|

Meine Inhaltsangabe:
Der General wartet auf seinen Freund, den er 41 Jahre
nicht gesehen hat. Er hat diese ganzen 41 Jahre darauf gewartet.
Konrad hat sich angemeldet, und der General schickt eine Kutsche
um den Gast abholen zu lassen. Ein lange erwartetes Gespräch wartet,
und nach dem Essen beginnt es.
Als Dialog eigentlich erwartet, erzählt zunächst Konrad
von den vergangenen Jahren, die er in den Tropen verbracht hat.
Er schildert, wie ein Mensch sich verändert in solch einem Klima,
wo alles heiß, feucht und träge ist. Und wie ein Mensch, der in
Mitteleuropa aufgewachsen ist, darunter leidet, ja seine ganze Persönlichkeit
unter diesen Bedingungen zwangsweise verändert. Der General beginnt
mit Fragen, die er aber immer selbst beantwortet.
Bis zum Schluss, und selbst die letzte Frage, die die alles entscheidende
bisher war, lässt er Konrad nicht beantworten. Es ist unnötig, während
des Gesprächs, das eigentlich ein Monolog ist, hat er die Antwort
selbst gefunden.
Von der ersten Zeile an wird schon eine Spannung
aufgebaut. Einzelheiten aus früheren Zeiten werden eingeflochten,
die zunächst noch nicht in einem Zusammenhang zu sehen sind. Ein
Besuch kündigt sich an, und es werden immer wieder diese *41 Jahre*
erwähnt, zunächst aber ohne Hinweis, ab wann diese 41 Jahre gezählt
werden. Der Erzähler, *der General* erinnert sich. Seine frühesten
Erinnerungen sind die an seine Amme, Nini. Sie lebt auch heute noch
im Schloss, 16 Jahre älter als er. Sie kam ins Haus, weil sie ein
uneheliches Kind erwartet hatte, dieses aber verstorben war, und
sie vom Elternhaus verstoßen worden war. Die Mutter des Generals
verstarb kurz nach der Geburt, und Nini konnte das Kind, den General,
stillen und war von da ab Mutterersatz. Ihr Verhältnis zueinander
blieb immer innig und sozusagen gleichrangig. Sie ist mittlerweile
91 Jahre alt, der General 75 Jahre alt.
Er erinnert sich, als er in die Kadettenschule aufgenommen
wurde, als kleiner Junge schon. Und von Anfang an einen *besten
Freund*, Konrad hatte. Konrad kam aus armen Verhältnissen, während
der General aus einem sehr reichen Elternhaus kam. - Und über die
ganzen Kinder- und Jugendjahre waren beide unzertrennlich. Es wird
eine ganz besondere Theorie über eine Freundschaft, wie diese es
war, entwickelt, die sehr interessant ist und noch selten so thematisiert
wurde.
Dieser Besuch, Konrad, hat sich also angemeldet und
der General bittet Nini alles so herzurichten, wie es vor genau
41 Jahren war, als zum letzten Mal diese Räume des Schlosses, der
Speisesaal, das Kaminzimmer, der ganze Trakt, benutzt worden war.
Kleinigkeiten, wie die Tischdekoration, bestimmte Kerzen werden
penibel genau so angeordnet an dem großen Esstisch.
Der General kleidet sich sorgfältig, schickt eine Kutsche, um Konrad
abzuholen. Konrad kommt, sie begrüßen sich nach 41 Jahren wie zwei
alte Männer.
Wenn man jetzt einen Dialog erwartet hat, so wartet
man quasi bis zum Ende des Buchs auf ihn. Es ist ein Monolog des
Generals, nur unterbrochen von einigen wenigen Worten Konrads, und
die auch nur auf an ihn gerichtete spärliche Fragen. Der General
gibt also alle Antworten selbst. Dennoch hält die Spannung bis zur
letzten Zeile.
Selbst auf die letzte, wichtigste Frage, verzichtet er auf die Antwort
Konrads.
Im Morgengrauen verabschieden sich die beiden alten
Männer. Und die wesentliche Frage, die der General eigentlich beantwortet
haben wollte, wird auch beantwortet. Es drehte sich um seine Frau,
und wie ihr Verhältnis zu Konrad wirklich war.
Es hatte den General sein Leben lang, auch nach dem Tod seiner Frau
beschäftigt, ob sie ihn oder Konrad wirklich geliebt hat.
|
|
Der Autor:
Sándor Márai
* 11. April 1900 in Kaschau, Österreich-Ungarn; † 22. Februar 1989
in San Diego, USA (Suizid), war ein ungarischer Autor.
Mit der Neuausgabe
seines Romans Die Glut erfuhr er 1999 eine vielbeachtete Renaissance.
Trotz seines
Scharfsinns und Humors war er eine häufig depressiv gestimmte Persönlichkeit,
aber auch ein sehr politisch denkender Exilliterat.

(Buchdeckel Rückseite)
|
|
Meine
abschließende Meinung
Es war faszinierend, dieses Buch zu lesen. Der Autor versteht es,
seine Sprache den jeweiligen Situationen anzupassen, und zwar auf
eine ganz besondere Art. Seine philosophischen Betrachungen sind
hochinteressant und ganz sicher sind einige autobiografische Eindrücke
verarbeitet.
Der
Autor schreibt sehr interessant, und ich habe auch von ihm: "Die
Nacht vor der Scheidung" gelesen.
Interessant
finde ich, dass er, wie in oben beschriebenen Buch, auch genau 41
Jahre nach 1948, als er Ungarn verließ, den Freitod wählte, in San
Diego, Kalifornien.
|