Richard Powers

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Klappentext:

"Eine halbe Million Kraniche auf einem tausend Meilen langen Zug entlang einer Route, die sie von ihren Eltern erlernt hatten. Pünktlich wie ein Uhrwerk kamen sie jedes Frühjahr zu diesem winzigen Flecken des Flusses. Der Anblick war unglaublich und die Vorstellung davon verwegen. Das schien mir wie der Beginn zu einer Geschichte". ‚Richard Powers'
"Kearney ist die geographische Mitte der USA - und die Mitte von Nirgendwo. In einer Winternacht überschlägt sich Mark mit dem Auto. Als er wieder ins Leben zurückfindet, hält er seine Schwester Karin für eine feindliche Doppelgängerin. Sie hingegen versucht alles, um ihm ein normales Leben zu ermöglichen. Auf einer bewegenden Reise in das Innerste einer Familie macht Richard Powers uns mit dem größten Geschichtenerzähler bekannt: unserer Erinnerung. Sie schafft das Echo unseres Lebens, das uns trägt, umfängt und manchmal grausam täuscht. "Magic Powers" - The Guardian -."

 

 

 

Richard Powers wurde 1957 geboren und lebt in Urbana, Illinois. Seine Bücher wurden mehrfach preisgekrönt. Sein letzter Roman "Der Klang der Zeit" war wochenlang auf der Spiegel-Bestsellerliste. Der Übersetzer Manfred Allié und Gabriele Kempf-Allié leben in Köln und in der Eifel. Gemeinsam übertrugen sie neben Richard Powers, Yann Martel, Joseph O-Connor, Scott Bradfield und Patrick Leigh Fermor.

Einige Auszüge:

"Der mentale Raum übersteigt unsere Vorstellungskraft. Jede der 100 Milliarden Zellen eines einzelnen Gehirns baut Tausende von Verbindungen auf. Die Intensität und das Wesen dieser Verbindungen verändert sich mit jedem äußeren Reiz, mit jeder Erfahrung. Jedes Gehirn ist einmalig und kann mehr individuelle Gestalten annehmen, als es Elementarteilchen im Universum gibt…..Wenn man eine zufällige Gruppe von Neurowissenschaftlern befragte, was wir über die Herausbildung des Ichs im Gehirn wissen, müssten die Besten unter ihnen antworten: ‚So gut wie nichts' ........"

"……………..Der farbenblinde Synästhetiker Edward aber war ein besonderer Fall. Wenn er die Zahl Eins erblickte, hörte oder nur an sie dachte, sah er Weiß. Die Zweien schwammen in einem Meer von Blau. Jede Zahl w a r eine Farbe, so wie Honig süß war oder eine kleine Sekunde ein unmelodisches Intervall in der Musik. Das Problem waren die Fünfen und Neunen. Edward nannte sie "außerirdische Farben", Farben, die er nie zuvor gesehen hatte. …………………"

"……………..Heiliger Himmel, Mann. Ist das nicht unglaublich? Wir leben im Zeitalter der Massenhypnose. Solange wir brav applaudieren und immer schön glauben, was man uns erzählt, werden die Industriekapitäne für uns sorgen. ……………"

"………………….als wäre ich eins von seinen Tieren, er ist nämlich ein großer Beobachter, müssen Sie wissen. Er findet wilde Tiere, die normal Sterbliche nie sehen würden. Sachen, von denen Sie und ich nicht einmal wissen, dass sie existieren….. ………………………"

" …………vermutlich konnte die klassische Analyse hier mehr ausrichten als die funktionelle Magnetresonanztomographie. Hier ging es mit Sicherheit um mehr als eine Störung bei der Objekterkennung infolge einer beschädigten Verbindung zwischen vertralem und donalem Pfad. Aber was bedeutete das psychologisch? Nichts weiter als ein Vorgang, der sich noch nicht mit den Mitteln der Neurobiologie erklären ließ. ………………………"

"……..Er hatte immer an Blakes ‚Giftbaum' geglaubt: ‚Begrabe einen Traum, wenn du ihn nähren willst. Bring ihn um, indem du ihn ans Licht holst'…………………."

 

Zunächst habe ich es angelesen, und dann weggelegt. Es schien mir irgendwie langweilig, also nicht interessant für mich. Als ich es dann aber mal weiter las, nachdem ich ein anderes Buch zwischendurch gelesen hatte, fand ich bald den Einstieg, und es interessierte mich zunehmend mehr, ja es wurde sogar immer spannender.

Es laufen in der Hauptsache zwei Geschichten (neben vielen Nebengeschichten), und zwar die des Verletzten Mark, und die des Hirnforschers Walter, nebeneinander.
Bei Mark bessert sich die Situation insoweit, dass er wieder sprechen kann, und auch nach einigen Monaten nachhause entlassen werden kann; zwar noch lange nicht geheilt, aber er kann in seinem Haus Leben, wenn auch nur, weil er betreut wird von seiner Schwester und seinen Freunden.

Und das Problem ist bei Mark, dass er in seiner Schwester (Karin) eine Agentin sieht, also eine Doppelgängerin, die seine Schwester spielen soll. Und nach und nach sieht er in fast allem was ihn umgibt, eigens für ihn konstruierte Gestalten, was so weit geht, dass er selbst sein Haus, die Straße und alles was ihn umgibt, als eigens für ihn konstruiert ansieht. Und sich dadurch verfolgt fühlt. Er traut fast niemand mehr und verstrickt sich immer mehr in seine Wahnideen.

Karin hatte an den Hirnforscher Walter eine E-Mail geschrieben und ihm den Fall kurz geschildert, schon, als Mark noch im Krankenhaus war. Walter war aus New York angereist und hatte sich den Fall angesehen, d.h. mit Mark und der Schwester (Karin) Ärzten usw. gesprochen. Seine Empfehlung, als er wieder abreiste, war lediglich "kognitive Verhaltenstherapie (KVT).

Diese KVT begann Mark auch, nachdem er nachhause entlassen worden war. Aber seine Wahnideen verstärkten sich noch, und diese KVT zeigte überhaupt keinen Erfolg, bzw. wurde, auch von Marks Schwester, als unwirksam angesehen. Und das teilte Karin wieder per E-Mail dem Forscher Walter mit. Der zunächst die Mail nicht beachtete, aber nach einigen Monaten, wo er zwischenzeitlich auf einer Reise nach Australien an sich selbst seltsame Reaktionen seines eigenen Gehirns festgestellt hatte, beschloss Walter, nochmal nach Nebraska zu reisen, und Mark und Karin aufzusuchen.

Weber hatte zwischenzeitlich von einem Medikament gelesen, das versprach, auch im Falle von Mark evtl. erfolgreich zu wirken. Er ließ Mark dieses Medikament nach Rücksprache mit dem behandelndem Klinikarzt verordnen , und Mark begann es einzunehmen.

Aber es hat unvorhersehbare Folgen, die darin gipfeln, dass Mark plötzlich meint er wäre tot, und er würde es nur nicht wissen. Er beschließt, das nun richtig zu machen und nimmt eine Überdosis, wird in die Klinik eingeliefert und überlebt.

Aber Weber und Karin trafen sich inzwischen und verbringen draußen im kahlen, eiskalten Feld, die Ankunft der Kraniche…..

Makaber, aber auch interessant ist, dass alle Beteiligten eine Veränderung ihres Ichs erfahren. Selbst der Forscher und berühmte Autor über Hirnforschung erlebt eine sehr seltsame Veränderung seines Wesens. Und Karin, aber auch ihr Freund, Daniel, erfahren große Änderungen…

Z.B. lernt Weber auch die angebliche Pflegehelferin Barbara kennen, die einen überraschend hohen Bildungsstand betreffend neurologischer Probleme erkennen lässt. - Und: er fühlt sich zu dieser Barbara derart hingezogen, ja er fühlt in ihr das Innerste von ihm selbst…….

Das Geheimnis um Barbara wird erst gegen Ende des Buchs gelüftet. Denn Daniel, der Mitarbeiter der Kranich-Umwelt-Schutzorganisation, erkannte in ihr jemand, der sich wegen dieser Umweltsituation mal mit ihm in Verbindung gesetzt hatte. Also sie bleibt undurchsichtig…

Und erst später, als sie sich outet, erfährt man, dass sie ursprünglich eine Journalistin ist, die sich mit dem Problem der Umwelt, in diesem Fall mit der Situation der Kraniche in diesem Naturschutzgebiet befasst hatte, und erkannt hatte, dass sie keinerlei Änderung bewirken kann, mit nichts.....

Und in diesem Zustand der Verzweiflung hatte sie ihren Wagen abgestellt, und sich dem entgegenkommenden Wagen, dem Wagen von Mark, in den Weg mitten auf die Straße gestellt....und sie erschien Mark als weiße Säule....

Da war ein Zettel, der von Karin in der Nacht nach dem Unfall auf dem Nachttisch in der Intensivstation bei Mark gefunden wurde: In krakeliger Schrift stand da:

"Ich bin Niemand aber
Heute Nacht auf der North Line Road
Führte GOTT mich zu dir
Damit Du Leben kannst
Und jemand anderen zurückholen."

Diesen Zettel hatte sich Mark laminieren lassen, dass er erhalten bleibt. Er betrachtete diesen Satz als Hinweis von jemand, den er nicht kennt, der aber wissen muss, was mit ihm in dieser Nacht geschehen war.

Der Zettel war so entstanden: Barbara hatte nach dem Verständigen des Rettungswagens Mark im KH aufgesucht; sie hatte sich als Schwester des Schwerverletzten ausgegeben. Sie kam an sein Bett, er war noch bei Bewusstsein und er erkannte sie als diese weiße Säule, der er auf der Straße ausgewichen war.
Er ist noch nicht im Koma, das wird später kommen, wenn sein übererregtes Hirn sich selbst vergiftet. Er sieht sie als Geist, als übernatürliches Wesen, auferstanden von den Toten…… Er möchte was sagen, kann aber nicht, und sie gibt ihm einen Zettel, und er selbst schreibt also diese Sätze auf diesen Zettel….. mit seiner zerschundenen Hand, die nicht die seine ist. Während sie liest, trifft ein greller Blitz seine rechte Gehirnhälfte, mit einem erstickten Schrei fällt er zurück auf sein Bett und bleibt reglos liegen………………..

Dieses Geschehnis wird ganz am Ende des Buchs geschildert, löst also das meiste auf. Barbara sucht nach ihrer Begegnung mit Weber und ihrem Geständnis ihm gegenüber Mark im Krankenhaus auf, gibt sich zu erkennen. Mark ist mittlerweile aus dem Koma wieder erwacht, in das er gefallen war, nach der Überdosis des Medikaments…..
Und als später Karin ihn besucht, erkennt er in ihr auch seine Schwester, also seine Wahnvorstellungen scheinen vorbei zu sein.

Diese Geschehnisse haben aus allen Beteiligten andere Menschen gemacht. Ein sehr großer Wandel war mit Weber, dem Wissenschaftler geschehen. Einiges ist aus den Auszügen oben zu sehen, Alles ist nicht möglich, in ein paar Zeilen zu erklären. . ..