Richard Price
CASH

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Meine Zusammenfassung
Wie in der Kurzbeschreibung bereits zu lesen, beginnt die Geschichte damit, dass ein junger Mann erschossen wird. Vorangestellt ist ein Kapitel, wo zwei Polizisten auf Streife unterwegs sind. - Ihre Sprache. Wortfetzen, ebenso die Schilderung ihrer Überprüfungen…. entspricht eher einem Drehbuchtext…. Ich möchte zunächst einige Textstellen zitieren, damit in etwa zu verstehen ist, was ich aussagen möchte, Gesprächsfetzen einiger junger Männer:

"……Dap? Pff….. Nigger ist zu faul. ich meine der könnte die Lemlichs schmeißen, wenn er wollte jedenfalls, die machen sich ja alle vor ihm ins Hemd, also, wenn er sich ins Zeug legen würde, okay? Aber Scheiße, der will nur so pillepalle wie möglich an die Kohle. Ran an die Ecke. - yo, Shorty, dealst du? Hundert die Woche . Einsammeln, zurück zu Shyannes Bude, Hirn rauspaffen, Glotze. Das ist kein Leben. - Mal zehn Ecken? - Tristan kriegte bloß 25, 30 Dollar pro Lieferung für Smoov, und Smoov haute ihn nur an, wenn sonst keiner da war. - - Weit offen…. - Little Dap schüttelt den Kopf, als handelte es sich um eine Tragödie. - Und jetzt? Machst du drüben den King, oder was? --- Bin ich bescheuert? Und dann in irgendeinem unterirdischen Supermax landen? Alter Knochen hier aus dem Kiez hat erzählt, in so einem Bau wirst du in einem Jahr zehn Jahre älter, und die armen Schweine liegen rund um die Uhr da und träumen, wie sie sich am besten umbringen. - - Echt - Da geh ich doch lieber wieder zur Gladiatorenschule. - Echt -…….."

Zunächst wird Eric Cash festgenommen. Er war als einziger in der Nähe, macht unlogische Angaben… Die Vernehmung dann, ebenso in Slang….auch wieder eher einem Drehbuchtext zuzuordnen…. Die Polizeiarbeit wird beschrieben, und die Polizisten reden genauso wie ihr Klientel…..das ist keine Sprache, das ist Slang pur. Sie untersuchen dann akribisch viele Leute, die was gesehen haben müssen. Viele Geschichten gescheiterter Existenzen kommen da in den Focus. Besonderes Augenmerk wird hier auf die Eltern des Ermordeten gerichtet. Ein total verwirrtes Paar, deren Verhaltensweisen makaber sind. Und ein weiteres Kapitel über diesen Chef dieses großen Lokals, wo Cash arbeitet, gibt Einblicke in dessen Karriere….. Interessant hier, das möchte ich mal zitieren, wie das so zugeht mit den Trinkgeldern, den Abrechnungen, in diesem Etablissement….. Eric Cash erzählt:

"….Oberkellner, Hostessen und Kellner verdienten einen ganzen Punkt pro Stunde, Jobs mit geringerem Status von einem Dreiviertel bis zu einem Viertelpunkt. Gestern Abend hatte das Restaurant 2.400 $ Trinkgeld eingenommen, was durch 77, die Gesamtpunktzahl aller im Saal Beschäftigten, einen Punktwert von 31,16 $ ergab. Ein Kellner bekam also nach einer Acht-Stunden-Schicht 31,16$ mal acht volle Punkte, machte 249,28$; einem Abräumer, der einen Drittelpunkt bekam, standen für dieselbe Zeit rund 83$ zu. - - - Jedoch, jedoch….Wenn Eric sich ‚verrechnete' und den Punktwert nicht auf 31,16$, sondern auf, sagen wir, 29,60$ festsetzte (keiner prüfte das je nach), dann nahm derselbe Kellner nur 286,80$ und der Abräumer 78,93$ mit nach Hause und ‚Eric sackte noch mal 13$ 4$ ein mal zehn Kellner, sieben Abräumer und alle weiteren Beteiligten so dass Eric jede Woche mit einigen hundert extra zur Tür hinausspazierte. - Um nicht erwischt zu werden, brauchte es Selbstbeherrschung, das war der Schlüssel……"

Eric erhöhte dann in dieser beschriebenen Zeit der Geschichte seinen Anteil auf das mehrfache, immer hoffend, dass nichts herauskommt. Nachdem Eric Cash zunächst festgenommen worden war, musste er dann aber freigelassen werden. Viele Zeugen bestätigten seine Angaben…..

Die Geschichte kommt auch nach und nach - mit zahlreichen Nebengeschichten über wirklich kaputte Existenzen - der Lösung näher.
Und was erfreulich ist, die Sprache wird plötzlich ‚normal'. -
Ganz besonders in den Focus rückt der Vater des ermordeten jungen Mannes, auch dessen Frau und die Tochter. Er gibt einfach keine Ruhe, forscht auf seine eigene Art und Weise, mischt sich immer ein.
Bei der riesigen Begräbnisfeier, bzw. einer Veranstaltung zum Tode von dem Ermordeten, sind hunderte von Leuten anwesend. Es werden Reden gehalten…. Es geht zu wie in einer Show. Für uns total ungewöhnlich, scheint amerikanische Art zu sein….

Dazwischen dann immer wieder die Polizeiarbeit des Kommissars und seiner Kollegin, Yolanda…. - Es gibt dutzende von Fällen, denen nachgegangen wird, immer wieder werden Verbindungen gesucht. - Der Polizeichef will allerdings diesen ungeklärten Fall zu den Akten legen, was diese beiden Polizisten aber auf keinen Fall wollen. -
Es wurde eine hohe Belohnung (20.000 $) für die Ergreifung des Täters ausgesetzt, und der Vater des ermordeten erhöht diese Summe um nochmal den selben Betrag. -

Der Autor beleuchtet zahlreiche Charaktere, sehr viele Wohnsituationen, Lebensbereiche sehr unterschiedlicher Menschen in diesem Bezirk in New York. Und so ganz nebenbei wird immer wieder geschildert, wie ein junger Mann (Tristan) lebt, bei seinem Exstiefvater, einem gewalttätigen Säufer, mit kleinen Geschwistern und seiner Mutter. Er schreibt Gedichte, oder so was ähnliches, Inhalt immer makaber, merkwürdig…….

 

 

Der Autor
"Richard Price wurde 1949 in der Bronx geboren. Bisher hat er acht Romane veröffentlicht, zuletzt erschien "Cash", ein Spiegelbestseller und Platz 1 der Krimiwelt-Bestenliste.

Price verfasste zahlreiche Drehbücher für Filme von und mit Martin Scorsese, Al Pacino und Paul Newman. 2007 gewann Price den Edgar Award für seine Arbeit an der hoch gelobten TV-Serie "The Wire", für die er monatelang bei der Polizei recherchierte.
Er lebt in New York.
Miriam Mandelkow: (Die Übersetzerin)
Miriam Mandelkow, 1963 in Amsterdam geboren, arbeitet als Lektorin und Übersetzerin. Sie lebt in Hamburg und in Arkadien, Griechenland."

 

 

Klappentext:
"Drei Männer werden nachts in der Lower East Side von zwei dunkelhäutigen Jugendlichen überfallen. Einer der drei wird erschossen, die Täter fliehen. Der Hauptzeuge, Eric, verstrickt sich bei der Polizei immer tiefer in Widersprüche. Detective Matty Clark kommen jedoch bald Zweifel an seiner Schuld. Richard Price lässt in seinem in den USA hymnisch gefeierten Bestseller die Fassade des strahlenden, neuen New Yorks bröckeln und zeigt die dahinter liegenden Risse, die unter dem Glamour verborgene Macht und Gewalt. "Nicht heute Nacht" ist ein Röntgenblick auf die Lower East Side, ein großer Roman von einem meisterhaften Gegenwartschronisten"

 

 

Buchdaten:
ISBN-10:3-10-060810-0 EAN:9783100608109 Erscheinungstermin:21.05.2010 Verlag: S. Fischer Verlag Einband:gebunden
Sprache:Deutsch
Auflage:4. Auflage
Seiten:521
Übersetzer: Miriam Mandelkow

Meine abschließende Meinung
Nach den ersten Seiten habe ich weiter gelesen, obwohl ich das schon merkwürdig fand. - - . Ich wollte doch wissen, was die Kritiker zu ihrer Meinung zu dieser Arbeit eines ‚meisterhaften Gegenwartschronisten' verleitete…..-----

Im gesamten habe ich nach der Hälfte Lesen gezaudert, ob ich mir das antue, dieses ‚Werk' fertig zu lesen. Gut, ich bin sehr geduldig, habe tatsächlich weiter gelesen. Aber immer mit Schaudern über die Sprache, die verwendet wird. Die ist ja nicht nur bei den Leuten dort - sondern ebenso auch bei den ganzen Polizisten angewendet.

Das ändert sich erst etwa im letzten Drittel des Buchs. Die Dialoge sind zwar immer noch sehr flapsig, aber zumindest der Inhalt ansonsten ist in normaler, verständlicher, wenn auch wenig anspruchsvoller Sprache zu lesen.

Und was dann auch immer stärker hervortritt, ist die psychologische Deutung vieler einzelner, aber auch die Gruppenstrukturen in diesem Sumpf in NewYork.
Alles in allem total verwirrend, da werden Polizisten geschildert, uniformierte, die sich nicht anders benehmen als diese Kriminellen oder Kleinkriminellen in dieser Gegend. Verschiedene Gangs, die Wohnsituation und das alles.

Was dem Autor ganz gut gelingt ist die Legung einer Fährte zu diesem Cash - ist ja auch der Titel des Buchs. Warum der Autor diesen Titel gewählt hat, wird klarer, wenn gegen Ende des Buchs Eric Cash wieder in den Vordergrund rückt.

Insgesamt hat mich das Lesen dieses Buchs nicht befriedigt. Der für mich unakzeptable Anfang, diese Längen in der Mitte, und eben diese ganze Thematik, wo es um Leute und Menschen in einem der schlimmsten Gegenden von NewYork geht. Das ganze Buch liest sich eigentlich mehr wie ein Drehbuch, und sicher wird es mal verfilmt. Nur ich werde den Film höchstens deshalb ansehen, weil ich neugierig bin, und das Buch gelesen habe.