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Meine
Zusammenfassung
Ulli ist mitten in einer Tour durch Hamburg,
wo er im Team mit einem Busfahrer Fremdenführer ist und durch sehr
gewitzte Schilderungen nicht nur der Sehenswürdigkeiten, sondern
auch der damit verbundenen Geschichten die Leute begeistert.
Da bahnt sich ein bevorstehender Hirnschlag an, zuerst nur kaum
bemerkt, nur Kleinigkeiten fallen ihm auf, wird aber letztlich so
schlimm, dass er die Tour abbrechen muss. Er schleppt sich zu seiner
Freundin, Nora, wo er schließlich zusammenbricht und von dort aus
ins Krankenhaus eingeliefert wird.
Er
ist auf einer Seite gelähmt, kann nicht mehr sprechen.
In der Klinik wird er von einem sehr aufmerksamen jungen Arzt betreut,
und er macht sehr schnell gute Fortschritte, d.h. er kann schon
bald wieder einigermaßen laufen. Nur: sprechen kann er eben nicht.
Er
denkt in Sätzen, also es ist alles da, nur eben das Aussprechen
dieser Worte und Sätze ist blockiert. Nora ist eigenartig zurückhaltend,
so kann sie ihn in der Klinik nicht besuchen, da ist irgendeine
Sperre. – Ulli kann sich mit Bleistift und Papier, wenn auch in
ungelenker Schrift, ausdrücken, und signalisiert so, dass er Nora
unbedingt sehen will.
Sein Verhältnis zu Nora war immer so, wie er sein ganzes Leben eingerichtet
hatte, frei, nicht verpflichtend, keine Festlegung. So wohnte Nora
im Haus einer Lehrerin, mit der sie auch befreundet ist, sie selbst
arbeitet in einer Bibliothek. Ulli bewohnt eine Wohnung in einem
Hochhaus. Einen Schlüssel zu seiner Wohnung hatte er Nora aufgedrängt,
Ulli wollte aber zu ihrer Wohnung keinen Schlüssel. Nora hatte von
Ulli ein Gemälde geschenkt bekommen, das sie, als er im Krankenhaus
ist, in seine Wohnung zurückbringt, sie will und kann dieses Geschenk
nicht annehmen.
Er bittet sie nun mit einer Notiz auf einem Zettel, den er ihr zukommen
lässt, in seine Wohnung zu ziehen. – Sie kann damit nichts anfangen
und schließt das aus.
Da sie Verwandte von Ulli verständigen soll, wegen seines Klinikaufenthaltes,
kommt sie in Kontakt mit dem älteren Bruder von Ulli. Und genau
diesen will Ulli auf keinen Fall sehen, was er auch auf einem Zettel
mitteilte. Warum, das erfährt sie dann von dem Bruder; dieser soll
die damalige Freundin von Ulli ausgespannt haben und hat sie auch
geheiratet. Das hat ihm Ulli nie verziehen.
Später gibt ihr der Bruder dann ein Päckchen mit gesammelten unzähligen
Überweisungsquittungen. Es war Geld, das Ulli von seinen Eltern
seit Jahren monatlich bekommen hatte, weil er einfach nie eine feste
Existenz usw. angestrebt hatte, und *Freiheit* haben wollte.
Und genau dieses Geld war vom Bruder Ullis an die Eltern jahrelang
überwiesen worden, von dem Bruder, der von Ulli verachtet wurde,
wegen seiner „Spießigkeit“, Erfolg im Beruf haben zu wollen, Geld
verdienen zu wollen - - -
Dieses Päckchen versteckt dann Nora aber in ihrem Kleiderschrank.
Ob sie es je an Ulli weitergeben würde, weiß sie nicht.
Als dann von den Ärzten dringend an Nora die Botschaft gelangt,
sie solle Ulli besuchen, er bräuchte ihre Hilfe, weil sie sich davon
eine weitere Verbesserung seiner Situation, vor allem auch, seine
Sprache wieder benutzen zu können, versprechen, fährt sie schließlich
in die Klinik, aber er ist nicht mehr da, er ist *geflüchtet*, niemand
weiß wo er ist.
Ulli hat seine Wohnungsschlüssel mitgenommen, von dort holt er sich
Geld und fährt nun mit Taxi oder Bus in der Stadt umher, auf der
Suche nach Nora. Er fährt zu ihren Eltern, dort ist sie aber nicht
mehr, auch vor der Bibliothek, wo sie arbeitet, trifft er sich nicht
an.
Er ist unterwegs, schwankend, mit einem Stock nur stolpernd sich
fortbewegend, kann niemand etwas sagen, es kommen nur gurgelnde,
pfeifende Laute aus seinem Mund. Er ist verzweifelt. Wird auch von
einigen Leuten deswegen nicht verstanden, ja sogar gehänselt, körperlich
angegriffen und als Verrückter abgestempelt.
Als er dann schließlich zusammenbricht, bewusstlos, und nach einer
Weile, beschmutzt und besudelt, wieder zu sich kommt, wird er gerade
von einem Krankenwagen abgeholt und in die Klinik zurückgebracht.
Dort angekommen, legt er sich einfach wieder in das Bett in seinem
Zimmer, der Arzt kommt, auch noch einige andere Patienten, die Fortsetzung
der Behandlung wird avisiert - - -
Nora,
die als Figur ziemlich undurchsichtig, introvertiert geschildert
wird, stellte sich jetzt plötzlich aber vor, wie es sein würde,
wenn sie ihre beiden Wohnungen zusammenlegen würden, also wie ihre
Möbel zu den seinen passen würden, und stellt fest, das da nichts
zusammenpasst.
Sie kauft einen Teller voll Obst und macht sich auf den Weg in die
Klinik. Ulli liegt im Bett, sie gibt ihm zu verstehen, dass sie
ihn trotzdem versteht, auch wenn er nicht spricht. Er schreibt auf
einen Zettel „kein Mitleid“ - , er ist sich sehr unsicher über die
Gefühle von Nora. Beobachtet ängstlich alle Bewegungen von Nora
im Krankenzimmer.
Nora
legt ihm schließlich einen Prospekt vor, wo Häuser abgebildet sind.
Und sagt, so ein Häuschen müsste ja nicht unbedingt am Meer sein,
wie auf den Bildern, es könnte irgendwo stehen. Und da ihre Möbel
sich nicht mit denen von Ulli vertragen würden, wäre das ihr Wunsch,
also gemeinsam in so ein Haus zu ziehen - - -
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"Lenz Siegfried wurde am 17.03.1926
in Lyck/Masuren geboren.
Das nach der Vertreibung aus Ostpreußen
aufgenommene Studium der Philosophie, Literatur und Anglistik bracht
er aus finanziellen Gründen ab.
Bis 1951 arbeitete Lenz als Feuilleton-Redakteur.
Seitdem ist er freier Schriftsteller,
lebt in Hamburg und Dänemark.
Neben seinem umfangreichen erzählerischen
Werk hat er Essays, Theaterstücke und Hörspiele veröffentlicht.
Bekannt wurde Siegfried Lenz durch
seine großen Romane, stellvertretend sind vor allem zu nennen:
„Es waren Habichte in der Luft“ (1951),
„Der Mann im Strom“ 81957),
„Deutschstunde“ (1968),
„Heimatmuseum“ (1978) und
„Der Verlust“ (1981)."
(dem Klappentext entnommen)
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Für
mich ist Nora durch das ganze Buch hindurch sehr undurchschaubar,
minimalistisch in allem was sie tut, denkt. Immer bleibt alles,
was sie denkt, unternimmt, undurchsichtig. Lenz beschreibt sie nur
sehr vage, lässt eigentlich alles offen.
Ähnlich
ist es auch mit Ulli, aber wieder etwas anders. Aus sehr knappen
Beschreibungen und Äußerungen musste ich mir das meiste zusammenreimen.
Vermutlich vom Autor beabsichtigt.
Auch
alle anderen Personen des Romans, an einer Hand abzuzählen fast,
bleiben im Grau der Vorstellungsebenen. Der langsame Wandel Noras,
beeinflusst durch die veränderte Denkweise Ullis, die sie ja nur
durch Zettel und Gesten erfährt, wird nur schemenhaft artikuliert.
Was
aber durchaus klar wird, ist, was der Verlust der Ausdrücksmöglichkeit
durch die Sprache, das Sprechen, bedeutet. In vielen Einzelheiten
wird hier beschrieben, was das bedeutet, welche Behinderung das
darstellt. -
Das was Ulli eigentlich aussprechen möchte, denkt er ja, das meinte
ich damit, als ich schrieb, er dachte in Sätzen. Nur: mit Bleistift
auf Papier auch nur mangelhaft möglich, durch Sprechen gar nicht,
ist die Mitteilungsmöglichkeit auf ein Minimum eingeschränkt.
Dennoch
versteht Nora, was Ulli ausdrücken möchte.
Dieses
Buch von diesem wunderbaren Autor, beinhaltet mal wieder alles,
was sich ein Leser wünscht. Naja zumindest, wenn ich von mir ausgehe.
Eine
alltägliche Geschichte, in einer herausragenden Sprache geschrieben,
jede auch nur kleinste Kleinigkeit diffizil hinterfragend und ausgeleuchtet.
Ich
denke, vermutlich sind solche Gedanken in vielen Menschen, nur vermögen
sie eben nicht, so wie Siegfried Lenz das kann, sie zu formulieren.
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