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„Eines Tages führte mich ein Rikschafahrer in
Kalkutta zu einem der ärmsten und dichtbevölkertsten Viertel der Stadt: Anand
Nagar, die *Stadt der Freude*. Es war der Schock meines Lebens.“
Diese Worte Dominique Lapierres lassen ahnen, wie
nachhaltig ihn seine erste Konfrontation mit dem Elend der Slums in Indien
geprägt hat. Die *Stadt der Freude* ist eines der zahlreichen Viertel der
Ärmsten von Kalkutta, hier leben auf der Fläche zweier Fußballfelder 70000
Menschen in unvorstellbarer Armut. Dominique Lapierre ist in eine andere Welt
eingetaucht: in ihr hat er mehr Liebe, mehr Anteilnahme, mehr Freude und mehr
Glück gefunden als in den reichen Städten westlicher Prägung. Hier hat er
Menschen getroffen, die – erfüllt von einem tiefen Glauben – zu überströmender
Lebensfreude fähig sind. Und er ist wahren Heiligen begegnet, wie etwa dem
katholischen Priester Paul Lambert, der jungen Krankenschwester Bandona aus
Assam oder dem amerikanischen Medizinstudenten Max Loeb, die in dieser Hölle
tagtäglich freudig und zuversichtlich die Energie aufbringen, den Ärmsten unter
den Armen zu helfen. Dominique La Pierre versteht es in seinem neuen Buch,
Reportage und Romanhandlung zu einer glänzenden Synthese zu verbinden. Der Autor
beschönigt nichts, wissend, wohin blanke Not den Menschen treiben kann.
Gleichzeitig durfte er auch erfahren, wie aus derselben Not die Hoffnung für den
Einzelnen aufsteigen kann – die Hoffnung auf den Menschen und ihre Gemeinschaft."
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….diese
Schilderungen über die *Ursprünge* der explosionsartig
angewachsenen Slumstadt ähneln der Entstehungsgeschichte fast
aller Slums in Metropolen in aller Welt. - In Ländern, wo von den
Regierungen nichts getan wird, um die durch Wetterkatastrophen
gebeutelten und dem Verhungern preisgegebenen Menschen, die auch schon
vorher durch überzogene Steuern und Zinsen benachteiligt waren,
denen teilweise ihr Hab und Gut *enteignet* wurde, auf dem Land zu
halten und die Infrastruktur zu verbessern, Sozialpläne fehlen
usw, - ist ein Entstehen solcher Slums vorprogrammiert bzw.
unausbleiblich. - Sozialpläne und Hilfe *von oben*
wäre ja total überflüssig, wenn diesen Leuten nicht eine
*Sicherung* von vorneherein verwehrt worden wäre. - Sie konnten
kein *Vermögen* bilden, auf das sie in Hungersnöten oder
sonstigen Katastrophen zurückgreifen könnten....
Es wird auch geschildert, welche Prachtstadt Kalkutta einst war, als
die Engländer noch die Herren im Land waren. - Da drängt sich
mir aber doch die Frage auf, inwieweit die Kolonialisierung, die nur
von ihrer *besten Seite* meist beschrieben wird, dazu beigetragen hat,
dass sich diese Armut in fast allen Ländern, die dann *ihre
Selbständigkeit* im 20. Jahrhundert erhielten, ausbreitete. - Gut,
vermutlich waren in diesen Ländern die Besitzverhältnisse
auch vor der Kolonialisierung schon evtl. ähnlich wie danach, d.h.
einige wenige sehr Reiche, und sehr, sehr viel Arme. Aber diese
Entwicklung der Slums halte ich für kaum möglich, wenn es nie
eine Kolonialisierung gegeben hätte.
Bis jetzt wird in diesem Buch geschildert, wie eine Bauernfamilie,
zunächst schon enteignet und in einer kleinen Hütte mit 16
Personen lebend, mit kaum so viel Land, diese 16 Menschen zu
ernähren, sich entscheiden muss, nach Kalkutta zu ziehen (es war
lediglich ein Jahr vorangegangen, in dem die ganze Reisernte ausfiel,
weil der Monsunregen nicht kam), natürlich zu Fuß, und auch
nur die jüngeren Leute der Familie, die beiden Alten bleiben in
der Hütte, vermutlich dem Verhungern preisgegeben....
Die Ankunft in Kalkutta, der Lärm, die Masse der Ware, die
tausende von Leuten, die an den Straßenrändern
übernachten, betteln müssen, um nicht zu verhungern, von der
Polizei überall vertrieben werden, schließlich als Kuli ein
paar Pfennige verdienen, schuftend wie Ochsen....
Und als Gegensatz natürlich das Vorbeiziehen von Prunkkarossen, einzelne Prunkbauwerke in der Stadt...usw.
Parallel zu dieser Bauernfamilie wird die Ankunft eines Paters aus
Frankreich geschildert. Er möchte mitten in den Slums leben, bei
den Ärmsten der Armen. Die christliche Gemeinde dort möchte
ihn zwar davon abhalten, aber er lehnt eine relativ komfortable
Wohngelegenheit ab und bezieht eine *Wohnung* in der *Stadt der
Freude*......1,90 m lang, 1 m breit....ohne Fenster, fertig.
Hilfsbereite Nachbarn bringen ihm sofort eine Decke zum Schlafen und
das Nötigste.....In ähnlichen *Wohnungen* wie seiner leben
neben ihm bis zu 6 Menschen auf diesem winzigen Raum.......ein Eimer
dient als Kochstelle, die meisten sind arbeitslos, leben von der Hand
in den Mund.....was ihm aber auffällt: hat einer gar nichts
bekommt er vom Nachbarn etwas. - Er als Christ bleibt anfangs etwas
isoliert, da sind Moslems, Hindi, und noch einige andere - . Besonders
erschreckend ist die Wasser- und WC-Situation....morgens stehen alle
Schlange, um ihre Notdurft zu verrichten...müssen oft sehr lange
warten. - Die Abwässer verlaufen stinkend zwischen den
Verschlägen, an spielenden Kindern vorbei.....Die Leute waschen
sich, und dem Pater fällt auf, dass alle sehr reinlich sind, und
sich, egal ob es eiskalt ist, von Kopf bis Fuß täglich
waschen, das geschieht öffentlich, in den Behausungen geht das
nicht, da ist ja kein Platz. Der Tisch über Tag ist die
Schlafstatt für alle in der Nacht. - Alle Einzelheiten kann ich
hier nicht schildern, sie sind aber ungeheuerlich.....
Ein dritter Schauplatz des Buches ist ein Rikschafahrer....und der
Inhaber von hunderten von Rikschas, die illegal laufen, mit
gefälschten Nummern, jeder muss *bestochen* werden, der Polizist,
der Schlepper zur Blutbank (die am Rande des Verhungerns lebenden
Menschen verkaufen ihr Blut!!!) Aber auch hier sind viele
Zwischenstationen, jeder der damit was zu tun hat, verdient daran, so
dass vom Preis von 40 Rupien, für den Blutspender gerade mal 5
übrig bleiben.....das Blut wird weder untersucht noch sonst wie
der Hygiene entsprechend behandelt.....
Und immer wieder, nach den schrecklichsten und unvorstellbarsten
Schilderungen, geschehen kleine Dinge, die sehr erfreulich sind und
alles aufhellen.....und immer wieder überraschend die
Herzensgüte und Solidarität unter den Menschen im Slum......
Und was sehr interessant ist, die Rikschafahrer mucken plötzlich
auf....sie organisieren einen Streik....aber leider mal wieder
von den bestimmten Leuten aus den ebenso korrupten wie verlogenen
Gewerkschaften, den ebensolchen Kommunisten.......die auch nur ihre
eigenen Ziele vor Augen haben.....initiiert...aber die Rikschafahrer,
logischerweise unbedarft in dieser Richtung....machen mit.
Und letztendlich erreichen sie keinerlei Verbesserung ihrer
unmenschlichen Situation......sondern ihr *Vorzeigeobjekt* wird
schlichtweg ermordet.....
Eine Intention dieses Paters in der Stadt der Freude möchte ich hier erwähnen:
"Mein Ehrgeiz war es, ihnen Selbstvertrauen zu vermitteln. Sie sollten
sich weniger alleingelassen fühlen, sollten selbst Initiativen
entwickeln, um ihr Los zu bessern"
und es sollten noch sehr viele *Verbesserungen* eintreten....warten wir
gespannt darauf, was dem Pater, der mittlerweile eine Moslem-Frau
für seine Ziele gewonnen konnte, und von dieser geradezu verehrt
wird, noch alles erreicht...... im weiteren Verlauf lernt jetzt der
Pater Mutter Teresa kennen.....die zunächst damit anfing, die
Sterbenden aufzulesen, die auf der Straße im Dreck irgendwo
verreckten...........sie beschaffte einen Ort, und dort konnten die
Sterbenden und Todkranken in Ruhe und Frieden, umsorgt und
geliebt von Teresa und ihren Helferinnen, sterben...ohne Angst.
Und der Pater stellt fest, dass alle einen zufriedenen, ja
glücklichen Gesichtsausdruck haben, trotz ihres nahen Todes....
Die weiteren Schritte von Mutter Teresa werden dann noch geschildert,
der Pater lernt sie persönlich kennen, als sie 54 Jahre alt ist....
Eine ihrer Programme war dann, die Mädchen aufzunehmen, die
ungewollt schwanger waren, sie konnten bis zur Geburt in ihrer Obhut
bleiben und ihre Kinder auf die Welt bringen. Teresa ist eine Gegnerin
der Abtreibung, und so leistete sie einen aktiven Beitrag dazu....nicht
nur in der Theorie, wie Staat und Kirche das ja tun, sondern in der
Praxis, genau dort wo es notwendig ist. Ausgesetzte Babies nahm sie
auf, dann kümmerte sie sich schließlich und die
Leprakranken....und der Pater bat dann Teresa, auch in der Stadt der
Freude eine Leprastation zu betreuen, was dann auch geschah....
Es wird auch geschildert, wie wichtig diese großen Feste sind;
gerade für die Ärmsten der Armen sind sie ein Lichtblick und
unersetzlicher Freudenspender.....sie kaufen von ihrem letzten Geld ein
Gewand, um entsprechend beim Fest mitzuwirken....diese Mentalität
ist uns Europäern fremd...aber diese Menschen haben einen ganz
tiefen Glauben und diese Feste des Glaubens (ob Buddhisten, Muslime,
oder ähnliche) Die vielen Christen dort feiern wohl auch Feste,
aber nie so großartig wie die Anhänger dieser östlichen
Religionen.
Ansonsten werden im Buch noch sehr viele neue Eindrücke
vermittelt....von Naturkatastrophen, wie die Menschen damit umgehen,
wie so ganz langsam von ganz unten kleine Verbesserungen erreicht
werden. Da kommt z.B. ein Arzt aus Miami aus sehr reichem Elternhaus,
er lebt dort zusammen mit dem Pater, versorgt die Leprapatienten,
amputiert auf offener Straße Gliedmaßen, unter
unwahrscheinlichen Bedingungen....schließlich besucht ihn sogar
sein Vater, und dieser möchte sofort den ganzen Slum für 1-2
Millionen Dollar aufkaufen und die Bedingungen von Grund auf
verbessern.....aber es wird ihm dringend abgeraten, das wäre keine
Hilfe, die Hilfe muss ganz unten bei den betroffenen Leuten
ansetzen.....mit Geld was *drüberstülpen* würde das
Gegenteil bedeuten...
Was immer wieder unwahrscheinlich ist: alle Religionen feiern zusammen,
z.b. feiern Moslems, Hindi, Christen zusammen Weihnachten, als ob es
ihr Gott wäre....es ist eine Großzügigkeit ohnegleichen
unter diesen einfachen Menschen, und immer wieder ist der Pater und der
Arzt erstaunt, über die Freude, die diese Menschen trotz allem
haben...sie haben oft kaum einen Platz auf der Straße um zu
schlafen, geschweige denn genügend Essen oder
Hygieneeinrichtungen...
Ich kann also
nur empfehlen, dieses Buch mal zu lesen, ist trotz der schlimmen
geschilderten Zustände angenehm zu lesen, weil immer wieder die
Freude und die Lebenslust dieser Menschen durchkommt...
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