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Meine Zusammenfassung
Die ersten 76 Seiten beschäftigen sich mit der 10-jährigen Kate,
die alleine mit ihrem Vater lebt nach dem Tod der Mutter, und deren
Vater dann plötzlich auch stirbt. Als ihre Großmutter dann zu ihr
in die Wohnung zieht, verstärken sich ihre Aktivitäten.
Sie hat sich in den Kopf gesetzt, Detektivin zu werden, und hat
längst damit begonnen mit ihren Beobachtungen, Aufzeichnungen. -
Ganz besonders fündig wird sie da in diesem riesigen Einkaufzentrum
Green Oaks. Immer dabei, ihr Plüschaffe, der angezogen ist wie ein
Gentleman, und mit dem sie sich unterhält, seine Antworten denkt
sie sich….
Sie schleicht sich durch alle Abteilungen, gelangt schließlich auch
in die unteren Geschosse, wo die Versorgungsgänge, Personalräume
usw. sind. Ein riesiges Wirrwarr von Gängen, Räumen und überall
sucht sie nach verdächtigen Personen, Sachen, die ihr auffallen.
Das notiert sie in ihrem Büchlein. Die Schule schwänzt sie häufig,
sie hat auch keine direkten Freundinnen….. - bis auf Teresa, ein
Mädchen, das wie sie Außenseiter ist, und die immer wieder nicht
nur die Lehrer, sondern auch die Mitschüler verblüfft durch ihre
Verhaltensweisen. Sie ist oft abwesend, lebt in ihren Traumwelten,
aber Kate freundet sich schließlich mit ihr an.
Jetzt beginnt die Geschichte der vielen Bewachungsleute, die auf
hunderten von Kameras das Einkaufscenter beobachten. Und einem fällt
da dieses kleine Mädchen auf, das plötzlich auf seinem Bildschirm
erscheint……
Da sind Männer jeden Alters, mit sehr unterschiedlichen Hintergründen,
Lebensläufen, Familiengeschichten. Ein tristes Dasein in diesen
Katakomben, tief unter diesem Green Oaks.
Hier ein Ausschnitt:
"Er patrouillierte weiter. Viele Sicherheitsleute glaubten, dass
es in bestimmten Gängen spukte. Sie hörten Fäuste an Türen hämmern
oder Geflüster in leeren Treppenhäusern, spürten plötzliche Temperaturabfälle,
fanden Löschschläuche entrollt. Kurt hörte sie in den Kaffeepausen
reden wie alte Weiber, die sich gegenseitig zu übertrumpfen suchten.
Ehrlich-wahr-Geschichten voller Hirngespinste. Absurder Aberglaube,
mit ernstem Kopfnicken vorgetragen. Kurt nahm nie irgendetwas Paranormales
wahr, wenn er durch die Gänge driftete, aber manchmal überkam ihn
ein gewisses Unbehagen. Es kam vor, dass er um eine Ecke bog und
sich in einer Sackgasse fand - einem Versorgungsgang, der nirgends
hinführte, nichts zu versorgen hatte -und irgendetwas an der nackten
Endmauer vor ihm seinen Magen zusammenschnurren ließ, weil er an
das alte Haus dachte, in dem er aufgewachsen war, und an die Albträume,
die er als Kind gehabt hatte. Einen Moment lang hatte er Angst,
sich umzudrehen, das Gefühl, dass ihm jemand bis zu dieser Barriere
gefolgt war. Er entfernte sich dann rückwärts von der Endmauer,
aber das Gefühl, beobachtet zu werden, blieb. Es war das Summen
in seinen Ohren, der Druck hinter seinen Augenlidern. ‚Ist da jemand?'
fragte er dann und wünschte, er hätte es nicht getan….."
Jetzt erzählen im Wechsel einzelne Wachmänner, aber zwischendurch
auch immer wieder z.b. ein ‚anonymer Wachmann', mehrere anonyme
Leute.
Es ist Weihnachtszeit, und auch die Öffnungszeiten sind Thema,
besonders die Sonntage, oder auch hier der 2. Weihnachtstag, wo
auch geöffnet ist. Die Leute scheinen vor Langeweile nichts anderes
zu tun zu haben, als an diesen Feiertagen oder Sonntagen ihre Zeit
in so einem riesigen Einkaufscenter zu verbringen.
Da ist auch eine Angestellte, im mittleren Management, deren Probleme,
ihre private Situation, aber auch ihre Arbeit, ihre Agitationen
mit Mitarbeitern usw. werden geschildert. -
Andere Verkäufer wiederum sind zu hören, bzw. zu lesen, wie sie
div. Kunden beurteilen, über die Verhaltensweisen von Kunden, wie
sie teilweise die Verkäufer und Mitarbeiter regelrecht stressen,
gelinde ausgedrückt.
Dieser Einblick in dieses Center ist sehr interessant. Nicht nur
wenn es um die Angestellten geht, sondern auch darum, was die Kunden
so treiben, was sich die Verkäufer oft dabei denken, wie dann die
Vorgesetzten agieren.
Lange ist nichts mehr von Kate zu lesen. Alles sehr interessant,
wenn auch noch nicht spannend.
Als dann im letzten Drittel des Buchs die Suche nach Kate beginnt,
wird es spannend. - Waren doch sehr viele Leute in den Focus gerückt,
die der Leser irgendwie für sich notierte. Aber mehr nicht an dieser
Stelle.
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Die Autorin
Catherine O'Flynn, geboren 1970 in Birmingham, arbeitete u.a. im
Plattenladen, bei der Post, als Lehrerin und als Testkäuferin, bevor
sie ihren ersten Roman schrieb.
Nach zunächst über zwanzig Ablehnungen von Agenturen
und Verlagen gewann sie mit ‚Was mit Kate geschah' auf Anhieb en
FIRST NOVEL PRIZE beim COSTA BOOK AWARD 2008 und andere wichtige
Literaturpreise; ihr Buch wurde in zehn Sprachen übersetzt.
Nach einigen Jahren in Barcelona lebt Catherine
O'Flynn wieder in Birmingham.
Verlagsinformation: "Birmingham 1984: So oft sie kann, setzt sich
die 10-jährige Kate mit Mickey, ihrem Stoffaffen, in den Bus und
fährt hinaus in das große Einkaufszentrum Green Oaks. Als Detektivin
spürt sie dort den dunklen Geheimnissen der Kunden nach und verfolgt
"Verdächtige" bis in die letzten Winkel des Konsumtempels, der ihr
mittlerweile vertrauter ist als ihr Zuhause. Doch dann verschwindet
sie von einem Tag auf den anderen spurlos. Zwanzig Jahre später
machen sich zwei ihrer mittlerweile erwachsenen Freunde von einst
noch einmal auf die Suche, um herauszufinden, was damals wirklich
geschah ..."
"Ich habe lange kein so fesselndes Buch mehr gelesen wie dieses.
Es ist ein Krimi, ein Roman, Unterhaltungsliteratur vom Allerbesten."
Elke Heidenreich, Lesen!
Buchdaten:
ISBN-10:3-442-74121-1 EAN:9783442741212 Erscheinungstermin:08.03.2011
Verlag:Btb Taschenbuch Einband:Taschenbuch Sprache:Deutsch
Seiten:272
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Meine
abschließende Meinung
Ein Buch, wo der Wow-Effekt erst ganz am Schluss eintritt. Weitab
von der Vermutung, die die Autorin so gekonnt gestreut hatte…. Wobei
ich eigentlich fast etwas ähnliches erwartet hatte.
Nichtsdestotrotz, ein sehr interessantes Buch, das wirklich mehr
hält, als es anfangs - zumindest vom Inhalt bis dahin her - verspricht.
Die
Autorin hat akribisch einige Unterhaltungen der Protagonisten, die
sehr zahlreich sind, eingeflochten. Die mit dem Thema an sich nichts
zu tun haben. Viele Gründe dafür, warum so viele Menschen sonntags
kein anderes Vergnügen kennen, als in so einen riesigen Einkaufsmarkt
zu gehen. Die Entzugserscheinungen bekommen, wenn sie mal nicht
in Geschäfte gehen können. Lisa, als sie z.B. über die Klassik-Abteilung
nachdenkt:
"….Die
anderen Abteilungen zogen den einen oder anderen Exzentriker, diesen
oder jenen anstrengenden Kunden an, aber die Klassik versammelte
die Créme de la Créme dieser Population wie ein besonders intensiv
duftendes Büschel Katzenminze, das sein Aroma durch die ganze Stadt
schickt. Die wahren Neurotiker, die beunruhigend schrägen Vögel,
die irrwitzigen Pedanten - sie alle strömten in diesem Glaskasten.
Lisa malte sich aus, eines Tages am Eingang ein Ventil anzubringen,
das die Kunden rein-, aber nicht wieder rausließ, dann, wenn die
Abteilung voll war, alles mit Pektin auszugießen und die Kunden
zu einer Art Frucht-an-Frucht-Marmelade gelieren zu lassen….."
Oder
eine anonyme Frau:
"Sonntag
ist der schlimmste Tag. Und jeder Sonntag ist schlimmer als der
letzte. Ich sitze den ganzen Tag im leeren Haus. Ich wandere von
einem Zimmer ins andere, von einer Sitzgelegenheit zur nächsten.
Ich denke, ich hätte vielleicht gern einen Tee und setze Wasser
auf. Dann merke ich, dass ich doch keinen will, und schalte den
Wasserkocher wieder aus. Ich denke, ich könnte vielleicht was aus
dem Laden an der Ecke brauchen, aber mir fällt nichts ein. Ich gucke
aus verschiedenen Fenstern und sehe all die anderen Fenster in der
Straße, aber sonst guckt niemand raus. Ich sehe nie jemanden. Ich
frage mich, was die Leute sonntags machen……Ich dachte, ich gehe
mal ins Einkaufscenter. Das ist was, was die Leute am Sonntag machen.
Ich habe sie immer im Bus vorbeifahren sehen……"
Als
dann am Ende des Buchs Kate wieder Thema ist, ist zu erfahren, wie
das vor sich ging, als sie sich für das Internat mit Oberschule
anmelden sollte zum Aufnahmetest. - Ihr Name war nicht aufgeführt,
sie meldete sich einfach mit dem Namen ihrer Klassenkameradin Teresa
an, die auch dort angemeldet war, die aber nicht da war. - Und so
machte sie den Test, als Teresa.
So
war dann geklärt, wieso von Kate, die als vermisst gemeldet worden
war, gesagt wurde, sie wäre nie in diesem Internat angekommen, hätte
keinen Test gemacht. Also sie war dort gewesen. Und danach war sie
eben im Einkaufscenter gewesen, aber vorher noch in dem Zeitschriftenladen,
wo sie mit dem Sohn des Besitzers befreundet war, und mit dem sie
zuletzt gesehen wurde. Angeblich….
Die
Klärung des Falls ist eigentlich simpel, alle Fährten, die die Autorin
raffiniert gelegt hatte, führten ins Nichts.
Und das ist eben dieser überraschende Effekt, gegen Ende des Buchs.
Es gibt Verdächtigungen mit tragischen Folgen, die am Ende aber
nichts mehr ändern können.
Hervorragender
Stil, mal so ganz anders, als frau das als Leser gewöhnt ist. Und
ich fand das Buch insgesamt sehr gelungen, super aufgebaut, mit
Hinterfragungen von zahlreichen Verhaltens-, aber auch Geschäftsproblemen
und Umgang der Konzerne mit ihren Mitarbeitern, aber auch die der
Mitarbeiter zu den Kunden. Ein besonderes Augenmerk ist auch auf
das Heer von Wachleuten gelenkt, die täglich Kilometer um Kilometer
unterirdisch durch die Gänge wandeln, hunderte Monitore beobachten,
trostlos und öde meistens ihr Privatleben.
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