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Zusammenfassung
Zitat:
"Michael Köhlmeier spricht über die Magie des Schreibens. Was vielleicht
pathetisch klingen mag, muss man einfach im Interview hören. Fast
überlebensgroß tritt die Romanfigur des Carl Jakob Candoris nicht
nur dem Leser, sondern auch dem Autor gegenüber. Der Roman "Abendland"
war unter den sechs Finalisten des Deutschen Buchpreises 2007. Köhlmeier
zeichnet darin anhand eines Lebens nicht weniger als das 20. Jahrhundert
nach. Zugleich hat für Köhlmeier der Begriff des Abendlandes zur
Jahrtausendwende seinen Abschluss gefunden. Meisterhaft verwebt
Köhlmeier die Geschichte mit dem Leben seiner Hauptfiguren, und
es ist nicht nur ein dickes Buch, sondern auch ein großartiger Roman
entstanden. "Am Anfang des Romans wusste ich nicht, was mir dieser
Carl Jakob Candoris erzählen wird. Und wenn ich es gewusst hätte,
dass es so eine Riesengeschichte ist, dann hätte es mich geschreckt",
so Köhlmeier. Als Leserin oder Leser können wir froh darüber sein,
denn so ist einer der besten Romane des Bücherherbstes 2007 und
darüber hinaus entstanden." Entnommen aus Literaturcafe (http://www.literaturcafe.de/michael-koehlmeier-ab
endland-buchmesse-podcast-2007/ Ja,
was soll ich da noch hinzufügen
... Ein alter sehr wohlhabender Mann, Candoris, ruft den Sohn (Sebastian)
eines verstorbenen Freundes (Georg Lukasser) zu sich; ihm möchte
er sein Leben erzählen. Sebastian ist Schriftsteller. Im Wechsel
kommen jetzt Geschichten, meist nicht chronologisch, von beiden.
Beide Lebensgeschichten sind eng verbunden, beide Geschichten sind
sehr interessant und spannend geschildert. Georg Lukasser wurde
von Candoris "entdeckt" als Musiker. Er war in Österreich zunächst
als Musiker in Lokalen unterwegs, aber es steckte ein Talent in
ihm, das Candoris entdeckte; und er förderte den jungen Georg, Georg
Lukasser wurde ein berühmter Jazz-Musiker.
Das Leben dieses Musikers, seines Werdegangs, seiner Familie, die
Geburt des Sohnes Sebastian wird geschildert. Und immer Candoris
im Hintergrund. Vom Leben von Sebastian in USA wird erzählt; auch,
wie er eines Tages auf einen Anruf von Candoris ihn bittet, sich
jetzt zurückzuziehen; Sebastian meldet sich daraufhin ein paar Jahre
nicht mehr bei Candoris.
Sebastian wie auch schon vorher sein Vater waren immer begleitet
und gefördert, unterstützt worden von Candoris. Sebastian, wieder
in Deutschland, verheiratet, Vater eines Sohnes, getrenntlebend
von seiner Frau. Mit einer Freundin, mit der er aber nicht zusammenlebt.
Der Kontakt zu seiner Frau lebt wieder auf, bis es regelmäßige vielstündige
Telefonate gibt, und sie sich auch wieder treffen, der Kontakt zur
Freundin wird sehr eingeschränkt, dann beendet.
Aber das geschieht erst am Ende des Buchs.
Das Leben von Candoris schildert Sebastian Lukasser, über seine
Zeit als Soldat, seine eigene Familiengeschichte, seine Heirat mit
einer Portugiesin, wie die Familie von Candoris, nicht zuletzt wegen
seiner Frau, zum Ruhepunkt und Mittelpunkt der Lukassers wird, wo
sie sich immer gerne zurückziehen, Candoris Familie bietete ihnen
Geborgenheit, Gemütlichkeit, ganz einfach Familie wie es sich jeder
wünschen würde.
Das alles wird in einer sehr ausgewogenen Sprache erzählt, bis
in alle Einzelheiten, und nicht nur die Geschichten von den Protagonisten,
sondern auch einiger Nebenfiguren, z.b. einer schwarzen Geliebten
von Sebastian während seines USA-Aufenthaltes. Die ganze Geschichte
endet, nachdem Sebastian noch ein letztes Mal zu Candoris gekommen
war, nachdem er bereits die ganze Geschichte fast fertig aufgeschrieben
hatte. Candoris wusste, dass er stirbt. Die letzten paar Tage war
Sebastian bei ihm, und vollendete sie Geschichte von Candoris.
Entnommen
aus Literaturcafe (http://www.literaturcafe.de/michael-koehlmeier-abendland-buchmesse-podcast-2007/
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Michael Köhlmeier, 1949 in Hard am Bodensee geboren,
wuchs in Hohenems/Vorarlberg auf, wo er auch heute lebt. Er studierte
Germanistik und Politikwissenchaften in Marburg/Lahn sowie Philosphie
und Mathematik in Gießen und Frankfurt/Main. 1981 heiratete er die
Schriftstellerin Monika Helfer. Ihre Tochter Paula Köhlmeier verunglückte
2003 im Alter von 21 Jahren tödlich.
Gemeinsam mit Reinhold Bilgeri verfasste er Kabarettsendungen
und Liedtexte, die sie als Duo Bilgeri & Köhlmeier der Öffentlichkeit
präsentierten. Sehr erfolgreich waren seine vom Radiosender Ö1 ausgestrahlten
freien Nacherzählungen antiker Sagenstoffe und biblischer Geschichten,
die später auch in CD-Editionen und Buchform erschienen sind.
2007 wurde auf BR-alpha die 65-teilige Sendereihe
"Mythen. Michael Köhlmeier erzählt Sagen des klassischen Altertums"
ausgestrahlt, in welcher er, angelehnt an die Radiosendung, griechische
Sagen frei nacherzählt.
Mit der Gruppe Schellinski schreibt er seit 2004
Liedtexte in Vorarlberger Mundart.
Für sein Werk wurde der österreichische Bestsellerautor
unter anderem mit dem Manes-Sperber-Preis, dem Anton-Wildgans-Preis
und dem Grimmelshausen-Preis ausgezeichnet.
1974 Rauriser Förderungspreis für Literatur " 1976 Nachwuchsstipendium
für Literatur des Bundesministeriums für Unterricht und Kunst "
1983 Rauriser Literaturpreis für Der Peverl Toni und seine abenteuerliche
Reise durch meinen Kopf "
1988 Johann-Peter-Hebel-Preis "
1993 Manès-Sperber-Preis " 1993 ORF-Hörspielpreis für Theorie der
völligen Hilflosigkeit "
1996 Buchprämie des Bundesministeriums für Unterricht und Kunst
"
1996 Anton-Wildgans-Preis " 1997 Grimmelshausen-Preis für Telemach
"
2001 Preis des Vorarlberger Buchhandels "
2007 Finalist beim Deutschen Buchpreis mit Abendland " 2007 Österreichischer
Würdigungspreis für Literatur
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Ich
habe diesen Roman gelesen. Gut, er war nicht immer einfach zu lesen,
und es waren streckenweise sehr, sehr lange Geschichten dabei, z.b.
als geschildert wird, wie diese Wissenschaftler in Russland sind
usw. …. Und auch sonst sehr viele Einzelheiten, die sehr ins Detail
gehen, damit meinte ich, was "nicht immer einfach" zu lesen war.
Aber
das kann man auch mal kurz überlesen, und zu einem späteren Zeitpunkt
dann noch nachlesen.
Das
Lesen dieses Romans bringt dem Leser recht viel, wenn er sich auf
die Geschichte einlässt, und das Hineinversetzen in die Figuren
macht der Autor recht leicht.
Also dennoch diese ganzen anderen, und großen Teile dieses Romans
sind wiederum leicht zu lesen und durchaus spannend. Ansonsten möchte
ich dem gar nichts mehr hinzufügen; ganz einfach, weil es von fachlicher
Seite zahlreiche wunderbare Beschreibungen gibt, ganz besonders
möchte ich Podcast
empfehlen, wo der Autor selbst zu hören ist, und er alles Wesentliche
über seinen Roman sagt.
Einige
Stellen möchte ich dennoch zitieren, obwohl es dutzende gäbe,
die bemerkenswert sind, aber ich habe diese ausgewählt:
Sebastian
Lukasser über Candoris:
"…..So
habe ich ihn in Erinnerung: aufrecht, für Sekunden erstarrt, ehe
er einen Gedanken in einen Satz fasste,
der mir umso gewichtiger schien, je nachlässiger er dahingesagt
wurde. Zum Beispiel - nicht ganz willkürlich aus meinen Notizen
gelesen: >Welchen Wert das Leben eines Menschen hatte, zeigt sich
in dem Wert, den jene, die seinem Leben Wert gaben, ihm in ihrem
eigenen Leben weiterhin beimessen.< .Um einen gleich darauf anzublicken
und mit den Mundwinkeln zu zucken - als schäme er sich, dass ihm
wieder einmal nur ein Zopf von einem Satz gelungen war; aber auch,
als amüsiere er sich über unsere Begriffsstutzigkeit, die er wieder
einmal aus ihrer Tarnung gelockt hatte. ……….."
Andere Stelle wo der junge Japaner bei Candoris
ist: "……Er wollte mir für seine zehn Dollars was vorführen, sagte
er. Wie viele Möglichkeiten gibt es, fünf Kekse auf verschiedene
Haufen zu verteilen - wobei bereits ein Keks für sich als ein Haufen
gilt? Es gibt sieben Möglichkeiten: Erstens: fünf Haufen je einem
Keks. Zweitens: drei Haufen zu je einem, ein Haufen zu je zwei Keksen.
Drittens: Zwei Haufen zu je zwei Keksen, ein Haufen zu je einem
Keks. Viertens: ein Haufen zu je drei Keksen, zwei Haufen zu je
einem Keks. Fünftens: Ein Haufen zu je drei und einer zu je zwei
Keksen. Sechstens: Ein Haufen mit vier Keksen, einen Haufen mit
einem Keks. Schließlich siebtens: Ein Haufen zu fünf Keksen. Man
nennt das die Partitionen einer Zahl, in diesem Fall der Zahl 5.
Die Anzahl der Partitionen für die Zahlen von 1 bis 25 ergibt folgende
Zahlenreicher: 1 lässt sich in 1 zerlegen, 2 in 2, 3 in 3, 4 in
5, 5 in 7, 6 in 11, 7 in 15, 8 in 22, 9 in 30, 10 in 42, 11 in 56,
12 in 77, 13 in 101, 14 in 135, 15 in 176. So und nun die Vorführung:
Er habe, so behauptete er, eine Formel gefunden, mit deren Hilfe
sich errechnen ließe, wieviele Partitionen es bei jeder beliebigen
Zahl gebe. Für zwanzig Dollar verrate er sie mir. Ich muss sagen,
ich war fassungslos. Nicht, weil ich glaubte, er habe so eine Formel
gefunden, das wäre eine mathematische Weltsensation ersten Ranges
gewesen; schon eher staunte ich, weil dieser verdreckte, streunende,
komische junge Mann über die einschlägige Terminologie verfügte,
am meisten aber überrascht mich seine nahezu traumwandlerische Fähigkeit,
Zahlen in den verschiedensten Darstellung zu denken…...
Eine andere Stelle, Candoris erzählt immer noch
von dem jungen Japaner: (Sie hörten bei einer Gedenkfeier für die
Nagasaki- und Hiroshima-Opfer die Matthäus-Passion von Bach, und
der junge Japaner hatte solche Musik noch nie gehört, aber er war
so begeistert, dass er auf dem Heimweg verzaubert lachte und herumhüpfte),
"………….ich
sagte, diese Musik sei eigentlich traurig und erzählte ihm von J.S.
Bach und erwähnte, dass er das Stück 1729 komponiert habe. - Er
blieb abrupt stehen und starrte vor sich ins Leere. Schließlich
sagte er, nun wisse er auch, warum diese Musik so schön sei, 1729
sei nämlich die kleinste Zahl, die sich auf zwei verschiedene Arten
als Summe zweier Dreierpotenzen darstellen lasse. - Es stimmte!!
-………………"
Eine andere Stelle, wo Candoris versucht, sich als
Mäzen zu definieren: ……..
"Das originäre Genie kreiert Schönheit. Der Mäzen definiert sie.
Das ist auch nicht schlecht. ……………..alles was man tut, tut man für
sich selbst, wenn dabei auch etwas für den anderen herausspringt,
ist das ein Zufall; wenn man es dabei belässt, und den Zufall nicht
stört, ist man ein guter Mensch."
Wieder eine andere Stelle: Candoris erzählt u.a.
im Rückblick:
"…………….Mathematik, so doziert er, ist zugleich Wissenschaft und
Kunst. Die Kunst der Tautologie. Der Beweis, dem alle Sehnsucht
gilt, ist eine Gleichung. Eine Gleichung aber ist immer tautologisch.
Sie besagt: Es ist, was ist. Und mehr nicht. Unwiderlegbar und läppisch.
Was auf der linken Seite steht, wird auf der rechten Seite bestätigt.
Und wenn rechts eine Null steht, können links noch so viele Teile
aufgeführt sein, sie verpuffen, wenn die Gleichung stimmt, zu null.
Als ob in null alles enthalten wäre. Aber in null ist nichts enthalten.
Mathematik ist elegantester Nihilismus. Aufgrund ihrer Apriorität
genießt sie eine Art Unanfechtbarkeit. Dabei ist sie nicht nur sinnlos,
sondern auch unpraktisch - auf letzteres ist sie sogar stolz. Schon
der Kubikinhalt eines knorrigen Eichenstammes ist rechnerisch fast
unzugänglich - wozu also die Theorien komplexer Veränderlicher?
- Er selbst habe die Mathematik, obwohl sie ja sein Beruf gewesen
sei, immer wie eine Liebhaberei betrieben, immer im Bewusstsein,
dass sie nichts, aber auch gar nichts bedeute………………….."
Andere Stelle: (Candoris erzählt)
"………..Ein möglicher Gottesbeweis, so führte Carl weiter aus,
könnte eventuell in der Antinomie des futurum
exactum gründen, und zwar in der selbstbezüglichen Schleife
- ich werde einer gewesen sein, der dachte,
er werde einer gewesen sein, der dachte, er werde einer gewesen
sein, der dachte er werde einer gewesen sein………und so weiter
bis in alle Ewigkeit. Denn bis in alle Ewigkeit wird der in Form
des futurum exactum sich an sich selbst erinnernde Geist aufgespalten
sein, weil dieses System zwar widerspruchsfrei, aber nicht vollständig
sei. Das Ding an sich, in diesem Fall das sich erinnernde Ich, wird
zum Spiegel im Spiegel, dem Auge ins Unendliche entrückt; die Wiederholung
der Wiederholung der Wiederholung; und plötzlich werde klar, was
Kierkegaard meinte, als er die Wiederholung
eine Erinnerung an die Zukunft nannte. Wenn die formale Logik
apriori sei, also Menschenwerk, müsste es zumindest denkbar sein,
sie widerspruchsfrei und vollständig zu gestalten, denn dies läge
in diesem Fall ja allein in Menschenhand. Gödels zweiter Unvollständigkeitssatz
aber führte allen agnostischen Formalisten, zu denen auch er, Carl,
sich zähle, vor Augen, dass sich die Unergründlichkeit des Dinges
an sich durch einen Nachweis der Widerspruchsfreiheit formaler Systeme
nicht aus der Welt schaffen lasse. Womit Gödel zum Leidwesen seines
- Carls - hochverehrten Lehrer David Hilbert bewiesen habe, dass
die Logik uns nur geborgt worden sei. Aber wer könnte uns so etwas
borgen, wenn nicht ER? - Warum er dann weiterhin nicht an Gott glaube,
fragte ich ihn. Seine Antwort: "Weil er aus mir ebenen so einen
gemacht hat." - Wieder einmal war ich mir nicht sicher gewesen,
ob er scherzte - oder ob er scherzte, um zu verbergen, wie ernst
es ihm war………….."
und eine Stelle über die Schriftstellerseele,
erzählt von Sebatian Lukasser:
"…..Ich erinnere mich, als ich an Musicians
geschrieben hatte, hatten sich bisweilen auftretende Schreibhemmung
dadurch überwinden lassen, dass ich recherchierte. Aber Achtung!
Die Recherche ist ein Hund, das hatte ich bei dieser Gelegenheit
gelernt. Für den Schriftsteller kann sie zu einem bissigen Hund
werden. Der gibt sich zuerst spiellustig, tut, als ließe er sich
abrichten, sorgt für Erfolgserlebnisse bei seinem Herrn, und zuletzt
zerfetzt er seine Geschichte. Der Hausverstand sagt einem, man kann
nicht genug wissen von dem Gegenstand, von dem man erzählen will.
Falsch. Man kann zuviel wissen. Der zweite Irrtum besteht darin,
dass man sich einredet, man habe gearbeitet, wenn man doch bloß
nur Vorarbeit geleistet hat. Arbeit drückt sich in Seiten aus oder
in Zeilen. Und in sonst gar nichts. Wie viel Zeilen hast du heute
geschrieben? Wenn null, hilft es auch nicht, wenn du fünf Stunden
in der Bibliothek oder am Internet gesessen hast. Gelernt habe ich:
Es ist nicht gut, im Voraus zu recherchieren. -
Such erst nach der Antwort, wenn sich die Frage stellt! -
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