Jain Pears

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Avignon, Carpentras, Vaison - die geschichtsträchtige Landschaft der Provence bildet den idealen und zudem äußerst reizvollen Hintergrund eines Romans, der eindringlich und dramatisch die Auseinandersetzung westlicher Zivilisation mit der Barbarei darstellt.

Der Aristokrat Manlius Hippomanes lässt sich taufen, um als Bischof über die nötige Macht zu verfügen, gegen den Untergang des Römischen Reiches anzukämpfen. Der Dichter Olivier de Noyens am Papsthof während des Exils von Avignon gerät in den entmenschlichenden Strudel der Pest, die halb Europa entvölkert. Und der Wissenschaftlicher Julien Barneuve glaubt Schlimmeres verhüten zu können, wenn er sich in den Dienst der von den Nazis gegängelten Vichy-Regierung stellt.

Die Lebensgeschichten dreier Männer, eng verknüpft durch die Auseinandersetzung mit dem philosophischen  Traktat Scipios Traum : Der eine verfasst ihn, der andere schreibt ihn Jahrhunderte später für einen Herrn ab, um ihn zu ergründen, und der Dritte entdeckt ihn nach einer Ewigkeit wieder.

Drei Männer, jeder schicksalhaft verbunden mit einer außergewöhnlichen Frau: Sophia, die kluge Tochter eines griechischen Philosophielehrers, Rebecca, Kind verfolgter Eltern und Magd des berühmten Rabbi Gersonides, sowie Julia Bronsen, Malerin und Jüdin, Freiwild im besetzten Frankreich.

Wie selbstverständlich wechselt der große Romancier Jain Pears die Zeitebenen, und während seine Leser die alle Elemente der Geschichte durchdringenden Gedanken zu Freundschaft und Verrat, macht und Liebe, Wahrheit und Vergeblichkeit nachvollziehen, folgen sie ihm fasziniert und mühelos durch die Jahrhunderte.

>Die Verteidigung der zivilisierten Welt gegen die Barbarei -  welches Thema könnte zeitgemäßer sein? Iain Pears, einer  der großen Romanciers Englands, läßt vor dem Hintergrund  der ebenso geschichtsträchtigen wie malerischen Provence  drei exemplarische Lebensläufe entstehen: drei Männer, jeder  schicksalhaft verbunden mit einer außergewöhnlichen Frau,  drei anfechtbare Helden in dramatischen Krisenzeiten der europäischen Geschichte, drei Meister des Worts, verknüpft durch die Auseinandersetzung mit dem Traktat Scipios Traum.

Iain Pears lockt in »Scipios Traum« den Leser auf verschlungene Pfade, erzählt eine Geschichte von unglaublicher Komplexität. Wie Shakespeare lässt er Ungeheures auf Intimes, Weisheit auf Wahnsinn folgen, und so eilt man gespannt und neugierig durch einen erzählerischen Kosmos ohnegleichen.<

 

 


 


Jain Pears wurde 1955 geboren und studierte in Oxford Philosophie.
Als Kunsthistoriker, Journalist und Berater internationaler Fernsehgesellschaften genießt er hohes Ansehen. Neben seinen Fachveröffentlichungen schrieb er sieben Kriminalromane aus der Welt der Kunst. Weltweit Aufsehen erregte sein großer Roman *Das Urteil am Kreuzweg*, den die Kritik als >vielleicht besten historischen Spannungsroman überhaupt< (Boston Globe) feierte. Jain Pears lebt in Oxford.
  



Dieses Buch ist was ganz Besonderes. In den 600 Seiten wird man pausenlos durch die Jahrhunderte katapultiert, ohne Übergang. Aber der Autor muss gewusst haben, dass sich der Leser schnell daran gewöhnt und hat auf alle Hinweise der Zeiten verzichtet. Hochinteressant wird man von den griechischen Altphilosophen über  das 13. Jahrhundert bis ins 20. Jahrhundert geführt. Ohne grosse Erklärungen begreift man, wie Geschichten, Sagen, Heilige usw. entstehen; mit der Hand geschriebene Bücher werden einzeln abgeschrieben, dabei gibt es schon Verschiebungen und nicht gewollte Verfälschungen; die Überreste dieser werden wieder zusammengesetzt und neu interpretiert, usw. - Abertausende Schriften werden einfach verbrannt, einige  aus dem Gedächtnis heraus dann wieder niedergeschrieben.

Jain Pears versteht es meisterhaft, über die Zeiten hinweg den Spannungsbogen aufrecht zu erhalten, ja sogar immer wieder noch zu erhöhen, und kann auch einen *ungeübteren* Leser vermutlich durchaus zum Lesen verführen.

Ich wünsche beim Lesen (das ich sehr empfehle) viel Spaß und Erweiterung der philosophischen Erkenntnisse.