Richard Mason
Minutenwalzer

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Von mir interpretierter Inhalt:
Ein unwahrscheinlich Zeit- und Länder umfassender Inhalt!! -
Da ist zuerst mal Joan, dann ihre Tochter Eloise, diese beiden Protagonistinnen bestimmen die Kerngeschichte. Da ist dann noch, sehr interessanterweise, ein 14-jähriger Junge, der sich mit der alten Joan anfreundet.
Die Nebenfiguren sind dann Eloises Exmann, Eloises Chef und ihre Kollegin.
Diese Figuren bindet der Autor in eine spannende, hochinteressant Geschichte ein; vom Geschäft mit Wertstoffen in aller Welt, dem Burenkrieg in Südafrika, der Situation in einem Altersheim, dem Umgang mit Alzheimer, aber auch dem Kleinkrieg zwischen Kollegen, wissenschaftlichen Forschungen, und und und. -

Die Handlung beginnt, als Eloise mit ihrer Mutter Joan endlich nach monatelangem Suchen ein passendes, wenn auch sündhaft teures Altersheim gefunden hat. Bevor Joan dort aber einzieht, machen beide noch eine Reise nach Südafrika, Eloise möchte ihrer Mutter diesen Traum erfüllen, Joan möchte nochmal an die Orte ihrer Kindheit, ihrer Eltern und Großeltern reisen und sich alles ansehen.

In Südafrika findet jetzt ein wichtiger Strang dieser Geschichte statt; Joan findet einen Fahrer, der sie an diese Orte fährt, aber auch in ein Archiv, wo sie hochinteressante Dokumente usw. findet. -

Sie kommt dorthin, wo in der Zeit des Burenkriegs ihre Vorfahren gelebt hatten, dort wo einst die Konzentrationslager standen, die die Briten für die gefangen genommenen Buren eingerichtet hatten. - Joan weiß, dass viele aus ihrer Familie dort umgekommen sind. Es ist nichts mehr zu sehen, es sind andere Bauten dort, oder gar nichts, kahles, braches Land.

Ich mache jetzt, chronologisch anders als im Buch, einen Sprung voraus, als Joan in dem vornehmen Altersheim ist. -

Joan sieht immer Pedale eines Klaviers. Und wenn sie sie sieht, klopft sie auf den Boden, und sie befindet sich in einer anderen Zeit. Auch während der Zeit als sie in Südafrika vorher war, waren sie manchmal erschienen; und so konnte sie sich versetzen in eine Zeit, die lange vorbei war. - Aber die Pedale benutzt sie auch, um Piano zu spielen, vorzugsweise Chopin, darunter auch den Minutenwalzer, den der Autor benutzte, um sein Buch zu titulieren.

Im Altersheim gefällt es ihr überhaupt nicht, die Bevormundung, die Einschränkung ihrer Freiheit stört sie sehr. Und die Pedale sind ihr ein sehr wichtiger Trost. Sie sieht z.B., dass dieses Altersheim, in dem sie sich befindet, und das in einer vornehmen teuren Gegend ist, früher das Haus war, wo ihre Großeltern und Eltern und auch sie selbst gelebt hatten.

Das sieht so aus: sie klopft auf den Boden, wenn die Pedale da sind, und alles wandelt sich, alle Räume werden zu den Räumen, wie sie vor 100 Jahren waren, auch die Leute. Ihre verhasste Schwiegermutter Astrid wird zu der Pflegedienstleiterin usw. -

Der Autor versucht hier, in meinen Augen, sich einfach mal auszudenken, was in Hirnen von Alzheimer-Kranken so vor sich gehen könnte. Sie ordert dann mal einen Fahrer, der sie in ein Museum mit Archiv fährt. - Und dort wird sie fündig, aber, was das Beste ist, sie lernt dort einen Jungen kennen, der ein Praktikum dort absolviert. - Und der ist ihr behilflich, uralte Akten und Bestände von ausgestorbenen Familien zu finden, die im Burenkrieg in Südafrika interniert gewesen waren. Und darunter ein Tagebuch; und genau dieses Tagebuch ist das Tagebuch ihrer eigenen Großmutter. -

Sie trifft sich regelmäßig mit dem Jungen, er kommt auch zu ihr ins Heim. Sie forschen und graben uralte Urkunden und Schriften aus, die von der Familie handeln, aus der Joan stammt. Und der Junge nimmt sie total ernst, glaubt ihr, kann sich sehr gut in sie hineinversetzen. Es entsteht eine richtige Freundschaft zwischen Joan und dem Jungen.

Es kommen grauenhafte Vorkommnisse ans Licht, die weder Joan noch ihre Tochter oder die Engländer oder die Welt überhaupt noch wissen.

Aber jetzt zurück, Joan und Eloise in Südafrika: Eloise arbeitet in einer internationalen Börse für Rohstoffe, also Diamanten, Gold, Silber, alles was eben in der Welt von großen Wert ist, und es geht um Millionen. Sie ist eine erfolgreiche Maklerin. -
Da sie immer noch Kontakt mit ihrem Exmann hatte, hatte sie aufgrund einer Information von ihm auf eine neue Erfindung von ihm große Mengen eines Produktes gekauft, das noch nicht auf dem Markt ist, aber das, falls es ihrem Exmann gelingt, das erfolgreich zu entwickeln, viele Millionen einbringen kann. Bereits als sie abfliegt nach Südafrika, weiß sie, dass es mit genau diesem Geschäft einen riesigen Einbruch gab, weil eben der Durchbruch auf sich warten lässt, und die Werte fallen, sie hat einen Verlust von 120 Millionen Pfund…… Aber sie hofft auf den Jahresabschluss, da sie glaubt, ihr Exmann hat bis dahin seine Forschungen erfolgreich abgeschlossen. -
Das mal von mir so ganz grob zusammengefasst. -

Sie bekommt eine Nachricht, die sie veranlasst, sofort nach England zurückzufliegen, sie lässt Joan in Südafrika alleine. -
Joan macht sich dann zu ihren eigenen Forschungen auf, und kurzerhand kauft sie dem Fahrer, der sie in einem alten Toyota herumgefahren hat, einen nagelneuen, tollen Kleinbus. - Sie bezahlt mit der Bankkarte, die ihr ihre Tochter dagelassen hat. -

Nach ihrer Rückkehr nach England lebt sie ja dann in diesem Altersheim, Eloise besucht sie zwar oft, aber sie hat ein sehr schlechtes Gewissen, ihre Mutter dort untergebracht zu haben. Ihr Bruder lebt in Australien und kümmert sich kaum um die Mutter.

Eloise durchlebt dann alle grausigen Geschehnisse am Markt, die ihren Ruin bedeuten, falls…….
Ihr Exmann lebt in USA, ist verheiratet und hat Kinder, lebt aber getrennt von seiner Frau, und kommt eines Tages nach England, sie trifft sich mit ihm, erfährt wie es mit seinen Forschungen aussieht. -

Alle beiden Kerngeschichten laufen jetzt nebeneinander her, also Joans und Eloises. Und es ergeben sich Verbindungen, neue Aspekte, interessante Einzelheiten, und alles ist sehr spannend vom Autor inszeniert. Im letzten Teil wird es mir fast ein wenig zu trivial. Es zeichnet sich einfach etwas ab, das für alle sehr positiv scheint….
Aber mehr dazu nicht, ich denke das genügt, um das Interesse an diesem Buch geweckt zu haben und sich einen Einblick zu verschaffen.

Aus dem Anhang geht hervor, dass alle geschilderten Ereignisse und Geschehnisse auf Recherchen basieren, die der Autor vornahm, und nur einzelne Namen oder geschilderte Aufzeichnungen insoweit verändert wurden, um die wirklich existierenden Leute, oder ihre Nachkommen zu schützen.

 

 

Richard Mason wurde 1977 in Südafrika geboren und ist in England aufgewachsen. Er studierte in Eton und Oxford und ist Gründer der Kay Mason Foundation, die den Namen seiner als Kind verstorbenen Schwester trägt. Die Stiftung will jungen Südafrikanern durch Stipendien einen besseren Zugang zur Bildung ermöglichen. Sein erster Roman, "Der Liebesbeweis", war ein internationaler Bestseller und hat sich weltweit 4 Millionen Mal verkauft. Richard Mason lebt als Journalist und Autor in Glasgow. "Minutenwalzer" ist sein dritter Roman.

www.richard-mason.org

 

Buchdaten:
Verlag: Kindler 2008 " Ausstattung/Bilder: 2008.
Seitenzahl: 640 Deutsch

ISBN-13: 9783463405353
ISBN-10: 3463405350
Deutsch v. Judith Schwaab Preis: 19,90 Euro

 

Klappentext:
"Eine bewegende Mutter-Tochter-Geschichte. Eloise arbeitet als Investmentmaklerin in einer erfolgreichen Londoner Firma. Seit vor Jahren die Beziehung zu dem französischen Wissenschaftler Claude, ihrer großen Liebe, gescheitert ist, hat sie sich ganz der Karriere gewidmet. Doch Claude hat nie aufgehört, eine Rolle in ihrem Leben zu spielen, und auf schicksalhafte Weise kreuzen sich ihre Wege erneut. Als Eloises Mutter Joan zunehmend dement wird und in ein Altenheim ziehen muss, gerät Eloises Welt ins Wanken. Durch den langsamen Abschied von Joan begreift sie, was in ihrem Leben wirklich zählt. Und sie trifft eine mutige Entscheidung, die ihr den Boden unter den Füßen wegzureißen droht. Gemeinsam mit ihrer Mutter macht sie eine Reise nach Südafrika. Dort stößt Joan auf das Tagebuch ihrer Großmutter, die in Südafrika aufwuchs und im Burenkrieg in einem Lager interniert war. Immer mehr verliert sich Joan in der Geschichte ihrer Familie, und ihre Gedankenwelt oszilliert zwischen Phantasie und Demenz. Doch sie entwickelt noch einmal eine ungeheure Lebenskraft. Eine Kraft, die an Vornehmheit und Lebendigkeit nur der Musik von Chopin gleichkommt."

Eine sehr interessante Mischung, nicht nur chronologisch, geschichtlich, sondern auch in Bezug auf diese Wertstoff-Börse, ihre Machenschaften, wie es dort zugeht, und zu der Situation heute gesetzt, sehr aufschlussreich. - Der Handel mit Rohstoffen, bzw. die Rohstoffbörse ist so ähnlich wie auch das Bankgeschäft. Wo einer große Posten kauft, mit hohem Risiko, dessen Wert noch gar nicht klar ist, das wieder weiter verkauft, oder weitere einkauft, dadurch die Preise auf dem Weltmarkt beeinflusst werden usw.

Diese Geschichte der Joan und ihrer Großeltern, ihrer ganzen Familie im vorigen Jahrhundert während des Burenkriegs in Südafrika hat eine ganz besondere Note. Zuerst mal sehr interessant, wer weiß z.b. noch heute, was damals dort geschah, mit den Buren, was die Engländer angestellt haben, mit ihren Vertreibungen, Morden, KZs. (Mal zur Erinnerung: Die Buren sind Holländer, die in den Jahrhunderten davor in Südafrika eingewandert waren, und dort sesshaft wurden, Farmen aufbauten usw.).
Aus einigen Unterlagen geht auch hervor, wie ein englischer Arzt an Kindern Versuche macht, um herauszufinden, wie sie zu einem Orgasmus kommen können, ob es möglich ist, und und und. !!!! und dass zahlreichen kleinen Mädchen alles abgeschnitten wird, um weiteres zu testen!! Hier mal ein Auszug, wo es um dem Burenkrieg geht:

"Insgesamt wurden im ganzen Land mehr als 30.000 Höfe bis auf die Grundmauern niedergebrannt. Allein rund um Bloemfontein wurden Dutzende von Farmen zerstört, unter ihnen eine, die von einem englischen Journalisten für den Manchester Guardian als "Das Musterbeispiel einer modern arbeiten Farm" beschrieben worden war - ein Anwesen namens Van Vuurens Drift, das nur wenige Kilometer östlich von hier lag."

und weiter:

"Es bedurfte erst der Anordnung eines "Kalten Krieges", wie sie Roberts Nachfolger, Lord Kitchener, traf, um der Taktik der Buren erfolgreich entgegenzutreten. Im März 1901 begann er mit dem Bau dessen, was man heute als einen riesigen Käfig bezeichnen könnte, einer flächendeckenden Anlage von 8000 Blockhäusern, die durch 3700 Meilen Stacheldraht miteinander verbunden waren und von 50.000 Soldaten bewacht wurden. Darin brachte man die Buren unter. Direkte Folge war, dass durch Planungsfehler und Mängel in der Versorgung der Konzentrationslager mehr als 28.000 Erwachsene und Kinder dort zu Tode kamen. -
Erst eine mutige Engländerin … die die Lager besuchte und entsetzt über die dortigen Zustände war, rüttelte die Weltöffentlichkeit wach und zeigte auf, welches Leid hinter dem vornehmen Gerede der britischen Regierung von "humanitärer Hilfe" steckte - wofür man ihr allerdings zum Dank beim nächsten Mal die Einreise nach Südafrika verweigerte. Und obwohl man weltweit schockiert war über das, was nun bekannt wurde, verbesserten sich die Umstände mehrere Monate lang nicht, weil die Behörden alles abstritten oder Hilfe verzögerten. Als die Briten schließlich kapitulierten, waren mehr als zehn Prozent der Buren nicht mehr am Leben….. - - - - - Sie erklärten sich bereit, den Buren eine eigene Regierung zu gewähren, und lösten dieses Versprechen fünf Jahr später auch ein. ………. - - - und machten damit die afrikanische Hoffnung auf liberale Selbstbestimmung in der Kapkolonie zunichte. Die Auswirkungen dieser Entscheidung und das psychologische Vermächtnis der Konzentrationslager prägten die gesamte Geschichte Südafrikas im zwanzigsten Jahrhundert."

Und das alles wiederum in Verbindung mit Joan, die an Alzheimer leidet und dieses alles recherchiert. - - Was aber gar nicht so scheint, weil alles plausibel ist, was die erlebt, was sie unternimmt, und auch ihre imaginären Bilder und Geschichten sind nicht die einer Kranken. - So sehe ich das zumindest -.

Auch wie mit Leuten wie ihr im Altersheim umgegangen wird, bleibt nicht unberührt. - Täglich bestimmte Medikamente, die die Leute einfach nur ruhig stellen, und die Krankheit eigentlich nur vorantreiben. - Joan weiß sich dagegen zu wehren, sie schluckt die Tabletten nicht, und wenn sie sie in Anwesenheit der Pflegerin nehmen muss, spuckt sie sie anschließend gleich in die Toilette. - Gelingt ihr das mal nicht, sind die Auswirkungen grauenhaft, sie wird total wirr und lethargisch, ihre Pedale kommen nicht mehr, sie kann nicht mehr imaginär Piano spielen, döst nur noch vor sich hin. - Also durch die Medikamente würde Joans jegliche Lebensqualität zunichte gemacht.

Alles zusammen, wenn ich Fazit ziehe, las sich dieses Buch sehr leicht, weil es sehr spannend ist; aber nicht nur das, sondern es ist hochinteressant, bietet viele Einblicke nicht nur über eine Wertstoffbörse, Alzheimer, Südafrika, sondern dem Autor ist eine hervorragende Verbindung gelungen, das alles in einen Roman zu integrieren.