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Inhalt
Tja, wo soll ich da anfangen. - Die Geschichte beginnt damit, dass
eine Mutter plötzlich nicht mehr da ist. - Es bleibt unklar, was
mit ihr geschehen ist, es wird gesagt, sie wäre einem Autounfall
zum Opfer gefallen.
Die Protagonistin und ihr Bruder, noch Kinder, haben sehr viel Phantasie…..
Besonders der Bruder spinnt eine Geschichte zusammen und seine Schwester
lässt sich auch darauf ein. Also sie kommen zu dem Schluss, ihre
Mutter ist gar nicht tot.
Und da die Nachricht, dass zwei Spione gefasst wurden grade aktuell
ist, spinnen sie weiter, und besonders der Junge denkt sich aus,
dass die Mutter eine dieser Spione gewesen sein muss, und gar nicht
tot ist.
Die Geschichte, die besonders von den bildhaften Umgebungen, Stimmungen
lebt, wird zum großen Teil im Konjunktiv erzählt. Was normal ist,
denn die Kinder denken sich ja nur aus, was gewesen sein könnte,
was der Grund gewesen sein könnte, und und und…. Es sind Alltäglichkeiten,
die geschildert werden, von den Nachbarn, vom Leben der zwei Kinder
mit ihrem Vater, einem Engländer, ihre Mutter war ja Deutsche….Carolin,
aber eigentlich Karoline…
Da das Mädchen auch Klavierunterricht bei einer Musiklehrerin hat,
wird auch diese Frau in die Geschichte eingebunden. Und die Phantasie
geht mit dem Mädchen auch durch.
Als sie dann mal abends beobachten, dass diese Klavierlehrerin Besuch
von einem Mann hat, spinnen sie ihre Geschichte weiter. Sie sind
vollkommen darin gefangen, dass alles, was um sie herum geschieht,
irgendwie mit Spionage zu tun hat.
Und so sind die dutzende von Geschichten, die Thema sind, alles
Phantasien der Kinder. Auch der Film ‚Der dritte Mann' ist in ihrem
Gespinst, sie sehen Ähnlichkeiten, ja sogar Zusammenhänge. Sie suchen
in geheimen Schubladen, finden Fotografien ihrer Mutter, und schon
beginnen wieder ihre Hirngespinste ihr Werk…..
Immer im Konjunktiv, was wäre, sie hätte, falls, was wäre jetzt,
und wenn, dann würde die Mutter ja noch leben, und wenn sie leben
würde, wo dann???? Warum, warum ist die große Frage - Und auch hier
kommen wieder tausend Konjunktive zum Tragen.
Als die Frau dann erwachsen ist, ihr Bruder lebt in Australien,
geht sie der Sache dennoch nach. Sie möchte einfach wissen, wo ihre
Mutter her stammt, wieso sie und warum sie dann in England lebte,
wo sie ihren Mann, also den Vater der Kinder, damals kennengelernt
hatte.
Da ist dann auf einem Foto vermerkt, dass es in Königsberg aufgenommen
sein muss, bzw. aus Aufzeichnungen der Mutter, erscheint dieser
Name: Königsberg. Das Mädchen sucht diese Stadt, und stellt fest,
diese Stadt gibt es gar nicht. Aber später findet sie natürlich
heraus, dass Königsberg damals nach 1945 in der sowjetischen Zone
eingegliedert wurde und später Kaliningrad genannt wurde.
Sie reist als Erwachsene, sie hat selbst schon eine erwachsene
Tochter, zunächst nach Berlin, von dort aus dann über Polen - eben
nach Kaliningrad. Sie sucht das Haus, das sie nur aus einer einzigen
Beschreibung ihrer Mutter kennt….. vom Fenster der Wohnung aus in
Königsberg hätte sie das Meer gesehen. - Sonst ist ihr nichts bekannt.
In Archiven sucht sie, und findet nach vielen Tagen endlich ein
Haus, das in etwa stimmen könnte; nur die Namen der damaligen Bewohner
sind andere, als der ihrer Mutter. Aber das ist kein Grund, sie
kann einen anderen Namen angenommen haben. Was sie aber dabei herausfindet
ist, dass der Vater dieser Frau mit anderem Namen, ein SS-Oberstummbannführer
gewesen ist.
Sie recherchiert auch, dass damals englische Offiziere oder eben
englische Militärs nach 1945 keine Kontakte mit Nazi-Leuten haben
dürften, geschweige denn eine Beziehung zu einer Frau unterhalten,
die Nazi-Tochter ist.
Was dann weiter Thema ist, wie ihre Mutter, denn sie ist sich sicher,
es geht um ihre Mutter, ihren Vater, einen damaligen englischem
Offizier, kennengelernt hat, wie sie schließlich trotz aller Widrigkeiten
zum Trotz geheiratet haben. Das alles bestimmt den letzten Teil
des Buchs.
Ohne große dramatische Erkenntnisse, ohne neue oder überraschende
Erlebnisse. - Es war irgendwas in dieser Richtung zu erwarten gewesen.
Später erinnert sie sich dann auch daran, dass ihr Bruder, der in
einem Internat in England war, nachhause kam und nicht mehr dorthin
zurückwollte. - Er war von anderen Schülern als Nazi verschrien
worden. Also muss ja irgendwas gewesen sein, was den Kindern damals
gar nicht bekannt war. Und daher kam auch diese Geschichte, die
ihr Bruder immer wieder - zuerst als reine Phantasterei von mir
gesehen - verfolgte. Nämlich dass die Mutter eine Spionin sein müsse,
früher Nazitochter, dann von den Russen umgekrempelt und jetzt eben
in England tätig für Russland….
Das alles ist erst ganz zum Schluss in dem Buch überhaupt wahrnehmbar.
Es gibt keinerlei Hinweise, die evtl. darauf schließen lassen könnten,
dass das, was der Junge da erzählt, Wahrheit sein könnte. Auch der
Schluss bleibt relativ offen. Die Frau kann nicht schlüssig feststellen,
was ihre Mutter wirklich war, was wirklich Wahrheit ist, ob sie
tatsächlich noch lebt, und was überhaupt Sache ist.
Lediglich das Leben ihres Bruders gibt ihr zu denken; dieser hat
ein völlig neues Leben in Australien begonnen, wollte von der Vergangenheit
nie mehr was wissen…. - Also muss er mehr gewusst haben.
Die Geschichte hat kein schlüssiges Ende, endet damit, dass die
Frau wieder nachhause zurückkehrt, mit ihren Vermutungen, Ahnungen.
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Die Autorin
"Georgina Harding ist Autorin zweier Sachbücher sowie des Romans
Die Einsamkeit des Thomas Cave (Bloomsbury Berlin 2007), der von
der Presse euphorisch gefeiert wurde.
Sie lebt in London und Stour Valley,
Essex." (Klappentext)
Beatrice Howeg, die Übersetzerin, lebt
in Devon, England. Dies ist ihr erster Roman, für den sie ein Stipendium
des British Arts Council erhielt.
Klappentext:
"An einem kalten Januarmorgen 1961 verlässt die Mutter der
achtjährigen Anna wie gewöhnlich das Haus - nur kehrt sie diesmal
nicht zurück. Ein Autounfall, heißt es. Mehr erfährt Anna nicht,
die Erwachsenen hüllen sich in Schweigen, verbannen die Erinnerungen
an ihre Mutter aus dem Haus wie die persönlichen Habseligkeiten,
die sie zurückließ. Doch am gleichen Tag melden die Nachrichten,
zwei Spione seien enttarnt worden: die Krogers, ein nach außen ganz
gewöhnliches Ehepaar. Mit fanatischem Eifer entwickelt Annas Bruder
die Theorie, dass ihre Mutter als Spionin untergetaucht ist - und
noch lebt. Die Zweifel über das Schicksal der Mutter begleiten Anna
bis ins Erwachsenenalter. Hat ihre Mutter tatsächlich ein Doppelleben
geführt? Und wenn ja, wer war sie dann eigentlich?"
Buchdaten
Das Buch erschien im August 2009 in Deutsch im Berlin Verlag.
Übersetzerin ist Beatrice Howeg.
Es hat 320 Seiten, gebundene Ausgabe
ISBN-10:3-8270-0828-X EAN:9783827008282
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Abschließende
Meinung
Bereits nach einigen Dutzend Seiten war kein direkter roter Faden
für mich erkennbar. Was mich aber dazu bewog, dieses Buch immer
weiter zu lesen, war die wunderbar geschilderte Atmosphäre, Umgebung,
Gefühle, Gedanken in diesem Teil von England, dieser zwei Kinder
mit ihrem Vater, ihr Leben dort, ihre ganzen Erlebnisse.
Die
Autorin versteht es hervorragend, Stimmungen auszudrücken. Auffallend,
wie sie das Wetter schildert. Seltsamerweise schildert sie das Wetter
dort immer schön im Sommer, aber an diesem kalte Winter bleibt alles
trübe, kalt, trostlos.
Die
Handlung direkt entbehrt wirklich jedes Handlungsstrangs, der irgendwie
spannend hätte werden können. -
Grund
für das Weiterlesen ist für mich einzig und allein der Stil
der Autorin gewesen, wie sie alles beschreiben kann, wie sie fähig
ist, Stimmungen auf den Leser zu übertragen.
Aber
nicht zuletzt auch, wie sie diese recht spannungslose Geschichte
so erzählt, dass der Leser dabei bleibt. Weil einfach alles was
geschrieben ist, ein Gefühl hinterlässt, dieses Buch nicht umsonst
zu lesen.
Es
sind sehr schöne literarische Eigenarten, die den anspruchsvollen
Leser befriedigen können.
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