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Nirgendwo
sonst
Meine Zusammenfassung
Ein Mann kommt nach Burma, er ist auf der Suche; zunächst nach einem
bestimmten Ort, den er aufsuchen soll, um was zu überbringen. Aber
das ist zunächst dem Leser nicht bekannt. Vordergründig sucht er
die Frau, die ihn soeben, in Burma, verlassen hat, ganz plötzlich,
als irgendetwas, was der Leser wiederum noch nicht weiß, erfahren
hat. -
Je tiefer er aber in die mehr oder weniger erscheinende
Wildnis dieses abgeschotteten Militärstaates eindringt, desto mehr
verliert er nicht nur ihre Spur, sondern auch sich selbst. Es wird
zu einer verschlungenen Irrfahrt in sein eigenes Ich --- und seine
Vergangenheit. Kann man sich schon nicht auf sich selbst verlassen,
dann in diesem Land, das so vieles verbirgt, noch weniger.
Es wird eine Reise in das Innerste der Finsternis,
eine spannende Geschichte in die abgründige Gegenwart einer bedrohlichen
Diktatur, aber - und das nicht zuletzt - auch zu seiner eigenen
verlorenen Identität. Und jetzt beginnt eben seine Reise auf einer
Route, die ja genehmigt sein muss von der Militärregierung. Er hatte
einen Teil davon kurz zuvor mit dieser Frau, die er grade sucht,
begonnen gehabt. Und sucht jetzt die Stätten ab, wo er vermutet,
dass sie dort sein könnte.
Er trifft dann einige Einwohner Burmas, aber auch einen Engländer,
einen Amerikaner, eine Deutsche, mit denen er meist kurze Begegnungen
und Unterhaltungen hat. Die Schilderungen seiner Reise ins Innere
des Landes sind jetzt ausführlich beschrieben, aber oft aus seiner
zeitweise ziemlich vernebelten Sicht; er muss irgendeine Tropenkrankheit
haben, die er zwar getestet, aber das Ergebnis nicht angesehen hat.
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So ist er mehr oder weniger wach unterwegs, bricht auch mal zusammen,
rappelt sich wieder auf, trifft dann auf eine Deutsche, die sich
um ihn kümmert und die ihn dann zu einer burmesischen Glaubensgemeinschaft
bringt, die ihn versorgt, bis er wieder einigermaßen laufen kann.
Und immer wieder die Angst. Entweder die Angst der
Burmesen, sie könnten verraten und verhaftet werden, aber auch die
Angst der Machthaber selbst, die einfach alles kontrollieren, und
selbst einige reichere Buddhistenklöster sind verbündet mit der
Militärregierung... und so sind buddhistische Mönche selbst immer
auf der Hut, bzw. leben in Angst, einer ihrer Brüder selbst könnte
ein Verräter und Denunziant sein.
Interessant wird es dann gegen Ende, als der Leser
mehr und mehr weiß, warum der Protagonist eigentlich nach Burma
gekommen war, welchen Zweck die Fotos haben, die er bei sich hat,
und dann eben ein Teil seiner Vergangenheit bekannt wird; und jetzt
wird auch klar, an wen sein so häufiger Monolog gerichtet ist: nämlich
an seine Freundin, die in Berlin im Koma liegt, nach einem Fenstersturz
während eines Hausbrandes, und die irreparable cerebrale Schäden
hat, so dass nicht damit zu rechnen ist, dass sie jemals wieder
ein normaler Mensch wird.
Und diese Frau, seine Freundin, eine Regisseurin, unter der er auch
als Schauspieler in Berlin gearbeitet hatte, hatte vorher eine Reise
nach Burma unternommen, alleine. Und dort eben in einem abgelegenen
Dorf Leute kennen gelernt, Fotos dort gemacht, wo auch sie selbst
zu sehen ist. Und sie selbst wollte diese Fotos den Leuten eigentlich
unbedingt bringen, also noch mal dorthin reisen, mit ihrem Freund,
dem Protagonisten.
Und das war nunmehr nicht mehr möglich; aber bei dem Brand, wo ziemlich
alles zerstört worden war, blieben diese ganzen Fotos unbeschädigt,
und er hatte sie dabei. Er hatte ihr, auch wenn sie es nicht verstand,
(im Koma) versprochen, diese Bilder an diese Leute zu überbringen.
- Das war also sein Auftrag. -
Sie ist eine Berlinerin, die vor der Wiedervereinigung aus dem Osten
in den Westen geflüchtet war, in einem Kofferraum, und das hatte
sie ihm erzählt. Da das eine interessante Geschichte ist, hatte
er diese Geschichte als seine eigene ausgegeben, als er bei der
Einreise ausgefragt worden war, von wem war schlecht zu erkennen,
ob es Militärs oder sonst wer waren.
Und um jetzt wieder den Zusammenhang zu der Frau herzustellen,
die er am Anfang des Romans sucht:
Auch ihr hatte er diese Geschichte als seine erzählt. Und als sie
dann zufällig seinen Pass sieht, wo als Herkunftsort Köln steht,
und als Beruf Schauspieler, fühlt sie sich verraten und hintergangen,
belogen, betrogen, ist tief beleidigt und böse und verlässt ihn,
grade bevor sie in einen Bus steigen wollten, sie steigt ein, verhindert
dann, dass er auch zusteigt, und sie ist verschwunden.
Aber das alles tritt mehr und mehr in den Hintergrund,
später erkennt er dann, dass er in der Frau, die er grade suchte,
einer Dänin, seine im Koma liegende Freundin in Berlin gesehen hat,
weil sie ihr ziemlich ähnlich sieht.
Auf Umwegen findet er dann schließlich den Mann, den ihm seine Freundin
in Berlin genannt hatte, den sie aufsuchen wollten und der sie dann
zu diesem Dorf bringen würde, wo die Fotos gemacht worden waren.
Diesen Mann hatte er schließlich gefunden, er war sehr krank und
dort vor der Hütte des Mannes zusammengebrochen. Aber dieser Mann
und seine Tochter behielten ihn in ihrer Hütte, bis er einigermaßen
gesund war. Da aber dort keine Leute Ausländer beherbergen dürfen
usw., war das gefährlich, und deshalb hatte die Tochter eben im
Dorf über Nacht gewacht, der Mann, ihr Vater, in der Hütte.
Ein Weg zum gesuchten Dorf war aber in nächster Zeit nicht möglich,
der einzige, verschlungene und verborgene Weg war verschlammt und
nicht begehbar, aufgrund vorhergegangener Regenmassen. - Und sein
Visum lief in paar Tagen ab, also er konnte die Fotos nicht selbst
übergeben. -
Aber: der Mann brachte ihn zur Dorfschule, wo er ihn teilnehmen
ließ, als er an die Schulkinder und den Lehrer, einen 92-jährigen,
Schulmaterialien übergab. Die Kinder freuten sich über Schulhefte,
Stifte und alles unwahrscheinlich, so als ob sie Spielsachen bekommen
hätten, oder als ob Weihnachten wäre. Er erfuhr dann auch, dass
diese Dorfkinder nur diese spärliche Schulbildung genießen konnten,
vom Militärregime wurde verhindert, dass die Bewohner eine höhere
Bildung genießen konnten.
Dann erklärte ihm der alte Burmese, wie das läuft,
mit diesen Schulsachen.
Also: da immer wieder Rucksacktouristen (Backpacker) in ihre Dörfer
kommen (andere, größere Reisegruppen nicht, weil die grundsätzlich
von Militärs geleitet werden), bekommen sie auch diese Schule gezeigt,
und sie spenden Geld. Als Gegenleistung oder Dank bekommen sie dann
von dem alten Mann einen alten burmesischen Geldschein, wo sein
Name drauf steht, das Datum, und ein Kind, das beschenkt wurde.
Diesen Geldschein nehmen die Backpacker mit nachhause, und auch
Briefe, mit Adressen von den vorherigen Backpackern, die sie dann
außerhalb von Burma abschicken sollen. Und so entsteht ein Kreislauf.
Diese Leute geben ihm dann wieder Geld, von diesem Geld kauft er
in Burma wieder Schulsachen, diese übergibt er dann den nächsten,
und so wieder im Kreislauf.
Und so kommen - ohne dass die Militärs das kontrollieren können
- Nachrichten aus Burma in die Welt und die Spender erfahren, was
mit ihrem gespendeten Geld geschehen war. In diesen kleinen abgelegenen
Dörfern gibt es widerständische Gruppen, die aber sehr, sehr vorsichtig
sein müssen.
Auch war zu erfahren, dass die Militärs in diesen
Dörfern auftauchen, grundsätzlich jedes Haus und jede Hütte betreten,
wenn sie verschlossen sind, brechen sie sie auf (deshalb lassen
die Leute dort ihre Hütten und Häuser nicht verschlossen, weil es
unsinnig ist) alles wird durchwühlt - und: Kinder nehmen sie einfach
mit.. Mädchen als Sexualobjekte oder Sklavinnen für Militärs, Jungens
für Kindersoldaten. Die Eltern sehen ihre Kinder nie mehr.
Er übergibt nun diesem alten Burmesen diese ganzen
Fotos, der will sie dann den Leuten in diesem Dorf übergeben, sobald
dieses Dorf wieder zugänglich ist.
Er darf jetzt endlich seine Freundin in Berlin loslassen,
muss nicht, aber darf. Und hat auf diesem verschlungenen Weg auch
wieder einen begehbaren zu seinem inneren Ich gefunden.
Zum Schluss, auf dem Flughafen, trifft er dann die
Deutsche wieder, die die von ihm gesuchte Frau getroffen hatte (er
hatte ihr von ihr erzählt gehabt) - die hatte ihr einen Zettel mit
ihrer E-Mail-Adresse übergeben, sie soll sie ihm geben.
Schluss: "...Sie legt ihm den Zettel in die hohle Hand. Er will
sich ihr zuwenden, will sie umarmen, sie an sich drücken. Bleibt
stattdessen still sitzen, die Augen wieder auf dem Monitor, blicklos.
Spürt den Zettel auf seinem Handteller, den leichten
Einschnitt der Papierkante auf seiner Haut. Er atmet ein. Schließt
dann die Finger zu einer Faust, zieht sie dicht an sich heran, an
seinen Brustkorb. Und sieht auf das verschwimmende Bild."
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Christiane Neudecker, geboren in Erlangen, studierte
1996 bis 2001 Regie an der Hochschule für Schauspielkunst Ernst
Busch und inszenierte unter anderem im bat studiotheater Berlin
und im Kleisttheater Frankfurt (Oder).
Seit 2001 ist sie Regisseurin beim Berliner Künstlernetzwerk phase7
performing.arts, das multimediale Events für Wissenschaft und Kultur
kreiert. Sie konzipierte die mediale Performance "delusions", die
2004 im Forum Neues Musiktheater der Staatsoper Stuttgart uraufgeführt
wurde und schrieb das Libretto für die "Cross-Media-Oper" "C - The
Speed of Light", die 2005 im Rahmen des Wissenschaftssommers in
Berlin das Werk von Albert Einstein künstlerisch thematisierte.
Christiane Neudecker erhielt den 16. Literaturpreis
der Nürnberger Kulturläden, den Alfred Gesswein-Literaturpreis für
Reiseliteratur (2003) und ein Stipendium der Österreichischen Nationalbank
im Rahmen des 7. Klagenfurter Literaturkurses (2003). 2006 wurde
ihr vom Bezirk Mittelfranken der Förderpreis des Wolfram-von-Eschenbach-Kulturpreises
zugesprochen.
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