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Von mir interpretierter Inhalt:
Ein unwahrscheinlich Zeit- und Länder umfassender Inhalt!! -
Da ist zuerst mal Joan, dann ihre Tochter Eloise, diese beiden Protagonistinnen
bestimmen die Kerngeschichte. Da ist dann noch, sehr interessanterweise,
ein 14-jähriger Junge, der sich mit der alten Joan anfreundet.
Die Nebenfiguren sind dann Eloises Exmann, Eloises Chef und ihre
Kollegin.
Diese Figuren bindet der Autor in eine spannende, hochinteressant
Geschichte ein; vom Geschäft mit Wertstoffen in aller Welt, dem
Burenkrieg in Südafrika, der Situation in einem Altersheim, dem
Umgang mit Alzheimer, aber auch dem Kleinkrieg zwischen Kollegen,
wissenschaftlichen Forschungen, und und und. -
Die Handlung beginnt, als Eloise mit ihrer Mutter Joan endlich
nach monatelangem Suchen ein passendes, wenn auch sündhaft teures
Altersheim gefunden hat. Bevor Joan dort aber einzieht, machen beide
noch eine Reise nach Südafrika, Eloise möchte ihrer Mutter diesen
Traum erfüllen, Joan möchte nochmal an die Orte ihrer Kindheit,
ihrer Eltern und Großeltern reisen und sich alles ansehen.
In Südafrika findet jetzt ein wichtiger Strang dieser Geschichte
statt; Joan findet einen Fahrer, der sie an diese Orte fährt, aber
auch in ein Archiv, wo sie hochinteressante Dokumente usw. findet.
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Sie kommt dorthin, wo in der Zeit des Burenkriegs ihre Vorfahren
gelebt hatten, dort wo einst die Konzentrationslager standen, die
die Briten für die gefangen genommenen Buren eingerichtet hatten.
- Joan weiß, dass viele aus ihrer Familie dort umgekommen sind.
Es ist nichts mehr zu sehen, es sind andere Bauten dort, oder gar
nichts, kahles, braches Land.
Ich mache jetzt, chronologisch anders als im Buch, einen Sprung
voraus, als Joan in dem vornehmen Altersheim ist. -
Joan sieht immer Pedale eines Klaviers. Und wenn sie sie sieht,
klopft sie auf den Boden, und sie befindet sich in einer anderen
Zeit. Auch während der Zeit als sie in Südafrika vorher war, waren
sie manchmal erschienen; und so konnte sie sich versetzen in eine
Zeit, die lange vorbei war. - Aber die Pedale benutzt sie auch,
um Piano zu spielen, vorzugsweise Chopin, darunter auch den Minutenwalzer,
den der Autor benutzte, um sein Buch zu titulieren.
Im Altersheim gefällt es ihr überhaupt nicht, die Bevormundung,
die Einschränkung ihrer Freiheit stört sie sehr. Und die Pedale
sind ihr ein sehr wichtiger Trost. Sie sieht z.B., dass dieses Altersheim,
in dem sie sich befindet, und das in einer vornehmen teuren Gegend
ist, früher das Haus war, wo ihre Großeltern und Eltern und auch
sie selbst gelebt hatten.
Das sieht so aus: sie klopft auf den Boden, wenn die Pedale da
sind, und alles wandelt sich, alle Räume werden zu den Räumen, wie
sie vor 100 Jahren waren, auch die Leute. Ihre verhasste Schwiegermutter
Astrid wird zu der Pflegedienstleiterin usw. -
Der Autor versucht hier, in meinen Augen, sich einfach mal auszudenken,
was in Hirnen von Alzheimer-Kranken so vor sich gehen könnte. Sie
ordert dann mal einen Fahrer, der sie in ein Museum mit Archiv fährt.
- Und dort wird sie fündig, aber, was das Beste ist, sie lernt dort
einen Jungen kennen, der ein Praktikum dort absolviert. - Und der
ist ihr behilflich, uralte Akten und Bestände von ausgestorbenen
Familien zu finden, die im Burenkrieg in Südafrika interniert gewesen
waren. Und darunter ein Tagebuch; und genau dieses Tagebuch ist
das Tagebuch ihrer eigenen Großmutter. -
Sie trifft sich regelmäßig mit dem Jungen, er kommt auch zu ihr
ins Heim. Sie forschen und graben uralte Urkunden und Schriften
aus, die von der Familie handeln, aus der Joan stammt. Und der Junge
nimmt sie total ernst, glaubt ihr, kann sich sehr gut in sie hineinversetzen.
Es entsteht eine richtige Freundschaft zwischen Joan und dem Jungen.
Es kommen grauenhafte Vorkommnisse ans Licht, die weder Joan noch
ihre Tochter oder die Engländer oder die Welt überhaupt noch wissen.
Aber jetzt zurück, Joan und Eloise in Südafrika: Eloise arbeitet
in einer internationalen Börse für Rohstoffe, also Diamanten, Gold,
Silber, alles was eben in der Welt von großen Wert ist, und es geht
um Millionen. Sie ist eine erfolgreiche Maklerin. -
Da sie immer noch Kontakt mit ihrem Exmann hatte, hatte sie aufgrund
einer Information von ihm auf eine neue Erfindung von ihm große
Mengen eines Produktes gekauft, das noch nicht auf dem Markt ist,
aber das, falls es ihrem Exmann gelingt, das erfolgreich zu entwickeln,
viele Millionen einbringen kann. Bereits als sie abfliegt nach Südafrika,
weiß sie, dass es mit genau diesem Geschäft einen riesigen Einbruch
gab, weil eben der Durchbruch auf sich warten lässt, und die Werte
fallen, sie hat einen Verlust von 120 Millionen Pfund…… Aber sie
hofft auf den Jahresabschluss, da sie glaubt, ihr Exmann hat bis
dahin seine Forschungen erfolgreich abgeschlossen. -
Das mal von mir so ganz grob zusammengefasst. -
Sie bekommt eine Nachricht, die sie veranlasst, sofort nach England
zurückzufliegen, sie lässt Joan in Südafrika alleine. -
Joan macht sich dann zu ihren eigenen Forschungen auf, und kurzerhand
kauft sie dem Fahrer, der sie in einem alten Toyota herumgefahren
hat, einen nagelneuen, tollen Kleinbus. - Sie bezahlt mit der Bankkarte,
die ihr ihre Tochter dagelassen hat. -
Nach ihrer Rückkehr nach England lebt sie ja dann in diesem Altersheim,
Eloise besucht sie zwar oft, aber sie hat ein sehr schlechtes Gewissen,
ihre Mutter dort untergebracht zu haben. Ihr Bruder lebt in Australien
und kümmert sich kaum um die Mutter.
Eloise durchlebt dann alle grausigen Geschehnisse am Markt, die
ihren Ruin bedeuten, falls…….
Ihr Exmann lebt in USA, ist verheiratet und hat Kinder, lebt aber
getrennt von seiner Frau, und kommt eines Tages nach England, sie
trifft sich mit ihm, erfährt wie es mit seinen Forschungen aussieht.
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Alle beiden Kerngeschichten laufen jetzt nebeneinander her, also
Joans und Eloises. Und es ergeben sich Verbindungen, neue Aspekte,
interessante Einzelheiten, und alles ist sehr spannend vom Autor
inszeniert. Im letzten Teil wird es mir fast ein wenig zu trivial.
Es zeichnet sich einfach etwas ab, das für alle sehr positiv scheint….
Aber mehr dazu nicht, ich denke das genügt, um das Interesse an
diesem Buch geweckt zu haben und sich einen Einblick zu verschaffen.
Aus dem Anhang geht hervor, dass alle geschilderten Ereignisse
und Geschehnisse auf Recherchen basieren, die der Autor vornahm,
und nur einzelne Namen oder geschilderte Aufzeichnungen insoweit
verändert wurden, um die wirklich existierenden Leute, oder
ihre Nachkommen zu schützen.
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Richard Mason wurde 1977 in Südafrika geboren und
ist in England aufgewachsen. Er studierte in Eton und Oxford und
ist Gründer der Kay Mason Foundation, die den Namen seiner als Kind
verstorbenen Schwester trägt. Die Stiftung will jungen Südafrikanern
durch Stipendien einen besseren Zugang zur Bildung ermöglichen.
Sein erster Roman, "Der Liebesbeweis", war ein internationaler Bestseller
und hat sich weltweit 4 Millionen Mal verkauft. Richard Mason lebt
als Journalist und Autor in Glasgow. "Minutenwalzer" ist sein dritter
Roman.
www.richard-mason.org
Buchdaten:
Verlag: Kindler 2008 " Ausstattung/Bilder: 2008.
Seitenzahl: 640 Deutsch
ISBN-13: 9783463405353
ISBN-10: 3463405350
Deutsch v. Judith Schwaab Preis: 19,90 Euro
Klappentext:
"Eine bewegende Mutter-Tochter-Geschichte. Eloise arbeitet als Investmentmaklerin
in einer erfolgreichen Londoner Firma. Seit vor Jahren die Beziehung
zu dem französischen Wissenschaftler Claude, ihrer großen Liebe,
gescheitert ist, hat sie sich ganz der Karriere gewidmet. Doch Claude
hat nie aufgehört, eine Rolle in ihrem Leben zu spielen, und auf
schicksalhafte Weise kreuzen sich ihre Wege erneut. Als Eloises
Mutter Joan zunehmend dement wird und in ein Altenheim ziehen muss,
gerät Eloises Welt ins Wanken. Durch den langsamen Abschied von
Joan begreift sie, was in ihrem Leben wirklich zählt. Und sie trifft
eine mutige Entscheidung, die ihr den Boden unter den Füßen wegzureißen
droht. Gemeinsam mit ihrer Mutter macht sie eine Reise nach Südafrika.
Dort stößt Joan auf das Tagebuch ihrer Großmutter, die in Südafrika
aufwuchs und im Burenkrieg in einem Lager interniert war. Immer
mehr verliert sich Joan in der Geschichte ihrer Familie, und ihre
Gedankenwelt oszilliert zwischen Phantasie und Demenz. Doch sie
entwickelt noch einmal eine ungeheure Lebenskraft. Eine Kraft, die
an Vornehmheit und Lebendigkeit nur der Musik von Chopin gleichkommt."
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Eine
sehr interessante Mischung, nicht nur chronologisch, geschichtlich,
sondern auch in Bezug auf diese Wertstoff-Börse, ihre Machenschaften,
wie es dort zugeht, und zu der Situation heute gesetzt, sehr aufschlussreich.
- Der Handel mit Rohstoffen, bzw. die Rohstoffbörse ist so ähnlich
wie auch das Bankgeschäft. Wo einer große Posten kauft, mit hohem
Risiko, dessen Wert noch gar nicht klar ist, das wieder weiter verkauft,
oder weitere einkauft, dadurch die Preise auf dem Weltmarkt beeinflusst
werden usw.
Diese
Geschichte der Joan und ihrer Großeltern, ihrer ganzen Familie im
vorigen Jahrhundert während des Burenkriegs in Südafrika hat eine
ganz besondere Note. Zuerst mal sehr interessant, wer weiß z.b.
noch heute, was damals dort geschah, mit den Buren, was die Engländer
angestellt haben, mit ihren Vertreibungen, Morden, KZs. (Mal zur
Erinnerung: Die Buren sind Holländer, die in den Jahrhunderten davor
in Südafrika eingewandert waren, und dort sesshaft wurden, Farmen
aufbauten usw.).
Aus einigen Unterlagen geht auch hervor, wie ein englischer Arzt
an Kindern Versuche macht, um herauszufinden, wie sie zu einem Orgasmus
kommen können, ob es möglich ist, und und und. !!!! und dass zahlreichen
kleinen Mädchen alles abgeschnitten wird, um weiteres zu testen!!
Hier mal ein Auszug, wo es um dem Burenkrieg geht:
"Insgesamt
wurden im ganzen Land mehr als 30.000 Höfe bis auf die Grundmauern
niedergebrannt. Allein rund um Bloemfontein wurden Dutzende von
Farmen zerstört, unter ihnen eine, die von einem englischen Journalisten
für den Manchester Guardian als "Das Musterbeispiel einer modern
arbeiten Farm" beschrieben worden war - ein Anwesen namens Van Vuurens
Drift, das nur wenige Kilometer östlich von hier lag."
und
weiter:
"Es
bedurfte erst der Anordnung eines "Kalten Krieges", wie sie Roberts
Nachfolger, Lord Kitchener, traf, um der Taktik der Buren erfolgreich
entgegenzutreten. Im März 1901 begann er mit dem Bau dessen, was
man heute als einen riesigen Käfig bezeichnen könnte, einer flächendeckenden
Anlage von 8000 Blockhäusern, die durch 3700 Meilen Stacheldraht
miteinander verbunden waren und von 50.000 Soldaten bewacht wurden.
Darin brachte man die Buren unter. Direkte Folge war, dass durch
Planungsfehler und Mängel in der Versorgung der Konzentrationslager
mehr als 28.000 Erwachsene und Kinder dort zu Tode kamen. -
Erst eine mutige Engländerin … die die Lager besuchte und entsetzt
über die dortigen Zustände war, rüttelte die Weltöffentlichkeit
wach und zeigte auf, welches Leid hinter dem vornehmen Gerede der
britischen Regierung von "humanitärer Hilfe" steckte - wofür man
ihr allerdings zum Dank beim nächsten Mal die Einreise nach Südafrika
verweigerte. Und obwohl man weltweit schockiert war über das, was
nun bekannt wurde, verbesserten sich die Umstände mehrere Monate
lang nicht, weil die Behörden alles abstritten oder Hilfe verzögerten.
Als die Briten schließlich kapitulierten, waren mehr als zehn Prozent
der Buren nicht mehr am Leben….. - - - - - Sie erklärten sich bereit,
den Buren eine eigene Regierung zu gewähren, und lösten dieses Versprechen
fünf Jahr später auch ein. ………. - - - und machten damit die afrikanische
Hoffnung auf liberale Selbstbestimmung in der Kapkolonie zunichte.
Die Auswirkungen dieser Entscheidung und das psychologische Vermächtnis
der Konzentrationslager prägten die gesamte Geschichte Südafrikas
im zwanzigsten Jahrhundert."
Und
das alles wiederum in Verbindung mit Joan, die an Alzheimer leidet
und dieses alles recherchiert. - - Was aber gar nicht so scheint,
weil alles plausibel ist, was die erlebt, was sie unternimmt, und
auch ihre imaginären Bilder und Geschichten sind nicht die einer
Kranken. - So sehe ich das zumindest -.
Auch
wie mit Leuten wie ihr im Altersheim umgegangen wird, bleibt nicht
unberührt. - Täglich bestimmte Medikamente, die die Leute einfach
nur ruhig stellen, und die Krankheit eigentlich nur vorantreiben.
- Joan weiß sich dagegen zu wehren, sie schluckt die Tabletten nicht,
und wenn sie sie in Anwesenheit der Pflegerin nehmen muss, spuckt
sie sie anschließend gleich in die Toilette. - Gelingt ihr das mal
nicht, sind die Auswirkungen grauenhaft, sie wird total wirr und
lethargisch, ihre Pedale kommen nicht mehr, sie kann nicht mehr
imaginär Piano spielen, döst nur noch vor sich hin. - Also durch
die Medikamente würde Joans jegliche Lebensqualität zunichte gemacht.
Alles
zusammen, wenn ich Fazit ziehe, las sich dieses Buch sehr leicht,
weil es sehr spannend ist; aber nicht nur das, sondern es ist hochinteressant,
bietet viele Einblicke nicht nur über eine Wertstoffbörse, Alzheimer,
Südafrika, sondern dem Autor ist eine hervorragende Verbindung gelungen,
das alles in einen Roman zu integrieren.
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