|

Klappentext:
"Der Beatles-Ohrwurm "Norwegian Wood" ist für den siebenunddreißigjährigen
Toru Watanabe ein melancholischer Song der Erinnerung: an den Aufruhr
der Gefühle in einer schmerzvollen und schicksalhaften Jugend, die
er zu bewahren und zu verstehen versucht. "Naokos Lächeln" erzählt
lebendig und leidenschaftlich von einer Liebe mit Komplikationen
in den unruhigen sechziger Jahren: Toru, der einsame, ernste Student
der Theaterwissenschaft, begeistert von Literatur, Musik und wortlosen
Sonntagsspaziergängen auf Tokios Straßen, erfährt früh, dass der
Verlust von Menschen zum Leben und zum Drama des Erwachsenwerdens
dazugehört. Der Jugendfreund Kizuki begeht Selbstmord, die geheimnisvoll
anziehende Naoko verirrt sich in ihrer eigenen unerreichbaren Welt
und Toru Watanabe muss sich zwischen ihr und der vor Lebenslust
vibrierenden Midori entscheiden."
Mein Versuch einer Zusammenfassung:
Toru Watanabe, der Protagonist, Ich-Erzähler, 37 Jahre alt, befindet
sich in einer Boeing 747 im Landeanflug auf Hamburg. Während der
Beatles-Song Norwegian Wood zu hören ist, kommen seine Erinnerungen;
zurück bis in seine Jugend, als er 17 Jahre alt ist.
----als er zurückdenkt, seine Erinnerungen aufkommen, und ihm
auffällt, das dabei die Landschaft, das Drumherum zuerst kommt,
bevor die Person deutlich wird - - - - - -
"und doch kommt mir, wenn ich heute zurückdenke, als erstes
die Wiese in den Sinn. Der Duft des Grases, die Brise mit ihrem
Anflug von Kühle, die Hügelkette, das Hundegebell, alles ist ganz
deutlich, so deutlich, als müsste ich nur die Hand ausstrecken,
um es zu berühren. Aber in dieser Szenerie gibt es keine Menschen.
niemanden. Naoko nicht und mich auch nicht. Was wohl aus uns geworden
ist; Wie konnten wir einfach so verschwinden; Alles, was mir damals
so wichtig schien - - - . Naoko, ich, und meine damalige Welt: Wohin
sind sie nur verschwunden. Dabei kann ich mich ja kaum noch an Naokos
Gesicht erinnern. Geblieben ist mir nur dieses menschenleere Bild."
- - - - -
Was Toru Watanabe in seiner Jugend ab dem Zeitpunkt, wo sein bester
Freund Kizuki Selbstmord beging, nie loslässt, ist der Gedanke an
den Tod.
Und als er im Studentenwohnheim über sein Leben nachdenkt, nur einige
Monate nach dem Tod des Freundes:
"------- Der Tod verkörpert nicht das Gegenteil des Lebens,
sondern ist ein Bestandteil desselben. Ausgesprochen klingt das
wie eine Binsenweisheit, doch damals empfand ich diese Erkenntnis
nicht in Form von Worten, sondern als eben diesen Luftknoten in
meinem Innern. - Der Tod existierte in Briefbeschwerern ebenso wie
in vier roten und weißen Kugeln auf einem Billardtisch (hier
kommt vermutlich das Foto auf dem Cover her) - Und unser Leben
lang saugen wir ihn wie feinen Staub in unsere Lungen. Bis dahin
hatte ich den Tod als etwas völlig vom Leben Getrenntes und Unabhängiges
begriffen. Unweigerlich würde der Tod eines Tages seine Hand auch
nach mir ausstrecken, doch bis zu diesem Tag konnte er mir nichts
anhaben.-------------"
Toru und Kizuki, (als er noch lebt), und dessen Freundin Naoko
sind meistens zu dritt unterwegs, unternehmen viel. Kizuki agiert
mehr oder weniger als Unterhalte für seine Freundin und einen Freund.
Toru und Naoko hören meistens nur zu, amüsieren sich über Kizuki,
und der braucht Zuhörer. - Naoko ist am liebsten mit beiden zusammen.
Sie liebt Kizuki, aber ohne Toru ist alles irgendwie leer.
Nach dem Tod (Selbstmord) von Kizuki erkrankt Naoko nach und nach
psychisch, Toru kümmert sich aber um sie, längst hat er sich in
sie verliebt, es ist eine scheue Liebe und eine große Freundschaft.
Naoko lächelt immer nur, bleibt aber irgendwie unnahbar. -
Sie unternehmen lange Spaziergänge - oft ohne viele Worte - . Sie
verstehen sich sehr gut und ihre Wanderungen durch Tokio oder auch
durch Landschaften gehören zum festen Plan von Toru und Naoko -
während Toru im Wohnheim wohnt und an der Uni studiert.
Toru hat einen sehr guten Freund im Wohnheim, ein Frauenheld und
sehr agiler Typ, der zwar eine feste Freundin hat, aber dennoch
abends loszieht, um Frauen ‚aufzureißen' - und nimmt auch Toru mit.
Sie machen das immer so, gehen in die Stadt, in eine Bar, gucken
wo zwei Mädchen sitzen, trinken mit ihnen Alkohol, dann gehen sie
in ein Hotel. -
Er lernt in der Uni ein anderes Mädchen kennen, Midori. Sie ist
das Gegenteil von Naoko.
Nachdem Naoko lange nicht erreichbar war, hatte er ihr Briefe an
die Adresse ihrer Eltern geschickt. Und eines Tages bekommt er einen
Brief von Naoko, und zwar hält sie sich in einem sanatoriumsähnlichen
Ort auf, wo keine Therapien etc. stattfinden, einfach eine Einrichtung,
wo Menschen mit psychischen Störungen wohnen, arbeiten, von der
Außenwelt ziemlich abgeschieden; sie ernähren sich von selbstgezogenem
Gemüse, halten Tiere, pflegen Tiere, leben ganz einfach ohne Fernsehen,
Radio oder sonstigen Medien von außen.
Er schreibt ihr zurück und schließlich fährt er hin um sie zu besuchen.
-
Jetzt wird diese Einrichtung geschildert, wie er dahin kommt, welchen
Eindruck sie auf ihn macht, und alles erscheint irgendwie unwahr,
traumhaft, unwirklich. Er findet die Einrichtung, und auch Naoko,
die zusammen mit einer über 30-jährigen Frau Reiko, in einem kleinen
Haus zusammenlebt.
Die vielen Unterhaltungen, die Reiko mit ihm führt, sind alle sehr
lange, und sehr aussagekräftig. Reiko erzählt ihm ihr Leben, nicht
auf einmal, immer dann, wenn sie Naoko mal für ein Weilchen alleine
lassen müssen, gehen sie raus und sie erzählen sich ihre Erlebnisse,
ihr bisheriges Leben. Reiko lebt schon acht Jahre dort, hat auch
eine psych. Krankheit, und eine schwere Vergangenheit hinter sich,
das alles erzählt sie Toru.
Eines Nachts kommt Naoko zu ihm, er schläft auf dem Sofa, die
beiden Frauen haben ein gemeinsames Schlafzimmer. - Sie zieht sich
aus, zeigt ihm ihren wunderschönen Körper, aber mehr nicht, dann
verschwindet sie wieder. Ob das ein Traum war oder Wirklichkeit,
kann er nicht feststellen, am nächsten Tag macht Naoko so, als ob
nichts geschehen wäre.
Naoko hatte ihm erzählt, dass sie mit ihrem verstorbenen Freund
keinen Geschlechtsverkehr vollziehen konnte, weil es von ihr aus
nicht ging. - Sie haben andere Praktiken angewandt, was sie auch
mit Toru praktiziert. - Nach drei Tagen fährt Toru wieder nachhause,
in sein Wohnheim.
Und trifft dort mal regelmäßig, mal ein paar Wochen gar nicht Midori.
Sie ist eine quirlige Person, die verrückte Ideen hat und Toru kann
meistens nur mit dem Kopf nicken, wenn sie ihre verrückten Sachen
erzählt. Auch mit ihr hat er keinen Geschlechtsverkehr, sie will
das nicht, sie hat einen festen Freund. -
So hat Toru nun zwei Freundinnen, in zwei Orten, aber mit keiner
von beiden ein wirklich befriedigendes sexuelles Verhältnis. - Wobei
ihm das nicht allzu viel ausmacht. Er macht das, wie alle anderen
auch, er masturbiert. Nur hat er jetzt dabei Naoko vor Augen. -
Die vielen Schilderungen über Sexualpraktiken sind in diesem Buch
auffällig häufig, und ich lasse mich darüber mal nicht aus, sind
aber interessant.
Toru sucht sich dann, als er es im Wohnheim nicht mehr aushält,
eine eigene Wohnung, findet ein ganz kleines Haus in einem Garten.
Das richtet er sich nett ein, und geht so weiter seinem Leben nach,
ausgefüllt mit Treffen mit Midori, mit Briefeschreiben an Naoko.
-
Midori lässt sich oft lange Zeit nicht sehen, dann ist sie beleidigt
wegen irgendetwas, und irgendwann meldet sie sich aber wieder, sagt
ihm, sie hätte sich von ihrem Freund getrennt. -
Toru ist aber mit seinen Gedanken bei Naoko, und bemerkt nicht,
dass sie sich ihm eigentlich jetzt anbietet. - Gut, sie ist wieder
beleidigt und will ihn einige Zeit wieder nicht sehen.
Von Naoko hat er lange Zeit nichts gehört, und von Reiko bekommt
er eines Tages die Nachricht, Naoko befinde sich in einem psychiatrischen
Krankenhaus. Der Briefwechsel mit Reiko bleibt dennoch.
Und jetzt gebe ich vom Inhalt nichts mehr preis, es geschieht
einiges, es gibt auch ein Ende, aber wie immer bei Haruki Murakami
bin ich auf der Hut, um nicht immer erst am Schluss das ‚Aha-Erlebnis'
zu haben, dass einiges nur Traum, einiges wahr ist. Aber bei diesem
Buch gelang es mir wieder nicht. - Und der letzte Satz wiederum
lässt so vieles offen, und der Leser kann sich selbst ein Ende ‚bauen'
- ---Ja so schreibt der Autor eben.
|
|
Daten zum Buch:
Die Originalausgabe erschien 1987 unter dem Titel "Noruwei no
mori" bei Kodansha Ltd, Tokio Verlag: DuMont Buchverlag GmbH 2001
einmalige Sonderausgabe als Taschenbuch 2006:
btb-Verlag, Randoum-House, München
Seitenzahl: 428
Deutsch
ISBN-13: 9783832156091 ISBN-10: 3832156097
aus dem Japanischen übersetzt von Ursula Gräfe
Preis: gebundene Ausgabe: 24,90 Euro Taschenbuch: 10,- Euro bei
buecher.de
Der Autor:
"Haruki Murakami wurde 1949 in Kyoto geboren.
Sein Großvater väterlicherseits war buddhistischer Priester, der
Großvater mütterlicherseits Händler in Osaka. Murakami wuchs in
einem Vorort der Stadt Kobe auf, in der beide Eltern japanische
Literatur unterrichteten.
Murakami studierte ab 1968 an der Waseda-Universität
Theaterwissenschaft und Drehbuchschreiben. Seit 1971 ist er mit
seiner Frau Yoko verheiratet.
1984 verlegte er mehrmals seinen Wohnsitz (Fujisawa,
Tokio, ), dann führten ihn Reisen nach Italien und Griechenland.
1991 wurde er an der Princeton University (New Jersey) zunächst
Gastdozent, dann Gast-Professor.
Im Juli 1993 folgte er einem Ruf an die Tufts University
in Medford, Massachusetts. 1995 kehrte er nach Japan zurück und
lebt seit 2001 in Oiso.
|