Elfriede Jelinek

Meine Zusammenfassung
Radikal und satirisch/sarkastisch schildert die Autorin das Leben dieser Erika, der Hauptprotagonistin.

Sie ist Professorin für Klavier am Konservatorium in Wien. Mit ihrer allein stehenden Mutter zusammenlebend, erlebt sie sie als überwachend, und von ihr besitzergreifend, bis ins kleinste. Frustriert wie Erika ist, erträgt sie das Verhalten ihrer Mutter, passt sich an, gibt ihre Verletzungen an ihre Schüler weiter. Sie fügt sich Verletzungen zu, im Bad, schneidet sich in die Arme, in den Körper, wo es niemand sehen kann.

Ein junger Klavierschüler (Klemmerer) macht Erika schöne Augen, versucht sie auch privat zu kontaktieren. Sie verhält sich ablehnend ihm gegenüber, als er aber nicht nachlässt, schreibt sie ihm einen Brief, in dem sie ihn zu seltsamen Sexualverhaltensweisen auffordert.

In allen Details, ihr gegenüber sadistisch. – Ihr Verhalten ist ambivalent: auf der einen Seite will sie ihre sexuelle Unterwerfung, auf der anderen Seite aber dadurch, dass sie die Vorgaben macht, das selbst inszenieren, also die Oberhand behalten. – Und dann hofft sie ja auch latent, dass sich Klemmerer aus Liebe zu ihr ihren Vorschlägen verweigert.

Klemmerer ist angewidert und wendet sich ab. Später kommt es dennoch zu einer sexuellen Begegnung zwischen beiden, wo Klemmerer versagt.
Voller Zorn schlägt er Erika zusammen, vergewaltigt sie. (sein vorheriges Versagen war vergessen, scheinbar wurde er durch das Zusammenschlagen von Erika erregt, und es klappte).

Daraufhin beobachtet sie ihn weiterhin aus der Ferne, sieht, wie er ganz normal und sogar fröhlich sein Leben lebt. Darauf reagiert sie, in dem sie sich in die Schulter sticht, und blutbesudelt nach Hause geht.

 

 

Elfriede Jelinek wurde 1946 in Mürzzuschlag in der Steiermark geboren. Noch während ihrer Schulzeit begann sie, am Wiener Konservatorium. 1964 nahm sie das Studium der Theaterwissenschaft und Kunstgeschichte an der Universität Wien auf, das sie aber nach einigen Semestern abbrach. In den folgenden Jahren entstanden Jelineks erste Gedichte. Ihr Werk umfasst Romane, Theaterstücke, Hörspiele, Übersetzungen (etwa von Thomas Pynchon) und Drehbücher (z.B. zu "Malina" nach dem Roman von Ingeborg Bachmann). Mit Büchern wie "Die Klavierspielerin" (1983) und "Lust" (1989) erregte Jelinek großes Aufsehen im Feuilleton und zunehmend auch in den Massenmedien, die die umstrittene Autorin vorzugsweise als tabubrechende Radikalfeministin in Szene setzen. Bereits 1969 erhielt Elfriede Jelinek zwei österreichische Preise für ihre Lyrik und in den folgenden Jahren weitere zahlreiche Literaturpreise.

Klappentext: "Der Klavierlehrerin Erika Kohut, von ihrer Mutter zur Pianistin gedrillt, ist es nicht möglich, aus ihrer Isolation heraus eine sexuelle Identität zu finden. Unfähig, sich auf das Leben einzulassen, wird sie zu Voyeurin. Als einer ihrer Schüler mit ihr ein Liebesverhältnis anstrebt, erfährt sie, daß sie nur noch im Leiden und in der Bestrafung Lust empfindet."

Es ist weitaus besser als z.B. Jelineks *Liebhaberinnen*. - -vom Text her mal, und dann überhaupt.

Bevor ich näher darauf eingehe, möchte ich mal die Seiten ab Seite 18 empfehlen - - -

"Seite 18: sie ist im Bus. " - - - Sie schlägt ihr Streich- und Blasinstrumente und die schweren Notenhefte den Leuten in die Rücken und Vorderfronten hinein. In diese Speckseiten, die ihr die Waffen wie Gummipuffer zurückfedern. lassen. Manchmal nimmt sie, je nach Laune, ein Instrument samt Tasche in die eine Hand und setzt die Faust der anderen voll Heimtücke in fremde Wintermäntel, Umhänge und Lodenjoppen hinein. Sie schändet die österreichsche Nationaltracht, die sie aus ihren Hirschhornknöpfen anbiedernd angrinst. In Kamikazemanier nimmt sie sich selbst als Waffe zur Hand. Dann wieder prügelt sie mit dem schmalen Ende des Instruments, einmal ist es eben die Geige, dann wieder die schwerere Bratsche, in einen Haufen arbeitsverschmierter Leute hinein.- - -"

also ich habe mich unwahrscheinlich amüsiert, ne falsch, ich musste schallend, doppsend laut lachen, konnte gar nicht mehr aufhören - - Welche Komik da hinter den sarkastischen, satirischen Schilderungen steht!!! Also einfach g e n i a l !!!! Ich habe das Buch fertig gelesen, es liest sich sehr leicht. Was nicht heißen soll, dass die Sprache *leicht* ist. Gesamteindruck von mir: unbedingt lesenswert!!!! - Hochinteressant, toll geschrieben, ohne Tabus - - -. Die Jelinek ist eine sehr interessante Schriftstellerin!!! - Mit keiner vergleichbar, die ich bis jetzt gelesen habe. Ihre in ihren Büchern ausgelebte Sprache ist ein Widerspuch zu ihrer Person, wenn man sie selbst sieht. Gut, sie ist selten zu sehen, lebt total abgeschottet und zurückgezogen. Damals bei der Nobelpreisverleihung konnte ich sie ganz kurz mal in einem Interview sehen. Naja, eine skurrile, introvertierte, in meinen Augen ziemlich gestörte Persönlichkeit, die für mich starke autistische Züge hat. Ihre Literatur gehört für mich, auch wenn sie den Nobelpreis bekommen hat, nicht zum Genre der hervorragenden Autoren.

Hier noch ein paar Auszüge, die in etwa den Stil widerspiegeln:

Seite 108/109:

"Erika überwindet sich so lange, bis sie keinen Trieb mehr in sich spürt. Sie legt ihren Körper still, weil keiner den Panthersprung zu ihr tut, um diesen Körper an sich zu reißen. Sie wartet und verstummt. Sie stellt dem Körper strenge Aufgaben und kann die Schwierigkeit durch das Einbauen von verborgenen Fallen noch erhöhen. Sie beschwört vor sich, dass dem Trieb jeder folgen könne, selbst der Primitive, der sich nicht scheut, ihn im Freien zu erledigen. Erika K. bessert den Bach aus, flickt an ihm herum. Ihr Schüler starrt auf seine ineinander verknäulten Hände hinab. Die Lehrerin blickt durch ihn hindurch, sieht aber jenseits von ihm nur Mauer, an der die Totenmaske Schumanns hängt. einen flüchtigen Moment lang hat sie das Bedürfnis, den Kopf des Schülers bei den Haaren zu packen und ins Leibesinnere des Flügels zu schmettern, bis das blutige Gedärm der Saiten kreischend unter dem Deckel hervorspritzt. Der Bösendorfer wird dann keinen Ton mehr sagen. Dieser Wunsch huscht leichtfüßig durch die Lehrerin hindurch und verflüchtigt sich folgenlos.- - -"

Seite 222:

"Verspotte mich und nenne mich blöde Sklavin und schlimmeres, erbittet sich Erika des weiteren schriftlich. Beschreibe bitte immer lauthals, was du gerade unternimmst, und beschreibe Steigerungsmöglichkeiten, ohne dich jedoch in deiner Grausamkeit tatsächlich zu steigern. Sprich darüber, doch deute Handlungen nur an. Drohe mir, aber ufere nicht aus.- - -"

(von mir überarbeitet am 28.11.08)