|

Zum Inhalt,
meine kurze Zusammenfassung
Hauptthema ist die bekannte historische "Polaris"-Expedition des
US-Militärs (1872) zum Nordpol.
Die erste Phase
des Buchs, wenn ich mal davon absehe, dass der Hauptprotagonist
Ronald Krüger sich in den Fluss stürzen will, als das Buch beginnt.
Es ist eine
Expedition zum Nordpol unterwegs, unter amerikanischer Flagge. Sie
kommen in Seenot, und 19 Leute finden sich auf einer Eisplatte wieder.
Es sind viele Nationen vertreten, und auch verschiedene Leute, da
sind Eskimos, teilweise mit Frauen und Kindern, da sind zwei Offiziere,
das sind Mannschaftsgrade, Engländer, Dänen, Amerikaner, also bunt
gemischt; und darunter ist eben auch Ronald Krüger, der sich Kruger
nennt, im Buch Krüger, Kruger oder Krueger genannt wird. Er ist
Deutscher, der nach Amerika ausgewandert ist und an dieser Expedition
auf diesem Schiff angeheuert hat.
Sie haben noch
zwei Boote, und einiges an Proviant. Sie bauen sich Iglus. Aber
interessant: Der eine Offizier legt Wert darauf, die Klassen zu
trennen, also die Mannschaft darf nicht bei den Offizieren unterkommen.
Also bauen sie sich verschiedene Iglus. Und dann kommt was sehr
merkwürdiges, in Anbetracht der höchsten Lebensgefahr, in der alle
schweben: Es wird eine Grenze gezogen zwischen den Iglus. Und: es
wird unterschieden, welche deutsch und welche amerikanisch, oder
englisch sind. Der eine Offizier, ein Deutscher, dem Alkohol zusprechend,
ist kaum zu was nutze, er macht so unsinnige Sachen, wie die Mannschaft
antreten zu lassen, und das ganze Zeug vom Militär, und er nennt
sich Graf Meyer, also ein ziemlich unnützer Bursch bei diesem ganzen
Chaos.
Es folgen über
sechs Monate auf dieser Eisscholle, bzw. die Scholle wird zwischendurch
gewechselt, weil sie zerbrochen ist; auch ist das eine Boot inzwischen
nicht mehr da, also nur noch das eine da. Und es sind anfangs auch
noch einige Hunde da. Der Proviant wird rationiert, und in einem
Lager-Iglu verwahrt. Es wird bald festgestellt, dass von diesem
lebenswichtigen Proviant immer Nahrungsmittel verschwinden. Niemand
weiß, wer der Dieb ist.
Eskimos befürchten,
dass sich einige mit dem Boot davonmachen, mit allen Lebensmitteln,
und Es ist eine große Unsicherheit da, und zwar bei allem. Jeder
misstraut dem anderen. Die sie zurücklassen auf dem Eis, ohne Nahrung;
würde ihr Tod bedeuten.
Es kommen Stürme,
die Eisschollen wandern, brechen mittendurch, sie müssen sich wieder
andere Eisscholle suchen. Die Hunde wurde einer nach dem anderen
getötet und gegessen, sie haben kaum was zu essen und für die Hunde
mal schon gar nichts. Sie finden lange Zeit nur selten Robben, die
die Eskimos fangen, und es wird immer genau aufgepasst, in welchem
Iglu die Robbe aufgeteilt wird, sie trinken das frische warme Blut,
essen das Robbenfleisch roh, sie wärmen oder tauen es höchstens
an dem Licht auf, das durch das Robbenfett gespeist wird. Sie überstehen
grausame Naturereignisse, aber eine Solidarität zwischen allen ist
sehr, sehr lange nicht möglich; da ist das Unwissen, wer die Lebensmittel
klaut, da ist das Misstrauen, wer evtl. mit dem mittlerweile einzigen
Boot abhauen könnte.
Und zu allem Elend findet auch noch ein Kleinkrieg zwischen den
Nationen statt. Unglaublich, diese Situation.
Eine der Frauen,
die im Hintergrund eigentlich diese ganze Situation meistert und
letztendlich auch alle rettet, ist die Eskimofrau Tukulito, genannt
Hannah. Ihr Mann, genannt Joe, ist der Robbenfänger. Zwischen ihr
und Kruger ist ein zartes Band, er hat sich in diese kleine Eskimofrau
verliebt.
Die Liebe bleibt aber chancenlos bis zuletzt.
Sie und ihr
Mann mit dem Adoptivtöchterchen schlafen zusammen mit dem einen
Offizier, Georg Tyson in einem Iglu. Alle Menschen müssen im Iglu
dicht an dicht liegen, damit sie sich gegenseitig wärmen. Tyson
ist sehr lange Zeit krank und geht kaum aus dem Iglu. Er schreibt
aber sein Tagebuch. Er war der stellvertretende Kommandant des gekenterten
Schiffs der Nordpolexpedition.
Voltaires "Micromengas"
wird von Kruger vorgelesen, sonst ist keine Unterhaltung da. Als
aber das Papier gebraucht wird, wird auch dieses Buch verbrannt.
Es gibt noch zahlreiche Geschehnisse, die ich hier wirklich nicht
alle erwähnen kann und kürze mal ab. Krüger wird eigentlich verdächtigt,
der Dieb der Lebensmittel zu sein. - Er hat schließlich das Versteck
gefunden, davon einiges genommen und es den Kindern zukommen lassen,
auf sehr schwierigen Wegen. Eins der Kinder ist todkrank und kann
so überleben.
Später stellt
sich heraus, dass Hannah die Lebensmittel "gebunkert" hat. Weil,
wie sie ganz richtig befürchtete, einige schon vorhatten, das Boot
zu nehmen und mit allem Vorrat abzuhauen und alle anderen zurückzulassen,
was deren sicherer Tod bedeutet hätte. Kruger kommt auch später
darauf, deckt natürlich Hannah, wird schließlich selbst als Dieb
dargestellt.
Als die Lage
sehr gefährlich und verworren wird, genest schließlich Tyson soweit,
dass er wieder die Macht übernimmt und daran hat Krüger einen großen
Anteil. Meyer ist inzwischen im Dilyrium, also ein schwachsinniger,
der von seiner Mannschaft noch gepflegt wird, aber zu sonst schon
lange nichts mehr nütze; ein anderer hat sich selbst als sein Vertreter
ernannt und macht makabre Spielchen, u.a. diese "Probeexekutionen"
mit Kruger. Tyson kann dann die Leute einigermaßen wieder unter
seinen Hut bekommen, mal auf die Schnelle gesagt. Und nochmal ganz
viel überblättere: Schließlich kommt ein Schiff, und alle werden
gerettet, nach über sechs Monaten auf den Eisschollen.
Der nächste
Teil des Buchs beschreibt dann, wie Tyson in Amerika als Held gefeiert
wird, bzw. sich feiern lässt, sein Buch herausbringt; Kruger liest
das natürlich, ist erschüttert, vor allem weil er als Dieb und Missetäter
gebrandmarkt wird. Und alle Tyson glauben. Das ist der Punkt wo
er seinem Leben ein Ende setzen will, es aber nicht tut.
Kruger zieht
dann zunächst nach Mexiko, gerät dort in den Bürgerkrieg, aber aktiv
eigentlich erst, nachdem er eine Familie gegründet hatte, zwei Kinder
hatte, die alle verloren hat und nach zwölf Jahren wieder Jacinda
trifft, die er ganz am Anfang schon getroffen hatte. Er war mit
einem Hund unterwegs, sie war eine Frau, die auf ihrem Hausboot
den Minenarbeitern und allen möglichen Männern ihren Körper verkaufte.
-
Als Kruger
dann nach diesen zwölf Jahren nach langen Ritten und Wanderungen,
nach Zusammenstößen mit den Guerillas, wieder auf das Dorf trifft,
das vernichtet werden soll, wo Jacinda mit ihren Kindern lebt, wechselt
er kurz die Seite, schleicht sich dann aber nachts ins Dorf, wo
er die Leute, inzwischen sehr dezimiert durch die zahlreichen Angriffe,
warnt. Er schleicht sich dann wieder zurück, er bekommt vom Chef
der Armee ein Angebot als Offizier. Er hat ein interessantes Gespräch
mit diesem "Führer" - und als dann sein in seinem Bart verstecktes
kleines Messer in das Wasser fällt, das er zum Trinken bekommen
hatte, lacht der Chef auf, macht ihn mehr oder weniger lächerlich,
weil Kruger nicht töten kann. Er gibt ihm sogar eine Pistole, um
das auf die Spitze zu treiben. - Da nimmt Krüger den Wassereimer,
schleudert ihn um sich, trifft den Chef, der tot zusammenbricht.
Und danach auch den Stellvertreter, den er kurzerhand erschießt.
- Die Soldaten sehen ihn dann als Chef an. Das war jetzt sehr verkürzt
dargestellt.
Das Dorf ist aber gerettet, mit ihm auch Jacinda mit ihrer Familie.
Und als Namen für sich hatte er in Mexiko einfach einen Namen angegeben,
der ihm eingefallen war: Georg Tyson.
Der letzte
Teil befasst sich dann mit seiner Rückkehr in den Norden, zunächst
nach Washington. Er trifft Tyson, längst von der Welt vergessen,
in einem Büro der Schiffsverwaltung hausend, bescheiden mit neuer
Frau und zwei Kindern lebend. Er erfährt auch, dass Hannah (Tukulito)
gestorben ist. Sie ist neben ihrer kleinen Tochter beerdigt, er
besucht mit Tyson das Grab.
Kruger macht
sich am Ende wieder auf den Weg nach Mexico.
|
|
Steven Heighton wurde 1961 in Toronto, Ontario,
geboren und war von 1988 bis 1994 Herausgeber des kanadischen Literaturmagazins
Quarry.
Er lebt in Kingston, Ontario. er hat Romane und
zahlreiche Erzählungen veröffentlicht, schreibt Lyrik und lehrt
an verschiedenen Universitäten.
Bekannt ist er vor allem im englischsprachigen Raum
für seine Kurzgeschichten und seine Poesie.
(histo-couch.de/steven-heighton.html entnommen)
Daten zum Buch:
Verlag: Rowohlt 2007,
erste Originalauflage 2003 Ausstattung/Bilder:
2009. 477 S. m. 7 Abb.
Seitenzahl: 477
Übersetzt von Sabine Hedinger
ISBN-13: 9783499243561 ISBN-10: 3499243563 Im
Buch sind einige Abbildungen, Zeichnungen
der Expeditionsteilnehmer, von den Eisschollen in der Arktis - usw.
|
|
Meine
abschließende Meinung
Die Sprache und der Stil des Buchs sind ungewöhnlich, und es bedarf
der Eingewöhnung und oft Noch-Mal-Lesens, weil Rede und Erzählung
in einem Satz vorkommen, nicht gekennzeichnet, selten erwähnt, wer
grade dies und das sagt.
Ich habe mich während des Lesens häufig gefragt, welche Intention
wohl den Autor bewog, dieses Thema zum Inhalt seines Romans zu machen.
Tyson ist eine reale Person, und er war damals eine berühmte Persönlichkeit.
Kruger wird, wenn überhaupt, nur kurz erwähnt, als Dieb oder Querulant,
also negativ dargestellt. - Dem wollte der Autor scheinbar nachgehen.
Und die Schilderung Krugers weicht in wesentlichen Dingen schon
sehr ab von denen Tysons.
Beim Gespräch nach vielen Jahren, als Kruger Tyson aufsucht, will
Kruger das gar nicht zur Sprache bringen, er hat mit diesem Thema
abgeschlossen; aber Tyson weiß sehr wohl, dass einiges, was er in
seinem Bericht erzählt, nicht war ist. Z.B. über sehr lange Zeit
war er gar nicht aktiv, war beteiligt an der Aufsplitterung der
Überlebenden in Deutsche und Amerikaner, und ohne die Hilfe von
Hannah und Kruger wäre er gar nicht mehr auf die Beine gekommen,
bzw. hätte gar nicht die Kraft bekommen, gegen Ende wieder das Ruder
in die Hand zu nehmen bis hin zur Rettung.
Das
alles kann ich nicht im Einzelnen erklären, dazu muss man einfach
das ganze Buch lesen.
Was aber, um nochmal auf die Intention des Autors zurückzukommen,
in diesem Buch sehr deutlich wird, sind die Verhaltensweisen von
Menschen. -
Sogar in lebensbedrohlichen Situationen lässt da der eine die dreiviertel-verhungerten
Soldaten exerzieren, vollkommen unsinnig, oder eine Grenze auf der
Scholle zu ziehen, mit Grenzkontrollen, auf einem relativ kleinen
Stück Eis, wo alle in höchster Lebensgefahr sind.
Dass
sie dann die Hunde irgendwann auch töten und essen ist aber schon
ein Zeichen, weil sie Lebewesen, zu denen sie doch eine Beziehung
hatten, töten und essen. -
Und bei manchen kam schon zumindest der Gedanke auf, den einen oder
anderen Menschen auch zu essen - - - .
Die
Schilderung, wie sie dann, wenn sie endlich eine Robbe gefangen
haben, ihr warmes Blut gierig trinken, gierig das rohe Fleisch verschlingen,
daran gewöhnt man sich, und ist bei Eskimos auch nichts ungewöhnliches.
- Anders hätte niemand überlebt. Das Fleisch konnte nicht gegart
werden, und sonst war kaum Nahrung da.
Mit "Letzte Welten" sind die Welten gemeint, in die der Mensch nach
seinem Tod kommt. Und es wird der Glaube der Eskimos verglichen
mit dem der Christen. Aber auch später in Mexico bei den Indios
wird über diese letzte Welten gesprochen, und die letzten Welten
der Mexicaner sind wieder etwas anders.
Insgesamt
ist dieses Werk des Autors sehr bemerkenswert. Spannend aufgebaut,
Reales in die Dramaturgie eingebettet, bietet zahlreiche Informationen.
|