Sándor Márai

 

marai :die nacht vor der scheidung

Meine Inhaltsangabe:
Zunächst erzählt der Protagonist sein eigenes Leben, er beschreibt seine Eltern, seine Kindheit, seine Ehe. Er stammt aus einer Richterdynastie, er ist deren jüngster Spross, in den Vierzigern, verheiratet, zwei Kinder, ein Hund, lebt in einer mittelständischen Gegend in Budapest. Seine Frau beschreibt er als beste Fügung des Schicksals; dass er sie kennengelernt hat, mit ihr verheiratet ist. Wenn es eine Frau auf der ganzen Welt gibt, die zu ihm passt, dann ist es sie. Er kann sich nicht vorstellen, dass er jemals eine andere Frau gewollt hätte.

Eines Abends kehren sie von einer kleinen Gesellschaft zurück, zuhause wartet ein Schulkamerad, ein bekannter Arzt in leitender Funktion, den er aber schon ewige Zeiten nicht gesehen hat. Lediglich bei der Vorbereitung zu den morgigen Sitzungen, wo er als Scheidungsrichter fungiert, ist ihm der Name aufgefallen, und er hatte sich erinnert an diesen Schulkamerad, Schulfreund wäre zuviel gesagt, obwohl er ihm immer sympathisch erschien, fielen nie mehr als ein paar Begrüßungsworte zwischen ihnen. Und jetzt wartet er im Vorraum seiner Wohnung, um 11 mitten in der Nacht, das Hausmädchen hat ihn eingelassen, auf dessen dringenden Hinweis, er müsse unbedingt auf den Richter warten, er hätte was sehr Wichtiges mit ihm zu besprechen. Der Richter, Kömüves, ist sehr erstaunt und etwas unwillig, er ist müde und wäre eigentlich gerne ins Bett gegangen. - Nun gut, er bittet den Arzt in sein Besprechungszimmer.
Der Arzt ist verheiratet mit Anna, und er erzählt seine ganze Geschichte, wie er sie kennengelernt hat, er aus sehr einfachen Verhältnissen stammend, und sie, die Tochter aus zwar verarmten, aber gutem Hause kommend. Sie ist seine große und einzige Liebe. Mit vielen und sehr differenzierten Worten versucht er das dem Richter zu erklären. Er ist seit neun Jahren verheiratet, aber nach vier Jahren Ehe muss er akzeptieren, dass Anna sozusagen *frigid* ist, damals gerade als Modewort im Gespräch. -
Von da ab verändert sich seine Ehe bis zur Unerträglichkeit, bis schließlich Anna verreist, und zwar für einige Monate. Der Arzt kommt für alle Ausgaben dieses teuren außerhäusigen Aufenthalts seiner Frau auf, verschuldet sich, es ist ihm nichts zu teuer für sie. Nach sechs Monaten kommt schließlich die Scheidungsklage seiner Frau. Zwei Tage vor dem Scheidungstermin kommt Anna nach Budapest und möchte mit ihm sprechen. Sie treffen sich schließlich in seiner Praxis. Sie legt sich auf die Liege und erzählt. Der Arzt hat eine einzige Frage an sie, die für ihn von größter, elementarer Bedeutung ist. Er fragt sie, von wem sie geträumt hat. - Sie erzählt dann von Begegnungen mit dem Richter, als er noch unverheiratet war, und auch von späteren kurzen Begegnungen, als beide schon verheiratet waren. Sie hatten sich lediglich belanglos unterhalten, mehr war nie gewesen. Der Arzt stellte sich jetzt vor, wie sie vermutlich immer an den Richter gedacht hatte, bei ihrem Umarmungen, intimsten Augenblicken ihrer Ehe. Für ihn eine Folter, unvorstellbar.
Anna hatte, von dem Arzt unbemerkt, eine Ampulle mitgebracht, die sie sich irgendwann in dieser Nacht injizierte. - Er bemerkte es, und hätte sie retten können, als Arzt für ihn kein Problem. Er aber, obwohl schon die Spritze in der Hand mit dem Gegenmittel, zögert. Und beschließt, sie sterben zu lassen. - Und: fühlt sich schuldig, sieht sich als Mörder. Er zieht schließlich eine Morphiumspritze auf, bemerkt aber, als er die Einstichstelle desinfiziert, dass das nicht nötig wäre, wenn er sich mit dieser Spritze töten will; und entschließt sich, noch nicht zu sterben, nicht bevor er eine einzige, für ihn noch wichtige Frage gestellt hat.
Er lässt Anna tot den ganzen Tag über liegen, und besucht am Abend dann den Richter, in der Nacht vor der Scheidung. Er hat jetzt eine einzige Frage an den Richter: Ob er jemals von Anna geträumt hat.
Nach langem Überlegen gibt der Richter das zu. Auf eine weitere Frage, ob er Anna auch vor sich gesehen hat bei intimen Begegnungen mit seiner Frau, bekommt er vom Richter nur zu hören: Darauf antworte ich nicht. Für den Arzt ist jetzt alles klar, er hat seine Antwort bekommen und verabschiedet sich.

 

 

 

 

 

Sándor Márai * 11. April 1900 in Kaschau, Österreich-Ungarn; † 22. Februar 1989 in San Diego, USA (Suizid), war ein ungarischer Autor. Mit der Neuausgabe seines Romans Die Glut erfuhr er 1999 eine vielbeachtete Renaissance. Trotz seines Scharfsinns und Humors war er eine häufig depressiv gestimmte Persönlichkeit, aber auch ein sehr politisch denkender Exilliterat.

Der Inhalt dieses Romans ist eigentlich sekundär. Was von viel größerer Bedeutung ist, ist die differenzierte, hintergründige Erzählung einer nicht selten vorkommenden Konstellation bzw. Gegebenheit in einer Partnerschaft oder Ehe. Márai geht allem auf den Grund bis zur Entstehung der Problematik, versucht in kleinsten Einzelheiten Erklärungen zu finden, und er versteht es auch, sie plausibel zu formulieren. So ist der Inhalt dieses Romans, obwohl nicht in jüngster Zeit entstanden, so aktuell wie eh und je. Die Zeit, in der er spielt, ist unwichtig.

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