HA JIN

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Meine Zusammenfassung:

Die Kulturrevolution steht kurz bevor, Mitte der sechziger Jahre. Lin ist verheiratet in einer Ehe, die seine Eltern gegen seinen Willen arrangiert haben, seine Eltern und seine Frau leben in Gänsedorf, einem kleinen Dorf, in das er nur einmal im Jahr fährt um seinen zweiwöchigen Urlaub zu verbringen. Er bekommt mit seiner Frau Schuyu nach dreijähriger Ehe eine Tochter. Seit dieser Zeit hat er mit seiner Frau keinen sexuellen Kontakt mehr; er hat sie nie geliebt, sie interessiert ihn nicht, aber er fühlt sich ihr gegenüber verpflichtet. Sie pflegt seinen Vater, zieht die gemeinsame Tochter auf, ist eine gute Ehefrau. Aber vorzeigen möchte er sie nicht, er schämt sich ihrer. Sie hat gebundene Füße, sieht alt und schäbig aus. Da lernt Lin Kong im Militärkrankenhaus in der Stadt Muji, wo er als Arzt arbeitet, die junge attraktive Krankenschwester Manna kennen. Aber da Ehebruch mit Entlassung bestraft wird, bleibt beiden nichts anderes übrig, als abzuwarten, bis die Ehefrau in eine Scheidung einwilligt. Ohne ihre Einwilligung ist das auch nur bedingt möglich, aber erst nach 18 Jahren Trennung. Er fährt nun 17 Jahre lang jeden Sommer in seinem Urlaub nachhause, um mit seiner Frau vor das Gericht im Dorf zu treten und die Scheidung zu beantragen. Das ganze Dorf und auch der Bruder seiner Frau sind aber gegen eine Scheidung und sie beeinflussen den als Richter fungierenden Dorfgendarm, dem Wunsch Lins nicht zu entsprechen, und so bleiben sie verheiratet. Er kehrt immer unverrichteter Dinge wieder zurück an seinen Standort, das Militärhospital in Muji, wo Manna wartet. Diese ganze Zeit ist Lin hin- und hergerissen zwischen Pflichterfüllung und dem Leben seiner Liebe mit Manna. Weil er verheiratet ist, ist es beiden nicht gestattet, sich außerhalb des Krankenhausgeländes aufzuhalten. Sie haben keinerlei Möglichkeit, sich auch alleine zu treffen. Es kommt nie zu eine sexuellen Kontakt zwischen ihnen. Wobei das schon möglich gewesen wäre, wenn auch riskant, aber von Lin wurde das nie so sehr gewünscht, dass er eingewilligt hätte, sich mit Manna außerhalb zu treffen. Als die 18 Jahre herum sind, beide sind inzwischen über 40 Jahre alt, holt Lin seine Frau in die Stadt, um hier die Scheidung zu beantragen, was auch gelingt. Seiner Tochter besorgt er eine Stellung in einer Fabrik in der Stadt, die Mutter zieht zur Tochter, er zahlt angemessenen Unterhalt für beide, alles ist in Ordnung. Suyu hat sich inzwischen auch der Stadt angepasst, sich die Haar modisch schneiden lassen, modernere Kleider angezogen und sieht jetzt viel jünger aus als bei ihrer Hochzeit vor über 20 Jahren. Die Hochzeit zwischen Lin und Manna findet statt, endlich bekommen sie eine gemeinsame Wohnung, wenn auch für unsere Verhältnisse recht schäbig, aber sie kommen zurecht. Manna ist wie liebestoll, und sie schlafen jede Nacht miteinander, oft auch noch am Tag in der Mittagspause; Lin fühlt sich überfordert und magert ab. Manna wird mit 44 Jahren schwanger und nach schwerer Schwangerschaft bekommt sie zwei Buben, Zwillinge. Sie selbst ist schwer herzkrank und bald wird klar, dass sie nicht mehr lange leben wird. Eine Herzkathederbehandlung, wie sie im Westen möglich wäre, ist in China zur damaligen Zeit nicht möglich. - Manna wird unleidlich, ungerecht, hysterisch, beschimpft ihren Mann, danach entschuldigt sie sich wieder, er beschimpft sie, auch flüchtet er öfter aus der Wohnung, sie ist fürchterlich eifersüchtig, dann wird alles wieder gut. Da sie sich kaum um die beiden Babys kümmern kann, stellen sie ein Mädchen ein, das unter der Woche die Babys versorgt und den Haushalt, Lin selbst besorgt das am Wochenende alleine. Er hat ein sehr schweres Leben, aber Manna ist aufgrund ihrer schweren Krankheit zu keiner Arbeit mehr fähig. Lin hält oft Zwiesprache mit sich selbst, fragt sich, ob es das gewesen war, worauf der 18 Jahre gewartet hat. Er ist unglücklich. Aber er fühlt sich dann schuldig an der Krankheit von Manna, deren Herz vermutlich über diese langen Jahre des Wartens Schaden genommen hat. Er selbst wird sich bewußt, dass er eigentlich nie eine Frau geliebt hat, weder seiner erste noch seine zweite Frau. Er muss Liebe verwechselt haben mit etwas anderem, bzw. er hatte nie gelernt, aus der anfänglichen Verliebtheit zu Manna eine Liebe wachsen zu lassen. Er besucht dann am Jahresende seine erste Frau Suyu und seine Tochter in der Stadtwohnung, dort fühlt er sich zuhause, betrinkt sich aber vollkommen, weil er seine Situation nicht verkraften kann. Er bittet aber seine erste Frau, ihm bei der Aufziehung seiner Zwillinge behilflich zu sein, weil Manna nicht mehr lange zu leben hat und er dann ganz auf sich alleine gestellt wäre mit den Kindern. Seine erste Frau Suyu und seine Tochter sichern ihm das zu und am nächsten Tag kehrt er erleichtert zu Manna zurück, die froh ist, dass er wieder da ist. Sie macht einen glücklichen Eindruck und sie bereiten das Neujahrsfest vor.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Ha Jin, geboren 1956 in der nordchinesischen Stadt Jinzhou, wanderte 1985 in die USA aus, um an der Brandeis University Literatur zu studieren. Er ist heute Professor für Englische Literatur an der Emory University in Georgia. Nach der Novelle "In the Pond", Kurzgeschichten und Gedichten, für die er jeweils bereits mehrere Auszeichnungen erhielt, ist "Warten" sein erster Roman.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Trotz seines sparsamen dramaturgischen Inhalts ist das Buch von der ersten bis zur letzten Seite sehr spannend. Einfühlsam und jedes Detail hinterfragend versteht es der Autor dem Leser die Mentalität der Menschen, in diesem Fall während der Kulturrevolution, nahezubringen. Nicht nur das, sondern es wird leicht, sich auch in die einzelnen Menschen hinein zu versetzen. - Gedanken und Verhaltensweisen werden nachvollziehbar. Die Gedanken über die Liebe nehmen immer mehr Raum ein, und im Vergleich zu Menschen "unserer Welt" sind sie eigentlich gar nicht viel anders. - Nur das filigrane *In-Frage-Stellen* Lin's mag uns etwas neu oder fremd erscheinen.

Ein sehr lesenswertes Buch!!!!

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