Rolf Henrich
Die Schlinge

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Meine Inhaltsbeschreibung
Zunächst beschreibt Wolfskehl seine momentane Situation, und dass er eigentlich keine Lust mehr hat in seinem Beruf zu arbeiten. Er ist irgendwie müde, immer wieder Angeklagte in Strafverfahren zu verteidigen.
Als er einen Anruf eines Bekannten bekommt, doch diesen Fall zu übernehmen, hat er zunächst gar keine Lust. Trifft sich dann aber mit diesem pensionierten General. Und er kennt ihn von ganz früher, von seiner Zeit, als er selbst Soldat war. Er ist ihm mehr unsympathisch als sympathisch.
Er beginnt dann doch mit den Recherchen, liest die ganzen Akten der Staatsanwaltschaft, und stößt dabei auch auf einige Ungereimtheiten…..
- Er findet nämlich einen Erlass, wo genau dem General, dem Angeklagten, die Befugnis über genau diesen Abschnitt der Grenze entzogen wird. Das alles, insbesondere aber seine eigene Gedanken zu allem sind sehr interessant.

Aus einer Unterhaltung mit Donath, dem Angeklagten, als der ihn gefragt hatte, was er in seiner Situation gemacht hätte:
"Donath versuchte, einen Hustenanfall zu unterdrücken und rang mit vorgestrecktem Kinn nach Worten. Bevor er das Gespräch bis zum bitteren Ende führen konnte, sagte ich:
"Nein, vor einer solchen Wahl habe ich nie gestanden. Wenn ich in eine solche Lage geraten wäre, und hätte entscheiden müssen……" - "Na was dann?" - "Dann säße ich jetzt nicht vor Ihnen, sondern wahrscheinlich auf der Anklagebank." - Donath sah mich finster an. - "Sie können froh sein", sagte er schließlich. Dabei blickte er nicht zu mir, sondern zu Boden."

Andere Stelle:
"Es war nicht so, dass das Wiedersehen mit Donath meine Einstellung zu ihm verändert hätte. -- - - - - Nein, es gab keine Macht der Welt, die von mir verlangen könnte, mir in dieser Sache ein Bein auszureißen……"
Was auch immer sehr interessant ist, dass Sätze von Schriftstellern eingeflochten werden, z.b. dieser von Milan Kundera:
"Die totalitären Reiche mit ihren blutigen Prozessen sind verschwunden, doch der Geist des Prozesses ist als Erbe zurückgeblieben, und er ist es, der abrechnet."
Der Prozessverlauf wird nun geschildert, mit Zeugenvernahmen, allem was in so einem Prozess eben geschieht.

Aus einem Dialog zwischen Hehremann (Staatsanwalt) und Wolfskehl, dem Rechtsanwalt des Angeklagten, als es um das Grundgesetz geht, das Hehremann zitiert hatte:

"Woher nehmen Sie eigentlich die Gewissheit", - fragte ich zu Hehremann gewandt, der mich bis dahin nicht gesehen hatte, "dass der Laden hier nicht mal wieder ins Schleudern kommt?" - Hehremann ignorierte meine Frage und spottete, bevor ich weitersprechen konnte:
"Es ist ja ganz reizvoll, dass es Zeiten wie unsere gibt, wo ausgerechnet die Leute Zeichen an der Wand sehen wollen, die ihre berufliche Existenz der Funktionsfähigkeit unserer Gerichte verdanken."

Und wieder ist ein Satz eines Autors, Franz Kafka, vor ein Kapitel gestellt:
"Wenn das, was im Paradies zerstört worden sein soll, zerstörbar war, dann war es nicht entscheidend; war es aber unzerstörbar, dann leben wir in einem falschen Glauben."

Der Prozess endet natürlich mit einem Urteil. - Aber das lasse ich offen, falls jemand das Buch lesen möchte. -

 

 

Autor

"Rolf Henrich, geboren 1944, hat gemeinsam mit Katja Havemann und Bärbel Bohley die Bürgerrechtsbewegung Neues Forum gegründet. Er saß am Runden Tisch in Berlin. Sein in der DDR verbotenes Buch "Der vormundschaftliche Staat" (1989) war so etwas wie die Bibel des ostdeutschen Widerstands. Rolf Henrich ist Anwalt und lebt in der Nähe von Frankfurt an der Oder."

 

Klappentext:
"Für Lukas Wolfskehl, Anwalt einer florierenden Kanzlei, hat der Gerichtssaal schon lange seine Faszinationskraft verloren. Ob Mord, Vergewaltigung, Diebstahl oder Wirtschaftsskandal - das Ausklügeln raffinierter Strategien zur Verteidigung oder Anklage ist zur Routine geworden. Bis zu dem Tag, an dem Wolfskehl den Auftrag erhält, einen alternden General der Ex-NVA zu verteidigen. Anklage der bundesdeutschen Justiz: die Verantwortung für sieben Todesfälle an der innerdeutschen Grenze." "Nur widerwillig nimmt sich Wolfskehl des Falles an: Weder hat er Verständnis für das Selbstmitleid der gestürzten Machthaber im Osten Deutschlands, noch für die Nostalgie gegenüber einer untergegangenen Welt. Doch je stärker er mit den grausamen Fakten auf der einen Seite und der Lebensgeschichte des Generals auf der anderen konfrontiert wird, desto deutlicher zeigt sich für ihn, wie begrenzt die juristischen Mittel bei der Bewertung des Vergangenen sind" ... "Die Grenze, das war eine verschlungene, tausendfach verdrehte Grenze, deren wahre Gestalt wir niemals zu Gesicht bekommen werden."

Buchdaten:
Verlag: Piper 2003
Seitenzahl: 164
Deutsch
ISBN-13: 9783492238083 ISBN-10: 3492238084

Meine abschließende Meinung
Die Zeit der Prozesse diesen Inhalts sind längst vorbei. Wir haben alles über die Medien erfahren. - Uns eine Meinung bilden können.

- Aber das ist ja nicht so einfach. - - Populistische Äußerungen klammere ich mal aus, die haben noch nie dazu gedient, etwas zu begründen oder mehr Klarheit zu verschaffen.

Man kann es sich nicht so einfach machen, und einfach kategorisch die eine Seite ablehnen, verurteilen, und die andere ins Recht stellen. -
Und auch ein gerichtliches Urteil sagt noch nichts darüber aus, was Recht und Unrecht ist.
Es wird nur versucht, nach allen möglichen Untersuchungen. -

Der Autor versucht genau dieses Dilemma zu beleuchten; ohne zu beschönigen, ohne zu verurteilen. Aber es wird dem Leser etwas durchsichtiger, verständlicher, was es damit auf sich hat, bzw. dass in diesen ganzen Prozessen immer Menschen involviert sind, egal auf welcher Seite.