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Um was geht es?
Wie in der Verlagsbeschreibung bereits aufgeführt, geht es um da
Thema Asyl. In diesem Fall in Österreich.
Der Autor lässt Juristen, die sich mit dem Thema zu befassen haben
sprechen. Da gibt es den einen, der sich bemüht, gerecht zu urteilen.
Und seinen Ermessensspielraum nutzt. Da gibt es aber jene, die das
gar nicht tun, und einfach abhaken, sich auf vorausgegangene Berichte,
Vernehmung usw. berufen, und kurzerhand aburteilen.
Was er besonders hervorhebt, sind die Abkürzungen, aber auch, dass
keine weiblichen Artikel verwendet werden, wenn es um eine Frau
geht. Es heißt immer: : der AW (Asylwerber). Auch die Übersetzungen
sind Thema, oft ganz falsch, einfach aus Schlamperei, wird da was
in eine Aussage interpretiert, das so nicht gesagt oder gemeint
war. -
Wie ein roter Faden zieht sich durch das Buch die Geschichte von
Jelena. Ein serbisches Mädchen im Kosovo. Alleine diese eine Geschichte
(es gibt noch einige andere) ist schon Aussage genug, nein viel
mehr als das, zeigt genau diese Geschichte die Ungerechtigkeit,
Unfähigkeit der zuständigen Behörden, zu entscheiden. Da wird strikt
nach dem Schengener Abkommen abgeurteilt.
Und da die Anträge der AW (ich benutze mal hier die gebräuchliche
Abkürzung) Regale füllen, die zuständigen Beamten aber alles schnell
erledigt haben wollen, wird einfach - ohne über einen einzelnen
Fall auch nur nachzudenken - entschieden.
Bei Jelena z.b. ist es so, dass sie nach zahlreichen Verfahren,
Behandlungen, auch noch nach vielen Jahren keine Aufenthaltserlaubnis
bekommt, sondern immer noch auf der Wartebank sitzt.
Die Geschichte von Jelena ist zu lesen, wie es ihr im Kosovo ergangen
ist….. - zunächst ihr Elternhaus abgebrannt, die ganze Familie ausgelöscht,
ist sie körperlich und seelisch bereits mehr als kaputt.
Aber was dann noch alles kommt, ist unvorstellbar. Sie findet eine
Putzstelle bei einer Hilfeorganisation. Die Rebellen vermuten, sie
sei eine Kollaborateurin. Dabei hat sie überhaupt keinen zutritt
als Putzfrau!! - Aber: sie wird entführt, gefoltert, unzählige Male
vergewaltigt, auf die grausamste Art.
In einer Psychiatrie, wo sie dann dort landet, in der geschlossenen
Abteilung, bekommt sie dann von einer Ärztin den Tipp, das Land
zu verlassen. - Es gibt für sie einfach keine einzige Region, wo
sie leben könnte. - Weder im Kosovo noch in Serbien. -
Und nach vielen Monaten, schlaflosen Nächten, entschließt sich Jelena
dann zu diesem Schritt. -
Eine abenteuerliche Wanderung durch Ungarn, über die Grenzen, alles
illegal, durchsteht sie. Um dann in Österreich zu laden, wo sie
zunächst erstmal eingesperrt wird….. Hier geht ihr Leidensweg weiter.
Ihre Vernehmung ist sehr fehlerhaft, ihr Verfahren wird abgelehnt.
- Und so geht es weiter mit ihr, eine unbeschreibliche Odyssee durch
Verfahren, Untersuchungen, Haft. Sie hat dutzende Male sich vorgenommen,
ihrem Leben ein Ende zu setzen. Versucht es auch mehrmals, immer
ohne Erfolg.
Es werden seitenweise Verfahrensablehnungen zitiert, genau im Wortlaut,
in einem sehr schlechten Deutsch, mit nicht nachvollziehbaren Begründungen.
Es gibt auch - wenn auch relativ wenige - Menschen, die den Menschen
helfen. Aber - das Ende der Geschichte mit Jelena ? bitte selbst
lesen.
Es kommen auch zahlreiche ‚Stammtisch'-Meinungen zur Sprache. Wir
kennen sie alle….hier in Deutschland nicht anders als in Österreich.
Ein Teil der Geschichte beschreibt auch wie es damals mit den Juden
war, und eine jüdische Familie und ihre Ausreise damals ist Thema.
Und damals wie heute, war eine große (wenn nicht sogar die größte?)
Anzahl der Bürger gar nicht direkt dagegen, Juden auszuweisen, umzubringen…..
!!!!
Wie dann der damals emigrierte Mann, jetzt mit über 80, in Kanada
lebend, zurückkehrt, nachdem die Situation sich in Österreich gebessert
hatte (nach Haider), wird auch thematisiert. - Er hilft jetzt zahlreichen
Asylbewerbern und Abgewiesenen mit regelmäßigen Geldzuwendungen.
Mehr kann er nicht tun. Aber hier ist die Ähnlichkeit zwischen damals
und heute sehr deutlich herausgearbeitet worden.
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Der Autor:
Ludwig Laher, geboren 1955 in Linz, studierte Germanistik, Anglistik
und Klassische Philologie in Salzburg, lebt in St. Pantaleon (Oberösterreich).
Prosa, Lyrik, Essays, Hörspiele, Drehbücher und Übersetzungen, daneben
wissenschaftliche Arbeiten.
Bei Haymon zuletzt: Herzfleischentartung. Roman
(2001, HAYMONtb 2009), Aufgeklappt. Roman (2003), Folgen. Roman
(2005), Und nehmen was kommt. Roman (2007) und Einleben. Roman (2009).
www.ludwig-laher.com
Beschreibung der Redaktion:
Jelena, eine Kosovo-Serbin, wird in ihrer Heimat wiederholt Opfer
unvorstellbarer Gewalt.
Die geht nicht vom Staat aus, sondern von enthemmten Mitgliedern
der Mehrheitsbevölkerung.
Schwer traumatisiert, hofft die junge Frau nach zwei Selbstmordversuchen
auf einen Neuanfang in Österreich.
Dort aber gerät sie in die Mühlen eines unmenschlichen Asylrechts,
das seinem Namen nicht gerecht wird. Seit langem prägt das Thema
Asyl die öffentlichen Debatten und sorgt nach jedem von den Medien
aufgegriffenen Einzelfall für heftige Kontroversen. Ludwig Laher
überträgt diese brandaktuelle Thematik auf eine literarische Ebene.
Er erzählt die exakt recherchierte Geschichte Jelenas als roten
Faden eines aufwühlenden Romans, in dessen Mittelpunkt das Justizwesen
selbst steht, die Welt der Paragraphen und ihrer Anwendung, ein
Spiegelbild unserer Verfassung im doppelten Wortsinn: vielschichtig,
mitreissend diskret, erhellend und weit davon entfernt, komplexen
Fragestellungen mit einfachen Antworten beikommen zu wollen.
Buchdaten:
ISBN-10:3-85218-680-3 EAN:9783852186801 Erscheinungstermin:30.08.2011
Verlag:Haymon Verlag Einband:gebunden
Sprache:Deutsch
Seiten:180
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Meine
abschließende Meinung
Zunächst, ein Buch wo es um Asyl-Verfahren geht….. stellt sich der
Leser, wenn er das Buch in der Hand hat, als nicht sehr spannend
vor. - Nicht mal so hochinteressant.
Aber:
Dass dieses Buch derart spannend, informativ, aufrüttelnd ist, hätte
ich nicht erwartet.
Da im ersten Teil viel in der verwendeten Sprache der Beamten geschrieben
ist, dachte ich schon, ohje, welche Sprache hat denn dieses Buch…
- Tja. bis dann der Autor mit eigener Sprache begann zu schreiben.
Und das war in ausgefeilter, hervorragender Sprache ausgedrückt.
- Ich denke das ist volle Absicht des Autors…. - so auch die zitierten
Gesetzestexte, in einem unbeschreiblichen Deutsch in zeilenlangen
Sätzen formuliert, wo vermutlich die Beamten am Ende eines Satzes
gar nicht mehr wissen, was eigentlich jetzt ‚Gesetz' sein soll!!!
Ich
habe mir sehr viel notiert beim Lesen, aber wenn ich überall drauf
eingehen wollte, würde dieser Bericht Seiten füllen. So beschränke
ich mich auf diese knappe Vorstellung, mit der Empfehlung, es zu
lesen, ich denke da insbesondere an Leute, die etwa so in Stammtischtiraden
mit dem Thema Asyl umgehen. -
Aber
auch für uns alle ist es ein sehr lesenswertes Buch, das nicht Glück
und ein gutes Ende beinhaltet, es auch gar nicht verspricht.
Ich
fand das ganze Buch sehr spannend, sehr interessant, literarisch
sehr hochwertig. Und wenn dem Autor damit gelingt, was ja seine
Intention ist, die Menschen für dieses Thema zu sensibilisieren,
dann ist dieses Buch genau das Richtige!
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