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Ruhm: ein Roman in neun Geschichten
Neun Geschichten, zunächst für sich, auch für sich
alleine zu lesen, jede mit ihrer ganz eigenen Art. -
1. Geschichte: Stimmen:
Ein Mann kauft sich ein Handy. Immer war er dagegen gewesen, aber
jetzt hat er sich doch endlich mal eins gekauft. - Es gehen Anrufe
ein. Die aber für jemand anderes sind. Aber an einen Ralph gerichtet
sind, das konnte er herausbekommen aus einzelnen Anrufen. Nach einigen
Anrufen gibt er einfach Antworten. Und das Handy klingelt oft, sms
gehen ein, auch die beantwortet er. Er hat fast keine ruhige Minute
mehr. Und mehr und mehr wartet er gespannt auf neue Nachrichten.
Ein Anruf bei dem Netzanbieter bringt nichts, die Nummer stimmt.
Und eines Tages kommen keine Anrufe mehr.
Diese Geschichte ist sehr lustig, weil auf Fragen, wo gar nicht
zu erkennen ist, worum es eigentlich geht, er Antworten gibt, die
scheinbar wichtig sind.
2. In Gefahr
Hier geht es um einen Schriftsteller, der mit seiner Freundin unterwegs
ist. Und seine permanenten Fragen, ob sie auch sicher sind, ob das
Flugzeug nicht abstürzt, schläfern sie nur noch ein. - Sie begleitet
ihn auf Vorträgen, es ist zu erfahren, wie ihre Beziehung begannt
und aus was sie besteht. Auch hier ganz lustig, wenn er sich z.b.
darüber aufregt, dass Journalisten grundsätzlich fragen, wo er seine
Ideen her habe. - Er hat sich angewöhnt lapidar zu antworten: In
der Badewanne. - Und auch die Geschichte mit dieser Frau Riedergott
vom Kulturinstitut mit ihrer Wolljacke und ihrer Brille, auch sie
ist belustigend.
Und als sie über ein Plakat reden wo ein Ralph Tannert abgebildet
ist, und sie sich über ihn unterhalten, kommt eine, - wenn auch
sehr schwache - Verbindung zur ersten Geschichte. 3. Rosalie geht
sterben Diese Geschichte ist trotz ihres ernsten Hintergrundes sehr
amüsant.
Rosalie ist unterwegs in die Schweiz, sie hat erfahren dass sie
unheilbar krank ist und nur noch ein paar Monate zu leben hat, sie
möchte das abkürzen. In der Schweiz möchte sie dann die Sterbehilfe
eines Vereins in Anspruch nehmen. Mitten in der Geschichte spricht
nämlich die Protagonistin mit dem Autor, und er mit ihr.
4. Der Ausweg
Und hier geht es um den Schauspieler Ralph Tanner, der ganz kurz
auch in den beiden vorangegangenen Geschichten vorkommt. Ein 39-jähriger
Schauspieler, wurde sich eines Tages selbst unwirklich; plötzlich
auf einen Schlag bekommt er keine Anrufe, überhaupt nicht einen
einzigen. Und auch hier ist die Komik unübertroffen; Da zerschlagen
sich berufliche Pläne, da kommt eine seiner Geliebten und macht
ihm eine Szene, eine beschwert sich über unflätige Beschimpfungen
von ihm und macht mit ihm Schluss; kurz: der Mann in der ersten
Geschichte hatte ja alle Anrufe beantwortet. - - Ralph erlebt eine
Veränderung seiner Person, die so weit geht, dass er tatsächlich
sein Leben total ändert.
5. Osten
Eine Frau sitzt im Flugzeug. Sie sollte in Vertretung ihres Chefs
in Afrika ihre Firma vertreten. Was jetzt folgt ist mehr traumhaft
als real wirkend. Zunächst wird sie nicht abgeholt, irrt wirr in
der Gegend umehr, keiner versteht sie, alle reden wirres englisch,
in glühender Hitze wartet sie stundenlang auf jemand, der gesagt
hat, sie solle hier warten, und nach einer endlosen Odyssee gerät
sie endlich an einen Polizisten, der schließlich ihren Pass kontrolliert
und meint, ihr Visum sei abgelaufen. Sicher, die Tage waren ja um
und heute wäre ihr Rückflug gewesen. Eine sehr witzige Geschichte.
6. Antwort an die Äbtissin
Hier geht es um einen südamerikanischen Autor, (ich glaube auch
zu wissen, wen er da meint ðJ ) und wo er u.a. einen Brief von
Sra. Angela Joao, der Äbtissin des Karmeliterinnenklosters zur Heiligen
Vorsehung in Bele Horizonte geht.....die um einige Worte über die
Frage der Theodizee bittet, zu ihrer und der Mitschwestern Erbauung:
"Warum gebe es das Leiden, warum die Einsamkeit, warum vor allem
die Gottesferne, und weshalb sei die Welt dennoch aufs beste eingerichtet?
"Ärgerlich schüttelt er den Kopf. Er würde bald eine neue Sekretärin
brauche, auch diese war offenbar überlastet.... Ein solch lästiger
Brief hätte nie den Weg auf seinen Schreibtisch finden dürfen."
........... Eine ulkige Geschichte, die man selbst lesen muss.
7.Ein Beitrag zur Debatte
Irgendein verrückter Computerfreak erzählt in einem Kauderwelsch,
ich wähle mal ein paar Sätze aus: "Vorausschicken muss ich, dass
ich ein riesen hardcore-Fan von diesem Forum bin. Stahlidee. Normale
Typen wie ich und die, die die Prominente spotten und davon erzählen:
Kalte Sache, toll überlegt, interessant für jeden, und außerdem
hat das Kontrollfunktion, damit di wissen, dass sie gescannt werden
und sich nicht aufführen können wie was weiß ich. Wollte schon lang
hier posten, allein woher der Kontent? Ganz kurz Vorgeschichte:
(Mein Leben war der volle Container Irrsinn in letzter Zeit, muss
man aber fertig werden mit, gibt eben solche und solche Zeiten.
Yin und Yang, und für die Freaks, die nie von gehört haben: Das
ist Philosophie!) Meinen usernamen mollwitt kennt ihr aus anderen
Foren. Ich poste viel bei Supermovies, auch bei den Abendnachrichten,
bei literaure4you und auf Diskussionsseiten, und auch wenn ich Blogger
sehe, die Bollshi9t verzapfen, halt ich mich nicht zurück. Immer
Unsername mollwitt. Im Real Life (dem wirklichen!) bin ich Mitte
dreißig, ziemlich sehr groß, vollschlank. Une4 der Woche trage ich
Krawatte, Officezwang, der Geldverdienmist, macht ihr ja auch. Muss
sein, damit man seinen Lifesense realisieren ann. >In meinem Fall
Schreiben von Analysen, Betrachtungen und Debatten: Kontributionen
zu Kultur, Society, Politikzeug. ------" und eine andere Stelle:
"Denn ich werde Leo nie mehr sehen. Im literaturhaus-Forum hab ich
geschrieben, dass seine Bücher Müllmist sind, und bei Amazon, na
frage nicht. Aber das bringt nichts, das liest der doch nie. -----------------Reality
wird alles sein, was es für mich gibt: Job und Mute4r daheim und
Boss und die riesen Sau Lobenmeier, und als einziges Escape Foren
wie hier. (Immerhin bin ich kein Troll wie lordoftheflakes, kein
Trottel wie icu-lop und er pray4us). Ich hab für immer nur mich.
Immer bloß hier, auf dieser Seite, auf der andren: never. Keine
andre Welt. Morgen früh wieder zur Arbeit. Die Wettervorhersage
ist schlecht. Wär sie gut, mir wär's auch egal, Alles geht weiter
wie immerschon immer. In einer Geschichte, das weiß ich jetzt, werde
ich nie sein."...........
naja.....
8. Wie ich log und starb
Es geht um Luzia, die der "er" auf einem Empfang des Amtes zur Regulation
von Telekommunikaktionslizenzen kennengelernt hatte. Aber mit Hannah
lebte er zusammen, seit neun Jahren und ihrem gemeinsamen Sohn,
und einer winzigen neuen Tochter. In einer friedlichen eintönigen
Stadt an einem süddeutschen See, wo er geboren war. Er arbeitet
in Hannover, in einer grauen Siedlung, wo er die Zentrale für das
ihn beschäftigende Unternehmen einrichten sollte. Er war dann der
Leiter der Zentrale für Nummernverwaltung, Schwerpunkt mobile Kommunikation.
Und so kommt jetzt die Verbindung zur ersten Geschichte
Aber derart lustig und witzig zusammengereimt, mit ganz vielen Alltagsgeschichten
dieses 'er' - in seiner Telekommunikationsgesellschaft, mit seiner
Frau, und seiner Freundin. Es gibt unglaubliche Verwicklungen....
die gipfelt in den letzten Sätzen: "Ich fasste nach der Klinke.
Auch die Gewissheit, dass nichts mehr zwischen einem selbst und
der Katastrophe steht, gibt Sicherheit. Einen Moment zögerte ich
noch. Weshalb nicht gleich die größere Szene, die stärkere Wirkung?
Wenn Hannah da draußen stand, warum nicht auch die Kinder, warum
nicht dazu meine Eltern, eigens angereist aus ihrem dunklen Pensionistenheim,
und wenn wir schon dabei waren, warum nicht Lobenmeier, Hauberlan
und Longrolf von der Revision, warum nicht auch Mollwitz; alle gekommen,
um mich ohne Kleidung zu sehen, ohne Geheimnis, Schein, Phantasie
und Trug, ganz so, wie ich wirklich war? "Kommt herein". Ich öffnete
die Tür. "Kommt nur alle herein!"
9. In Gefahr
Diese letzte Geschichte ist dann der Clou. Wieder Geschichten in
der Geschichte, und sie endet so: "Elisabeth schloss die Augen.
Allerdings, wenn dies eine Geschichte war, so würde etwas passieren
und es würde schwer werden, und wenn es nicht schwer werden würde,
dann war es keine Geschichte. Wohin der Schlaf sie schicken möchte?
Plötzlich war es ihr egal. Ihr Telefon läutete. Sie achtete nicht
darauf."
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hier
ist ein Filmchen mit ihm
Daniel Kehlmann, 1975 in München geboren,
lebt in Wien und Berlin.
Sein Werk wurde unter anderem mit dem
Candide-Preis, dem Literaturpreis der Konrad-Adenauer-Stifung, dem
Welt-Literaturpreis,
dem Per-Olov-Enquist-Preis, dem Kleist-Preis
und dem Thomas-Mann-Preis ausgezeichnet.
Sein Roman 'Die Vermessung der Welt',
übersetzt in über vierzig Sprachen,
ist einer der größten Erfolge der
deutschen Nachkriegsliteratur.
Gebundene Ausgabe
203 Seiten
Verlag: Rowohlt Verlag GmbH; Auflage: 3 (16. Januar 2009) Sprache:
Deutsch
ISBN-10: 3498035436
ISBN-13: 978-3498035433
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Zunächst:
Außergewöhnlich ist dieser Roman allemal.
Nicht ganz einfach zu lesen, weil Fiktion und Realität immer nebeneinander
stehen, sich mischen.
Und
nicht nur das, sondern der Autor spricht auch mit seiner Protagonistin,
in einer Geschichte, und in der letzten sprechen sogar die Protagonisten
miteinander.
Ironie,
Sarkasmus, geistreicher Witz, interessante, aber außergewöhnliche
Personen, beschreiben den Inhalt in diesen neun Geschichten, die
zusammen einen Roman ergeben.
Zunächst
ist kein Zusammenhang zu erkennen. Aber bereits bei der zweiten
Geschichte kann man ahnen, dass in allen folgenden einige der vorangegangen
Figuren irgendwie wieder da sind, meistens im Hintergrund, bzw.
sie werden erwähnt.
Und
dann in der letzten, der neunten Geschichte, zum Schlussakkord ausgeholt
wird und nochmal ein Feuerwerk von Einfällen, Imaginationen, Dialogen
und Rückschlüssen den Leser in Bann hält. -
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und das Buch zufrieden weglegt, in der Gewissheit, was Tolles erlebt
zu haben, mit dem Lesen dieses Buchs.
Fazit:
als Leser: das Buch zufrieden weglegt, in der Gewissheit, was Tolles
erlebt zu haben, mit dem Lesen
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