|

Herausgegeben von Frauke un dElkse Hildebrandt und Roswitha Köppel.
"Während des politischen Umbruchs in der DDR 1989 engagierte
sie sich in der Bürgerbewegung Demokratie Jetzt und trat am 12.
Oktober 1989 der Sozialdemokratischen Partei der DDR bei. Bei den
ersten freien Wahlen der DDR wurde sie in die Volkskammer gewählt.
In der ersten frei gewählten Regierung der DDR war sie von April
bis August 1990 Ministerin für Arbeit und Soziales im Kabinett von
Lothar de Maizière. Später wurde sie in den Bundesvorstand der SPD
gewählt. Im Herbst 1990 wechselte sie in die brandenburgische Landesregierung
und war dort Ministerin für Arbeit, Soziales, Gesundheit und Frauen.
Vor allem in Brandenburg, aber auch weit über das Land hinaus war
Hildebrandt durch ihr für eine Politikerin außergewöhnlich offenes,
volksnahes, oft auch undiplomatisches Auftreten populär. Nachdem
Ministerpräsident Manfred Stolpe im Herbst 1999 eine Koalition mit
der CDU einging, trat Hildebrandt aus der Landesregierung aus. Im
Dezember 1999 und noch im November 2001 (kurz vor ihrem Tod) wurde
sie mit dem besten Stimmenergebnis wieder in den Bundesvorstand
der SPD gewählt, doch ihr Gesundheitszustand verschlechterte sich
rapide. Einen Tag nach ihrer Beisetzung im engsten Familienkreis
fand eine Trauerfeier in der Potsdamer Nikolaikirche statt, an der
neben dem damaligen Bundeskanzler Schröder und Alt-Bundespräsident
von Weizsäcker Politiker aller im Bundestag vertretenen Parteien
teilnahmen.
Hildebrandt bekam unter anderem 1997 die Goldene Henne und 2001
das Große Verdienstkreuz des Verdienstordens der Bundesrepublik
Deutschland und den Fritz-Bauer-Preis der Humanistischen Union verliehen.
Im Jahre 1991 war sie zur "Deutschlands Frau des Jahres" gewählt
worden. "
"Zitate von Regine Hildebrandt:
Ich habe mich eigentlich nie für Politik
interessiert. Das kam nur durch die Wende. Das war die Einsicht
in die Notwendigkeit: Wenn nun etwas anders werden soll, müssen
das auch andere Leute machen.
Wissen Sie, warum die Schüler im Westen ein Jahr mehr zum Abitur
brauchen als im Osten? Nein? Bitte nicht böse sein: Weil im Westen
ein Jahr Schauspielerei dabei ist!
So wie es dazu gehört, sich zu freuen,
wenn ein Kind geboren wird, so selbstverständlich muß auch der Tod
am Ende eines erfüllten Lebens für die Menschen stehen. Daß dies
sowohl in den Familien mit ambulanter Unterstützung oder eben in
den entsprechenden Hospizen möglich ist, ist mir ein ganz großes
Anliegen.
Auf bundespolitischer Ebene ist es wichtig,
die rechtlichen Voraussetzungen zu verbessern, daß man eben nicht
an Maschinen angeschlossen wird, wenn man dies nicht mehr will.
Dazu gehört auch das Recht, sein Leben durch Selbsttötung zu beenden,
wenn es denn gar nicht mehr geht.
Mir waren immer die gleichen Sachen wichtig.
Zu DDR-Zeiten habe ich versucht, so zu leben, wie ich es für richtig
hielt: mit den Säulen Beruf, Familie, Freunde, Domkantorei. (...)
Mir war immer Mitmenschlichkeit wichtig. Das hat sich nach der Wende
sogar verstärkt, weil Massenarbeitslosigkeit und die Veränderung
der sozialen Verhältnisse die Menschen extrem verunsichert haben.
Mein Leben ist eng verbunden mit dem Beruf, mit dem Zusammensein
mit der Familie, auch mit dem Versuch, etwas auszustrahlen und etwas
zu bewegen. Das lasse ich mir auch jetzt nicht abschneiden. Entscheidend
ist nicht die Länge des Lebens, sondern daß man sein Leben weiterführen
kann, so wie man es für richtig hält."
|
|
Regine Hildebrandt wurde am 26. April 1941 in
Berlin-Mitte geboren. Die Familie wurde später evakuiert und kehrte
1945 nach Berlin zurück. Die ersten fünf bis sechs Jahre ihrer Schulzeit
besuchte Hildebrandt noch die nächstgelegene Schule im Westen Berlins,
danach entschieden sich die Eltern für eine Schule im Osten, um
den Beruf des Vaters nicht zu gefährden. Nach dem Schulabschluss
studierte Hildebrandt zwischen 1959 und 1964 Biologie an der Berliner
Humboldt-Universität. 1966 heiratete sie Jörg Hildebrandt, 1968
folgte ihre Promotion, 1969 wurde das erste von drei Kindern geboren.
Von 1964-1978 war Regine Hildebrandt stellvertretende Leiterin der
Pharmakologischen Abteilung im VEB Berlin-Chemie, anschließend bis
1990 Bereichsleiterin in der Zentralstelle für Diabetes und Stoffwechselkrankheiten
Berlin (Schwerpunkt Diabetesforschung). Als "Säulen ihres Lebens"
bezeichnete sie einmal "Beruf, Familie, Freunde, Domkantorei". Sie
war kein Mitglied der FDJ gewesen und wurde daher fürs Studium zunächst
abgelehnt. Bei der nachträglichen Immatrikulation erhielt Hildebrandt
dann doch einen Studienplatz und konnte 1968 sogar über einen Frauen-Förderplan
promovieren. Nach ihrem Abschluss arbeitete sie 15 Jahre in der
Qualitätskontrolle des VEB Berlin-Chemie, später wechselte sie in
die Diabetikerbetreuung. Im Juli 1996 wurde bekannt, dass Regine
Hildebrandt an Brustkrebs erkrankt war, dem sie 2001 erlag.
|