haben fast das meiste gemeinsam: Die Menschen
wollen einen Traum verwirklichen. Und das in Los Angeles, wo scheinbar
alles möglich ist, wo die Stars Ruhm erlangen, jeder hat diese Hoffnung,
wenn er nach L.A. kommt. - Was daraus wird, ist meistens in knappen
Sätzen oder auch nur stichpunktartig erzählt.
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Der Autor
"James Frey, geboren 1969, studierte Kunst an der
University of Chicago.
Danach arbeitete er u.a. als Skateboard-Verkäufer,
Berater in Jugendcamps, Hilfskellner und Türsteher.
In Los Angeles schrieb er Drehbücher, war Regisseur
und Filmproduzent.
James Frey lebt heute mit seiner Familie in New
York." (Klappentext)
Der Übersetzer:
"Henning Ahrens, Jahrgang 1964, lebt als Schriftsteller
und Übersetzer in Handorf. Für seine Gedichtbände wurde er mit mehreren
Preisen ausgezeichnet; über seinen Roman Lauf Jäger Lauf schrieb
die Süddeutsche Zeitung: "Es ist, als träfe Mörike auf Schlingensief."
"Dylan liebt Maddie und ist mit ihr unterwegs nach L.A., Stadt
der Hoffnung so vieler Menschen auf eine bessere Zukunft.
Die Filmstars Amberton und Casey sind nur zur Tarnung miteinander
verheiratet und ständig auf der Suche nach Sex und Bewunderung.
Esperanza aus Mexiko verdient ihr Geld im Haushalt einer tyrannischen
Lady und verliebt sich in deren Sohn.
Der Obdachlose Old Man Joe entdeckt seine Mitmenschlichkeit, als
er ein drogensüchtiges Mädchen zusammengeschlagen hinter einer Mülltonne
findet.
Sie und viele andere Figuren, die im Vorübergehen den Weg des Lesers
kreuzen, ergeben das fesselnde Bild einer sich ständig wandelnden
Metropole, seit Generationen Verheißung und Moloch zugleich.
In L.A., der eigentlichen Hauptfigur, spiegeln Fakten und Fiktion
einander im Rhythmus von Geschichte und Gegenwart, von Illusion,
Liebe und Gewalt. Ein fulminant komponierter Roman über den unzerstörbaren
American Dream….". (Klappentext)
Buchdaten
Das Buch ist im September 2009 im Ullstein-Verlag erschienen. Es
hat in der gebundenen Fassung 590 Seiten.
ISBN-10:3-550-08767-5 EAN:9783550087677
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Abschlussbemerkung:
Auch wer sich nicht direkt für L.A. interessiert, wie z.b. ich,
wird dieses Buch sehr interessiert lesen und beeindruckt sein. Die
Geschichte strotzt vor Superlativen, egal ob es um Wachstum, Vielfältigkeit,
Ruhm, Kriminalität, Verbrechen, Armut, Reichtum usw. geht.
Für
mich ist es vor allem eine sozialkritisch aufgebaute Geschichte,
was sicher vom Autor auch beabsichtigt ist. Er macht alles plausibel,
beeindruckend seine Art, die einzelnen Geschichten einzuflechten
in die aufgezählten sonstigen Entwicklungen. - Es gibt niemals eine
Meinung, ein Kommentar von ihm. - Ist auch nicht nötig. Alleine
die Aufzählungen und die einzelnen Geschichten sagen alles aus.
Schwarz-Weiß-Malerei? unbedingt!!! - Kann m.E. gar nicht anders
so direkt geschildert werden.
Riesige Unterschiede im sozialen aber ganz besonders im finanziellen
Bereich. Da wirft einer mit vielen Millionen um sich, gibt für eine
Vorspeise oder eine kleine Dienstleistung so viel aus, wie ein Arbeiter
nicht mal in einem Jahr verdient….
Da sind totale Verrücktheiten der Stars und Reichen, dagegen dann
die ganz Armen, die neben Mülltonnen leben, ihr Essen aus den Abfällen
der Restaurants besorgen. Aber auch dazwischen ist sehr viel Armut.
- Zwei normal verdienende können es sich nicht leisten, in einer
einigermaßen ordentlichen Wohnung zu leben. - Sie können nur billige
Wohnungen in den Blocks in den ärmeren Vierteln bewohnen, müssen
dort leben, selbst wenn beide des Paars zwei Jobs haben…..
Und
was großes Thema im Buch ist, ist die Kriminalität….. Da sind tausende
von Gangs aufgezählt. Die natürlich auch wieder eine Hierarchie
haben, wo dann das unterste Glied auch nicht mehr als ein schlecht
bezahlter Arbeiter verdient, aber die Bosse über viele Millionen
verfügen. Da gibt es z.B. Aufnahmebedingungen, eine davon ist, zunächst
mal einen umzulegen…Es gibt Spezialisten für Morde. - Und auch die
höchsten Schichten haben Kontakte zu den höchsten Schichten im Gangstermilieu,
ein Auftragsmord ist gang und gäbe….. - Aufgeklärt werden sie selten,
Korruption ist auch hier an der Tagesordnung.
Dann
gibt's da auch das alljährliche Autorennen, es werden vom sogenannten
'Racemeister' 12 Fahrer ausgesucht, Bedingung ist, jedes Auto muss
so beschaffen sein, dass es jeglichen Vorschriften widerspricht.
Die meisten fahren mindestens 300 km/h…..Die Startgebühr ist sehr
hoch, die Route geht in der Nacht durch L.A. -….muss frau selbst
lesen, ist derart verrückt….
Auch
dass L.A. 75 verschiedene Universitäten mit insgesamt 1,2 Millionen
Studenten hat, ist Thema….aber auch, dass ein sehr großer Teil niemals
in dem Beruf arbeiten kann, für den er ein Diplom erworben hat….
Und
auch noch was ganz Interessantes: Am 14.01.1969
wird das ARPAnet, die erste funktionstüchtige Vernetzung von Computern,
vom United States Defense Departement entwickelt, in Betrieb genommen.
Später wurde das ARPAnet unter dem zivilen Namen "Internet" bekannt…..
Alles
in allem überwiegt für mich das Negative in dieser Wahnsinns-Stadt
Los Angeles.
Dennoch, das Lesen fesselt, der Spannungsbogen hält an von der ersten
Seite an. Schlüsse daraus ziehen muss/kann/soll der Leser selbst.
Und das macht der Autor leicht. Ohne jemals eine Meinung zu äußern.
Alles wird nüchtern, teilweise in Listen, dargeboten. Sehr lesenswert,
weil informativ, spannend, hochinteressant, Geschichten eingeflochten
in Realitäten, der Werdegang von der Gründung von L.A. bis zum heutigen
Tag, mit allen Entwicklungen, Tragödien, Erfolgsstorys, Verbrechen
usw. -
Ein
erschreckendes Szenario eigentlich. - Aber viele Leser lesen ja
sehr gerne Horrorgeschichten, und das ist eine!!!
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