Daniel Kehlmann

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Ruhm: ein Roman in neun Geschichten

Neun Geschichten, zunächst für sich, auch für sich alleine zu lesen, jede mit ihrer ganz eigenen Art. -

1. Geschichte: Stimmen:
Ein Mann kauft sich ein Handy. Immer war er dagegen gewesen, aber jetzt hat er sich doch endlich mal eins gekauft. - Es gehen Anrufe ein. Die aber für jemand anderes sind. Aber an einen Ralph gerichtet sind, das konnte er herausbekommen aus einzelnen Anrufen. Nach einigen Anrufen gibt er einfach Antworten. Und das Handy klingelt oft, sms gehen ein, auch die beantwortet er. Er hat fast keine ruhige Minute mehr. Und mehr und mehr wartet er gespannt auf neue Nachrichten. Ein Anruf bei dem Netzanbieter bringt nichts, die Nummer stimmt.
Und eines Tages kommen keine Anrufe mehr.
Diese Geschichte ist sehr lustig, weil auf Fragen, wo gar nicht zu erkennen ist, worum es eigentlich geht, er Antworten gibt, die scheinbar wichtig sind.

2. In Gefahr
Hier geht es um einen Schriftsteller, der mit seiner Freundin unterwegs ist. Und seine permanenten Fragen, ob sie auch sicher sind, ob das Flugzeug nicht abstürzt, schläfern sie nur noch ein. - Sie begleitet ihn auf Vorträgen, es ist zu erfahren, wie ihre Beziehung begannt und aus was sie besteht. Auch hier ganz lustig, wenn er sich z.b. darüber aufregt, dass Journalisten grundsätzlich fragen, wo er seine Ideen her habe. - Er hat sich angewöhnt lapidar zu antworten: In der Badewanne. - Und auch die Geschichte mit dieser Frau Riedergott vom Kulturinstitut mit ihrer Wolljacke und ihrer Brille, auch sie ist belustigend.
Und als sie über ein Plakat reden wo ein Ralph Tannert abgebildet ist, und sie sich über ihn unterhalten, kommt eine, - wenn auch sehr schwache - Verbindung zur ersten Geschichte. 3. Rosalie geht sterben Diese Geschichte ist trotz ihres ernsten Hintergrundes sehr amüsant.
Rosalie ist unterwegs in die Schweiz, sie hat erfahren dass sie unheilbar krank ist und nur noch ein paar Monate zu leben hat, sie möchte das abkürzen. In der Schweiz möchte sie dann die Sterbehilfe eines Vereins in Anspruch nehmen. Mitten in der Geschichte spricht nämlich die Protagonistin mit dem Autor, und er mit ihr.

4. Der Ausweg
Und hier geht es um den Schauspieler Ralph Tanner, der ganz kurz auch in den beiden vorangegangenen Geschichten vorkommt. Ein 39-jähriger Schauspieler, wurde sich eines Tages selbst unwirklich; plötzlich auf einen Schlag bekommt er keine Anrufe, überhaupt nicht einen einzigen. Und auch hier ist die Komik unübertroffen; Da zerschlagen sich berufliche Pläne, da kommt eine seiner Geliebten und macht ihm eine Szene, eine beschwert sich über unflätige Beschimpfungen von ihm und macht mit ihm Schluss; kurz: der Mann in der ersten Geschichte hatte ja alle Anrufe beantwortet. - - Ralph erlebt eine Veränderung seiner Person, die so weit geht, dass er tatsächlich sein Leben total ändert.

5. Osten
Eine Frau sitzt im Flugzeug. Sie sollte in Vertretung ihres Chefs in Afrika ihre Firma vertreten. Was jetzt folgt ist mehr traumhaft als real wirkend. Zunächst wird sie nicht abgeholt, irrt wirr in der Gegend umehr, keiner versteht sie, alle reden wirres englisch, in glühender Hitze wartet sie stundenlang auf jemand, der gesagt hat, sie solle hier warten, und nach einer endlosen Odyssee gerät sie endlich an einen Polizisten, der schließlich ihren Pass kontrolliert und meint, ihr Visum sei abgelaufen. Sicher, die Tage waren ja um und heute wäre ihr Rückflug gewesen. Eine sehr witzige Geschichte.

6. Antwort an die Äbtissin
Hier geht es um einen südamerikanischen Autor, (ich glaube auch zu wissen, wen er da meint ðJ ) und wo er u.a. einen Brief von Sra. Angela Joao, der Äbtissin des Karmeliterinnenklosters zur Heiligen Vorsehung in Bele Horizonte geht.....die um einige Worte über die Frage der Theodizee bittet, zu ihrer und der Mitschwestern Erbauung: "Warum gebe es das Leiden, warum die Einsamkeit, warum vor allem die Gottesferne, und weshalb sei die Welt dennoch aufs beste eingerichtet? "Ärgerlich schüttelt er den Kopf. Er würde bald eine neue Sekretärin brauche, auch diese war offenbar überlastet.... Ein solch lästiger Brief hätte nie den Weg auf seinen Schreibtisch finden dürfen." ........... Eine ulkige Geschichte, die man selbst lesen muss.

7.Ein Beitrag zur Debatte
Irgendein verrückter Computerfreak erzählt in einem Kauderwelsch, ich wähle mal ein paar Sätze aus: "Vorausschicken muss ich, dass ich ein riesen hardcore-Fan von diesem Forum bin. Stahlidee. Normale Typen wie ich und die, die die Prominente spotten und davon erzählen: Kalte Sache, toll überlegt, interessant für jeden, und außerdem hat das Kontrollfunktion, damit di wissen, dass sie gescannt werden und sich nicht aufführen können wie was weiß ich. Wollte schon lang hier posten, allein woher der Kontent? Ganz kurz Vorgeschichte: (Mein Leben war der volle Container Irrsinn in letzter Zeit, muss man aber fertig werden mit, gibt eben solche und solche Zeiten. Yin und Yang, und für die Freaks, die nie von gehört haben: Das ist Philosophie!) Meinen usernamen mollwitt kennt ihr aus anderen Foren. Ich poste viel bei Supermovies, auch bei den Abendnachrichten, bei literaure4you und auf Diskussionsseiten, und auch wenn ich Blogger sehe, die Bollshi9t verzapfen, halt ich mich nicht zurück. Immer Unsername mollwitt. Im Real Life (dem wirklichen!) bin ich Mitte dreißig, ziemlich sehr groß, vollschlank. Une4 der Woche trage ich Krawatte, Officezwang, der Geldverdienmist, macht ihr ja auch. Muss sein, damit man seinen Lifesense realisieren ann. >In meinem Fall Schreiben von Analysen, Betrachtungen und Debatten: Kontributionen zu Kultur, Society, Politikzeug. ------" und eine andere Stelle: "Denn ich werde Leo nie mehr sehen. Im literaturhaus-Forum hab ich geschrieben, dass seine Bücher Müllmist sind, und bei Amazon, na frage nicht. Aber das bringt nichts, das liest der doch nie. -----------------Reality wird alles sein, was es für mich gibt: Job und Mute4r daheim und Boss und die riesen Sau Lobenmeier, und als einziges Escape Foren wie hier. (Immerhin bin ich kein Troll wie lordoftheflakes, kein Trottel wie icu-lop und er pray4us). Ich hab für immer nur mich. Immer bloß hier, auf dieser Seite, auf der andren: never. Keine andre Welt. Morgen früh wieder zur Arbeit. Die Wettervorhersage ist schlecht. Wär sie gut, mir wär's auch egal, Alles geht weiter wie immerschon immer. In einer Geschichte, das weiß ich jetzt, werde ich nie sein."...........
naja.....

8. Wie ich log und starb
Es geht um Luzia, die der "er" auf einem Empfang des Amtes zur Regulation von Telekommunikaktionslizenzen kennengelernt hatte. Aber mit Hannah lebte er zusammen, seit neun Jahren und ihrem gemeinsamen Sohn, und einer winzigen neuen Tochter. In einer friedlichen eintönigen Stadt an einem süddeutschen See, wo er geboren war. Er arbeitet in Hannover, in einer grauen Siedlung, wo er die Zentrale für das ihn beschäftigende Unternehmen einrichten sollte. Er war dann der Leiter der Zentrale für Nummernverwaltung, Schwerpunkt mobile Kommunikation.

Und so kommt jetzt die Verbindung zur ersten Geschichte Aber derart lustig und witzig zusammengereimt, mit ganz vielen Alltagsgeschichten dieses 'er' - in seiner Telekommunikationsgesellschaft, mit seiner Frau, und seiner Freundin. Es gibt unglaubliche Verwicklungen.... die gipfelt in den letzten Sätzen: "Ich fasste nach der Klinke. Auch die Gewissheit, dass nichts mehr zwischen einem selbst und der Katastrophe steht, gibt Sicherheit. Einen Moment zögerte ich noch. Weshalb nicht gleich die größere Szene, die stärkere Wirkung? Wenn Hannah da draußen stand, warum nicht auch die Kinder, warum nicht dazu meine Eltern, eigens angereist aus ihrem dunklen Pensionistenheim, und wenn wir schon dabei waren, warum nicht Lobenmeier, Hauberlan und Longrolf von der Revision, warum nicht auch Mollwitz; alle gekommen, um mich ohne Kleidung zu sehen, ohne Geheimnis, Schein, Phantasie und Trug, ganz so, wie ich wirklich war? "Kommt herein". Ich öffnete die Tür. "Kommt nur alle herein!"

9. In Gefahr
Diese letzte Geschichte ist dann der Clou. Wieder Geschichten in der Geschichte, und sie endet so: "Elisabeth schloss die Augen. Allerdings, wenn dies eine Geschichte war, so würde etwas passieren und es würde schwer werden, und wenn es nicht schwer werden würde, dann war es keine Geschichte. Wohin der Schlaf sie schicken möchte? Plötzlich war es ihr egal. Ihr Telefon läutete. Sie achtete nicht darauf."

 

hier ist ein Filmchen mit ihm

Daniel Kehlmann, 1975 in München geboren,
lebt in Wien und Berlin.

Sein Werk wurde unter anderem mit dem
Candide-Preis, dem Literaturpreis der Konrad-Adenauer-Stifung, dem Welt-Literaturpreis,
dem Per-Olov-Enquist-Preis, dem Kleist-Preis
und dem Thomas-Mann-Preis ausgezeichnet.

Sein Roman 'Die Vermessung der Welt',
übersetzt in über vierzig Sprachen,
ist einer der größten Erfolge der
deutschen Nachkriegsliteratur.

 

 

Gebundene Ausgabe
203 Seiten
Verlag: Rowohlt Verlag GmbH; Auflage: 3 (16. Januar 2009) Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3498035436
ISBN-13: 978-3498035433

Zunächst: Außergewöhnlich ist dieser Roman allemal.
Nicht ganz einfach zu lesen, weil Fiktion und Realität immer nebeneinander stehen, sich mischen.

Und nicht nur das, sondern der Autor spricht auch mit seiner Protagonistin, in einer Geschichte, und in der letzten sprechen sogar die Protagonisten miteinander.

Ironie, Sarkasmus, geistreicher Witz, interessante, aber außergewöhnliche Personen, beschreiben den Inhalt in diesen neun Geschichten, die zusammen einen Roman ergeben.

Zunächst ist kein Zusammenhang zu erkennen. Aber bereits bei der zweiten Geschichte kann man ahnen, dass in allen folgenden einige der vorangegangen Figuren irgendwie wieder da sind, meistens im Hintergrund, bzw. sie werden erwähnt.

Und dann in der letzten, der neunten Geschichte, zum Schlussakkord ausgeholt wird und nochmal ein Feuerwerk von Einfällen, Imaginationen, Dialogen und Rückschlüssen den Leser in Bann hält. -

- und das Buch zufrieden weglegt, in der Gewissheit, was Tolles erlebt zu haben, mit dem Lesen dieses Buchs.

Fazit: als Leser: das Buch zufrieden weglegt, in der Gewissheit, was Tolles erlebt zu haben, mit dem Lesen