Robert Musil

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„Kurzbeschreibung
Die  Kühnheit Musilscher Psychologie ist bereits in seinem ersten Werk auffallend. Ungewöhnliche, subtile Pubertätsstudie, in der Musil seine Erfahrungen als Kadett einer k. u. k. österreichischen Militärerziehungsanstalt auswertete. Eine scharfsichtig genaue, glasklare Interpretation jugendlichen Wachstums, die zugleich das Bild kommender Diktatur und der Vergewaltigung des einzelnen durch das System visionär verzeichnet."

Die Verwirrungen des Zöglings Törleß
Musil schrieb diesen, seinen ersten Roman, mit  22 Jahren; trotz seiner Jugend schon Ingenieur und er fühlte sich in seinem Beruf unzufrieden und gelangweilt. So setzte er sich in diesem Buch mit den eigenen Erfahrungen als Zögling von  Militärerziehungsanstalten auseinander, die er 1892 bis 1897 in Eisenstadt und Mährisch-Weißkirchen besucht  hatte. Er schickte  das Manuskript dem prominenten und einflussreichen Kritiker Alfred Kerr zu,(da er keinen Verlag gefunden hatte der sein Buch herausgeben wollte), der es groß herausbrachte und Musil damit zum literarischen Durchbruch verhalf.

Inhalt: Der junge Törleß, Sohn eines Hofrats, tritt in ein altehrwürdiges Konvikt ein, in dem die Sprösslinge der oberen Familien des Landes auf den Militär- oder Staatsdienst vorbereitet werden. Das Zusammenleben der Schüler ist von pubertären Nöten und homoerotischen Beziehungen geprägt. Törleß befindet sich in diesem Konvikt zunächst in einer komplizierten, von Depressionen geprägten Situation. Er empfindet sein Leben als sinnlos und sehnt sich nach einem anderen Dasein, von dessen Gehalt und Form er sich allerdings keine rechte Vorstellung machen kann. Ausbruchsversuche aus der behütet erscheinenden Bürgerwelt, eine Begegnung mit einer Dirne lösen in ihm heftige Gefühle aus, bringen jedoch keine Erfüllung.
Das verhängnisvolle Geschehen setzt ein, als Basini, ein weicher, in seiner Entwicklung zurückgebliebener Junge, von Mitschülern des Kameradendiebstahls überführt wird. Statt ihn der Internatsleitung zu melden, beschließen die Zöglinge Beineberg und Reiting, die Bestrafung und Läuterung des Jungen selbst vorzunehmen. Der feinfühlige Törless, neugierig auf das Bösartige und Vulgäre, das die beiden verkörpern, beteiligt sich – angezogen und abgestoßen von dem Geschehen zugleich – eine Zeit lang an den Peinigungen und Demütigungen des Schülers Basini. In Törleß  Gegenwart wird er geprügelt, erniedrigt und zu homosexuellen Diensten missbraucht. Erst als sich die Quälereien zum Lynchexzess steigern, wendet Törleß sich ab und erreicht infolge einer vorgetäuschten Flucht die Entlassung aus der ungeliebten Anstalt und die Rückkehr zu seiner Familie.
Wirkung: Das Buch von Musil war für seine Zeit eine ungewöhnliche, vom Thema her nahezu revolutionäre Arbeit, die in ihrer sprachlichen Form Vorläufer des später verbreiteten expressionistischen Stils war. Der Roman fand eine beachtliche Resonanz, der Erfolg öffnete dem Autor die Türen zu einflussreichen literarischen Kreisen Berlins und brachte ihm die Bekanntschaft mit Schriftstellern und Kritikern. 1966 wurde der Stoff von Volker Schlöndorff verfilmt. R. F.“

 


„Autorenporträt
Copyright: Aus Das Buch der 1000 Bücher (Harenberg Verlag)
Musil, Robert österreich. Schriftsteller *6.11.1880 Klagenfurt, 15.4.1942 Genf Die Verwirrungen des Zöglings Törleß, 1906 Der Mann ohne Eigenschaften, 1930-43 Mit seinem Hauptwerk, dem Roman Der Mann ohne Eigenschaften, hat Robert Musil eines der grundlegenden Werke der ersten Jahrhunderthälfte geschrieben. Mit James R Joyce und Marcel R Proust in einem Atemzug genannt, gilt er heute als Mitbegründer der literarischen Moderne, da er den Bereich der Erkenntnis im Roman wesentlich erweitert und "die Unermesslichkeit dessen entdeckt hat, was einzig der Roman enthüllen kann" (Milan Kundera). Musil, Professorensohn aus Klagenfurt und zur Offizierslaufbahn bestimmt, besuchte zunächst Kadettenschulen, bevor er auf dem Weg über technisch-naturwissenschaftliche Studien zur Literatur kam. Nach dem Abschluss eines Maschinenbaustudiums (1901) studierte er in Berlin Philosophie, Psychologie und Mathematik und arbeitete parallel dazu an seinem ersten, 1906 erschienenen Roman Die Verwirrungen des Zöglings Törleß. Nach der Teilnahme als Offizier im Ersten Weltkrieg und kurzer Tätigkeit für das Auswärtige Amt entschloss sich Musil 1921 zur Existenz als freier Schriftsteller und Kritiker in Wien. Ab 1925 widmete er sich vor allem der Arbeit an seinem Opus magnum Der Mann ohne Eigenschaften, dessen erster Band 1930 erschien. 1938 emigrierte Musil - seine Bücher gehörten in Österreich und Deutschland zu den verbotenen - mit seiner jüdischen Frau Martha in die Schweiz. Verarmt und bis zuletzt an der Fortsetzung seines Romans arbeitend, erlag Musil im April 1942 den Folgen eines Gehirnschlags. Biografie: W. Berghahn, Robert Musil (rm 50081);K. Corino, Robert Musil, 1992 


Ein Werk, das einer Beschreibung durch mich nicht bedarf.
Ich kann nur hinzufügen, wie ich es verstanden habe, wie es bei mir *ankam*. - Von Musil habe ich noch kein Buch gelesen, allerdings schon viel von ihm *gehört*, Aussagen von ihm gelesen usw. Er hat seine Philosophie in seinen ersten Roman, der autobiografisch ist, eingeflochten. Zunächst von der Sprache her gewöhnungsbedürftig. Auch  die Art, wie er seine Gefühle und Gedanken formuliert, sind ungewöhnlich. Die unzähligen Gedankengänge die die Geschehnisse in diesem Konvikt begleiten, wirken auf mich zunächst sehr überraschend. Sie bergen philosophische Hinterfragungen bis ins Kleinste.
Dieses Buch birgt soviel komplizierten Inhalt, dass es fast logisch ist, es im Unterricht oder Studium zu verwenden.
Und so ist es natürlich keineswegs Unterhaltungsliteratur, wobei es schon *unterhält*, aber höchstens sekundär.
Um alles zu verstehen, was Musil da detailliert beschreibt, bedarf es des mehrmaligen Lesens. Und: einige Verhaltensstrategien (Sadismus usw.), die es heute so gibt wie damals, erscheinen in einem anderen Licht, nach der Lektüre dieses Werks von Musil.

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