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Inhalt:
Zu Beginn tritt gleich die Protagonistin Emma in den Fokus, ein
12-jährigs Mädchen. Plötzlich in aller Munde, hatte sie doch eine
Geschichte über ‚ihren' Fall geschrieben, wo sie ‚fast' ermordet
worden wäre, aber gerettet wurde. Sie fühlt sich als Star, als Mitarbeiterin
der ‚Presse'.
Im Moment sieht es so aus, als wäre es ein Jugendbuch, wegen der
Sprache. Die Protagonistin lässt die Autorin in Ich-Form erzählen.
Aber wenn frau weiter liest, klar, es ist nicht unbedingt ein Jugendbuch.
Emma wohnt mit ihrer Mutter und ihrem Bruder im Hotel Paradise,
das ihrer Tante und teilweise auch ihrer Mutter gehört. Ihre Cousine
ist ihre Erzfeindin, sie ist 17, und meint, sie wird mal ein Filmstar.
Emma hat schon Aufgaben im Hotel, sie muss abends die Salate machen
und bedienen. Aber wie sie das alles beschreibt, vor allem wie sie
einen Stammgast, eine alte Dame, die sie nicht ausstehen kann, behandelt,
da fängt der Leser an zu schmunzeln, und das hält an, solange Emma
erzählt. - Sie streut z.b. extra Peperoni auf den Salat dieser Dame,
wartet dann das Geschrei ab, bringt dann Wasser, was ja alles noch
schlimmer macht. Und so verfährt sie grundsätzlich, jeden Morgen,
jeden Abend, sie bringt ihr einfach alles, was die nicht ausstehen
kann. Erbsen zur Käsesauce, Knoblauch wo er nicht hingehört, und
eben lauter solche Sachen.
Sie schildert dann auch die Arbeit der Serviererinnen und sonstigen
Angestellten, und vor allem ihrer Mutter, deren sämtliche Köstlichkeiten
sie einfach toll findet. Aber Emma hat ja höchste Aufgaben zu bewältigen.
Sie geht einer Sache nach, die vor a. 20 Jahren in der Gegend passiert
ist, und die niemals aufgeklärt wurde. - Sie hat auf ihren Streifzügen
das alte Hotel ‚Belle Rouen' entdeckt (Coverbild) - und das findet
sie faszinierend. Und genau dort ist vor 20 Jahren angeblich ein
Baby entführt worden!!!! Und da alle im Ort den Namen Belle Rouen
nicht richtig aussprechen können, wird daraus eben die ‚Ruine !!'
- Was die Autorin dann auch im Titel benutzt…..es ist zwar eine
Ruine, aber der Name des Hotels war eben ‚Belle Rouen!!
Dieser Sache muss sie nachgehen, das lässt ihr keine Ruhe. Sie
verkehrt nun mit dem Polizeichef vom Ort, ein Schwarm von ihr. Sie
fährt täglich mit dem Taxi oder der Bahn in den nahen Ort, hat dort
Kneipen, wo sie alle möglichen Leute trifft. Und versucht, diese
auf Umwege auszufragen. Das macht sie sehr raffiniert, aber immer
wieder zum Schmunzeln, wie sie das macht. Und vor allem, was sie
immer dabei denkt.
Sie stellt umfangreiche Recherchen an, sucht und findet Zusammenhänge,
ist pausenlos auf der Suche, stellt Theorien auf, verwirft sie wieder;
kurzum: sie findet sich höchstwichtig.
Schließlich kommt sie am Ende zu dem Schluss, es gab kein Baby.
Verwirft das dann wieder, dann soll es ein mongoloides Baby gewesen
sein, die Entführung soll fingiert gewesen sein…… Diese Geschichte
zieht sich neben den anderen Geschichten so dahin.
Daneben ein wichtiger Schauplatz: In der Scheune ist ihr Bruder
mit seinem Freund beschäftigt, und zwar wollen sie ein Stück inszenieren:
'Medea: Das Musical'…… Also immer zwischendrin die Proben, wo Emma
auch mitwirkt. Sie ist ein Gott, der von oben runtergelassen wird,
bestreut mit Mehl von einem kleinen Jungen, der oben angebunden
ist…. - Sie haben Medea total verändert, und zwar auf eine derart
lustige Art, dass nur übrig bleibt, schallend darüber zu lachen.
Diese ‚Medea' nimmt einen breiten Raum ein. Sie hat nichts mit
dem verschwundenen Baby zu tun, aber mit Emmas Leben.
Auch hier lustige Namen, Will (ihr Bruder) und Mill, sein Freund
und der Musiker im Medea-Musical. Dann gibt's da noch lustige Namen,
z.b. die Brüder Ulub und Ubub, denen sie auch häufig begegnet, sie
auch verhört, weil sie was wissen, aber ihre Aussagen sind derart
unverständlich, beide haben einen Sprachfehler. Und diese Schilderung
ist wieder was zum Lachen.
Den angeblichen Mord, bzw. die Entführung des Babys kann sie nicht
aufklären. Aber die komplette Geschichte drumherum ist einfach grandios
humorvoll von der Autorin in Szene gesetzt.
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Die Autorin
Martha Grimes wurde in Pittsburgh
geboren und studierte an der University of Maryland. Sie unterrichtete
lange Zeit kreatives Schreiben an der Johns-Hopkins-University und
lebt heute abwechselnd in Washington, D.C., und in Santa Fe, New
Mexico.
aus dem Klappentext:
"Die 12-jährige Emma ist in ihrem Heimatort La Porte am Spirit Lake
schon eine kleine Berühmtheit. Das kecke, altkluge Mädchen hat nämlich
zwei Kriminalfälle aufgedeckt und verfolgt bereits eine neue heiße
Spur. Die Ruine des einstigen Luxushotels, birgt nämlich so manches
Geheimnis. So erzählen die alten Stammgäste im Hotel von Emmas Mutter
nach dem einen oder anderen Gläschen Likör von einer mysteriösen
Entführung, die sich vor vielen Jahren im Belle Rouen zutrug……"
Buchdaten:
Das Buch wurde August 2009 vom Goldmann Verlag in Deutscher Sprache
herausgegeben, von Cornelia C. Walter übersetzt.
Es hat 416 Seiten.
ISBN-10:3-442-31123-3 EAN:9783442311231
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Abschussbemerkung:
(incl. Zitate)
Von Anfang an fesselt dieses Buch, obwohl es nach den ersten Seiten
nicht so aussieht. Ist frau aber dann mitten drin im Geschehen,
freut frau sich schon auf das nächste, bzw. Weiterlesen.
Dass dieses ganze Buch derartig humorvoll ist, war nicht zu erwarten.
Alleine wie die Gedankengänge dieser 12-jährigen Emma beschrieben
werden, was sie so sagt, was sie tut, das ist einfach alles grandios
hintergründig lustig.
Die
Aufführung (aufgeführt in der Werkstatt/Scheune neben dem Hotel)
von ‚Medea: Das Musical' setzt aber allem die Krone auf. Wie Medea
verwurstelt, geändert, verfälscht wird, und dann die Musikanten
mit Trommelstöcken, Waschbrett, Autohupe und Kuhglocken alles begleiten,
bzw. Höhepunkte setzen, ist ein weiteres Bonbon.
"Und
als sie zum Schluss von ‚Cocktails for Two' kamen, mit dem Cocktails
(Beinschlag) ‚Cocktails' (Beinschlag), Cocktails' (Beinschlag),
(Beinschlag), (Beinschlag), brach die musikalische Hölle los. Mill
und Chuck und Joe stimmten ein mit Trommelstöcken auf Waschbrett,
Kuhglocken und Autohupe, während Mill Ziegenbockgeräusche machte
und die Trompete sich bei ‚the Marine's Hymn' in die Höhe schwang.
Es gab frenetischen Applaus, alle waren völlig außer Rand und Band.
Es war, als wäre eine Sprungfeder losgelassen worden, die Leute
konnten sich kaum noch halten…."
oder
hier:
"Während
stehender Beifall für unsere Nummer aufbrandete, war Will das Treppchen
zur Bühne hoch und hinter die Kulissen gerannt. Wir verbeugten uns
und verbeugten uns. Will zog schnell seine Rüstung über (braunes,
mit Silberfarbe übersprühtes Packpapier, ein Überbleibsel vom Blech-Holzfäller-Kostüm
aus ‚Der Zauberer von Oz'…."
Alleine
die Proben, die Aufführungen von Medea, welche Kostüme sie sich
beschaffen, oder einige kleine Mädchen als Summerinnen agieren lassen…..die
müssen immer nur summmm….summmmm…… machen. Alles ein riesiges Spektakel.
Auch
die Stellen, wo sie überlegt, wie sie ihren Text für die Zeitung
gestalten soll, dabei immer Faulkner imitieren möchte, das sieht
u.a. so aus:
"Die
Schleiereule uhute im lichtlosen Dunkel". Sie denkt sich ungewöhnliche
Wörter aus, alle sehr lustig. Im gesamten gesehen, und im Rückblick
ist nicht der aufzuklärende Mord wichtigster Bestandteil der Geschichte,
sondern einfach diese 12-jährige, was sie tut, wie sie es tut, was
sie denkt.
Alles
in allem ein sehr angenehm zu lesendes Buch, das versteht aufzuheitern,
von Anfang bis Ende zu Lachsalven oder zumindest zum Schmunzeln
anregt. Und was kann schöner sein, als nach dem Lesen eines Buchs
heiter und frohgestimmt zu sein?
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