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Meine Zusammenfassung
Das Buch ist in Teile gegliedert, und darin wieder in Kapitel, die
nur mit Zahlen gekennzeichnet sind. Im ersten Teil am Anfang steht
von Shakespeare (aus Wintermärchen, III, 3):
"Antigonus: wenn's wahr, erschien mir heut' Nacht wohl deine Mutter,
denn kein Traum gleicht so dem Wachen. Zu mir kommt ein Wesen, das
Haupt bald rechts, bald links hinab gesenkt: Nie sah ich ein Gefäß
so voll von Gram. Und lieblich doch."
Schon beim ersten Satz der Geschichte fällt die Sprache auf. Damit
das klarer wird, ein kurzes Zitat: "Ein Wispern: Schhhh. Das zarteste
Vehikel des Atems. - Dies ist eine Geschichte, die sich nur flüsternd
erzählen lässt. - Schwierigem Wissen haftet etwas Gedämpftes, Verlegenes,
Beklemmendes an, es besitzt eine Tendenz zur Stille……"
Zunächst wird die Geschichte ihrer Eltern erzählt, teilweise auch
von Perdita selbst, was sie aus den seltenen Gesprächen mit ihrer
Mutter weiß. Wie sie sich in England kennengelernt hatten. Sie,
als Gesellschafterin bei einer alten Dame beschäftigt, Shakespaere-Liebhaberin,
introvertiert. Er, Student der Anthropologie, im letzten Semester.
Es war keine romantische Liebe. Beide nicht sonderlich vom anderen
begeistert, heirateten sie eben, mehr irgendwie, weil das eine Möglichkeit
war. Beide vom Leben enttäuscht, schon im mittleren Alter, bzw.
zwischen 35 und 40, und eine richtige Familie oder Kinder waren
bei beiden nicht in der Planung. Als er ein Angebot bekommt, das
Leben der Aborigines in Australien zu erforschen usw., beschließt
er, ohne groß darüber mit seiner Frau, Stella, zu diskutieren, die
Schifffahrt nach Australien.
Diese Reise war für Stella grauenhaft, abgekapselt verbrachte sie
die meiste Zeit unter Deck. Dort endlich nach vielen Wochen angekommen,
nach langen Fahrten in primitiven Fahrzeugen angekommen, erwartet
sie eine verfallene Hütte, einige andere Häuser sind zwar auch noch
da, aber ansonsten weit und breit einfach nichts. Stella, unfähig
sich einzurichten oder sonst irgendetwas Nützliches zum Haushalt
beizutragen, lebt in ihren Träumen so dahin, Nicholas kümmert sich
nicht weiter um sie. In der Nähe wohnt eine Familie in einem größeren
Haus, und das Ehepaar kümmert sich etwas um Stella, aber von Stella
kommt immer nur sehr wenig, sie ist depressiv, antriebslos. Als
Ergebnis der seltenen Zusammenkünfte von Stella und Nicholas wird
Stella schwanger. Beide erstaunt, können nichts damit anfangen.
Bei der Geburt hilft die Nachbarin, und Stella hat keinerlei Interesse
an dem Kind, dem sie aber den Namen Perdita gibt. - Von ihrer Mutter
erfährt sie, als sie ca. 6 Jahre alt ist, wie sie zu dem Namen Perdita
kam……. aus "Wintermärchen" von Shakespeare, Hermione gebar eine
Tochter im Gefängnis, Perdita. - - Wäre nicht Mary, ein Aborigine-Mädchen
gewesen, hätte die kleine Perdita niemals erfahren wie es ist, an
einer Mutterbrust Wärme zu empfinden.
Beginn und Ende der Geschichte ist der Tod von Nicholas. Ein Mord
eigentlich. Perdita ist 10 Jahre alt. Sie ist dabei, hat auch alles
gesehen, ist aber nicht fähig, darüber zu reden, sondern ab diesem
Zeitpunkt stottert sie sehr, kann sich kaum mehr artikulieren. -
Mary wird verurteilt und verlebt die nächsten vielen Jahre im Gefängnis.
Die ganze Geschichte von Stella und Nicholas, mehr eigentlich von
Stella wird immer wieder eingeflochten, der Roman ist nicht chronologisch
geschrieben, sondern wechselt immer wieder in alle Zeiten.
Während Stella, zeitweise in der Psychiatrie untergebracht ist,
wächst Perdita bei den Nachbarn auf, hat auch immer viel Kontakt
zu den nahen Aborigines, wo ihr Vater in einer abgelegenen Hütte
haust. Seine von ihm für so wichtig erachtete wissenschaftliche
Arbeit ist in Wirklichkeit keine; niemand interessieren seine wissenschaftlichen
Ergebnisse, Aufzeichnungen. Nur er selbst sieht sich ernsthaft als
Wissenschaftler.
Stella, meistens geistig abwesend, zitiert oft stundenlang Shakespeare,
kann fast alles auswendig. Aber ansonsten hat sie kaum Interessen,
bzw. ist geistig meistens irgendwo….
Bei der Familie, wo Perdita aufwächst, sind auch Hausangestellte,
u.a. eine junge Köchin, ein Aborigines-Mädchen. Nach einer Vergewaltigung
muss sie das Haus verlassen, es kommt wieder eine andere.
U.a. vergeht sich auch Nicholas mehrfach an jungen Aborigines-Mädchen.
- - - Kinder aus solchen Verbindungen werden den Müttern weggenommen,
kommen in ein Heim oder in Pflegefamilien.
Die Situation eskaliert, als eines Tages, Stella liegt apathisch
auf ihrem Bett, sich der Vater an Mary vergeht………… und Perdita davon
aufwacht und dazukommt…... Und hier sind der Beginn und das Ende
der Hauptgeschichte.
Alles was dazwischen geschieht ist hochinteressant und spannend
erzählt. Auch über die zahlreichen Kontakte Perditas zu den Aborigines,
die aber nach einiger Zeit immer wieder weiter ziehen, andere kommen
wieder usw. - Perdita erlebte bei den Aborigines Zärtlichkeit, Liebe,
Fürsorge, Gemeinschaft.
Vor die jeweiligen Kapitel setzt die Autorin Ausschnitte aus Shakespeare-Stücken,
wie hier z.B. vor dem Zweiten Teil:
"Arzt: Von Gräueln flüstert man, - und Taten unnatürlich erzeugen
unnatürliche Zerrüttung: Die kranke Seele will ins taube Kissen
entladen ihr Geheimnis. (Macbeth, V, 1)"
In diesem Teil geschieht dann der Mord, bzw. was als Mord geahndet
wird…..
Vor dem dritten Teil dann:
"Malcolm: Lass uns ´nen stillen Schatten suchen und durch Tränen
unser Herz erleichtern! Macbeth, IV, 3"
Ein kurzer Auszug, der auch die Sprache der Autorin verdeutlicht:
"Es gibt Formen der Einsamkeit, unter denen Kinder leiden und von
denen Erwachsene keine Ahnung haben: strenge Abgeschiedenheit. Leben
in stiller Verzweiflung. Jetzt, da ihre Kindheit durch eine träge
Zunge und eine verstümmelte Sprache zerstört war, trat Perdita in
das trostlose Reich der wahrhaft Einsamen ein. Sie fand einen alten
Affenbrotbaum mit hohlem Flaschenbauch und zwängte sich hinein,
freute sich, eingeschlossen zu sein, und stellte sich einen Augenblick
lang vor, sie könnte hier bleiben, nie gefunden werden, niemals
nie, niemals nie. Sie würde ebenso dürr werden wie Christus und
einfach vergehen, ein Relikt ihrer selbst, lang gestreckt und heilig……….."
Den Krieg 1939/45 erleben die Leute in Australien auch; nach dem
Angriff der Japaner auf Pearl Harbor flohen die weißen Familien
in den Süden nach Perth. Die japanischen Familien wurden interniert
und umgesiedelt. -
"Die Geschichtsschreibung hält fest, was Perdita vom Strand aus
nicht sah: dass die Flüchtlinge auf den Flugbooten bei dem Versuch,
sich durch einen Sprung ins Wasser zu retten, bombardiert wurden
oder in den explodierenden Flugbooten verbrannten…………"
Die Geschichte wird im Wechsel erzählt, aber teilweise auch in
Ich-Form von Perdita. Sie lebte dann in dieser Stadt mit ihrer Mutter,
der es zeitweise soweit gut ging, eine Wohnung anzumieten für sich
und ihre Tochter. Aber bald verfällt sie wieder in ihre Krankheit,
Perdita ist wieder auf sich alleine gestellt.
Und wieder nimmt sich eine Frau ihrer an, die sie auch u.a. zu
einem Facharzt bringt wegen ihres Stotterns. Er geht ganz neue Wege,
er gewinnt ihr Vertrauen. Sie macht dort gute Fortschritte, wenn
auch langsam.
Es geschehen noch sehr viele Nebengeschichten, alles fügt sich
zu einem großen Ganzen. Als Perdita dann irgendwann nach langer
Suche auch Mary findet, sie in ihrem Gefängnis besucht, geht die
Geschichte ihrem Ende entgegen…….
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Die Autorin
Gail Jones, geboren 1955 in Westaustralien, unterichtete bis vor
kurzem Englisch, Kommunikation und Kulturwissenchsaft an der University
of Western Australia.
Heute lebt und arbeitet sie in Sydney. Ihre Bücher
sind im englischsprachigen Original sämtlich mehrfach ausgezeichnet.
Bei Nautilus erschienen bereits die Romane "Der
Traum vom Sprechen" (2006) und "Sechzig Lichter" (2007)
"Perdita" - im original unter dem Titel "Sorry"
erschienen, stand 2008 auf der Shortlist des Miles Franklin Award
und auf der Longlist des Orange Prize. Ihr erster Roman, "Black
Mirror", wurde mit dem Nita B. Kibble Award ausgezeichnet.
Beschreibung Klappentext:
"Perdita wächst in den Dreißigerjahren
des 20. Jahrhunderts bei sonderbaren Eltern frei und abenteuerlich
in der australischen Wildnis auf. Mit zwölf Jahren wird sie Zeugin
eines Verbrechens: Mary, das Aborigine-Hausmädchen und Perditas
beste Freundin, gesteht den Mord an Perditas Vater. Doch ist sie
wirklich die Mörderin? In ihrem neuesten Roman erzählt Gail Jones
ein Drama in Shakespeareschen Dimensionen, von Verlust und Trennung,
von Scham und Schuld, die nicht verziehen werden kann - eine Geschichte,
die sich nur flüsternd erzählen lässt. Perdita ist gleichermaßen
fesselnd und von poetischer Tiefe."
Buchdaten
Verlag: Edition Nautilus
2009 Seitenzahl: 253
Deutsch
ISBN-13: 9783894015992 ISBN-10: 3894015993
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