Gisela Heidenreich

Klappentext:
Nach dem Tod ihrer Mutter Edith stößt Gisela Heidenreich auf einen Karton mit Hunderten von Briefen - Briefe, die in die frühe Nachkriegszeit zurückführen. 1947, Edith ist als Zeugin im Justizgefängnis in Nürnberg interniert. Bitter beklagt sie sich in den Briefen an ihre Familie über die Haftbedingungen - und verliebt sich gleichzeitig in einen faszinierenden Mann. Obwohl selbst als Zeuge inhaftiert, genießt er als Übersetzer und Beauftragter für die Internierten einige Freiheiten, mit denen er sich und Edith die Haft erleichtern kann…. Hastig geschriebene Notizen und lange, romantische Briefe gehen von Zelle zu Zelle. Die beiden schwören sich ewige Liebe und schmieden Pläne für ein gemeinsames Leben in Freiheit. Weil dem Geliebten, einem vormals hohen Beamten im Auswärtigen Amt und SS-Offizier, die Anklage vor dem Alliierten Militärgericht droht, flieht er über Südtirol nach Rom. Mit neuer Identität lebt er dort und zeitweilig in Südamerika, in seinen Briefen verbirgt er sich hinter mehreren falschen Namen. Edith beginnt ein Doppelleben. Sie trifft sich heimlich mit ihrem Geliebten in Italien, sehnsüchtige und leidenschaftliche Briefe überbrücken die Zeiten der Trennung. Sieben Jahre lang, von 1947 bis 1954, dauert ihre Beziehung, und für beide ist es die große Liebe ihres Lebens. Gisela Heidenreich erzählt von zwei Menschen, die sich aus ihren Verstrickungen in die NS-Herrschaft nicht lösen konnten und deren Liebe daran zerbricht. Sie erzählt von der Macht politischer Ideologien und von einem verstörenden Widerspruch: Wie können Menschen, die zu großer Liebe fähig sind, zugleich einem mörderischen Regime dienen? So wird aus einer privaten Spurensuche nach einem Familiengeheimnis eine Geschichte mit den großen Motiven menschlicher Hoffnungen und Abgründe: Schuld und Sühne, Liebe und Verrat.

 

 

 

 

Gisela Heidenreich, 1943 in Oslo geboren, aufgewachsen in Bad Tölz und München, ist Sonderpädagogin und praktiziert als ausgebildete Paar- und Familientherapeutin und Mediatorin.
Ihr Buch "Das endlose Jahr", in dem sie die langsame Entdeckung der eigenen Biografie - als "Lebensborn-Kind" - beschrieben hat, war ein Bestseller. Sie lebt in der Nähe von München.

Meine Zusammenfassung
Sie fängt an zu recherchieren, liest die ganzen Briefe, die sie zunächs erst mal sortieren muss, sie sind meistens ohne Anrede und ohne Datum.

Immer wieder fällt ihr der Unterschied des Verhaltens ihrer Mutter auf, das in den Liebesbriefen ersichtlich wird; ihr gegenüber immer kühl und unnahbar, gegenüber ihrem Geliebten feurig, emotional, aber auch unterwürfig, und ihr fast hörig vorkommend. Was übrigens in vielen Sätzen seiner Briefe deutlich zutage tritt: die Suggestion, die er immer und immer wieder an sie zu vermitteln versucht.

Sie fährt schließlich nach Italien, um die Orte aufzusuchen, die ihre Mutter mit ihrem Geliebten einst besucht hatte und hofft, auf Leute zu treffen, die die Mutter und auch ihren Geliebten gekannt hatten. Sie besitzt nicht ein einziges Foto von diesem ominösen Geliebten ihrer Mutter, der unter verschiedenen Namen immer wieder schreibt, an verschiedene Adressen seine Post schicken lässt.
Die meisten Sachen kann sie dann klären, fährt nochmals nach Italien, bekommt von dort auch Hilfen etc. - und das Geheimnis, um wen es sich denn jetzt eigentlich gehandelt hat, wird zum Schluss auch gelüftet. -

Abschließend zum Buch: Sehr interessant, sehr viele Einzelheiten beinhaltend, die zumindest ich noch nicht wusste, liest es sich wie ein Roman. Gut, diese furchtbar schwülstigen und sehr langen Liebesbriefe, die ganz zu lesen habe ich mir nicht angetan habe - - - - Die Autorin hat sie vermutlich nur abgedruckt, um deutlich zu machen, welches zwiespältiges Wesen der Mensch ist; der auf der einen Seite zigtausende von Menschen zu ermorden behilflich ist, auf der anderen Seite fähig ist, solche Liebesbriefe zu schreiben - - -- -aber vor allem: wie er dann auch später sich selbst bemitleidet, wenn er z.B. in Haft ist, und *so schreckliche Sachen* ertragen muss - er denkt da nicht daran, welches zigtausendfaches, viel größeres Leid er den ganzen ermordeten Menschen angetan hat, bzw. dabei behilflich war.

Diesen Gedanken verbalisiert die Autorin auch immer wieder im Buch und sie drückt ihr Unverständnis darüber deutlich aus. Zum Schluss bleibt ihr nur, die Zweifel, die immer noch bestehen, zugunsten ihrer Mutter auszulegen, in Bezug darauf, warum dieses *unendlich große Liebesverhältnis* schließlich in die Brüche ging.

Meine Meinung

Das ist mal eine etwas andere Ansicht dieser Zeit; die Autorin, die zunächst mal ihre Autobiografie (Das endlose Jahr) als 'Lebensborn-Kind' herausgebracht hat, hat dieses Buch geschrieben, nachdem ihre Mutter verstorben war und sie diese ganze Korrespondenz beim Räumen der Wohnung vorgefunden hat.

Ich selbst wusste von diesen "Lebensborn-Kindern" nichts, bis ich eben dieses Buch gelesen hatte. Und es ist schon sehr interessant.

Und noch etwas: Wenn Leute meinen, über "diese Zeit" wüssten sie schon alles, oder, was sogar häufiger der Fall ist, meinen "das interessiert mich nicht, ist schon so lange her", dann meinen sie schlichtweg falsch.
Lebensgeschichten und Biografien aus dieser Zeit sind immer interessant, zu jeder Zeit. Und auch nicht nur Literatur für "ältere Leute" - nein, ganz im Gegenteil. In diesem Buch werden auch - neben diesen ganzen Recherchen und Briefen - viele Begleitumstände in der damaligen politischen Landschaft beschrieben.
Also: nicht einfach "so ein Buch" weglegen, und denken: 'ohje welch alter Käse' - es beinhaltet nämlich nicht nur diese besonderen Vorkommnisse damals, sondern bietet auch sehr viel Stoff zum Nachdenken. - Wie sich ein Mensch in ähnlichen Situationen verhalten kann, warum, und eben die Überlegungen dazu.