Orhan Pamuk

 

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Alles was am Anfang geschieht, bekommt erst sehr viel später eine Bedeutung. Es beginnt damit, dass der Protagonist ein *Buch* liest. Wie sich im Nachhinein herausstellt, wurde er manipuliert, dieses bestimmte Buch zu kaufen. Er liest es, immer wieder, und schreibt es sogar Seite für Seite ab.
Er begibt sich auf die Reise, fährt mit Omnibussen kreuz und quer, kaum ist er wo angekommen, besteigt er den nächsten Bus. - Er erlebt Busunglücke, mit Toten, seltsamen Vorkommnissen usw, bis er schließlich auf einer *Vertreterversammlung* landet und von dort aus einen geheimnisvollen Dr. Narin kennen lernt. Dieser möchte ihn als Sohnersatz für seinen vermutlich verstorbenen eigenen Sohn, Mehmet ansehen. Er zeigt ihm das Archiv, wo er alles aufbewahrt hat, das mit Recherchen über seinen Sohn zu tun hat. U.a. ließ er ihn auch monatelang beobachten von Leuten, die er nach Uhrmarken benannt hatte, z.B. Omega usw. -
Mehmet hatte auch genau dieses Buch gelesen und hatte sich danach sehr verändert. - Über den Inhalt des Buches ist nichts zu erfahren, nur immer, dass eben grade dieser gefährlich ist und die jungen Leute vom *rechten Weg* abbringt. -
Einer dieser Beobachter ging auch der Herkunft des Buches nach, es werden alle möglichen Theorien aufgestellt, wie dieses Buch in den Handel gekommen sein könnte. Es soll ja nur ca. 100 Stück davon geben. Es wird auch der Autor gefunden, er hat das Buch geschrieben, ist aber damit einverstanden, dass es verboten wird. Dieser Autor wird später ermordet.

Und die Geschichte endet mit diesem Déjà-vu.

Ausschnitte:
"……und seine unerhebliche "Entdeckung" aus der Innentasche seiner Jacke holte: Es war eine Taschenuhr, doch sie erkannte den Moment, in dem man glücklich war, blieb dann von selbst stehen und dehnte so den Glücksmoment unendlich lange aus. War man unglücklich, dann rannten Stunden- und Minutenzeiger der Uhr auf und davon, und man sagte sich, meine Güte wie schnell die Zeit vergeht, und im Handumdrehen waren auch die Sorgen vorbei. Später, in der Nacht, wenn man mit der Uhr daneben in friedlichem Schlaf lag, glich sie das Zuviel und Zuwenig an Zeit von selbst wieder aus, dieses kleine, geduldig tickend Ding, das der Alte mir in seiner offenen Hand entgegenhielt, und morgens konnte man mit allen anderen aufstehen, als sei nichts geschehen…."

 

 

 

 

 


Orhan Pamuk, 1952 in Istanbul geboren, studierte Architektur und Journalismus und lebte mehrere Jahre in New York. Für seine Romane erhielt er 1990 den Independent Foreign Fiction Award, 1991 den Prix de la découverte europoéene und 2005 den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels, und 2006 den Nobelpreis für Literatur. Pamuk lebt in Istanbul.
  


"Osman, der Ingenieurstudent aus Istanbul, verfällt nicht nur dem rätselhaften Buch, sondern auch der wunderschönen Kommilitonin Canan.

Von der ersten Seite an hat er das Gefühl,, dass dieses Buch seine Lebensgeschichte erzählt. Oman beschließt, jene fremde Welt zu erkunden und schlägt alle Warnungen in den Wind. Als Canan spurlos verschwindet, macht sich Osman auf die Such nach der Geliebten. Er beginnt ziellos mit Reisebussen die Türkei zu durchfahren. Am Ende schließt sich der Kreis von Osmans Reise - er durchlebt einen Verkehrsunfall in einem Déjà-vu ein zweites Mal….."

Pamuks Schilderungen in diesem Buch entspringen seinen vermutlich explodierenden Ideen und Gedanken wie Feuerwerke, Kaskaden von Wörtern und Beschreibungen ergießen sich über unglaublichen Situationen und Begebenheiten. Es sind viele philosophische Überlegungen eingebunden und sie geben immer wieder Anlass, über vieles nachzudenken. Es geht immer um das Leben an sich, den Sinn des Lebens, und um die Suche danach, nach *dem neuen Leben* eben. Und gegen Ende des Buchs muss man noch mal an den Anfang gehen, was ja nichts ungewöhnliches ist. Es ist ein nicht so einfach zu lesender Roman, wobei ein sehr zurückhaltender Spannungsbogen entsteht, der sich im letzten Drittel verstärkt und auch eine Lösung anbietet. Und immer wieder kommt die spezielle Fähigkeit Pamuks zum Tragen, Situationen als Satire darzustellen, ja überall ist Komik und auch Ironie versteckt, mal ganz offenbar, mal latent.


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