Doris Lessing

 

Klappentext:
"Während der fanatische Kommunist und brillante Agitator Johnny Lennox sich den "großen und wichtigen" Dingen des Lebens widmet - neben der Politik häufig wechselnden Ehefrauen -, überlässt er seiner Mutter sowie seiner Exfrau Frances die Verantwortung für die beiden Söhne. Und Frances kümmert sich im London der sechziger Jahre nicht nur um den eigenen Nachwuchs. Eine ganze Schar von Jugendlichen findet in ihrem Haus Zuflucht und versammelt sich regelmäßig um den großen Küchentisch. Dieser Tisch ist das Herzstück der bunt zusammengewürfelten Gemeinschaft. Hier wird gegessen, gelacht, über private Probleme und immer wieder über Politik und Ideologien gesprochen. Während dieser Zusammenkünfte kommen sich drei Frauengenerationen langsam näher: die aufopferungsvolle France, die ihre persönliche Karriere als Schauspielerin hintanstellt, ihre Schwiegermutter Julia, eine distinguierte ältere Dame, die noch in die wilhelminische Zeit zu gehören scheint, und die junge, zerbrechliche Sylvia, die rettende Aufnahme im Haus von Frances findet und Jahre später als Missionsärztin nach Afrika aufbricht. Allesamt außergewöhnliche Frauen, durch deren Augen die politisch bewegte Zeit in einem ganz anderen Licht erscheint."

 

 

Doris Lessing wurde unter dem Namen Doris May Taylor im (damals) persischen Kermansha geboren, die Familie zog auf eine Farm in der britischen Kolonie Südrhodesien (heute: Simbabwe), als sie sechs war. Mit 14 brach sie die (katholische) Schule ab und jobbte als Telefonistin und Büroangestellte.
Aus ihrer ersten Ehe (1939-1943) hat sie zwei Kinder, die nach der Scheidung beim Vater blieben. Auch die zweite Ehe verlief unglücklich, den Sohn Peter behielt sie und zog 1949 mit ihm nach London. Ihr erster Roman "Afrikanische Tragödie" (1950) wurde weltweit gefeiert, "Das Goldene Notizbuch" (1962) brachte sie für den Literaturnobelpreis ins Gespräch. Der Roman gilt in der Literaturwissenschaft als "Klassiker des Feminismus", Lessing lehnt jedoch eine derartige Klassifikation für sich ab, obwohl sie sich immer wieder mit der Position der Frauen in der modernen Gesellschaft beschäftigt hat.

Ihr umfangreiches Werk umfasst neben Romanen - teilweise Sciencefiction ("Das fünfte Kind" 1988 u.a.) - und Erzählungen auch Lyrik und autobiografische Schriften ("Unter die Haut" 1995 u.a.). Die engagierte Autorin, die von der Kritik neben Virginia Woolf zu den großen Frauen der englischen Literatur des 20. Jahrhunderts gezählt wird, lebt in London.

Ein Roman, der einen sehr großen Zeitraum in England, aber auch in Afrika umfasst. Hochinteressant und wieder aus einer ganz anderen Warte beschrieben: die sechziger Jahre, ähnlich wohl auch in Deutschland, aber auch die Zeit in den achtzigern in Afrika, wo die junge Missionsärztin Sylvia unter primitivsten Verhältnissen lebt. An der Regierung sind jetzt genau die jungen Afrikaner, die sie damals in London als Schüler oder Studenten kennengelernt hatte. - Und: sie haben sich so verändert, dass sie kaum wieder zu erkennen sind. Korrupt, kriminell, ihre eigenen Leute gnadenlos ausbeutend. Als in Sylvias Missionsstation, einem sehr dürftig eingerichteten Buschkrankenhaus, fast alle Bewohner an Aids gestorben sind, nimmt sie zwei Jungen, deren Eltern und alle Verwandten auch dieser Krankheit zum Opfer gefallen sind, mit nach England. Sie bringt sie in das Haus, wo Frances mit ihrem Lebensgefährten lebt….Die beiden Jungen sollen in England eine Ausbildung usw. erhalten. - Aber Sylvia stirbt, kaum dass sie die Jungen untergebracht hat, und Frances und einer ihrer Söhne, der auch im Haus lebt, werden sich um die beiden Waisen aus Afrika kümmern müssen. - Und Frances, nun selbst schon über 60, hat mal wieder eine Bürde auf sich genommen, was sie zeitlebens ja pausenlos gemacht hatte. Julia war inzwischen gestorben……. Das Erbe, das Sylvia hinterlassen hat, hätte gut gereicht für die Finanzierung der beiden afrikanischen Jungen, nur hatte sie kein Testament gemacht, und ihre Mutter nahm das Geld für sich, keinen Gedanken daran verschwendet, was Sylvia eigentlich mit diesem Geld gemacht hätte, bzw. was deren Wunsch gewesen wäre. Immer wieder - in vielen einzelnen Kapiteln - geht es um diesen *süßen Traum*, der ein Traum bleibt. Egal um was es ging.