Kamala Markandaya
Eine Handvoll Reis

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Meine Zusammenfassung:
Ravi, nach der Verfolgung durch einen Polizisten, legt sich vor eine Tür und will sich ausruhen. Da schreit von einem vergitterten Fenster aus dem Haus jemand ihn an, fordert ihn auf zu verschwinden. Er greift mit den Händen eine der rostigen Streben des Gitters, eine zerbricht. Da kommt der Mann aus dem Haus und bittet ihn, doch keinen weiteren Schaden anzurichten. Auf den Hinweis Ravis, er sei zwar betrunken, aber auch hungrig bringt ihm der Mann schließlich ein Stück Brot, Buttermilch und eine Süßkartoffel. Ravi aß das mit Genuss bis auf den letzten Krümel, dann war er satt. - Er solle jetzt gehen meinte der Mann, da sagte Ravi, sich seiner Macht bewusst mit den ausgebrochenen Eisenstäben in der Hand, jetzt bräuchte er noch ein Bett. Er bekam eine Matratze, ein Kissen und ein Leintuch - welcher Luxus!!

Er schlief tief und fest, und als er am Morgen aufwachte, hatte er eine Kette um seine Füße. Daneben stand eine ältere dicke Frau, mit dem Nudelholz in der Hand und bedrohte ihn, "wehe wenn sie sich rühren!" - - Und sie begann auf ihn einzuschlagen, als er versucht sich aufzurichten. - - Blutüberströmt liegt er da, das Leintuch voller Blut, als der Mann auftaucht, und die Frau auffordert, Wasser zu holen und sie machen ihn dann sauber und versorgen seine Wunden. -Diese Frau ist die Frau von Apu. Das war der Anfang, wie Ravi den alten Schneider Apu kennenlernt.

Apu erkennt in Ravi einen Menschen, der nichts Schlechtes im Sinn hat, und nach einiger Zeit, er lässt Ravi schließlich im Haus wohnen oder wie man das nennen kann, nimmt er ihn als Schneider-Lehrling in seine Werkstatt. Der Haushalt ist so zusammengesetzt wie in Indien häufig. Da ist z.b. ein einziger, der Geld verdient, und alle Verwandten, Faulenzer und Nichtsnutze nisten sich in dem Haushalt ein und lassen sich verköstigen und ernähren……Und - das bemerkt Ravi nach und nach, Apu ist derjenige. Da sind noch zwei Schwiegersöhne, noch andere Verwandte, alle hausen in diesem kleinen eigentlich recht baufälligen Haus. Der einzige der ein Bett hat und nicht nur auf einer Schlafmatte schläft, ist Apu.

Schließlich verliebt sich Ravi in die jüngste Tochter von Apu. Und weil das der Tradition entspricht, muss er als Brautwerber eine Familie nachweisen, d.h. sein Vater oder eben ein naher Verwandter muss Kontakt aufnehmen usw. - Und so fährt er schließlich zu seinem Vater in dieses abgelegene Dorf und macht das mit ihm aus. - Der Vater kommt dann, er muss ihn in einer gemieteten Wohnung unterbringen, weil die Brautfamilie ihn ja schließlich besuchen muss ….usw. .- Das klappt dann auch alles, sein Vater kehrt wieder zurück, es wird das einzige mal gewesen sein, wo Vater und Sohn sich wieder sehen.

Im weiteren Verlauf wird dann - mit allen Einzelheiten und sehr differenziert geschildert, wie das Eheleben des jungen Paars in diesem Haushalt aussieht. - Es ist normal, dass in einem kleinen Raum mehrere Leute auf Schlafmatten schlafen, evtl. mal abgeteilt durch eine aufgehängte Decke. Ansonsten gibt's keinen Bereich, wo die Leute mal ganz alleine sein können. Ravi baut dann oben auf dem Dach so eine Art Verschlag, wo er mit seiner Frau alleine sein kann. Dieser Verschlag ist nur über eine Leiter zu erreichen, und wenn sie oben sind, ziehen sie die Leiter hoch….. Das erste Kind kommt auch nach einiger Zeit, sie erleben die Elternfreuden, Ravi macht Fortschritte in der Werkstatt, begleitet den Meister auch regelmäßig zu den Kunden, wo dann der Schneider abmisst, Anproben macht usw. - Da treten dann auch die vielen Ungerechtigkeiten zutage. Als sie z.b. dann in Schaufenstern ihre genähten Kleider usw. sehen, zu einem Preis, der in etwa das hundertfache oder noch mehr ausmacht, als sie dafür bei dem Händler bekommen haben, den sie regelmäßig beliefern. - Sie bleiben also arm, egal wie viel sie arbeiten, es reicht immer nur für das nötigste. Es gibt zu viele arme Leute wie sie, die ihre Waren anbieten, wenn sie mehr verlangen, sind sie den Kunden los, dann wird bei dem nächsten bestellt, der billiger liefert. - Und so etwas wie eine Gewerkschaft usw. ist sinnlos, würde so etwas angekurbelt werden, ist es gang und gäbe, dass die Anführer ermordet werden.
Als Apu später stirbt, sieht sich Ravi in der Rolle, als Nachfolger des Meisters, diese ganze Horde von Faulenzern und Nichtsnutzen zu ernähren….. - Er selbst hat einen Traum, ein Bett für seine Frau und sich. - Dieser Traum wird ein Traum bleiben. Nach dem Tod von Abu geht das Geschäft sehr schlecht, die Einkünfte werden sehr mager…. und er vertreibt dann auch die anderen Familienmitglieder aus dem Haushalt; das was da ist, reicht nicht mal für ihn, seine Frau und seinen kleinen Sohn.

Das alte ohnehin baufällige Haus müsste dringend repariert werden, es ist kein Geld da. Für nichts ist Geld da. Das einzige was Ravi hat, ist seine große Liebe zu seiner Frau und dann auch zu seinem Sohn. Sie bekommen auch noch zwei Kinder, nachdem ihr geliebter Sohn gestorben ist, weil einfach kein Geld für adäquate Medikamente oder einen Arzt da war.
Das Elend wird immer größer, und als dann der Reis immer mehr mit Steinen gemischt ist, und der Preis in die Höhe steigt, weil die gierigen Reishändler den Reis zurückhalten, sind die Leute, denen es so geht wie Ravi und allen, am Verhungern. Da beschließen einige dann, anstatt zu verhungern, die großen Lagerschuppen zu plündern…. - . ----Auch Ravi ist bemüht, in dem Menschenstrom zu einem Reisschuppen zu gelangen, um wenigstens ein paar Hände Reis zu ergattern. - Polizeieinsatz, es wird mit Knüppeln und allem was die Polizisten haben, auf die Leute in dieser Menge eingeschlagen. Es gibt unzählige Tote und Verletzte.

Ganz am Ende - ohne jeglichen Hoffungsschimmer, beschließt Ravi, seinen alten Freund, für den er vor seiner Zeit in der Schneiderwerkstatt gearbeitet hatte (Diebereien usw.) zu besuchen. Der ist mittlerweile ein richtiger Gangsterboss, dem es sehr gut geht, der ein schönes Haus, ein großes Auto usw. hat. - Und er ist jetzt bereit, wieder für den zu arbeiten….

 

 

Autorin

Kamala Markandaya,1924-2004, war eine indische Schriftstellerin und Journalistin.

Sie studierte in Madras und arbeitete als Journalistin.

Ab den 1950er Jahren schrieb sie Romane, die in zahlreiche Sprachen übersetzt wurden.

Sie beschrieben häufig die Konflikte Indiens zwischen Tradition und Moderne.

Ihr erster Roman "Nektar in einem Sieb" begründete ihren literarischen Ruf und gilt als Grundstein der indo-englischen Frauenliteratur.

1990 wurde Kamala Markandaya für dieses Werk der Literaturpreis verliehen.

 

 

 

"Wie Millionen andere ist Ravi aus seinem indischen Dorf in die Großstadt geflohen. Als obdachloser Gassenjunge schlägt er sich mit Gelegenheitsarbeiten und kleinen Diebereien durch. Ständig wird er von der Polizei gejagt, bis sich unverhofft ein Ausweg auftut: Der alte Schneider Apu findet Gefallen an dem flinken Kerl, nimmt ihn in seine Werkstatt auf und macht ihn schließlich zu seinem Schwiegersohn.Ob der "ehrliche" Weg nach oben führt? Die Händler drücken rücksichtslos die Preise. Die vornehmen Damen, in deren Luxusvillen Ravi und der alte Apu demütig zur Anprobe erscheinen, feilschen um jede Rupie. Die Wucherzinsen fressen die letzten Reserven. In qualvoller Enge ist eine pausenlos wachsende Sippe zusammengepfercht.

Die beiden mögen sich Tag und Nacht die Finger wund nähen, es reicht bald kaum mehr zur täglichen Handvoll Reis.
Als Apu stirbt, bricht der kleine Traum vom großen Glück und Aufstieg zusammen. Da bietet ihm seine ehemaliger Bandenchef, der zum König des Schwarzmarktes aufgestiegen ist, eine letzte Chance."

(Beschreibung Klapptentext).

Meine abschließende Meinung
Das Lesen dieses Romans hinterlässt eine riesengroße Wut. Natürlich habe ich schon viele Bücher der Art gelesen, wo Armut der tägliche Gast ist. Immer wenn es um Indien geht, und um Schicksale der tausenden von armen Leuten, die aus ihren Dörfern in die Stadt gekommen waren, und dort auch nur am Verhungern sind, ausgenutzt werden, und immer nahe am Hungertod dahin vegetieren…. Das ist nicht nur in Indien so, sondern in sehr, sehr vielen Gegenden der Welt.

Und dass dieser Roman schon 1983 erstmals verlegt wurde, spielt überhaupt keine Rolle. Das ist auch heute noch nicht viel anders. Auch neuere Bücher mit dieser Problematik zeigen das ganz genau. Mit diesem Roman hat die Autorin aber ganz speziell die Geschichte eines Mannes, bzw. einer Familie aufgezeigt, wie es im Einzelnen geschieht. Tausendmal geschieht…eigentlich millionenfach.
Und das macht zornig.

Sie schreibt ja einfach nur, was geschieht, ohne ihre Meinung zu äußern. Das ist auch nicht nötig, alleine ihre Geschichte in diesem Roman reicht, um das alles auch einmal im einzeln zu erfahren.

Der gesamte Roman ist von Anfang an spannend. Wie Ravi anfangs Erfolg hat, und auch seine große Liebe heiraten kann. Und immer wieder die Rückschläge, und immer wieder neue Hoffnungen, Versuche, aus dem Elend herauszukommen. Und immer oder letztendlich erfolglos bleiben. - Die Resignation von Ravi kommt eigentlich erst, als er wirklich ganz am Boden ist, hoffnungslos, schwer verletzt, ohne jegliche Aussicht, das sich an seiner Situation jemals was ändern kann.

Und jeder, der der Meinung ist, "wer will der kann auch" - sollte diesen Roman mal lesen. Ich glaube nicht, dass er dann noch weiterhin der Meinung bleibt.

 

Im Nachwort wird dann alles noch genauer erklärt, die Arbeit der Autorin, ihre Recherchen usw. - und es ist auch eine Aufstellung dabei, was die vielen Worte bedeuten, die im Buch vorkommen.

 

Nur: Diesen Roman liest von den Unterdrückern und Peinigern niemand.

Es würde sie auch nicht interessieren; leider lesen ihn auch sonst nur allzu wenig Leute.