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Meine Zusammenfassung
Ein Mann ist auf dem Weg nachhause, in seine stille Zweizimmerwohnung,
Er schaut sich die Häuser an, die meisten waren alt, einige auch
verkommen. Aber er schaut sie immer wieder gerne an. Er macht sich
Gedanken darüber, dass diese Häuser vermutlich bei nur wenigen Menschen
einen Bleibewunsch auslösten. Hier lebten nur noch Rentner, oder
die, die es nicht geschafft hatten, woanders hinzuziehen, wo es
ruhiger, schöner war.
Er selbst kommt mir träge, lustlos vor. Keine Anzeichen von irgendwelchem
Antrieb, einfach so dahinlebend.
Da erfährt er, dass ein Kollege, Michael, ihm gut bekannt, wie auch
dessen Frau Karin, verstorben war. Grade so – grade über 40. – Er
war derjenige, der ihm – ein freischaffender Architekt, Aufträge
zugeschanzt hatte. –
Er beschreibt jetzt sein Verhältnis zu Michael, der ein lustiger,
einfallsreicher und unterhaltsamer Mensch gewesen war. – Er erinnerte
sich, als er mal mit Michael unterwegs war, und sie einen Personalausweis
gefunden hatten. – Da hatte Michael die Idee, einfach mit den Daten
dieses Ausweises bei div. Versandhäusern Sachen zu bestellen, sie
postlagernd liefern zu lassen. Das hatten sie auch gemacht. Sinnloses
Zeug bestellt, das keiner brauchte…..
So einer war Michael…von ihm immer Autz genannt. Bei der Beerdigung
von Autz begann er, von der Witwe, Karin, animiert, einen Flirt….
Er selbst hatte eine feste Freundin, wo er sich aber gar nicht sicher
war, warum er eigentlich bei ihr blieb. Nunja, der Sex mit ihr war
gut. Aber sonst? – Sie trank zu viel, aber besonders dann war der
Sex mit ihr sehr, sehr gut.
Sein weiteres Leben in den nächsten Wochen und Monaten ist dann
Thema. Immer so dahinplätschernd, aber immer den Eindruck hinterlassend,
alles grade so eben zu machen, ohne große Ambitionen.
Sich selbst kann er nicht groß achten, er redet immer mit sich
selbst…. Hier mal ein Auszug, wo er über sich spricht:
„Ich versuchte, durch das Anschauen von schönen Bildern ein anderer
zu werden, aber es klappte nicht. Vor ein paar Wochen hatte ich,
um die Armseligkeit meiner Jugend auszudrücken, gegenüber einem
Bekannten behauptet, fast das einzige Glück meiner Kindheit seien
die Lurchi-Hefte gewesen, die es damals beim Kauf von Salamander-Schuhen
gratis gab. Natürlich hatte ich als Kind noch viele andere Freuden
gekannt, z.b. das Herumtreiben auf Rummelplätzen oder der Besuch
von Zirkussen. Außerdem entdeckte ich in dieser Zeit die schwer
erforschbaren Freuden der Onanie. Ich hatte mich als Kind gefragt,
ob auch Lurchi onanierte. Erst nach einer Weile war mir eingefallen,
dass Lurchi ja kein Mensch, sondern ein Salamander war, und Salamander
konnten meines Wissens nicht onanieren…..“
Dann sind Begebenheiten mit seiner Freundin, aber auch mit Karin,
der Witwe seines Kollegen Michael (Autz) Thema. Mit ihr trifft er
sich, auch mit ihr fängt er was an. – Ebenso trifft er seine Exfrau,
ihr leiht ihr Geld für ein neues Gebiss, und dann hat er noch eine
Frau, auch mit ihr fängt er was an. Aber diese drei Sexpartnerinnen
berühren ihn nicht besonders.
Sex ist eigentlich das einzige, was bei ihm einigermaßen klappt,
auch einigermaßen zufrieden stellend abläuft….aber – auch das ist
nichts besonderes, wie überhaupt nichts besonders bei ihm ist.
Einmal kehrte er in einem Restaurant/Café eines Hotels ein, und
als die Bedienung fragt, ob es auf die Rechnung soll, sagt er einfach
‚ja’ – er ist kein Gast in dem Hotel. Und er verlässt dann eben
dieses Café, ohne Folgen.
Irgendwie mehr aus Langeweile, dieser alte Personalausweis war ihm
in die Hände gefallen, wo er und Autz schon mal Bestellungen gemacht
hatten, bestellte er auch wieder einiges Zeug, postlagernd, alles
Sachen die er nicht brauchte….
Er vergaß das dann ein paar Wochen, lebte weiter in seinem eher
fast unerträglichen Leben dahin….. – Er war mittlerweile angestellt
worden, in dieser Firma, wo er früher nur Auftragsarbeiten erledigt
hatte. Es passte ihm nicht, seine Zeit so festlegen zu lassen, als
Festangestellter, er ertrug es mehr schlecht als recht.
Da kam ihm plötzlich die Idee, mal auf die Post zu gehen, und die
nach postlagernd bestellten Waren der Versandhäuser abzuholen…..
– und da wurde er verhaftet. Auch das berührte ihn nicht besonders.
Er verlor seine Stelle, auch das war nichts Besonderes….und ihm
eigentlich egal. – Mit seiner Freundin, die ihn kurz vorher verlassen
hatte, kam jetzt wieder Kontakt, ebenso auch zu Karin.
Er wurde dann auch wieder aus dem Gefängnis entlassen, Verfahren
wurde wegen Geringfügigkeit eingestellt. – Er lebte dann wieder
sein altes Leben weiter, ein beabsichtigter Kauf von einem neuen
Bett usw. verlief ergebnislos.
Sonst gibt es auch keine Besonderheiten mehr in der Geschichte…….Sie
endet belanglos.
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Der Autor:
Wilhelm Genazino, 1943 in Mannheim geboren, lebt heute als freier
Schriftsteller in Heidelberg.
1998 erhielt er den "Großen Literaturpreis" der
Bayerischen Akademie der Schönen Künste und 2004 den "Georg-Büchner-Preis".
2007 wurde Wilhelm Genazino mit dem "Kleist-Preis" und der "Corine"
ausgezeichnet.
Kurzbeschreibung des Verlags:
" Das Leben in der modernen Welt verlangt zu viel: tägliche
Anwesenheit am Arbeitsplatz, inklusive Engagement und freundlichem
Gesicht, die Benutzung von Verkehrsmitteln und den Besuch von Supermärkten.
Und dann auch noch das Privatleben. Unausweichlich kommt der Moment,
in dem ein Mann nicht mehr weiter weiß - und ehe man sich's versieht,
sind es statt einer sogar drei Frauen. Ach, wenn wir doch Tiere
wären und die täglichen Zumutungen einfach übersehen könnten! Wilhelm
Genazino erzählt ironisch, witzig und böse von einem Mann, der den
Alltag nur ertragen kann, indem er das ordentliche Regelwerk durchbricht."
Buchdaten:
ISBN-10:3-446-23738-0
EAN: 9783446237384 erschienen: 25.07.2011 Verlag: Hanser
Einband: gebunden
Sprache: Deutsch
Seiten: 158
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Mein
Fazit:
Naja, liest man das Buch, also die ersten Seiten, ist alles ziemlich
einschläfernd, träge, wenig dazu geeignet, jetzt vor lauter Spannung
am nächsten Tag weiter zu lesen. Die Sprache ist holprig, der Autor
lässt den Protagonisten eben denken und reden. – Und das ist eben
sehr einfach, schnörkellos.
Der Reiz dieses Romans liegt nicht im Inhalt. Der ist – grob gesagt
- sehr schnell erzählt -.
Der Reiz liegt in der Entwicklung des literarischen Stils. Und der
wird erst nach den ersten 50 Seiten spürbar.
Aber
je weiter ich gelesen habe, je mehr wurde mir genau der bewusst;
und nicht nur das, sondern der gekonnt versteckte Witz hinter allem,
das Skurrile, aber auch der Sarkasmus, die Aussage hinter allen
Empfindungen, die der Autor in sehr gekonntem, hervorragend literarischen
Stil auszudrücken vermag.
Der
Sinn, die Sinnlosigkeit, das lapidare Dasein dieses Protagonisten
– in sehr feiner Weise formuliert, und hier kommt dann auch die
literarische Fähigkeit der Sprache ganz groß zum Vorschein. Nicht
grade was sagen, nein! – in diffiziler Weise wird die ganze Konstruktion
dieses Menschen, dieses Protagonisten, alleine durch Schilderung
seiner Gedanken und Verhaltensweisen, durchleuchtet, transparent.
Der
Leser muss sich schon darauf einlassen. – Es ist kein auf schnelle
Spannung und Ergebnisse ausgerichteter Roman, sondern eben eine
Auseinandersetzung mit einem Menschen (dem Protagonisten) und auch
seiner Zeitgenossen, seiner Umgebung, mit allen Facetten der wahrnehmbaren
Intuitionen.
Ein
kleiner Auszug, einfach mal so herausgegriffen:
„…von
Zeit zu Zeit faltete ich meine Hände und berührte mit den Fingerspitzen
der linken Hand die Fingerspitzen der rechten Hand. Immer mal wieder
glaubte ich, dass ich nachdachte, aber ich konnte nicht wirklich
nachdenken. Es beeindruckte Maria, dass sie meinen Hemdkragen zerrissen
hatte. Tatsächlich war es zwischen uns nie zu einer solchen Handgreiflichkeit
gekommen. Genau genommen wartete ich darauf, dass Maria sich entschuldigte.
In Wahrheit hätte ich mich gerne entschuldigt, wenn ich gekonnt
hätte. Ich fühlte, dass mein Hedonismus begonnen hatte, mich mir
selber fremd zu machen. Selbstüberfickung, gab es das, fragte ich
mich. Ich hatte davon nie etwas gehört oder gelesen. …….“
und
eine andere Stelle:
„…..Oft
betrachtete ich Marias Brustwarzen aus größter Nähe. Die Schönheit
ihrer Brustwarzen hing damit zusammen, dass die kleinen hellbraunen
Hautsegmente um den äußeren Rand der Brustwarzen dicht konzentriert
waren und zur Mitte hin seltener wurden, so dass die Spitze der
Brust sich rosig erhob und wie ein schwächlich schönes Blümchen
aussah. Ich lobte mein eigenes erotisches Erinnern und dachte, dass
Menschen (wie ich) deshalb zufrieden (glücklich) sind, weil sie
lächerliche Details im Kopf ausbauen und dadurch die Nebensachen
zu inneren Hauptsachen machen konnten. Es war eine Haupttätigkeit
des Glücks, die ihm gemäßen Nebensachen zu finden. Schon diesen
Gedanken hielt ich für glückstransportierend und deswegen hinreißend….“
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