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Vorangestellt ist:
"Ausgangspunkt für diesen Roman waren ein Hollywood-Film über einen
unheilbar kranken Jungen und seine allzu heldenhaften Eltern sowie
eine Reportage über einen Toten im Müll. Der Rest ist Fiktion. Die
Biographien der Figuren, ihre Charaktere, ihre Handlungen, Gedanken
und Träume - alles frei erfunden. Die Welt, so wie sie ist, macht
eine solche Geschichte möglich, die Informationen, die mir etliche
Fachleute gegeben haben, machen sie wahrscheinlich. Ein Dank an
diese findet sich am Ende des Buches."
Meine Zusammenfassung:
Die Geschichte beginnt, als in einem Müllcontainer eine Leiche eines
Krüppels gefunden wird. Es ist die Leiche von Johannes Grundig,
21 Jahre alt.
Die Geschichte wird dann im Wechsel geschrieben, immer als Überschrift
entweder C/Eigene Dateien/Das Dreamteam/I - --- , oder als Überschrift
der Name der Mutter, Sabine Harms.
Die Idee mit der Unterhaltung auf dem PC, wo nicht gesprochen,
sondern geschrieben wird, hatte Johannes, und er forderte seinen
Pfleger auf, mit ihm auf diese Art zu kommunizieren. "Setz dich
einfach neben mich und wir benutzen dieselbe Tastatur….." "Wir fangen
ganz von vorne an, du sagst mir wer du bist, ich sage dir wer ich
bin."
Und so beginnt der Dialog des hochintelligenten, überdurchschnittlich
gebildeten, schwer behinderten Johannes mit seinem Pflegehelfer,
Stephan.
Johannes ist mit einer Erbkrankheit zur Welt gekommen. "Die Ursache
liegt in einem genetischen Defekt auf dem sogenannten Duchennegen,
einem Abschnitt des X-Chromosoms. Die Vererbung ist rezessiv x-chromosomal.
Bei einem Drittel der Erkrankten handelt es sich um Spontanmutationen,
in den übrigen Fällen sind die Mütter Überträgerinnen des defekten
Gens. Konduktorinnen."
Stephan erzählt nun mehr stockend, und immer wieder aufgefordert
von Johannes sein Leben, das als Hauptinhalt seinen Job im Pflegeheim
hat, daneben sein Leben mit seiner Mutter. Stephan ist Johannes
intellektuell weit unterlegen, und Johannes fordert ihn immer wieder
heraus.
Sabine, die Mutter von Johannes, die vom Tod des Krüppels im Müll
erfahren hat und recherchiert hat, dass es sich um ihren Sohn handelt,
den sie als kleines Kind *abgegeben* hat, da weder sie noch ihr
Mann dem schwerstbehinderten Kind gerecht werden konnten, gibt sich
im Pflegeheim als Mutter zu erkennen, guckt sich das Zimmer an,
in dem ihr Sohn sein leben verbracht hat.
Und jetzt kommt was für mich grausiges, aber ich habe es tapfer
weiter gelesen. Es geht nämlich um die Vorliebe von Johannes, sich
riesige Spinnen zu halten. Im Zimmer ist ein Käfig zu sehen, wo
eine tote Spinne liegt, riesige Netze umspannen die Einrichtung
im Zimmer. - Also schon schlimm, das zu lesen, wie Johannes schildert,
wie er diese Viecher auf sich rumkrabbeln lässt, ein zärtliches
Verhältnis zu ihnen hat. Grusel, grusel - - - !!!!!
Aus der Erzählung von Stephan, als Sabine ihn kontaktiert hatte
und sie alles über Johannes erfahren möchte:
"…….er hat Spinnen gemocht, er hat immer mit einer zusammengelebt………erst
mit einer Vogelspinne, dann mit einer Röhrenspinne, dann mit einer
sehr ausgefallenen ostafrikanischen Seidenspinne." - "oh wie eklig"
- .
"Das mit dem Ekel ist interessant" ….der Ekel hat ausnahmsweise
nichts mit fehlendem Wissen zu tun. Es gibt ein Gen, das _Spinnenphobie
auslöst, so weit ist man inzwischen. Das Ganze findet in der Amygdala
statt." - - - - "wo ist denn das?" - " im Gehirn…. die Amygdala
ist eine Gehirnregion, sehr faszinierend. Denn die Amygdala hat
so eine Art Türsteher-Funktion. Die Sinnesorgane schicken ihre Eindrücke
zum Gehirn - und die amygdala bewertet sie: Was aufregt oder anregt,
wird sozusagen markiert und erhält dadurch Zutritt ins Langzeitgedächtnis
- weil es nämlich wichtig ist. Und wenn ganz viele solcher Eindrücke
gesammelt und verwertet sind, ist die Persönlichkeit fertig......Naja,
vielleicht nicht ganz so einfach, aber es scheint doch so zu sein:
Wir sind das, woran wir uns erinnern. Und wir erinnern uns hauptsächlich
an Angst." - -
Gut, das war für mich auch interessant, so konnte ich erfahren,
woher diese Phobie kommt.
Sabine ist in einem Verlag als Schriftsetzerin tätig, ihre Ehe
mit Ulli ist längst gescheitert, mit ihren Schwiegereltern hat sie
aber noch Kontakt. Sie wohnt in Glückstadt, und es wird geschildert,
wie sie von dort entweder untendurch, durch den Tunnel, oder obendrüber
mit der Fähre diese Fahrten in das Pflegeheim ihres Sohnes
macht. Sie spricht dort nicht nur mit Stephan, sondern auch mit
einer Therapeutin, die Wassertherapie mit Behinderten macht, und
Sabine nimmt auch mal daran teil. So erfährt man, wie die Arbeit
mit Behinderten, z.B. im Wasser, in der Praxis aussieht.
Sie erfährt von den Fahrten, die Stephan mit Johannes gemacht hat,
z.B. hat sich Johannes sehr für die Decken interessiert in Kirchen.
Und erklärt auch, warum das für Behinderte so wichtig ist, dass
die Decken nicht kahl sind. Und er schwärmt von den Deckengemälden,
lässt sich dort hinfahren, will alleine sein, mit dem Blick zur
Decke.
Sabine versucht nun, das Leben ihres Sohnes, das sie überhaupt nicht
gekannt hatte, nachzuleben, zu verstehen. Und verstrickt sich in
das Leben von Johannes, vernachlässigt ihren Job, ist wie besessen.
Sie fährt auch mit ihrem Schwiegervater in dieses Museum, wo Johannes
zuletzt gewesen war, nimmt alles auf, versucht das mit den Augen
ihres Sohnes zu sehen. Die Kommunikation zwischen Johannes und Stephan
befasst sich viel mit philosophischen Inhalten, Johannes hat seine
ganz spezielle Meinung über Gott und die Welt.
"Erst der große Schmerz ist der Befreier des Geistes als der Lehrmeister
des großen Verdachts. - Sagt der Philosoph -. Ich habe eine absurde
Krankheit, sie beginnt früh, sie ist unheilbar, sie führt zwangsläufig
zum Tod. - - - - - "
Und als er mit Stephan über den Glauben diskutiert, Stephan ist
gläubig und sieht seinen Beruf als Christenpflicht, sagt Stephan:
"Ich kann Gott nicht hassen oder gar auf ihn wütend sein, weil ich
glaube dass er gut ist. Nicht Gott hat die Krankheit und die Kriege
in die Welt gebracht, das waren die Menschen. - - - - " Johannes
darauf: " Und in seiner großen Güte hat er dafür gesorgt, dass meine
Mutter und mit ihr Hunderttausende anderer Frauen einen Gendefekt
in sich tragen, von dem sie nichts wissen können, bis sie einmal
einen männlichen Nachkommen gebären und dieser eine tückische Erbkrankheit
mit auf den Weg in sein gottgeschenktes Leben nimmt: Muskeldystrophie
Typ Duchenne. Führt zwangsläufig zu Missbildungen und Muskelabbau.
Tod nach etwa zwanzig Jahren. Entweder deinem Gott ist da ein kleiner
Fehler unterlaufen, - vielleicht hat ers nicht so mit der Genetik
- oder es ist Absicht, dann allerdings ist dein lieber Gott ein
ziemlich grausamer Gott, wofür im übrigen noch einiges andere spricht-------".
Die ganze Entwicklung von Sabine wird interessant geschildert,
allerdings schon recht merkwürdig, wie sie plötzlich so viel Interesse
für ihren Sohn zeigt, um den sie sich jahrelang nie gekümmert hat,
den sie einfach abgegeben hat, als er noch ganz klein war. Interessant
auch, wie Johannes immer von seinen Eltern erzählt. Er hat sich
schlicht und einfach Eltern erfunden, eine Mutter, die Sängerin
ist, und einen Vater der reich ist; und er hat mit ihnen in allen
möglichen Orten der Welt gelebt, als geliebtes Kind.
Sabine geht einen sehr schweren Weg, der ihr aber viele - letztendlich
auch für ihr eigenes Leben - wichtige Einsichten beschert. Die Schilderung,
wie dann am Ende Johannes seinen eigenen Tod herbeiführt, wird nicht
explizit geschildert, ist aber herauszulesen aus seinen Ausführungen.
Und selbst seine Beeinflussung von Stephan, der vermutlich ein Helfer
war, war sehr klar, und der Leser kann vermuten, dass letztendlich
Stephan Johannes auch seinen letzten Willen ließ, bzw. ihm dabei
helfen musste, ja musste, er stand wie unter einem Zwang unter Johannes.
Polizeiliche Ermittlungen führten aber zu nichts, Stephan wurde
zwar verhört, aber es wurde ihm keine Schuld zugewiesen.
Das alles hatte Johannes sorgfältig geplant.
Interessant auch, was in Bezug auf Behinderte immer verschämt negiert
und übersehen wird, ist, wie Johannes den Umgang mit seiner Sexualität
schildert. So hat er z.B. auch käufliche Frauen, die ihn besuchen,
und er ist so raffiniert, das als Therapie bei seiner Krankenkasse
durchzubringen. -
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Aus der Reihe: "btb-HC" * ISBN-10: 3-442-75131-4 * EAN: 9783442751310
* Erschienen bei: Btb * Seitenzahl: 336
Gabriela Jaskulla wurde 1962 in der Nähe von Würzburg
geboren und wuchs in Braunschweig auf.
Seit 1996 ist sie Redakteurin und Moderatorin beim
Kulturradio des NDR.
2003 erschien bei btb ihr hochgelobter Debütroman
"Ostseeliebe".
Im selben Jahr wurde auch ihr Theaterstück "Chet
Baker/Song" uraufgeführt."
(dem Klappentext entnommen)
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